Aktuelle Filme


A Pure Place A Pure Place
Eine Zeit, in der ritualisiertes Händewaschen zum Politikum und Dauer-Desinfektion zum scheinheiligen Zeichen bürgerlicher Besorgtheit geworden ist, scheint wie geschaffen für Nikias Chryssos' zweite Kinoarbeit. Die allerdings konstruiert fernab aller Gegenwartsbezüge einen buchstäblichen Reinlichkeitskult, der sich unter Führung des exaltierten Fust (Sam Louwyck) auf einer griechischen Insel der Seifenherstellung widmet. Klingt nach Satire und sieht auch so aus, allerdings unfreiwillig. Offenkundig wussten der Regisseur und sein Co-Drehbuchautor Lars Henning Jung bis zuletzt selbst nicht, welche Art Geschichte sie erzählen wollen: Eine Parodie auf mit obskuren Gesundheitsversprechen und "Cleansing" werbende Kosmetikmarken? Oder doch lieber einen konventionellen Thriller um einen perfiden Sektenguru?
Als solcher bleibt der seine Anhängerschaft mit Taschenspielertricks beeindruckende Fust so unterentwickelt wie der kindliche Hauptcharakter.
Von Lida Bach.
Kinostart: 25. November 2021
Foto: Koch Films


Son of the South Son of the South
Die Fernsehfilmoptik passt perfekt zu der blassen Mischung aus Biederkeit, Borniertheit und Bilderbuch-Moral, die Barry Alexander Browns Historiendrama selbst ohne dessen konzeptuelle Problematik ruiniert hätten. Basierend auf der Autobiografie des echten Bob Zellner (dargestellt von einem nervig niedlichen Lucas Till) präsentiert der Regisseur und Co-Drehbuchautor die Bürgerrechtsbewegung durch einen reaktionären Filter, der die prestigeheischende Produktion weit weniger ambitioniert erscheinen lässt als beabsichtigt. Rosa Parks, der immer noch kein würdiges Biopic gewidmet wurde, fungiert hier lediglich als Legitimationsfigur des weißen cis-männlichen Hauptcharakters, auf dessen mehrfache Privilegierung nur flüchtig verwiesen wird. Umso emphatischer zelebriert die schulmeisterliche Inszenierung seine Verdienste.
Exemplarisch dafür ist eine Szene, in der Bob im stets bügelfrischen weißen Hemd die wunderschöne (und auffällig helle) Joanne (Lex Scott Davis) vor einem rassistischen Mob in Sicherheit trägt.
Von Lida Bach.
Foto: Busch Media Group


Unter den Sternen von Paris Unter den Sternen von Paris
Claus Drexels Rückkehr zum fiktiven Sujet gestaltet sich weit weniger sentimental als das süßliche Poster und der elegische Titel suggerieren. Unverkennbar sind in der Geschichte einer Obdachlosen (überzeugend: Catherine Frot), deren emotionale Abschottung durch ein von seiner Mutter getrenntes Flüchtlingskind aufgebrochen wird, die Bezüge zu Drexel Dokumentarfilm "On the Edge of the World". Dessen Schauplatz im winterkalten Paris, operatische Zwischentöne und das Obdachlosen-Milieu prägen die zärtliche Freundschaftsepisode, deren Hauptfigur direkt an die Christine der Doku angelehnt ist. Eindrücklicher als Christines dramatische Suche nach der Mutter des kleinen Suli (Mahamadou Yaffa) sind Einblicke in eine von Heim- und Heimatlosen bevölkerte Parallelwelt.
Zwischen diesem für gewöhnliche Passanten unsichtbaren Paris der Zeltburgen, Metro-Tunnel und Essensausgaben und den imposanten Wahrzeichen der Metropole wandert die Handlung ihrem vorhersehbaren Ausgang zu. Die Fallstricke von Sozialkitsch, White Savior und Homeless Hero Tropen umschifft die Inszenierung indes nur bedingt.
Von Lida Bach.
Foto: Arsenal Filmverleih



Neue Rezensionen


Gilda
Rita Hayworth galt in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als schönste und meistfotografierte Frau der Welt. Sie wirkte in sechzig Filmen mit. Während des Zweiten Weltkriegs hing ihr Bild in den Spinden von Tausenden von GIs. Die erste Atombombe, die zu "friedlichen" Zwecken über dem Bikini-Atoll abgeworfen wurde, taufte man 'Gilda' und klebte Ritas Pin-up-Foto darauf. Zwei von Hayworths fünf Ehemännern waren der als Playboy bekannte steinreiche Prinz Aly Khan sowie der Regisseur und Schauspieler Orson Welles. "Rita Hayworth hatte den wunderbarsten Gang, den ich je im Film gesehen habe", schrieb der Regisseur Rouben Mamoulian. "Die Kamera reagierte auf ihre Bewegungen wie auf Garbos Intelligenz und Chaplins Mimik."
Ihr größter Film war "Gilda", ein legendäres Leinwandepos, in dem sie allen Männern den Kopf verdreht und eine Hassliebe zu einem Glücksspieler entwickelt.
Von Manfred Lauffs.

G.I. Joe - Die Abrechnung
Ohne den Kassenerfolg der "Transformers"-Reihe von Michael Bay wäre "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" (USA 2009) wohl kaum ins Kino gekommen, denn wie die Autobots und Deceptions geht auch die hochtechnisierte Elitetruppe G.I. Joe auf Actionfiguren aus dem Hause Hasbro zurück. Nach Stephen Sommers ("Die Mumie") übernimmt beim Nachfolger Jon M. Chu die Regie, der bereits in "Step Up 2 the Streets" und "Step Up 3D" mit Choreographien zu tun hatte und damit die Kernkompetenz für eine Leinwand-Klopperei mitbringt. Dennis Quaid, Joseph Gordon-Levitt und Sienna Miller machen beim Sequel nicht mehr mit, dafür stoßen Dwayne Johnson und Bruce Willis zum Cast und unterstützen Channing Tatum - ansonsten bleibt alles beim Alten.
Der Oberbösewicht Zartan (Arnold Vosloo) infiltriert das Weiße Haus als Fake-Präsident und gibt das G.I. Joe-Team zum Abschuss frei.
Von Christian Horn.

Happy, Texas
Eine Verwechslungskomödie à la "Die Abenteuer des Rabbi Jacob" oder "Manche mögen's heiß" strebten die Macher von "Happy, Texas" an. Dies ist auf immerhin halber Strecke gelungen. So, wie Louis de Funès als rassistischer Katholik auf der Flucht die Rolle eines jüdischen Rabbiners, des genannten Rabbis Jacob, übernehmen muss, oder wie die Figuren von Tony Curtis und Jack Lemmon in "Manche mögen's heiß" auf der Flucht zu Frauen "konvertieren", so sind auch in diesem Film zwei Strafgefangene auf der Flucht, die bald für zwei schwule Kinderwettbewerb-Veranstalter gehalten werden. Sie übernehmen diese Rollen mit einigen Verwicklungen. Denn sie haben es auf das Geld der örtlichen Bank abgesehen, mitten im texanischen Niemandsland.
Regisseur und Co-Drehbuchautor Mark Illsley inszeniert seine Hauptdarsteller Steve Zahn und Jeremy Northam originell, wobei die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten: Zahn ist der rhetorisch unbegabte Hinterwäldler, Northam (britischer Schauspieler in amerikanischer Rolle) der eloquente Charmebolzen.
Von Michael Dlugosch.

Millionen
Eher lustlos spielt Torsten (Andreas Döhler) mit seinen Arbeitskollegen aus dem Büro regelmäßig Lotto. Eines Morgens erwartet den Büroangestellten aber eine gehörige Überraschung, als er den Jackpot in Höhe von 22 Millionen Euro knackt. Doch während ein solcher Geldsegen gemeinhin als Glücksfall gilt, ist der Familienvater vom neuen Reichtum völlig überfordert: Alle Welt erwartet einen großen Knall, doch Torsten will lieber, dass alles beim Alten bleibt.
In den ersten Filmminuten skizziert "Millionen" den von vielen Routinen geprägten Alltag seines Protagonisten mit wenigen Strichen und prägnanten Bildern. Der Lottogewinn ist in der Folge das Ereignis, das alles durcheinander wirbelt und Torsten einen ungewollten Neuanfang abnötigt. Ab diesem Moment handelt der formal schnörkellos und ansprechend umgesetzte Debütfilm von der gesellschaftlichen Allmacht des Geldes.
Von Christian Horn.

Cats
Da Hollywood die Drehbuch-Ideen ausgehen, schrie (oder miaute?) es nach einer Verfilmung des 1981 erstmals gespielten Musicals "Cats" von Andrew Lloyd Webber. Tom Hooper, für "The King's Speech - Die Rede des Königs" viel gerühmt, übernahm Co-Drehbuch und Regie. Und wurde für "Cats" viel geschmäht, die US-Filmkritik vernichtete den Film, der der wichtigste Abräumer bei den gefürchteten "Auszeichnungen" der Goldenen Himbeeren 2020 war, er wurde zum Flop an den Kinokassen. So miserabel ist "Cats" nicht, wenngleich er Fehler macht. Das Publikum möchte Kostüme sehen, Make-Up sehen - aber es sind CGI-Effekte. Das heißt, alle Mitwirkenden im Film wurden nachbearbeitet, hinterher am Computer in Kostüme gesteckt, alles bis auf die Gesichter ist ein Fake. Wer für den Film ins Kino geht, bezahlt die Katze im Sack. Aber: Tanzeinlagen sind perfekt durchchoreografiert, gesungen wird in der Original- wie in der deutschen Fassung sehr schön (Taylor Swift und Jason Derulo sind auch unter den "Katzen").
Von Michael Dlugosch.

Leave It on the Floor
Gewissermaßen ist "Leave It on the Floor" das fiktionale Gegenstück zum Dokumentarfilm "Paris Is Burning" aus dem Jahr 1990. Während Letzterer die New Yorker Ballroom-Szene in einem dokumentarischen Porträt thematisiert, nimmt das Kinodebüt von Sheldon Larry die Ballroom-Szene von Los Angeles als Setting für einen energiegeladenen und queeren Musical-Film. Im Vordergrund stehen dabei die regelmäßigen Tanz- und Gesangseinlagen zu Popmusik von Kimberly Burse und die zugehörigen Choreographien von Frank Gaston, beides Mitarbeiter aus dem Umfeld von Beyoncé.
Naturgemäß spielt die Geschichte um Brad (Ephraim Sykes) nur die zweite Geige. Der junge Afroamerikaner stempelt sich selbst zum Verlierertypen ab und fliegt wegen seiner Homosexualität aus dem mütterlichen Heim. Durch eine Bekanntschaft mit Carter (Andre Myers) und Princess Eminence (Phillip Evelyn) entdeckt Brad die Ballroom-Kultur und findet zwischen Ausgestoßenen, Drag Queens und Heimatlosen eine Ersatzfamilie, die sich um die taffe Queen Latina (Miss Barbie-Q) gruppiert hat.
Von Christian Horn.

Milarepa
Eigentlich ist Neten Chokling ein hoher buddhistischer Würdenträger, ein Rinpoche (bedeutet übersetzt "Lehrer"). Nun weitet der Mönch seinen religiösen Lehrauftrag auf das bewegte Bild aus und erzählt in seinem Regie-Debüt "Milarepa" einen alten Mythos, der im tibetischen Buddhismus von großer Bedeutung ist.
Im Grunde ist "Milarepa" nicht mehr als die einfache Bebilderung dieser in Tibet sehr berühmten Sage. Die dramaturgisch eindeutig konstruierte und klare Erzählhaltung erweist sich dabei als Vorteil des Films, die hölzerne, oft unbeholfene und daher ziemlich langweilige ästhetische Umsetzung relativiert diesen Eindruck jedoch schnell: Um welche filmische Ausdrucksmöglichkeit es sich auch handelt, Neten Chokling bringt sie allenfalls zu Schulbuch-mäßiger Anwendung. Vor allem das dröge Schauspiel steht einer ungestörten Rezeption entschieden im Weg, da die zumeist von schwerfällig agierenden Laien gespielten Figuren keinerlei emotionale Teilhabe zulassen.
Von Christian Horn.

Nevrland
Orientierungslos am Ende der Jugend, unerfahren im Küssen, im Sex - dies gilt für den 17-jährigen Jakob (Simon Frühwirth). Fleischeslust? Er muss sich zunächst um eine andere Art von Fleisch kümmern, er erhält durch seinen Vater (Josef Hader) einen Job im Schlachthof. Jakob muss Schweinehälften waschen. Des Nachts geht er auf Porno- und Schwulen-Community-Seiten. Bis ihm Angstattacken zusetzen.
Regisseur und Drehbuchautor Gregor Schmidinger kann in seinem Langfilmdebüt diese Ängste, unter denen er selber litt, nicht gut vermitteln, sie bleiben eine Behauptung. Aber den Drogentrip, den Jakob durchmachen wird gemischt mit psychisch bedingten Wahnvorstellungen, den stellt Schmidinger prächtig dar. Dann entfaltet "Nevrland" eine ungeheure Sogwirkung. Jakobs Weg durch seine Seele wird dann zu einem visuellen Rausch, dem sich das Kinopublikum nicht entziehen kann.
Von Michael Dlugosch.

Pandorum
Zwei Astronauten erwachen aus dem Hyperschlaf. Sie befinden sich an Bord eines riesigen Raumschiffs, ohne jedwede Erinnerung: Wie lange die beiden Männer im Tiefschlaf waren und wo sie sind, wissen sie nicht. Was an Bord passiert ist, wissen sie ebenfalls nicht. Und welchen Auftrag sie erfüllen sollten, ist ihnen schleierhaft. Da der Durchgang zur Brücke verschlossen ist, bricht einer der beiden (Ben Foster) ins Schiffsinnere auf und bleibt mit seinem Kollegen (Dennis Quaid) per Funk in Kontakt. Recht bald wird klar, dass die beiden nicht alleine sind...
Keine Frage: Die Ausgangssituation von "Pandorum" ist überaus vielversprechend. Und auch die Grundidee der weiteren Story kann in weiten Teilen überzeugen: An Bord des Raumfrachters leben verstreute Überlebende in brutaler Anarchie, während sie einer ständigen Bedrohung durch aggressive Mutanten ausgesetzt sind - ein wahrer Science-Fiction-Alptraum, dessen Hintergründe lange ungeklärt bleiben.
Von Christian Horn.

Stalag 17
Der renommierte Komödien-Regisseur Billy Wilder ("Manche mögen's heiß") drehte 1953, acht Jahre nach dem Ende Hitlers, diesen ernsteren Spielfilm. Es ist 1944, alliierte Kriegsgefangene sind auf deutschem Boden in einem Lager untergebracht. In einer der Baracken gerät der alles zynisch kommentierende Lieutenant Sefton (William Holden) in Verdacht, Nazi-Spion zu sein, und muss versuchen, den tatsächlichen Maulwurf unter den anderen zu finden; wissen doch die Wächter von Fluchtplänen, und der Verräter steckt weitere Geheimnisse den Deutschen zu.
Atmosphärisch dicht und inszenatorisch sehr gelungen ist "Stalag 17", Wilders Film basierend auf einem Theaterstück (was man anhand der Kammerspiel-Dramaturgie merkt) hat nur ein Manko: Er baut Slapstick-Einlagen zur Auflockerung und Unterhaltung ein, die das ansonsten intelligente Psychogramm Inhaftierter stören: Was empfinden die bunt zusammengewürfelten Nazi-Gegner in ihrer Haft seelisch (ein Gefangener ist psychisch krank), wie kommen sie untereinander klar, "Big Brother" lässt grüßen.
Von Michael Dlugosch.

Das fliegende Klassenzimmer (1954)
In dem nach seinem berühmten Jugendbuch gedrehten Schwarz-Weiß-Film berichtet Erich Kästner vom Alltag in einem Internat kurz vor den Weihnachtsferien. Im Mittelpunkt steht das Theaterstück "Das fliegende Klassenzimmer", das der Tertianer Johnny verfasst hat. In dieser Utopie wird der "Schulbetrieb der Zukunft" gezeigt. Ein Lehrer fliegt mit seiner Klasse los, um in verschiedenen Ländern den Erdkundeunterricht direkt vor Ort abzuhalten: "Der Unterricht wird zum Lokaltermin!" (Heute spricht man von "außerschulischen Lernorten".) Nebenbei läuft der normale Schulbetrieb weiter. Jeder der Schüler hat seine kleinen Sorgen und Probleme. Johnny, der "Dichter", ist von seinen Eltern als Kind verlassen worden. Sein Freund Martin, der Klassenprimus, fürchtet, über Weihnachten allein im Internat bleiben zu müssen, weil seine Eltern die Fahrkarte nicht bezahlen können. Der dicke Matz hat ständig Appetit und ist kein guter Schüler, zeigt aber immer gute Laune. Er siegt im Zweikampf nach einer Schneeballschlacht gegen die Realschüler.
Von Manfred Lauffs.

In the Mood for Love
Der renommierte Regisseur Stanley Kubrick sagte einst: "Ein Film ist - oder sollte - eher Musik als Fiktion sein. Es sollte ein Fortschreiten von Stimmungen und Gefühlen sein. Das Thema, was hinter der Emotion steckt, die Bedeutung, alles was danach kommt." In diesem Sinne ist "In the Mood for Love" keine schlichte Liebesgeschichte, es ist mit all seiner Beschaffenheit die Hymne der Liebe. Wong Kar-Wai gibt uns kein prosaisches Narrativ, er reimt jedes Bild aneinander und kreiert so die Poesie im Film.
Die Handlung ist einfach: Zwei Ehepaare, Familie Chow und Familie Chan, ziehen am selben Tag in dasselbe Gebäude ein. In Kürze beginnen Mrs. Chow und Mr. Chan eine Affäre. Nachdem die Partner dies bemerken, teilen Mrs. Chan und Mr. Chow den Kummer des Betrugs und versuchen durch Rollenspiele die Situation nachzuvollziehen.
Von Hüsna Yildiz.

Der Pauker
"Eine Art Musterschüler unter den Lehrern!" So wird der Studienrat Dr. Hermann Seidel von einem seiner Kollegen charakterisiert - eine Glanzrolle für Heinz Rühmann in dieser unterhaltsamen Filmkomödie aus der Epoche des deutschen Wirtschaftswunders. Seidel wird vom Oberschulrat probeweise für ein halbes Jahr aus dem Gymnasium im kleinen Freudenthal in eine Großstadtschule versetzt, wo er es mit einer außer Rand und Band geratenen Klasse zu tun bekommt. Vera Bork (Wera Frydtberg), die ältere Schwester eines Schülers, warnt Seidel: "Apfelmus werden die Jungs aus Ihnen machen!" Seidel muss es auch noch mit Harry Engelmann (Klaus Löwitsch) aufnehmen, einem bösartigen Halbstarken, der wegen verschiedener Delikte von der Schule geflogen ist, auf die ehemaligen Mitschüler aber noch negativen Einfluss ausübt. Mit seinem Zimmernachbarn, dem Ringer Freddy Blei (Gert Fröbe), macht Seidel einen Deal: Deutschunterricht gegen Griffe und Tricks beim Catchen! Mit seinem Sieg im Kampf gegen Engelmann beeindruckt Seidel seine Schüler, die sich von ihrem Anführer abwenden.
Von Manfred Lauffs.

Werk ohne Autor
Dem Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck gelang 2006 ein sensationeller Erfolg: Mit seinem Film "Das Leben der Anderen" - einem Drama um die Bedrängnis von Künstlern durch die Stasi - gewann er den Oscar für den besten fremdsprachigen Film und mehrere andere Preise. Sein Film "Werk ohne Autor" aus dem Jahre 2018 spielt auch zu einem großen Teil in der DDR, umfasst aber dazu noch die Nazizeit und die Bundesrepublik - 30 Jahre in drei Stunden, die aber nie langweilig werden. Wieder geht es um die Kunst und ihr Verhältnis zur politischen Realität. Hauptfigur ist der Maler Kurt Barnert, dessen dargestelltes Leben deutlich der Biographie eines der größten deutschen zeitgenössischen Künstler entspricht, nämlich Gerhard Richter, geboren 1932. (Die Preise seiner großformatigen Bilder haben inzwischen die 30-Millionen-Grenze überschritten.) Als Vorlage diente das Buch Ein Maler aus Deutschland. Gerhard Richter. Das Drama einer Familie von Jürgen Schreiber.
Von Manfred Lauffs.

Cinema Paradiso
Ein Liebesbrief an die Filmkunst und das Kino.
Das Cinema Paradiso ist das Herz eines kleinen sizilianischen Dorfes. Es ist der Ort der Attraktionen. Es ist der Treffpunkt für Freunde und Geliebte. Es ist der Ort, an dem die Dorfbewohner auf die Leinwand gucken und ein Leben über ihre eigenen Umstände hinaus sehen: das Leben von Helden und Schurken, von großen Abenteuern, Fantasien, Liebesgeschichten, Kämpfen und Siegen. Der Film zeigt uns, wozu das Kino fähig ist und lässt uns dieselben Erlebnisse erfahren.
Dabei ist unser Held ein renommierter italienischer Filmemacher namens Salvatore Di Vita. Der Film beginnt damit, dass dieser die Todesnachricht eines Bekannten, genannt Alfredo, erhält. In Rückblicken wird uns die Beziehung zwischen dem Regisseur und dem Bekannten in ihrer ganzen Entwicklung offenbart.
Von Hüsna Yildiz.

Chungking Express
Sei es Schicksal oder Glück, täglich begegnen wir unzähligen fremden Menschen. Manchmal laufen wir nur aneinander vorbei, manchmal tauschen wir einen kurzen Blickkontakt und manchmal spüren wir sogar eine momentane Nähe zu den doch so fremden Menschen, Einigen begegnen wir wieder. Einige werden sogar unser/e Freund/e oder Geliebte/r. Einige bleiben für immer die Fremden auf der Straße...
Genau mit dieser Prämisse beginnt Wong Kar-Wai seinen angenehmen, aber viel aussagenden Film "Chungking Express". Er bildet seine Narrative darauf und schafft so einen Schnittpunkt für zwei voneinander unabhängigen Geschichten, die am selben Ort stattfinden. In beiden Geschichten bekommen wir den Umgang mit dem Verlust von einer geliebten Person zu sehen: Zwei Polizisten werden von ihren Freundinnen verlassen und versuchen in ihrem Großstadtleben in Hongkong sich mit der Situation abzufinden und beide verlieben sich von Neuem.
Von Hüsna Yildiz.

Persischstunden Persischstunden
Der junge Belgier Gilles steht vor einer unmöglichen Aufgabe: Er muss alleine eine Sprache erfinden. Das ist noch nicht seine größte Herausforderung. Schwerer ist es, sich diese erfundene Sprache auch selbst anzueignen, und die Wörter nicht wieder zu vergessen. Und noch schwerer ist es, dauernd der Todesangst ausgesetzt zu sein, und schließlich doch als Lügner enttarnt und hingerichtet zu werden. Denn Gilles ist ein KZ-Häftling und es ist der Zweite Weltkrieg. Der Hauptsturmführer Koch, der ihn genauestens beobachtet, wird sein Persisch-Schüler, und er hasst Lügner, mehr als alles andere in der Welt.
Die Kurzgeschichte namens "Erfindung einer Sprache" von Wolfgang Kohlhaase von 2005 diente als Grundlage des Films. Regisseur Perelman zeigt, wie Menschen dank ihrer fast übermenschlichen geistigen Leistungen in einer Atmosphäre der existenziellen Angst und der physischen Erschöpfung Unfassbares vollbringen können.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Alamode Film
ab 29. Januar 2021 auf DVD & Blu-ray


 



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Zitat

"Nein!"
"Doch."
"Oooh!"

Kultdialog aus "Hasch mich, ich bin der Mörder" (1971) zwischen den Filmfiguren von Louis de Funès und Bernard Blier

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