Aktuelle Filme


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Zu guter LetztZu guter Letzt
Man nehme: eine Hollywood-Legende (Shirley MacLaine), einen Star (Amanda Seyfried), ein Comedy-Drehbuch, das diesen beiden wie die Faust aufs Auge passt, etwas Slapstick, man vergesse dabei nicht eine kleine universelle Botschaft, mixe etwas rockige Musik dazu und fertig ist der kommerzielle Film. Mehr Absicht kann man hinter dem Film "Zu guter Letzt" nicht entdecken. Ein handwerklich gut gemachter Film, ein handwerklich gut gespielter Film - wer sieht Shirley MacLaine nicht gerne beim Spielen zu? - aber - wie der Amerikaner sagt "nothing to write home about" - nichts wirklich Bemerkenswertes.
Die 80-jährige Harriet Lauler ist eine Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihrem Ableben entgegensehend, und feststellend, dass eventuell niemand gute Worte für ihren Nachruf zu sagen hat, engagiert sie eine Journalistin, um zusammen im voraus an dem Rückblick auf ihr Leben zu feilen. Und vielleicht noch einiges in ein besseres Licht zu rücken.
Von Hilde Ottschofski.
deutscher Kinostart: 13. April 2017
Foto: Tobis


Don't Blink - Robert FrankDon't Blink - Robert Frank
Laura Israels filmische Collage über Fotograf und Filmemacher Robert Frank ist eine Hommage an die Kraft der Momentaufnahme. Das richtungslose Konglomerat der langjährigen Mitarbeiterin und Cutterin Franks bringt diese expressive Kraft leider nur selten auf. Weder Franks Wesen, noch das umfangreiche Werk durch die unscharfen Videos, Fotos und Cut-ups werden zugänglicher.
"Wenn jemand sich der Kamera bewusst ist, wird das Bild anders", sagt Frank, der zu den eindrucksvollsten Chronisten seiner Ära zählt, einmal. "Die Leute verändern sich." Ob es die Antipathie zwischen der Kamera und dem sich dieser offenkundig unangenehm bewussten Subjekt ist oder die überwältigende Masse an künstlerischem Material, das Israel in den Film packt: Das Resultat bleibt im visuellen wie persönlichen Sinne konturlos. Man sieht Frank in der Gegenwart als in seinem Apartment durch Berge selbstgeschaffener Zeitdokumente und Erinnerungsstücke kramen und durch die Gegend fahren.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 13. April 2017
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Panorama Dokumente
Foto: Grandfilm


Zwischen den Jahren (2017)Zwischen den Jahren (2017)
Jeder ruft ihn bei seinem Nachnamen: Becker. Der grobschlächtige, tätowierte Mann (Peter Kurth) arbeitet als Wachmann. Ein neuer Arbeitskollege (Leonardo Nigro), ein Ex-Polizist, erkennt an den Tattoos Beckers dessen Vergangenheit im Knast. Weshalb Becker sitzen musste, erfährt der Zuschauer nicht sofort: Er hat vor 15 Jahren eine Frau und ihr Kind bei einem missglückten Einbruch "weggemacht", wie es der zornige Becker ausdrückt. In ihm steckt viel Wut. Auf sich selbst: Er hat die Tat sichtlich bereut. Aber da ist noch Dahlmann (Karl Markovics), der Mann, der nach dem Totschlag seiner Frau und seines Kindes auf Rache sinnt... Regisseur und Drehbuchautor Lars Henning lässt sich in seinem ersten Kinofilm viel Zeit für die Entwicklung der Story. Diese verläuft vorhersehbar und zerfasert in Nebenhandlungsstränge. Düsternis prägt den Film, selten ist Tageslicht zu sehen. Aber Dunkelheit allein ist kein filmisches Bild für sich. Die Schauspieler Kurth und Markovics im Duell ihrer Filmrollen sind dafür den Kinobesuch wert.
Von Michael Dlugosch.
Ein Film der Sektion Panorama Deutsches Kino der 67. Berlinale 2017
Foto: temperclayfilm 2017


MarijaMarija
Die Politik diskutiert über No-Go-Areas in Deutschland, Regisseur Michael Koch zeigt sie. Zeigt, wie die Menschen wirklich in Stadtteilen leben, in denen es Konflikte, das Recht des Stärkeren und einen Alltag in prekärer Lage gibt. Koch zeigt speziell ein Individuum in diesem Mikrokosmos. Wie es sich durchbeißt. Wünschen nachgeht. Bis zur Selbstverleugnung. Kein Geld für die Miete. Also greift Marija (Margarita Breitkreiz) kurzerhand zum Reißverschluss des Vermieters und bläst diesem einen. Das Problem ist bis zum Monatsende gelöst, oder länger - der Vermieter, Cem (Sahin Eryilmaz), ein Deutschtürke, möchte sie zur Freundin haben. Doch die junge Ukrainerin ist emotional abgehärtet. Was man zu sein hat, wenn man ums tägliche Brot, ums Überleben kämpfen muss. Eine Beziehung ist für Marija nicht drin, da sie es nicht will - es sei denn, sie kann so an ihr Ziel kommen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Real Fiction Filmverleih


Elle (2016)Elle (2016)
So wurde die Geschichte einer Vergewaltigung noch nie erzählt. Interessiert, aber ohne Anteilnahme verfolgen in der ersten Szene die Augen ihrer Katze, wie ein maskierter Mann auf dem Fußboden ihrer Wohnung über Michele Leblanc herfällt. Als ob damit gleich zu Beginn die Haltung des Erzählens bestimmt würde. Der Film wird keine Stellung beziehen zu all den Tabus, die in seinem Verlauf gebrochen werden: Sei es der Massenmord, den Micheles Vater vor vielen Jahren in dem Viertel begangen hat, wo sie heute noch lebt, der Toyboy, den ihre greise Mutter Irene sich hält, Micheles Affaire mit Robert, dem Mann ihrer besten Freundin Anna oder das Spiel, auf das sie sich mit ihrem Vergewaltiger einlässt. Der Zuschauer ist alleine, mit sich und einer Vielzahl offener Handlungsstränge, die unaufgeregt und souverän um die Schatten und Abgründe der Gesellschaft kreisen. So entsteht die Möglichkeit, einen neuen und freien Blick zu gewinnen auf Schuld und Scham, auf Liebe, Freundschaft und Familie.
Von Simon Probst.
Foto: 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinema, Entre Chien et Loup


T2 TrainspottingT2 Trainspotting
"Du bist wie ein Tourist, der in seine Jugend zurückkehrt", urteilt Simon trocken. Nachdem er ihn zur Begrüßung mit Fäusten und Billardqueue bearbeitet hat, hat sich seine Wut auf Mark zumindest zeitweise abgekühlt. Mark, der seine Drogenkumpane vor zwanzig Jahren um 12.000 Pfund betrogen hatte. Und sie verlassen hatte, gen Amsterdam, wie wir erfahren, um dort das Leben zu führen, zu dem er nie ja sagen wollte. Bürgerlicher Job. Geregeltes Einkommen. Ehe. Kinder. "Mädchen oder Junge?", fragt Simon. "Von jedem eins", entgegnet Mark. Moment - die Mitte zwanzigjährigen Junkies von damals sind erwachsen geworden? Denkste. "T2 Trainspotting" bietet einen schwindelerregenden Cocktail aus unendlichem Spaß, Betrügereien und Betrug, kurzen Momenten der Nähe und unüberbrückbarer Entfremdung - immer durchsetzt von dem Schmerz, "nie der geworden zu sein, der man hätte sein können."
Von Jasmin Drescher.
Ein Wettbewerbsfilm außer Konkurrenz der 67. Berlinale 2017
Foto: 2016 Sony Pictures Releasing GmbH


Lion - Der lange Weg nach HauseLion - Der lange Weg nach Hause
Die tiefe innere Verbundenheit des indischen Jungen Saroo mit seiner Familie, obwohl er in frühem Kindesalter von ihr getrennt wird, verblüfft in diesem Film und macht ihn zu einem ergreifenden Erlebnis. Schier unglaublich ist, wie sehr sich frühkindliche Ereignisse anscheinend ins Gedächtnis einprägen können, so dass sie auch nach Jahrzehnten wiederaufleben. "Lion" ist wegen der sensiblen und gekonnten Umsetzung der Autobiografie Saroo Brierleys Mein langer Weg nach Hause: Wie ich als Fünfjähriger verloren ging und fünfundzwanzig Jahre später meine Familie wiederfand sehenswert.
Saroo geht als Kind auf der Suche nach Nahrung, Diebesgut oder Arbeit eines nachts verloren, reist eingesperrt in einem Zug über tausend Kilometer weit weg nach Kalkutta, und wird aus einem Waisenhaus heraus von einer australischen Familie adoptiert. Nach mehr als zwei Jahrzehnten beginnt seine unwahrscheinliche Suche mithilfe von Google Earth nach der verlorenen Familie.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Universum Film


The Dinner (2017)The Dinner (2017)
Im Jahr 2013 sorgte ein junger Texaner für Schlagzeilen. Mit 2,4 Promille im Blut war Ethan Couch mit einem Kleinlaster in ein liegengebliebenes Fahrzeug gerast. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. Der Fall erhitzte die Gemüter - vor allem deshalb, weil die Verteidigung einen Psychiater hinzuzog, der Couch "affluenza" attestierte. Der Neologismus - kreiert aus "influenza" (Grippe) und "affluence" (Wohlstand) - umschreibt das Aufwachsen in einer materiell übersättigten Welt der Regellosigkeit. Daher sei Couch unfähig gewesen, die Konsequenzen seines Handelns einzuschätzen. Und tatsächlich kam der unter dem Hashtag #AffluenzaTeen bekannt gewordene Couch mit einer Bewährungsstrafe davon. Wie gehen Eltern damit um, wenn sich das eigene Kind als in höchstem Maße verantwortungslos, ja, sogar brutal, erweist? Oren Movermans Berlinale-Wettbewerbsbeitrag "The Dinner" wirft neben dieser noch einige weitere aktuelle und höchst relevante moralische Fragen auf, verzettelt sich aber in der Beliebigkeit, mit der diese aneinandergereiht werden.
Von Jasmin Drescher.
Ein Wettbewerbsfilm der 67. Berlinale 2017
deutscher Kinostart: 8. Juni 2017
Foto: Tobis Film GmbH


Paula - Mein Leben soll ein Fest seinPaula - Mein Leben soll ein Fest sein
Der Film handelt von einer der größten deutschen Malerinnen, der einzigen zudem, der ein eigenes Museum gewidmet ist (in Bremen): Paula Modersohn-Becker, die von 1876 bis 1907 lebte und deren Name eng mit der Künstlerkolonie Worpswede verbunden ist. Sie schuf während ihrer kurzen Wirkungszeit 750 Gemälde und 1000 Zeichnungen. Aber nur zwei Ausstellungen zu Lebzeiten gab es von ihr, beide mit niederschmetterndem Ergebnis. Sie war ihrer Zeit voraus, unterstützt wurde sie lediglich von ihrem Mann Otto Modersohn, der neben Fritz Mackensen, Hans am Ende und Heinrich Vogeler zu den berühmten Malern der Kolonie gehörte. Der Film zeichnet die letzten sechs Jahre des Lebens der Malerin nach, von der Ankunft in Worpswede bis zu ihrem Tod.
Der Film spannt einen Bogen von 1900 in unser Jahrtausend: Der Kampf der Frau um Selbstbestimmung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das sind immer noch moderne Themen.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Pandora Film / Martin Menke


Noma - Ein Blick hinter die Kulissen des besten Restaurants der WeltNoma - Ein Blick hinter die Kulissen des besten Restaurants der Welt
"Essen ist alles", heißt es einmal in Pierre Deschamps' abendfüllender Lobeshymne auf das Kopenhagener Gourmet-Restaurant Noma. Solche Aussprüche klingen, als ob jemand zu oft "Die kleine Raupe Nimmersatt" gelesen hat und das Kinderbuch einen Tick zu ernst nahm. Doch der filmische Blick hinter die Kulissen des Weltspitzen-Lokals geht mit seiner Ideologisierung der Nahrung und ihrer Zubereitung noch weiter: "Essen ist eine Metapher dafür, wie wir mit der Welt interagieren."
Falls dies zutrifft, erschließt sich aus der Art und Weise, wie im Noma mit Essen umgegangen wird, kein schmeichelhafter Eindruck von dessen Chefkoch René Redzepi. Er serviert in seinem oft Monate im Voraus ausgebuchten Gourmet-Tempel zu schwindelerregenden Preisen Menüs, deren einzelne Gänge irgendwo zwischen einem Stück frisch eingesammelter Natur (lebendige Ameisen) und nordischer Hausmannskost liegen.
Von Lida Bach.
Ein Film der Sektion Kulinarisches Kino der 66. Berlinale 2016
Foto: Pierre Deschamps


Die Blumen von gesternDie Blumen von gestern
Totila Blumen ist ein exzentrischer Holocaust-Forscher, der seinen Beruf sehr ernst nimmt. An der Zentralen Stelle in Ludwigsburg arbeitet er an der Vorbereitung eines Auschwitz-Kongresses mit. Zazie Lindeau, eine verrückte junge Französin, wird ihm als Praktikantin zugeteilt. Beide sind durch die Geschichten ihrer Familien im Dritten Reich verbunden. Eine schreckliche Vergangenheit, die in der Gegenwart Grundlage für eine leidenschaftliche Hass-Liebe wird. Die Blumen von gestern sind ein humorvolles Märchen über modernes Gedenken.
Den großartigen schauspielerischen Leistungen von Lars Eidinger (Totila Blumen) und Adele Haenel (Zazie Lindeau) ist zu verdanken, dass hinter schwarzem Humor, sexuellen Anspielungen und skurrilen Szenarien die tiefe Traurigkeit und Ernsthaftigkeit der Figuren spürbar bleibt, mit der ein umfassendes und aktuelles Porträt ernst gemeinter zeitgenössischer Aufarbeitung gelingt. Die Blumen von gestern sind in ihrer Leidenschaftlichkeit und Vitalität eine Ermutigung, sich den Herausforderungen des Erinnerns zu stellen.
Von Simon Probst.
Foto: Piffl Medien


HavarieHavarie
Womöglich wollen der Dokumentarfilmer Philip Scheffner und die Berliner Autorin Merle Kröger dem Publikum mit ihrem zweigleisigen Projekt "Havarie" einen Eindruck davon geben, wie es sich anfühlt, verloren auf dem Mittelmeer zu treiben. Womöglich wollen sie etwas Elementares vermitteln über den Umgang mit flüchtenden Menschen, die gefangen sind zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen einem neuen Leben und dem Tod. Oder vielleicht ist alles einfach nur gutes Marketing.
Der Film entstand aus der gemeinsamen Recherche Scheffners und seiner Lebenspartnerin Kröger, deren Buch auf Platz Eins der KrimiZeit-Bestenliste steht. Neben dem Titel scheinen die beiden Werke allerdings vor allem gemein zu haben, dass etwas auf hoher See treibt. Im Buch sind es vier Schiffe, deren Reiserouten sich zufällig kreuzen. Jede Besatzung steht für eine spezielle Perspektive auf die Flüchtlingslage.
Von Lida Bach.
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Forum
Foto: pong


Love & FriendshipLove & Friendship
Ende des 18. Jahrhunderts spielt diese Geschichte, in der es um die Unbarmherzigkeit einer von Geldgier getriebenen Frau geht, der alle Mittel recht sind, um die finanzielle Sicherheit eines prunkvollen Lebens zu ergattern. Die attraktive und männerverschleißende Witwe Lady Susan Vernon versucht ihre Tochter Frederica gewaltsam mit einem einfältigen Reichen zu verkuppeln, doch ihre Tochter will einfach nicht nach der Pfeife der Mutter tanzen. Untypisch für die sonstige Leichtigkeit in Jane Austens Romanen ist diese kaltherzige Erzählung, die einen bitteren Geschmack hinterlässt. Dennoch lässt eben diese Geschichte die Realität der Zeit erkennen, in der unverheiratete Mädchen mit aller Macht um die Freiheit ihrer Gefühle kämpfen mussten - einen Luxus, den sich manche - aus Angst vor Mittellosigkeit - einfach nicht leisten durfte.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: 2016 Blinder Films Chic Films Revolver Amsterdam Arte France Cinema


Das unbekannte MädchenDas unbekannte Mädchen
Unter den vielen guten Filmen der Dardenne-Brüder ist "Das unbekannte Mädchen" ein Besonderer. In ihren bislang zehn Dramen vermischen die beiden belgischen Regisseure stets ihre gehobene Meisterschaft des Inszenierens mit einer sozialen Botschaft. Im neuesten Film möchte eine junge Ärztin eine Tote, die wohl ermordet wurde, nicht anonym beerdigt wissen. Da das unbekannte Mädchen eine Prostituierte war, begibt sich die Frau in Lebensgefahr, als sie von der Polizei unerwünschte Nachforschungen anstellt. Jenny Davin, die Ärztin, wird von Adele Haenel dargestellt. Allein Haenel lohnt schon den Gang ins Kino. Die Brüder Dardenne setzen auf perfekte realistische Sequenzen, wenn sie Davin zwischen Patientenbesuchen und ihren Bemühungen um den Namen der Toten begleiten. Fast immer im Kamerafokus: die junge Doktorin, die sich mitschuldig am Tod der nicht viel jüngeren Frau fühlt.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclayfilm


Das Ende ist erst der AnfangDas Ende ist erst der Anfang
Zwei gealterte Kopfgeldjäger auf der Jagd, zwei Kleinkriminelle auf der Flucht und dazu eine Gang von schmierigen Vorstadtschlägern. Ihre Wege kreuzen sich vor dem tristen Hintergrund grauer Landschaften, abbruchreifer Gebäude und Betonstraßen. Viel geredet wird nicht und der Soundtrack macht auf Spätwestern. Die Szenerie ist hässlich, die Charaktere noch mehr. So überrascht es kaum, dass Bouli Lanners' rauer Krimi kein sonderlich unterhaltsamer Anblick wird.
Die trockene Story um die Auftragskiller Cochise (Albert Dupontel) und Gilou (Bouli Lanners), die ein gestohlenes Handy wiederbeschaffen sollen, prahlt geradezu mit ihrer Ruppigkeit. Die starren Aufnahmen von Kameramann Jean-Paul de Zaeytijd erwecken den Eindruck, der Regisseur habe mehr Mühe in die Suche nach der idealen deprimierenden Location investiert, als in die Konstruktion der Handlung.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 11. Mai 2017
Ein Film der Sektion Panorama der 66. Berlinale 2016
Foto: Kris Dewitte



Special: 67. Berlinale 2017 (09.-19.02.2017)


Einen schönen Tag nochEinen schönen Tag noch
"Ach", sagte die Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." - "Du mußt nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.
Regisseur Liu Jian eröffnet seinen Wettbewerbsbeitrag "Einen schönen Tag noch" zwar mit einem Tolstoi-Zitat, doch da könnte ebenso gut Kafkas Kleine Fabel stehen. Sinn- und Ausweglosigkeit bestimmen den chinesischen Trickfilm von den ersten Bildern an, wenn der studierte Landschaftsmaler Jian die zubetonierte Tristesse einer Stadt in Südchina zeigt.
Von Christian Horn.
Foto: Berlinale


Drôles d'oiseauxDrôles d'oiseaux
Es gibt wenig, bei dem man so angenehm alleine sein kann wie beim Spazierengehen durch eine Großstadt. Mavie, eine junge Frau, die aus Tours nach Paris gekommen ist, streift tagsüber meist durch die Straßen, lässt sich treiben, nimmt nur hin und wieder in einem ruhigen Café Platz, um zu schreiben. Dann lernt sie Georges kennen, einen siebzigjährigen, zurückgezogenen Exzentriker. Zwischen den beiden Einzelgängern entsteht eine fragile Nähe. Elise Girard erzählt mit eskapistischer Melancholie davon, wie es ist, die Liebe nur zu träumen - und feiert als Realität das, was wir zu einer solchen erklären.
Mavie (Lolita Chammah) ist in dem Leben, das ihre extrovertierte Freundin samt Geliebtem führt, nur ein Zaungast, der die Nächte auf deren Couch verbringt - von den wilden Sexgeräuschen des Pärchens um den Schlaf gebracht.
Von Jasmin Drescher.
Ein Film der Sektion Forum der 67. Berlinale 2017
Foto: Berlinale



Neue Rezensionen


Kein Sex ist auch keine Lösung
"Die erfolgreichsten deutschen Filme sind entweder Bestsellerverfilmungen oder Komödien. Wie erfolgreich müssen dann erst die Verfilmungen komischer Bestseller sein?" Mit dieser Frage verweist Georg Seeßlen in einem Essay über deutsche Komödien auf einen Trend, der spätestens seit "Herr Lehmann" zum routinierten Geschäft geworden ist. Mit der Romanverfilmung "Kein Sex ist auch keine Lösung" von Mia Morgowski schlägt Regisseur Torsten Wacker ("Süperseks") in dieselbe Kerbe und liefert letztlich genau das, was der Titel verspricht: eine harmlose romantische Komödie mit frivolen Spitzen.
Tom Moreno (Stephan Luca) brilliert bei einer Hamburger Werbeagentur und zieht als Don Juan durchs Leben. Die Frauen, das lässt er das Publikum gleich zu Beginn per Kommentar wissen, liebt er – und die Frauen lieben ihn. Seine zur Vermeidung von Ernsthaftigkeit aufgestellte Regel, höchstens dreimal mit derselben Eroberung zu schlafen, wird dem Beau zum Verhängnis, als er eine Affäre mit seiner reizenden Kollegin Elisa (Marleen Lohse) eingeht...
Von Christian Horn.

Love Steaks
Clemens (Franz Rogowski) soll sich tiefgefrorene Steaks um den nackten Körper binden, denn Lara (Lana Cooper) möchte sehen, was das mit seinem Penis macht. An anderer Stelle spült der junge Mann der besoffenen Lara, die zu regelmäßig ihren Flachmann ansetzt, die Kotze aus den Haaren. Der schüchterne, auf Harmonie bedachte Masseur und die dominante, ungestüme Küchenazubine - die Hotelmitarbeiter Clemens und Lara unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Und trotzdem knistert es zwischen beiden, und zwar heftig.
Seine cineastische Wucht bezieht "Love Steaks" allerdings nicht unbedingt aus der Romanze, sondern vor allem aus der kraftvollen Inszenierung, die im neusten deutschen Kino geradezu einem Schelmenstück gleichkommt. Ohne großes Budget, Drehbuch oder Patentrezepte drehte das Team um Jakob Lass während des laufenden Hotelbetriebs an der Originalkulisse, was viel Raum für Improvisationen und kleine Wahrhaftigkeiten lässt, die die stilsichere Handkamera anbetungswürdig einfängt.
Von Christian Horn.

Mr. Poppers Pinguine
Dass "Mr. Poppers Pinguine" eine Familiengeschichte erzählt, verdeutlicht bereits das Intro: Der kleine Tom steht per Funk mit seinem weltreisenden Vater in Kontakt, der seine Abenteuer in allen Farben beschreibt, bis ritualisiertes "Over and Out" die Gespräche beendet. Wenn der Vater ausnahmsweise in persona auftaucht, sitzt die Familie stets am gleichen Tisch in ihrem Stammrestaurant, wo der Senior Geschenke überreicht, um anschließend wieder aufzubrechen. Bis heute will Tom Popper (Jim Carrey) nicht an diesem Tisch sitzen, denn die Sehnsucht nach dem abwesenden Vater ist auch im Erwachsenenalter präsent.
Während die Story für Sommerblockbuster-Verhältnisse durchaus angemessen durchdacht ist, punktet Regisseur Mark Waters in erster Linie bei der charmanten und immer gut getimten Inszenierung. Wie eine klassische Screwball-Comedy eilt "Mr. Poppers Pinguine" stets voran und ist keine Sekunde langweilig.
Von Christian Horn.

Noordzee, Texas
Belgien in den Sechzigerjahren: Der 14-jährige Pim (Jelle Florizoone) lebt mit seiner Mutter Yvette (Eva Van der Gucht) mitten im Nirgendwo an der belgischen Nordseeküste. Außer einer Kneipe namens "Texas", wo die ehemalige Schönheitskönigin Yvette an den Abenden als Akkordeonspielerin auftritt, ist nicht viel los in der verlassenen Gegend. Seine Tage verbringt der verschlossene Pim mit dem etwas älteren Nachbarsjungen Gino (Mathias Vergels), der mit seiner Mutter Marcella (Katelijne Damen) und der Schwester Sabrina (Nina Marie Kortekaas) im Haus nebenan wohnt. Während Gino die erotischen Annäherungen mit Pim als Spiel versteht, schlägt die Freundschaft bei Pim bald in erste Liebe um - als Gino nach Dünkirchen zieht und dort eine Freundin findet, bricht für den Verlassenen eine Welt zusammen.
Von Christian Horn.

Pitch Perfect
Eigentlich will Beca (Anna Kendrick) nach Los Angeles ziehen und als DJane Musik auflegen. Doch zunächst landet die junge Frau an einem College, an dem die männliche A-cappella-Gruppe "Treblemakers" mit den weiblichen "Barden Bellas" konkurriert. Beim letzten großen Wettbewerb passierte den Frauen ein übles Missgeschick und die Boy Group ergatterte den ersten Platz - nun sollen die "Barden Bellas" im nächsten Jahr glänzen, müssen auf dem Weg zum Contest jedoch einige Hürden nehmen.
Die Entwicklungen der Figuren sind leider sehr absehbar und insbesondere Becas Vater-Konflikt und die Romanze mit Jesse fallen bald unter den Tisch. Jason Moore garniert seinen Film mit harmloser Nacktheit, einem Schuss Selbstironie sowie Klamauk-Einlagen rund um Kotze und ähnliches, wobei alles auf ein emotionales Finale zusteuert.
Von Christian Horn.

Resident Evil: Retribution
Milla Jovovich in 3D - mit dieser Verheißung warb schon der Trailer zu "Resident Evil: Retribution", dem nunmehr fünften Ableger der erfolgreichen Horror-Actionfilmreihe. Und tatsächlich hält sich Regisseur und Drehbuchautor Paul W.S. Anderson mehr denn je an diesen griffigen Slogan. Stärker als die Vorgänger konzentriert sich der neueste Auftritt von Milla Jovovich alias Alice auf die optischen Schauwerte und visuellen Vorzüge des Big-Budget-Kinos, während die klassische Geschichte und Dramaturgie auf das Allernötigste beschränkt in den Hintergrund rücken.
Zwar entfernt sich "Resident Evil: Retribution" wie die übrigen Teile der Reihe von der ursprünglichen Survival-Horror-Stimmung der Videospielvorlage, kommt der Dramaturgie und dem Ablauf eines Computerspiels aber sehr nahe. Die einzelnen Großstadt-Simulationen wirken wie verschiedene Level, wobei sich der Schwierigkeitsgrad stets erhöht und die Auswahl der Waffen dementsprechend verfeinert.
Von Christian Horn.

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin
Als Neunzehnjähriger legte Calvin (Paul Dano) seinen sehr erfolgreichen Debütroman vor. Zehn Jahre später lebt der Schriftsteller einzelgängerisch in einer Villa in Los Angeles und leidet an einer Schreibblockade. Eine von seinem Psychiater (Elliott Gould) angeregte Schreibübung wirbelt Calvins Leben durcheinander, als seine fiktive Figur Ruby Sparks (Zoe Kazan) plötzlich leibhaftig vor ihm steht! Durch die Zeilen, die der Autor in seine Schreibmaschine tippt, kann Calvin die Handlungen seines rothaarigen Geschöpfs steuern. Sein Bruder Harry (Chris Messina) ist hellauf von Calvins neuer Freundin begeistert, doch bald entwickelt Ruby eine eigene Persönlichkeit und entzieht sich Calvins Schreibvorgaben.
Jonathan Dayton und Valerie Faris, deren Erstlingserfolg "Little Miss Sunshine" (USA 2006) zum Zeitpunkt von "Ruby Sparks" sechs Jahre zurückliegt, entwerfen mit ihrem zweiten Kinobeitrag einen Independentfilm mit Hang zum Mainstream, der als Charakterdrama beginnt und sich bald zum romantischen Fantasyfilm entwickelt.
Von Christian Horn.

Satte Farben vor Schwarz
"Satte Farben vor Schwarz" ist ein im besten Sinne unspektakulärer Film. Sophie Heldman verzichtet in ihrem Kinodebüt auf jegliche Spielereien und verlässt sich ganz auf subtiles filmisches Erzählen sowie ihre beiden Hauptdarsteller Bruno Ganz und Senta Berger, die ein Liebespaar im gehobenen Alter spielen. Während nicht wenige Erstlingswerke daran scheitern, dass sie sich kaum von den an der Filmhochschule erlernten Normierungen emanzipieren, legt Heldman ein selbstsicher inszeniertes Kammerspiel vor, bei dem die zurückgenommene Inszenierung stets den Befindlichkeiten der Figuren nachspürt.
Das Thema von "Satte Farben vor Schwarz" ist das Leben im Alter. Es geht um Freiräume, die gegen Widerstände geschaffen werden müssen, um gealterte, reife Liebe, Selbstbestimmtheit und würdevolles Sterben.
Von Christian Horn.

Saw VI
"Saw", die Sechste! In der Folge ellenlanger Horrorreihen wie denen um Michael Meyers, Jason Voorhees oder Freddy Krüger legt auch das "Saw"-Franchise um den Jigsaw-Killer jedes Jahr aufs Neue einen nach. Ebenfalls ganz im Sinn der 80er-Jahre-Horrorserien ist dabei der stetige qualitative Verfall der Reihe, die mit "Saw" vor gerade einmal fünf Jahren noch vergleichsweise raffiniert gestartet war. Schon ab dem zweiten Teil lieferten die Sequels nur noch die "Torture Porn"-Essenz des Originals: brutale Folterszenen - immer spektakulärer, zunehmend plump.
Im sechsten Ableger wird nun der Versuch unternommen, die Erfolgs-Reihe zurück in die Gefilde des Storytelling zu führen. Dank des schwachen Drehbuchs und der abgeschmackten Inszenierung des Editors Kevin Greutert ist das allerdings gehörig schief gelaufen. Ständige unbeholfene Rückblenden, auch das ein Markenzeichen der "Saw"-Filme, füttern den Zuschauer notdürftig mit Informationen über die Vorgeschichte der Ereignisse.
Von Christian Horn.

Schimpansen
Es war einmal im Südwesten der afrikanischen Republik Elfenbeinküste. Unter der Führung des Alphamännchens Freddy lebte dort eine Gruppe Schimpansen, die sich gegen die regelmäßigen Angriffe der zwielichtigen Artgenossen rund um Scar behaupten musste. In diese gefährliche Umgebung wurde der kleine Oscar geboren, der stets auf die Hilfe seiner Mutter zählen konnte und durch das kluge Imitieren der anderen Affen täglich etwas Neues über das Schimpansen-Dasein lernte. Doch als Oscars Mutter eines Tages spurlos im Dschungel verschwand, musste der Junge um sein Überleben bangen, bis Freddy ihn adoptierte.
Über mehrere Monate hinweg filmten die Macher der Disney-Doku "Schimpansen" die Primatengruppe, in der Oscar aufwächst, und zimmerten auf der Basis der wahren Ereignisse das eingangs skizzierte Märchen. Es ist egal, ob es sich um einen dokumentarischen oder fiktiven Stoff handelt: Sobald eine Filmkamera im Spiel ist, entsteht eine konstruierte Realität.
Von Christian Horn.

Shootout - Keine Gnade
Walter Hill (Jahrgang 1942) zählt zu den einflussreichsten Protagonisten des US-Actionkinos der Achtzigerjahre. Mit Filmen wie dem schießwütigen Western "Long Riders", dem Buddy-Movie "Nur 48 Stunden" oder "Red Heat" mit Arnold Schwarzenegger prägte Hill die Hochphase der amerikanischen Actionfilme entschieden mit - hinzu kommt, dass er sich als Drehbuchautor die Kino-Ikone Ellen Ripley ("Alien") ausgedacht hat. Zuletzt war Hill als Kinoregisseur indes nicht mehr relevant, sondern wirkte bei den viel gelobten TV-Westernserien "Deadwood" und "Broken Trail" mit.
Dass sich Walter Hill nun mit Sylvester Stallone (Jahrgang 1946) zusammen getan hat, um mit "Shootout - Keine Gnade" einen gradlinigen Actionthriller umzusetzen, klingt erstmal nach einer guten Nachricht. Denn den derzeit angesagten Retrostil des Achtzigerjahre-Actionkinos, den Stallone zuletzt mit den "Expendables" auf die Leinwand brachte, beherrscht Hill quasi von der Pike auf. Und tatsächlich blitzt in dem ersten gemeinsamen Werk der beiden Haudegen immer wieder der markige Charme klassischer Actionfilme auf. Insgesamt verpufft "Shootout" jedoch, was insbesondere am schwachen Drehbuch liegt.
Von Christian Horn.

Silver Linings
Für "The Fighter" (USA 2010) wurde David O. Russell von Kritik wie Publikum gefeiert. Bei seinem neuen Film "Silver Linings" wagt der Hollywood-Auteur etwas anderes und legt eine überaus charmante Liebeskomödie mit zwei herausragenden Hauptdarstellern vor. Allein schon, weil der Film eine Komödie und damit "leichte" Unterhaltung ist, waren acht Oscar-Nominierungen überraschend. "The Fighter" kam auf sieben. "Silver Linings" ist ein rundum gelungenes Kinoerlebnis und - ähnlich wie Paul Thomas Andersons "Punch-Drunk Love" (USA 2002) - ein kleines Meisterwerk.
"Silver Linings" bedeutet auf deutsch "Silberstreifen" und einen ebensolchen sucht Pat (Bradley Cooper) am Horizont. Nach acht Monaten darf er die psychiatrische Anstalt verlassen, wo er gelandet ist, weil er den Lover seiner Frau Nikki (Brea Bee) brutal verprügelt hat.
Von Christian Horn.

Sinister - Wenn Du ihn siehst, bist Du schon verloren
Im Horrorgenre verheißt der Umzug in ein neues Haus selten Gutes, denn wie in "Amityville Horror" oder "Insidious" machen die neuen Hausbewohner meist Bekanntschaft mit Geistern, Dämonen oder sonstigem Spuk. Nicht anders ergeht es dem Schriftsteller Ellison Oswalt (Ethan Hawke), der mit seiner Familie ein kleines Häuschen in Pennsylvania bezieht, um Stoff für seinen neuen Kriminalroman zu finden: Im Garten wurde nämlich vor einiger Zeit eine komplette Familie erhängt. Auf dem Dachboden entdeckt Ellison einen Karton mit alten Super-8-Bändern, die grausige Aufnahmen verschiedener Ritualmorde zeigen – darunter auch die Ermordung der Vorbewohner...
Mit seinen nächtlichen Gruselszenen und der schauerlichen Tonspur inszeniert Scott Derrickson einen herrlich altmodischen Horrorfilm. Während die körnigen, sehr beklemmenden Super-8-Videos als Reminiszenz an den aktuellen Found-Footage-Trend in der Folge von "Paranormal Activity" daherkommen, setzt Derrickson bei der Umsetzung des Dämonenspuks auf altbewährte Stilmittel des Genres. Durchweg spannend steigert sich das Grauen, wobei die Soundgestaltung entschieden zur düsteren Atmosphäre beiträgt.
Von Christian Horn.

Stadt Land Fluss
"Stadt Land Fluss" ist ein kleiner deutscher Film, der vornehmlich mit Bildern erzählt und seinen größten Reiz aus der gelungenen Verknüpfung dokumentarischer und fiktionaler Aufnahmen bezieht. Langfilmdebütant Benjamin Cantu lässt seine beiden Protagonisten auf einem Landwirtschaftsbetrieb im brandenburgischen Jänickendorf aufeinander treffen: Der orientierungslose Jacob (Kai-Michael Müller) tritt dort nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Bankangestellten ein Praktikum an, während der in sich zurückgezogene Marko (Lukas Steltner) eine Lehre zum Landwirt bestreitet.
Anfänglich merkt man es kaum, doch zwischen Jacob und Marko entwickelt sich eine zaghafte, auf wackligen Beinen stehende Romanze. Beide sind mit ihrer sexuellen Orientierung noch nicht im Reinen - ob die Jugendlichen ihre Homosexualität gerade erst erkennen oder sich schon länger darüber bewusst sind, bleibt zwar unklar; dass beide jedoch das eigene Eingeständnis und die Reaktionen Außenstehender fürchten, markiert die dramaturgische Triebfeder der Liebesgeschichte.
Von Christian Horn.

Stationspiraten
Während "Das Leben gehört uns", "Halt auf freier Strecke" oder "50/50" die Krankheit Krebs im Kino zuletzt für ein erwachsenes Publikum thematisierten, verpackt der Schweizer Mike Schaerer die heikle Thematik in ein Coming-of-Age-Drama für Jugendliche. In seinem ambitionierten Erstlingswerk "Stationspiraten" werden die vier Teenager Benji (Vincent Furrer), Kevin (Scherwin Amini), Michi (Max Hubacher) und Sascha (Nicolas Hugentobler) auf einer Krebsstation zu Freunden.
Abgesehen vom Oberarzt Dr. Reichlin (Stefan Kurt), einer fürsorglichen Krankenschwester und Kurzauftritten der Eltern spielen Erwachsene keine große Rolle. Dennoch schont Mike Schaerer das angepeilte junge Publikum nicht mit der Darstellung der schweren Krankheit: Die kahl geschorenen Jungs übergeben sich oder spucken Blut, müssen mit Beinprothesen neu laufen lernen und verzweifeln an der Aussicht auf einen tödlichen Verlauf der Krankheit. In solch existenziellen Momenten kommt es oft zu Streit - und Selbstmordgedanken.
Von Christian Horn.

Storm Surfers 3D
Sie sind zwei Legenden des Surfsports: Ross Clark-Jones und der zweimalige Surfweltmeister Tom Carroll sind seit den Achtzigerjahren immer auf der Suche nach einer noch größeren Welle und einem noch gewagteren Stunt. Mit "Storm Surfers: Dangerous Banks" (2008) und "Storm Surfers: New Zealand" (2009) gab es schon zwei Dokus über die wagemutigen Australier, doch mit dem gelungenen 3D-Effekt der neuen Doku über die Extremsportler gewinnen die obligatorischen Surfszenen eine ganz neue Qualität.
Die Regisseure Justin McMillan und Christopher Nelius begleiten ihre Protagonisten bei insgesamt acht Surftrips, wobei ein Ausflug zur Sandbank Turtle Dove im Indischen Ozean den Höhepunkt markiert, weil der Wellengang dort besonders heftig ist. Die hoch auflösenden 3D-Go-Pro-Kameras, die die Kameratechniker teilweise direkt an den Surfbrettern befestigt haben, liefern technisch ausgefeilte und packende Bilder.
Von Christian Horn.

Sushi - The Global Catch
Seit einigen Jahrzehnten erobert Sushi die westliche Welt. Während das japanische Nationalgericht noch bis vor wenigen Jahren den Ruf einer exquisiten Speise für Gourmets hatte, ist die meist zu einer Rolle geformte Kombination aus Reis und Fisch längst zum Allgemeingut avanciert - und dementsprechend allerorten und in verschiedenen Variationen verfügbar, in New York seit Neuestem sogar als Sushi am Stiel. In seinem Dokumentarfilm "Sushi - The Global Catch" beleuchtet der Filmemacher Mark Hall die Auswirkungen des Sushi-Booms auf das ökologische Gleichgewicht der Weltmeere, wobei insbesondere der Thunfisch in den Fokus rückt: Die Nachfrage nach dem am häufigsten verwendeten Fisch für die Füllung der Reisröllchen ist in den letzten Jahren exponentiell angestiegen.
In nüchterner Manier, ganz klassisch mit Fakten und Interviews untermauert, bereitet die Doku die verschiedenen Problemfelder der hohen Thunfisch-Nachfrage auf und sucht mit Experten nach Lösungsmöglichkeiten.
Von Christian Horn.

The Thing (2011)
In der Antarktis stößt eine norwegische Expedition auf ein Raumschiff, das tief im ewigen Eis verborgen liegt. Unweit der Fundstelle entdecken die Wissenschaftler den eingefrorenen Körper eines Außerirdischen, den sie für weitere Untersuchungen in ihre Station transportieren. Als das Wesen dort jedoch auftaut, beginnt ein wahres Horrorszenario: Das Alien kann jegliche organische Formen imitieren und breitet sich wie ein Virus unter den Forschern aus. Rein äußerlich sind die Infizierten nicht von den Gesunden zu unterscheiden; erst wenn das Wesen in Gefahr gerät, geben die Körper in klaffenden Wunden ihr Inneres preis.
Mit seinen bizarren Body-Horror-Effekten, der treibenden Erzählweise und der nach wie vor interessanten Ausgangslage ist "The Thing" ein durchaus spannender Horrorfilm geworden.
Von Christian Horn.

Thor
Der nordische Donnergott Thor (Chris Hemsworth), Thronfolger des weit entfernten Königreichs Asgard, ist äußerst ungestüm - leichtsinnig provoziert er einen Krieg mit den Erzrivalen. Sein Vater Odin (Anthony Hopkins) verbannt ihn daher ohne Götterkräfte auf die Erde. Dort verliebt sich Thor in die schöne Forscherin Jane (Natalie Portman) und reift zum weisen König, während sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) nach mehr Macht in Asgard trachtet.
Der Big-Budget-Ausflug (150 Millionen Dollar) des Regisseurs Kenneth Branagh basiert zudem auf einer Comicserie von Marvel-Mastermind Stan Lee - der Reibung der populären Kunstformen sollte also nichts mehr im Wege stehen, zumal die Besetzung ziemlich knackig ist. Mit "Thor" liefert Branagh einen recht unterhaltsamen Film, der vornehmlich über das Visuelle funktioniert und interessante Querbezüge zur Popkultur anbietet. Dennoch wäre es spannender, selbst Thor zu sein, als lediglich draufzugucken, wie der Film-Thor aus eigener Kraft den Hammer schwingt.
Von Christian Horn.

Thor - Ein hammermäßiges Abenteuer
Während sein Vater Odin als strenger Gott in Walhalla residiert, lebt der kleine Thor mit seiner Menschenmutter in einem nordischen Dörfchen. Thor ist zwar ein Halbgott, stellt sich bei der Arbeit in der hauseigenen Schmiede aber trotzdem tollpatschig an und gerät bei der Gegenwart des Mädchens Edda ins Straucheln. Sein Leben ändert sich schlagartig, als ein sprechender Hammer durch das Dach seiner Schmiede kracht. Als Hel, die Göttin der Unterwelt, bis auf Thor alle Dorfbewohner/innen entführt, erkennt der Jüngling die magischen Wunderkräfte des kecken Hammers und bricht voller Tatendrang auf, um seine Leute zu retten.
Im weiteren Verlauf steigt der junge Thor, der mit seinem geistigen Verwandten aus den Marvel-Adaptionen "Thor" (Kenneth Branagh, USA 2011) und "The Avengers" (Joss Whedon, USA 2012) nicht viel gemein hat, zum Helden auf. Es ist eine ganz und gar klassische Heldenreise, die Thor absolviert, und leider fällt den insgesamt vier Drehbuchautoren kaum etwas ein, um dieses archetypische Grundgerüst mit interessanten Ideen zu bereichern.
Von Christian Horn.

Totem (2011)
Im Bochumer Reihenhaus der Familie Bauer liegt einiges im Argen: Der Vater säuft, die Mutter ist depressiv und gestresst, die jugendliche Tochter kapselt sich mit ihrem deutlich älteren Freund ab und der kleine Sohn geht in der allgemeinen Misere unter. Die Familienmitglieder leben nicht nur aneinander vorbei, sondern ohne jeglichen Antrieb vor sich hin - es ist der Gipfel der Sinn- und Trostlosigkeit, den "Totem" von Anfang an zeichnet. Dass die Bauers mit Fiona (Marina Frenk) eine Haushaltshilfe einstellen, bringt zwar etwas Bewegung in den monotonen Familienalltag, doch eine Besserung der traurigen Situation tritt keineswegs ein. Im Gegenteil lädt sich die Atmosphäre im Haus zunehmend mit latenten Aggressionen auf, wobei vor allem Fiona viel abbekommt - die Wutattacken der Mutter auf der einen, die sexuellen Avancen des Vaters auf der anderen Seite.
Von Christian Horn.

Ummah - Unter Freunden
Weil bei einem vermasselten Undercover-Einsatz zwei Menschen ums Leben kommen, muss der junge Verfassungsschutz-Ermittler Daniel (Frederick Lau) vorübergehend untertauchen. Sein Vorgesetzter Hartmann (Robert Schupp) vermittelt ihm eine heruntergekommene Absteige in Berlin-Neukölln, wo der von seinen Einsätzen sichtlich mitgenommene Mann sein Leben neu sortieren will. Im Handy- und Gebrauchtwarenladen von Abbas (Kida Khodr Ramadan) kauft Daniel einen Fernseher, der in seiner Wohnung jedoch nicht funktioniert. So kommt es, dass Abbas und sein Kumpel Jamal (Burak Yigit) ihn in seiner Wohnung besuchen, um das Gerät zu installieren. Zunächst aus Mitleid, bald aber aus echter Freundschaft, nehmen die beiden Türken den desorientierten Daniel unter ihre Fittiche. Langsam findet Daniel wieder in die Spur, doch dann steht sein Chef Hartmann vor der Tür und will seinen Ex-Mitarbeiter zurück zum Verfassungsschutz holen.
Von Christian Horn.

Die Vampirschwestern
Neben den Zombies reüssieren derzeit auch die Vampire im Kino, wobei letztere insbesondere vom weltweiten Erfolg der "Twilight"-Romane und -Filme profitieren. Mit "Die Vampirschwestern" kommt nun ein deutscher Film ins Kino, der den Vampirmythos für eine jüngere Generation aufbereitet und ganz normale Sorgen von Jugendlichen im Rahmen einer phantastischen Prämisse erzählt.
Dakaria und Silvania (Laura Antonia Roge & Marta Martin) sind mit ihren Eltern von Transsylvanien in ein deutsches Dorf gezogen und müssen sich an die neue Umgebung sowie neue Schulkameraden/innen gewöhnen. Dass sich das Zurechtfinden bei den 12-jährigen Schwestern schwierig gestaltet, hat einen guten Grund: Der Vater Mihai (Stipe Erceg) ist ein Vampir, die Mutter Elvira (Christiane Paul) ein Mensch. Dakaria und Silvania sind also Halbvampire, was einige praktische Vorteile wie Flugfähigkeiten und Telekinese-Begabung mit sich bringt - im Gegenzug vertragen die Mädchen Knoblauch und können ans Sonnenlicht.
Von Christian Horn.

Wir kaufen einen Zoo
Weil der Journalist Benjamin Mee (Matt Damon) nicht über den Tod seiner Frau hinwegkommt, zieht er mit seinen Kindern Dylan und Rosie (Colin Ford & Maggie Elizabeth Jones) in ein Bauernhaus auf dem Land. Zum Anwesen gehört auch ein maroder Zoo mit rund 200 Tieren, dessen Renovierung an den Kauf der Immobilie gekoppelt ist. Sein Bruder Duncan (Thomas Haden Church) rät Benjamin wegen des finanziellen Risikos von der Sanierung des Tierparks ab, doch gemeinsam mit der tatkräftigen Chefpflegerin Kelly Foster (Scarlett Johansson) wagt Benjamin das Abenteuer und macht sich an den waghalsigen Wiederaufbau des Zoos.
Die Geschichte von "Wir kaufen einen Zoo" basiert auf der Autobiografie des Journalisten und Zoobesitzers Benjamin Mee, die von der Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna ("Der Teufel trägt Prada") in einen kleinen, harmlosen Familienfilm verpackt wurde.
Von Christian Horn.

Yoko
Am Anfang verschifft der herzlose Wilderer Van Sneider (Tobias Moretti) einen kleinen Yeti von Tibet nach Deutschland, ohne das zusätzliche Frachtgut zu bemerken, denn das Fabeltier kann sich bei Bedarf unsichtbar machen. Sprechen kann der eisbärige Geselle zwar nicht (er sagt nur ab und zu "jo jo"), ist aber ganz schön weise und flieht aus Sneiders illegalem Gehege. Der Zufall führt den Flüchtigen in das Baumhaus der kleinen Pia (Jamie Bick), die ihn ohne Umschweife adoptiert und auf den Namen Yoko tauft. In Gefahr geraten beide, weil der böse Jäger den Yeti sucht, um in an den zwielichtigen Zoodirektor Kellerman zu verhökern, der die zoologische Sensation zu gern in seiner Sammlung hätte.
Regisseurin Franziska Buch ("Hier kommt Lola!") erzählt ihre Adaption der Kinderbuch-Reihe von Knister ("Hexe Lilli") nach Schema F und ohne Überraschungen.
Von Christian Horn.


Special: 38. Max Ophüls Preis 2017 (23.-29.01.2017)


Festivalplakat Max Ophüls Preis 201738. Max Ophüls Preis 2017
Die 38. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis (MOP) in Saarbrücken ging am Sonntag, dem 29. Januar 2017 nach sieben Tagen zu Ende, erstmals unter der Leitung von Svenja Böttger. "Für uns ist die Stärkung der deutschsprachigen Filmtalente erklärtes Ziel, und daher verstehen wir uns als Ort der Begegnungen und des Kennenlernens", sagt die neue Chefin und fügte als erste Amtshandlung neben den einzelnen Wettbewerben neue Filmreihen hinzu: die MOP-Watchlist und die MOP-Shortlist. Die Reihen zeigen Lang- und Kurzfilme, die schon auf anderen Festivals gelaufen waren. Damit führt das saarländische Filmfestival eine erst vor zwei Jahren eingeführte Tradition fort: Der MOP zeigt in den Wettbewerbsreihen nur Ur- und deutsche Erstaufführungen und präsentiert dort die neuesten Leinwandwerke deutschsprachiger Regisseure. Einst nahm der MOP auch Filme in die Wettbewerbe auf, die beispielsweise schon bei den Hofer Filmtagen ihre Premiere feierten. Jetzt zeigen die MOP-Wettbewerbe nur Novitäten.
Im Hauptwettbewerb des MOP konkurrierten 2017, wie fast jedes Jahr, 16 Spielfilme. Eine Jury um Schauspielerin Andrea Sawatzki prämierte das österreichische Teenager-Drama "Siebzehn" als Besten Film.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Max Ophüls Preis



Aktuelle Filme (Fortsetzung)


Die Reise mit VaterDie Reise mit Vater
Aus der Realität ihrer Familiengeschichte heraus erzählt die Regisseurin und Drehbuchautorin Anca Miruna Lazarescu über turbulente Zeiten, die ihr Vater als junger Mann durchmachen musste, als er Ende der sechziger Jahre unvorbereitet zwischen die Räder des Ost- und Westblocks gerät, und dabei vor allem ganz persönliche Entscheidungsprozesse durchmachen muss. Über die Bedeutung der Familie, über das Ertragen eines Schicksals in Angst vor Verfolgung, und letztendlich über die ganz persönliche Definition von Freiheit. Eine spannend aufgebaute und wechselweise fröhlich und melancholisch musikalisch untermalte Geschichte, die trotz einiger nicht unwichtiger Schwächen sowohl wichtig als auch unterhaltsam ist.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Movienet Film


Café SocietyCafé Society
"Das Leben ist eine Komödie, geschrieben von einem sadistischen Autor." Woody Allen selbst sagt dies in seinem Film "Café Society" als Off-Kommentator. Gemeint ist: Unglückliche Liebe kann brutal sein. Ein junger, unbedarfter Mann aus New York lernt im Hollywood der 1930er-Jahre eine Frau kennen, die Assistentin seines Onkels. Sie hat jemanden zum Partner, sagt sie. Sich verlieben ist verboten. Der junge Mann tut es trotzdem, was kann er auch dafür. Er erfährt nicht sofort, um wen es sich beim Partner handelt: um seinen mit einer anderen Frau verheirateten Onkel. Und die junge Frau? Verliebt sich zunächst in beide. Auch nach ihrer Entscheidung für einen der beiden ist das Feuer nicht erloschen.
Woody Allens 48. Regiearbeit inklusive Fernsehproduktionen erzählt ihre Geschichte zu althergebracht. Man kann sagen: Allen hat den Film mehr für sich selbst gedreht.
Von Michael Dlugosch.
Foto: 2016 Gravier Productions / Sabrina Lantos



Neue Rezensionen (Fortsetzung)


Anderswo
"Es ist immer wegen irgendwas eine beschissene Zeit". Mit dieser Aussage trifft der sonst so wortkarge Jörg (Golo Euler) genau ins Schwarze: In Noas (Neta Riskin) Leben gibt es viel, was nicht so läuft, wie sie es will. Berlin verlassen und mit ihrem Freund Jörg nach Stuttgart ziehen will sie nicht. Stattdessen möchte sie ihre Masterarbeit schreiben, "ein Wörterbuch für unübersetzbare Wörter". Das Gremium kann mit diesem paradoxen Vorhaben aber nicht viel anfangen und streicht ihr Stipendium. Noa ist am Boden zerstört. Niemand versteht sie. In der Hoffnung, dass die Sonne Tel Avivs und das Essen der Mutter ihr das Gefühl von vertrautem Heim bescheren, verlässt sie Berlin und reist kurzerhand zu ihrer Familie. Doch auch hier fährt Noa gegen die Wand.
Von Dilan Yilmaz.

Die Frau in Gold
Der packende Film schildert eine wahre Begebenheit, nämlich den Verlauf der ersten erfolgreichen Restitutionsklage: Es geht in solchen Verfahren um die Rückgabe von Nazibeutekunst an die rechtmäßigen jüdischen Eigentümer.
Nachdem die Nationalsozialisten 1938 in Wien einmarschiert sind, herrschen Angst und Schrecken unter den Juden. Sie werden systematisch enteignet, so etwa die Familie Bloch-Bauer, der man ihre berühmte Kunstsammlung raubt. Darunter befindet sich auch das Jugendstil-Porträt der Tante Adele (Antje Traue) von dem berühmten österreichischen Maler Gustav Klimt (Moritz Bleibtreu). 50 Jahre später möchte Blochs Tochter Maria Altmann (Helen Mirren), eine inzwischen betagte Dame, die damals durch ihre Emigration nach Amerika als Einzige dem Holocaust entkam, das Bild "Goldene Adele", das ihr rechtmäßig gehört, wiederbekommen.
Von Manfred Lauffs.

Wonderwall - Welt voller Wunder
Nicht jeder Film kann als Meisterwerk in die Filmgeschichte eingehen, hat sich aber trotzdem seinen Platz im Filmkosmos verdient. "Wonderwall" kommt als flippiges Hippiefilmchen daher mit einem verblüffend simplen Plot, kann aber dafür kuriose Einfälle und eine wunderschöne Ausstattung in die Waagschale werfen. Im Hintergrund gibt es interessante Querverbindungen zu entdecken - hier trafen einige Künstler aufeinander, die maßgebend für die Popkultur der ausgehenden 60er Jahre waren.
Die schlichte Handlung ist schnell wiedergegeben: Ein zurückgezogen lebender Professor wird durch ein Loch in seiner Wohnzimmerwand auf seine hübsche Nachbarin aufmerksam. Model Penny lebt dort mit ihrem Freund zusammen. Beide führen ein Leben, wie man es sich im Swingin' London vorstellt: extravagante Wohnung und Kleidung inklusive Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Diese neue farbenfrohe Welt auf der anderen Seite der Mauer zieht den Professor in ihren Bann, wird zu seinem Lebensmittelpunkt und beflügelt zunehmend seine Fantasie. Zuletzt wird er Zeuge, wie die Beziehung der jungen Frau in die Brüche geht, und wird zu ihrem Retter, als sie einen Selbstmordversuch unternimmt.
Von Jessica Ridders.

 



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Traueranzeige

verstorben: Dorothea Holloway, unter ihrem Geburtsnamen Dorothea Moritz Schauspielerin ("Höhenfeuer", "Der Willi-Busch-Report"), Filmjournalistin und liebe Freundin (08.06.1932 - 03.02.2017)


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