Neue Rezensionen


Invictus - Unbezwungen
"Invictus" ist ein poetischer Film über die Bedeutung der Aussöhnung. Und darüber, was uns in unseren trübsten Stunden stark macht. Vorbild in beidem ist für die ganze Welt Nelson Mandela geworden. Nach fast dreißigjähriger Haft wird im Februar 1990 Mandela in die Freiheit entlassen. Zu dieser Zeit ist François Pienaar Kapitän des südafrikanischen Rugbyteams, in dem nur ein einziger Schwarzer mitspielt. Bald wird Mandela Präsident und will einen Versöhnungsprozess im durch Apartheid gespaltenen Land in Gang setzen, der - verständlicherweise - vielen Schwarzen äußerst schwer fällt. Rugby wird für den Präsidenten und das Land zu einem wichtigen Symbol. Denn der Sport kann Menschen einen.
Von Hilde Ottschofski.


Sonderteil Max Ophüls Preis 2012


Michael (2011)Michael (2011)
Der österreichische Film "Michael" von Debütregisseur Markus Schleinzer polarisiert wie kaum ein anderer in letzter Zeit, weil er eine verbrecherische Figur erschreckend banal und bieder, als einen Normalbürger zeichnet. Michael (Michael Fuith) hat einen zehnjährigen Jungen entführt, hält ihn im Keller versteckt und missbraucht ihn regelmäßig. "Michael" wurde im Mai 2011 im Wettbewerb des renommierten Filmfestivals von Cannes gezeigt, erhielt damals aber keine Auszeichnung. Neben Applaus gab es dort auch Buhrufe. Man hat Schleinzer vorgeworfen, die Kriminalfälle Kampusch und Fritzl spektakulär auszunutzen. Doch diese Kritik wird dem Anliegen des Regisseurs nicht gerecht.
Von Michael Dlugosch.
Max Ophüls Preis 2012: Hauptpreisträger
Foto: Fugu Films


Festivalplakat Max Ophüls Preis 2012Max Ophüls Preis 2012
Sieben Tage lang, von Montag, dem 16. Januar bis Sonntag, dem 22. Januar 2012 war die saarländische Landeshauptstadt wieder Nabel des deutschsprachigen Nachwuchsfilms. Beim 33. Filmfestival Max Ophüls Preis 2012 in Saarbrücken konkurrierten 16 Spielfilme junger Regisseure um den Hauptpreis. In weiteren Reihen bewarben sich mittellange Filme, Kurzfilme und Dokumentarfilme um Auszeichnungen. Insgesamt wurden etwa 160 Produktionen einem interessierten und neugierigen Publikum vorgestellt. Dabei fiel ein neuer Rekord: Rund 42.000 Zuschauer besuchten die Vorführungen, ein Jahr zuvor waren es 39.700. Den wichtigen, mit 18.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis erhielt Markus Schleinzers Spielfilm "Michael" - was niemanden groß überraschte. Etwas überraschend dagegen die Entscheidung der Jury, Michael Fuith, der in "Michael" die Titelfigur spielt, als Besten männlichen Nachwuchsdarsteller auszuzeichnen. Mit seinen 34 Jahren gehört Michael Fuith wohl nicht mehr zum schauspielerischen Nachwuchs. Das soll nicht heißen, dass die Jury falsch entschieden hätte. Der Hauptdarsteller des österreichischen Films leistet in der Rolle eines Pädophilen Außerordentliches.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Max Ophüls Preis



Aktuelle Filme


Zwei an einem TagZwei an einem Tag
Die Beziehung von Emma (Anne Hathaway) und Dexter (Jim Sturgess) wird während Jahrzehnten an dem immer gleichen Tag im Jahr, dem 15. Juli, porträtiert. Das erste Mal näher kommen sie sich 1988 in der Nacht nach ihrer Examensfeier, an dem der Draufgänger Dexter mehr durch Zufall als Planung bei dem Mauerblümchen Emma zu Hause landet. Und doch wird schon in dieser ersten Szene auf subtile Weise deutlich, dass Dexter mehr ist, als ein unempfindlicher Lebemann und sich in Emma mehr verbirgt, als eine schüchterne Langweilerin.
Der Film handelt von einer Liebe, die immer auf später verschoben oder aus Angst nicht begangen wurde.
Von Angelika Imhof.
Foto: Tobis


The Artist The Artist
Der Stummfilm ist ein Exot, ein Relikt gleichsam aus alten Zeiten. Und wie soll es auch anders sein, als dass ein wundersamer wie brillanter, Nostalgie evozierender Stummfilm aus dem Filmland par excellence, aus Frankreich die Filmherzen entzückt. Michel Hazanavicius lässt in seinen charmanten, manchmal fast zu gediegenen Film das Old Hollywood wieder auferstehen und neu, im alten pompösen Licht erstrahlen. Er führt uns gleich einer Passage noch einmal durch die Welt des zu Ende gehenden Stummfilms und des beginnenden Tonfilms, des "Talkies". Wir werden vor und hinter die Kulissen der mächtigen Studios und Sets geführt.
Von Sven Weidner.
Foto: Delphi Filmverleih


Tage, die bleiben Tage, die bleiben
Wie erlebt man die Zeit zwischen dem Tod und der Beerdigung eines nahestehenden Menschen? Welche Empfindungen durchleiden die Hinterbliebenen, wie bewältigen sie die Tage der Trauer? Eine Anleitung dafür wollte Regisseurin Pia Strietmann mit ihrem Film nicht liefern, stattdessen "aber einen Zugang zu dem schwierigen Thema schaffen, der dem Zuschauer seine eigenen Fragen und seine individuellen Antworten darauf ermöglicht." In realistischer Manier widmete sich die Spielfilm-Debütantin Strietmann der ernsten Problematik, die jeder kennt, über die man im Nachhinein aber nicht gerne redet. Entstanden ist ein sensibler, teilweise aber auch konventioneller Film.
Von Michael Dlugosch.
Foto: alpha medienkontor


AnonymusAnonymus
Das Raunen der Zweifler an Shakespeares Werk will nicht verstummen – zu groß seien die Unterschiede zwischen manchen Stücken, die schriftliche Überführung zu dubios. William Shakespeare war nicht der Autor seiner Werke – das Gerücht hält sich seit Jahrhunderten. Nun wagt sich Weltuntergangs-Regisseur Roland Emmerich ("Godzilla", "Independence Day", "The Day After Tomorrow") an die größte Kostbarkeit der englischen Literatur und präsentiert eine visuell betörende aber handlungstechnisch hektische Verschwörungsgeschichte, die diese These aufgreift.
Die Handlung verwickelt den Zuschauer in verschiedene Zeitebenen und ist so atemlos, dass selbst das Vergnügen der Bilder erst nach Verlassen des Filmsaals in der Erinnerung daran wirken kann.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Sony Pictures


Das System - Alles verstehen heißt alles verzeihenDas System - Alles verstehen heißt alles verzeihen
Mecklenburg-Vorpommern, Gegenwart: Ein junger Kleinkrimineller (Jacob Matschenz) gerät von der schiefen Bahn ab in scheinbar solide Verhältnisse. Nun trägt Mike Anzug und Krawatte, weil der mächtige Konrad Böhm (Bernhard Schütz) es so will. Der Geschäftsmann führt den 20-Jährigen, der die DDR nicht erlebt hat, in alte, aber immer noch funktionierende Stasi-Seilschaften ein. Mike ist fasziniert. Überdies spielt Böhm für Mike den Vater, den der nie hatte. Dass Mike seinen Vater nie kennenlernte, hat mit dem ehemaligen Ost-Agenten Böhm zu tun.
Marc Bauders Spielfilmdebüt greift ein wichtiges Thema leider nur oberflächlich auf: Was ist aus den Mitschuldigen an den DDR-Verbrechen nach der Wende geworden?
Von Michael Dlugosch.
Foto: Filmlichter / Stephanie Kulbach


Huhn mit PflaumenHuhn mit Pflaumen
Huhn mit Pflaumen, das ist das Lieblingsgericht von Nasser (Mathieu Amalric); und der Verzehr dieses Gerichts ist gleichsam einer der ganz wenigen Momente, in denen der eher introvertierte wie defätistische und zutiefst melancholische Violinist von Weltrang dem Leben auch einmal einen positiven Kommentar abgewinnen kann. Es ist auch das letzte Geschütz, das Faringuisse (Maria de Medeiros) auffährt, um ihren Ehemann von seinem Entschluss, sterben zu wollen abzubringen. Die simple Tatsache, dass seine Violine bei einem handfesten Ehestreit zerstört worden ist, veranlasst ihn sich ins Bett zu legen mit dem einzigen Wunsch zu sterben, von dem ihn schlussendlich keiner abbringen kann.
Von Sven Weidner.
Foto: Prokino


Jane Eyre (2011)Jane Eyre (2011)
Dunkel und hoffnungslos ist in diesem Film das Schicksal von Jane Eyre. Die Filmbilder sind entweder in der Dämmerung mit Caspar-David-Friedrichscher Atmosphäre oder nachts bei Kerzen- oder Kaminlicht aufgenommen. Mit wenigen Ausnahmen (kurze frühlingshafte Sequenzen, wenn es um Erfüllung und Liebe geht) ist es ansonsten dämmerig und beklemmend. Düster und bedrückend sehen die Filmautoren das Leben von Jane Eyre. Die guten Erfahrungen, liebevollen Freundschaften ihres Lebens - allesamt ausgeblendet, nur die Tragik findet in dieser Verfilmung Platz. Dennoch ist das überzeugende Liebespaar Jane und Edward sowie die elegant-sinnlichen Bilder der nebelig-morastigen Landschaft Yorkshires den Weg ins Kino wert.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Tobis


SubmarineSubmarine
Anfangs ist der Film voller Tempo, voll von metaphorischen Bildern, urkomischen Fantasien und schnellen Sprüchen. Der junge Oliver träumt von der nationalen Anerkennung seiner Person nach seinem fiktiven Tod und der darauffolgenden "Auferstehung". Wie schwer hat man es doch mit 15 Jahren! So eng beieinander liegen Glück und Depression, der Wunsch nach Anerkennung und Isolation, die Sehnsucht nach der ersten Liebe, nach seelischer Geborgenheit in der Familie und dann der Liebeskummer. Wo der Weg hinführen soll, das will auch Oliver Tate herausfinden.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Kool Filmdistribution


Cheyenne - This Must Be the PlaceCheyenne - This Must Be the Place
Das Erscheinungsbild trügt: Cheyenne ist mittlerweile in seinen Fünfzigern, schminkt und kleidet sich immer noch so auffallend wie ein junger Rockstar. Hinter der Fassade steckt aber ein loyaler Freund, ein guter Zuhörer, ein humorvoller und weiser Mensch, der - wenn auch nur kleine - Ungerechtigkeiten nicht unvergolten vorbeiziehen lässt. Nun soll er den Nazi-Peiniger seines verstorbenen Vaters auffinden - will er dabei vergelten oder vergeben?
Cheyenne begibt sich auf eine Reise voller Abenteuer und Begegnungen quer durch die USA, die mal schön, mal traurig, mal weise, mal überraschend sind.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Delphi Filmverleih


Fenster zum SommerFenster zum Sommer
Eine langgestreckte Straße durch einsame finnische Landschaft führt in den Film, untermalt mit einem traurig-süßen Kinderlied. Man ahnt an der melancholischen Stimmung bereits, dass hier keine Sommer-Komödie anläuft. Dabei sind hier offensichtlich zwei Verliebte auf einer Reise vereint und für Juliane ist diese auch eine in ihre Heimat. Als Juliane einmal aus dem Schlaf erwacht, ist sie in ihrer eigenen Vergangenheit gelandet.
Nina Hoss traumwandelt in der recht freien Verfilmung des gleichnamigen Buchs von Hannelore Valencak noch einmal durch die letzten Monate ihres zuletzt gelebten Lebens. Regie und Drehbuch stammen von Hendrik Handloegten ("Liegen lernen").
Von Jürgen Grötzinger.
Foto: Prokino


Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn (3D)Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn (3D)
Unverschämt gut aussehend präsentiert sich im Jahre 2011 die filmische Neuauflage von "Die Abenteuer von Tim und Struppi", basierend neben zwei weiteren auf dem Comic "Das Geheimnis der Einhorn", veröffentlicht in den Jahren 1942 und 1943. Es war schwierig, die herausragende Visualität der "Performance Capture"-Technik mit der Dramaturgie der Comics in Einklang zu bringen. Steven Spielbergs erster von mehreren geplanten "Tim und Struppi"-Filmen schafft es leider nicht ganz: Die Story entwickelt sich in alter "Indiana Jones"-Abenteuermanier. Der unschuldige und unverbrauchte Tim aus dem Original weicht einem abgezockten Leonardo DiCaprio-Verschnitt, der durch seine realistische Darstellung seiner Jugendlichkeit beraubt wird.
Von Daniel Forstner.
Foto: Sony Pictures


Urban ExplorerUrban Explorer
Vier Touristen von jeweils unterschiedlichen Kontinenten und ihr deutscher Tourguide Dante (Max Riemelt) treffen sich, um das "andere" Berlin zu erkunden. Unter der Stadt soll sich der so genannte "Fahrerbunker", nicht "Führerbunker", befinden, der Wandmalereien aus dem Dritten Reich beinhaltet. Die Gruseltour wird kompliziert, als Dante, dessen Pseudonym schon auf das drohende Inferno hinweist, sich durch einen Unfall schwer verletzt und medizinische Hilfe benötigt. Diese Unterstützung bekommt er scheinbar von Armin (Klaus Stiglmeier), einem ehemaligen Grenzwächter, der die Wiedervereinigung nicht wahrhaben will. In Armins Unterschlupf kommt es schließlich zur Konfrontation.
Von Daniel Forstner.
Foto: offizielle Film-Homepage / Summiteer Films


Wickie auf großer FahrtWickie auf großer Fahrt
"Jeder kann mutig sein, wenn es wirklich wichtig ist." Ausgerechnet von seiner ärgsten Gegenstreiterin lernt Wickie (Jonas Hämmerle), was es zum Anführer braucht. Nachdem sein Vater Halvar (Waldemar Kobus) vom Schrecklichen Sven (Günther Kaufmann) gefangen genommen wurde, muss der kleine Wikinger die starken Männer zu dessen Befreiung führen. Mit der unerschrockenen Svenja (Valeria Eisenhart), die Wickies Mannschaft beim letzten Raubzug gekapert hat, an Bord geht Wickie auf gefährliche Wettfahrt über die Meere, die ihn nicht nur in Svens Burg führt, sondern ins Eismeer, wo sich der sagenhafte Schatz der Götter verbirgt, den der Schreckliche Sven um keinen Preis bekommen darf.
Von Lida Bach.
Foto: Constantin Film


Le HavreLe Havre
"Wunder geschehen", sagt der Arzt der alten Frau des Schuhputzers. Früher war dieser der bekannte Autor Marcel Marx (André Wilms), nun ist er Marcel Marx, der Schuhputzer und die mädchenhafte Patientin seine geliebte Frau. Arletty (Kati Outinen) glaubt nicht mehr an Wunder: "Nicht in meinem Viertel." Eben dort vollbringt Marcel mit eigenen Händen eines, als der afrikanische Flüchtling Idrissa (Blondin Miguel) bei ihm Unterschlupf sucht. Beschirmt von der Hand des ermittelnden Inspektors Monet, Marcels Nachbarin Yvette, seinem Berufskollegen Chang Chang und der Hündin Laika scheint das Entkommen des Jungen zu seiner Mutter nach London zu gelingen. Doch damit das Surreale triumphiert, muss Marcel der Wirklichkeit seiner selbst und des Lebens ins Gesicht sehen.
Von Lida Bach.
Foto: Sputnik Oy / Pandora Film / Marja-Leena Hukkanen



Neue Rezensionen


Eine Perle EwigkeitEine Perle Ewigkeit
Eindringlich, klagend wie ein kleiner geschundener Vogel ist die leise Stimme der alten Frau, die von unfassbaren Grausamkeiten singt. Faustas Mutter war als junge Frau Opfer des Terrorismus in Peru. Fausta hat die Angst mit der Muttermilch aufgesogen - "La teta asustada" ist "die Milch des Leids". Aber auch für das tiefste Leid gibt es eine Erlösung.
Es war das erste Mal, dass Peru sich an der Berlinale beteiligte, als der Goldene Bär 2009 gleich an Claudia Llosa ging, einer Newcomerin, die schon mit diesem - ihrem erst zweiten - Film internationale Anerkennung erhielt.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Neue Visionen


Männer, die auf Ziegen starren
Wenn ein amerikanischer Offizier über seiner Uniform einen langen geflochtenen Zopf hängen hat, den Soldaten Blumen verteilt und behauptet, dass Kriege ohne Gewalt geführt werden können, dann darf man ruhig staunen. Sich selbst bezeichnen sie als "Jedi", die Mitglieder einer experimentellen Gruppe, die mit paranormalen und esoterischen Praktiken eine alternative Kriegsführung einüben. Lächerlich klingt es, ist es vielleicht auch - aber kann man da auch lachen?
Von Hilde Ottschofski.

Up in the Air
Es gibt einerseits das reale Leben. Da, wo Familie, Beruf, Beziehungen, Freude und Trauer, kurz: Verantwortung stattfinden. Auf der Erde. Und dann gibt es da noch etwas: die kleine Abwechslung, das kurze Entkommen, das Leben, das in Klammern steht. Da gilt die Schwerkraft nicht mehr, man ist oben in der Luft. Hat wenig Gepäck und wenig im Gepäck. Wenig Verantwortung. Das ist die Welt der bakterienfreien Hotelzimmer, der Kredit- und Mitglieder-Chipkarten, der Bars und Minibars, dem Saft aus dem Automaten, der langen und Kurzflüge, des künstlichen Lächelns. Wo andere nur mal kurz auf der Reise sind. Da ist Ryan Bingham zu Hause.
Von Hilde Ottschofski.

Kammerflimmern
"Kammerflimmern" ist einer jener Filme, die keine Zuschauerrekorde schlagen, dafür aber einige Filmpreise abstauben. Der Regisseur, Hendrik Hölzemann, fällt auf durch sein junges Alter, das Drehbuch durch seine Unkonventionalität. Einzig die Schauspielerbesetzung besteht aus bekannten Gesichtern wie Jessica Schwarz oder Matthias Schweighöfer. Ansonsten ist "Kammerflimmern" wenig mainstreamverdächtig und gerade das macht diesen Film zu mehr, als bloß zu einem Kastenflimmern für einen Abend.
Von Angelika Imhof.

Das Ende ist mein Anfang
Ohne die Sonne gibt es keinen Mond. Ohne das Licht kein Dunkel. Ohne das Böse nicht das Gute. Deswegen gehört auch der Krebs zu Tiziano Terzani. Und deshalb muss er ihn auch nicht bekämpfen. Kurz vor seinem Tod ruft er seinen Sohn Folco zu sich, um ihm mitzugeben, was er aus dem Leben gelernt hat. Und um ihm zu sagen, dass man sich ein Leben suchen soll, das zu einem passt. So wie Tiziano es getan hatte.
Bruno Ganz geht ganz in seiner Rolle als früherer Journalist und Kriegskorrespondent Terzani (1938 - 2004) auf.
Von Hilde Ottschofski.

Bodyguards and Assassins
Die Propagandamaschine des chinesischen Festlandkinos ist in Hongkong angekommen. Vor der Rückgabe der Kronkolonie an China war die Sorge der lokalen Filmszene groß - viele Kreative wanderten aus Angst vor Reglementierungen ins Ausland ab. Eine Zwischenbilanz der eineinhalb Jahrzehnte chinesischer Herrschaft in Hongkong zeigt zwar, dass die dortige Filmproduktion nach wie vor funktioniert und ihren ureigenen Charme besitzt. Ein offensiv nationalistischer Film wie die Großproduktion "Bodyguards and Assassins" wäre im Hongkong vor dem 30. Juni 1997 jedoch kaum entstanden.
Regisseur Teddy Chan erzählt die Gründung der chinesischen Republik als eine Passionsgeschichte.
Von Christian Horn.

Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft
Auch nach dem Tod seines Herrchens wartet der treue Hund Hachi jahrelang auf dessen Rückkehr.
Es ist der hingebungsvollen Darbietung von Richard Gere zu verdanken, dass die sympathische Hauptfigur, die Freundschaft zwischen Tier und Mensch, wie auch der Film insgesamt die nötige Anschaulichkeit und sogar eine kleine Prise Zauber erhält. Die intuitive, starke Verbindung zwischen dem netten Professor und dem intelligenten, treuen, einfallsreichen Hachi macht die Qualität des Films aus.
Von Hilde Ottschofski.

The Divide
Schnelle Schnitte zeigen in Ausschnitten die in Flammen stehende Erde, überall Chaos, schreiende Menschen, die Zuflucht suchen. Die Kamera verfolgt diese Menschen, wie sie in eine Art Bunker fliehen, die Kamera ist zu verwackelt, um genau zu erkennen was vor sich geht, das Tempo zu hoch, um klar zu denken. Ab sofort beginnt ein klaustrophobisches Katz-und-Maus-Spiel unter den Gefangenen um die Macht im Bunker.
Der Film zeigt in extremer Weise, wie sich moralische Werte verschieben, wenn keine Sanktion durch eine übergeordnete Aufsicht gefürchtet werden muss.
Von Daniel Forstner.

Cold Weather
Ein ehemaliger Forensik-Student eifert seinem Vorbild Sherlock Holmes nach und versucht mit seinen Methoden einen mysteriösen Fall zu lösen.
"Cold Weather" ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man einen Film derart in die falsche Richtung entwickeln kann, dass der extrem vielversprechende Anfang doch noch in ein negatives Fazit umschlägt. Der Regisseur des Films, Aaron Katz ("Quiet City"), ist Anhänger der Mumblecore-Bewegung und hatte für "Cold Weather" ein Budget von 100.000 US-Dollar zur Verfügung. Was er mit diesen spärlichen Mitteln zu Stande bringt, ist durchaus respektabel.
Von Daniel Forstner.

The Loved Ones
"Eine wie keine" trifft "Carrie": Dieser Vergleich hinkt nicht einmal, wobei der Titel "The Loved Ones" eher auf pure Romantik schließen lässt. Doch hier belehrt einen dieses Meisterstück des Horrorfilms eines Besseren und hebt sich von dem vergleichbaren risikoarmen "Prom Night" durch kompromisslose Eigenständigkeit ab. Der Film beginnt, so wie man es gewohnt ist, von einem Abschlussball zu handeln - um sich dann um 180 Grad zu drehen.
Regisseur Sean Byrne hat hier mit seinem Erstlingswerk ganze Arbeit geleistet und die Branche aufhorchen lassen.
Von Daniel Forstner.

Ben Hur (1959)
Man mag ja dem großen Hollywood-Kino ab und an kritisch gegenüberstehen, aber bei einem Film wie "Ben Hur" müssen alle Zweifler schweigen. Die große schauspielerische Leistung, die unheimlich aufwendig erbauten, minutiös ausgearbeiteten Sets - man denke an das monumentale Quadrigarennen oder die Seeschlacht der Galeerenschiffe (15 Millionen Dollar hat die Produktion gekostet, 75 Millionen eingespielt) - und das immer die Menschheit bewegende Thema der zwischenmenschlichen Vergebung, die in diesem Film mit Sendungsbotschaft religiös eingebettet ist in das Leben Christi, machen den Film zum Meisterwerk.
Von Hilde Ottschofski.

Die Frau des Zeitreisenden
Henry ist sechs Jahre alt. Es ist Weihnachten und er sitzt mit seiner Mutter im Auto. Plötzlich ein Unfall. Der kleine Henry löst sich unter den Augen seiner panischen Mutter förmlich in Nichts auf. Dann sieht er seine gut gelaunten Eltern und sich selbst, vor zwei Wochen, wie sie ihm auf der Couch sitzend etwas vorlesen. Er hat eine Zeitreise gemacht.
Es geht in Robert Schwentkes Film um eine Neudefinition von Abschied und Wiedersehen, Leben und Tod, Familie, Vergangenheit, Zukunft. Und wie starke Liebe und das Gefühl des Einsseins das alles überwinden können.
Von Hilde Ottschofski.

Caché
Der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke will die Zuschauer wachrütteln. Zu diesem Zwecke verstört er sie. Doch ist der verstörte Zuschauer nach einem Haneke-Film wachgerüttelt, oder im Schockzustand? Wird es allmählich zu einer Mutprobe, sich einen Haneke-Film anzusehen? Wer "Funny Games", "Wolfzeit", "Code - unbekannt", "Die Klavierspielerin" oder "Das weiße Band" kennt, kriegt auch bei "Caché" einprägsame, symbolträchtige, aber auch gnadenlose Bilder - und auf jeden Fall einen Einschnitt in die trügerische Sicherheit des Alltags.
Von Hilde Ottschofski.

Die Zwillinge
Als Lotte und Anna, zwei Zwillingsschwestern, mit Gewalt voneinander getrennt werden, sind sie gerade mal sechs Jahre alt. Es ist das Jahr 1922. Gerade wurden die Eltern begraben und die Mädchen stehen hilflos und sich aneinander festhaltend da. Was nutzt das verzweifelte Weinen und Klammern an der Schwester, die Erwachsenen sind stärker und reißen sie auseinander. In drei Generationen wird der Film erzählt - die sechsjährigen, die zwanzig- und siebzigjährigen Zwillinge werden in ihren unterschiedlichen Milieus gezeigt.
Die Vorsicht, mit der Drehbuch und Regisseur an den Stoff herangehen, wo vieles ungesagt und angedeutet bleibt, lässt Tiefe vermissen.
Von Hilde Ottschofski.

 



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Zitat

"Ich erwarte nicht von Dir, dass Du das verstehst, was ich mit meinen Filmen meine. Ich erwarte von Dir, dass Du das verstehst, was Deine Seele aus diesen Filmen versteht. Es ist eben wie Dichtung."

Regisseur Theodoros Angelopoulos (17.04.1935 - 24.01.2012)

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