Mann beißt Hund "Für gewöhnlich beginne ich den Monat mit einem Postmann", erklärt Ben beiläufig und pflegt seine Gewohnheit direkt vor der Kamera. Sie begleitet den jovialen Protagonisten des belgischen Kultfilms während seines mörderischen Alltags. Ben ist ein Serienkiller, dessen Opferradius von alten Damen über unbedarfte Passanten bis zu ganzen Familien reicht. Was das Töten angeht ist der bornierte Verächter jeder Gruppe, der er nicht angehört, der tolerante Zeitgenosse, der er zu sein glaubt. So unverblümt wie er seine streitbaren Überzeugungen mit dem dreiköpfigen Filmteam teilt, so ungeniert frönt er seinem Hobby.
Mit jedem Grinsen über den Galgenhumor und die politische Inkorrektheit schwindet die vorsorglich eingenommene Distanz gegenüber Ben. Er verkörpert die perfideste Form des Bösen: Banalität. "Es geschah in Ihrer Nähe" lautet der flexible Originaltitel der bitterbösen Satire, die heuchlerische Anklagehaltung und moralische Selbstgerechtigkeit demaskiert: nicht nur auf der Leinwand, sondern davor.
Von Lida Bach. Quelle des DVD-Covers:
Arthaus Verleih: Release der DVD und Blu-Ray ab März 2013
Aktuelle Filme
Der große Gatsby (2013) Es wäre vermessen, von einem Regisseur, der Shakespeares "Romeo und Julia" zu einer Teenie-Soap-Opera verkrüppelte, Achtung vor einem Meisterwerk der amerikanischen Literatur zu erwarten. Und dennoch ist man unweigerlich angewidert vom schieren Ausmaß an Vulgarität, mit der Baz Luhrmann "Der große Gatsby" zu einem dreidimensionalen Ungetüm voll heißer Luft aufbläst. Die Abscheu teilt der junge Nick Carraway: "Als ich aus New York zurückkam war ich voller Ekel", seufzt der Erzähler, dem man keine einzige Emotion abkauft. Der sichtlich zu alte Tobey Maguire chargiert zwischen Wehleid und sturer Naivität, während seine Off-Stimme dem Publikum aus den tragischen Illusionen des unglückseligen Titelcharakters (Leonardo DiCaprio) sein eigenes Eskapismus-Märchen strickt.
Von Lida Bach. Foto: Warner Bros. Pictures Germany / Matt Hart Eröffnungsfilm der 66. Filmfestspiele Cannes 2013
Evil Dead (2013) "Ich weiß nicht, ob dir das aufgefallen ist, aber es wird jede Sekunde schlimmer." Es ist mir aufgefallen. Zuerst war es nur ein vager Verdacht, den der postergerechte Prolog von Fede Alvarez' "Evil Dead" auslöste. Ein junges Mädchen (Phoenix Connolly) schleppt sich durch einen diesigen Wald. Doch der Fäulnisnebel bietet keinen Schutz vor ihren Verfolgern, die in einer einsamen Hütte ein barbarisches Ritual vorbereiten. Ein verängstigtes Opfer, in den Klauen ekliger Kreuzungen der Klischeegattungen "degenerierte Hinterwäldler" und "fanatischer Sektenanhänger": klarer Fall von Gut und Böse, oder? Erstes nein, zweites ja. Der endgültige Spoiler steht hier erst im letzten Absatz, aber schon mal ein kleiner An-Spoiler dazu: Burn, witch, burn!
Von Lida Bach. Foto:
Sony Pictures
Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr "Rom, das große Reich, ist bei uns Amerika", sagt Regisseur Antoine Fuqua im Presseheft zu "Olympus Has Fallen" und orchestriert treu dieses Prinzips eine Actionfilm-Ode an patriotischen Primitivismus. Darin erzittert der auf Nationalismus und Paranoia errichtet Staats-Olymp, als nordkoreanische Terroristen das Allerheiligste stürmen und Präsident Asher (Aaron Eckhart) als Geisel nehmen. Doch "Als Nation sind wir nie stärker als wenn wir geprüft werden", beruhigt Staatssprecher Trumbull (Morgan Freeman) all jene da draußen, die wie Kim Jong-il ihre Kinofilme pompös und propagandistisch mögen. "Sie kamen, um unseren Lebensstil zu entweihen", verkündet Asher, der "das Publikum mit einem kollektiven Gefühl des Patriotismus" vereinen will wie augenscheinlich Fuqua.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 13. Juni 2013 Foto:
Universum Film
Star Trek Into Darkness "Das ist Deep Space!", ruft Captain James T. Kirk (Chris Pine) zu seinem Ersten Offizier Spock (Zachary Quinto) mit kindlichem Enthusiasmus, den man J.J. Abrams' stürmischem Vordringen in das "Star Trek"-Universum, das der Regisseur und Produzent vor vier Jahren betrat und von seinen Anfängen her neu aufrollte, gern entgegenbringt. Die Worte des eigensinnigen und hitzigen Kopfs der jungen Crew des Raumschiffs "Enterprise" bündeln die durch den Vorgänger "Star Trek: Die Zukunft hat begonnen" hochgesteckten Erwartungen, die "Star Trek Into Darkness" spielerisch erfüllt: tieferes Eintauchen in Charaktere, Struktur und Philosophie der von Gene Roddenberry 1966 begonnenen Saga, deren Dunkelzone Abrams und die "Enterprise" ansteuern.
Von Lida Bach. Foto:
Paramount Pictures
No Place on Earth - Kein Platz zum Leben "Jede Höhle birgt ein Geheimnis", sagt Christopher Nicola. Eines der unglaublichsten und bewegendsten entdeckte der fachkundige New Yorker, als er sich 1993 in den unscheinbaren Ort Bilche Zolote in die Verteba-Höhle abseilte. Dort, im Westen der Ukraine, wollte er seine sich dort verlierende Familienbiografie erforschen und die Gipshöhlen, von denen sich einige über 100 Kilometer erstrecken. Eines dieser unterirdischen Labyrinthe ist die Priestergrotte, deren von Süßwasserläufen durchzogene Gänge beherbergten einst über ein Jahr lang 38 Menschen. Für sie gab es während der faschistischen Besatzung keinen Platz auf Erden - "No Place on Earth". Davon berichtet Esther Stermer in ihren Memoiren, die in Janet Tobias' Dokumentardrama in den Berichten ihrer Söhne und Enkelinnen lebendig werden.
Von Lida Bach. Foto:
Senator
Das wundersame Leben von Timothy Green
Als Regisseur Peter Hedges die Drehbücher für "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" oder "About a Boy: Der Tag der toten Ente" oder selbst des nicht so großen "Unschuldig verfolgt" schrieb, hatte er ein glücklicheres Händchen als bei dem Märchen für Erwachsene über Timothy Green. Trotz der verträumten Indian Summer-Bilder der amerikanischen Kleinstadt Stanleyville, trotz sehr guter Schaudarbietung von Jennifer Garner in der Rolle der Mutter oder CJ Adams als Timothy bleibt die Geschichte ohne große Botschaft und somit nur ein rein optisches Vergnügen. Der Disney-Streifen ist zwar ab 6 freigegeben, aber wegen des tragischen Endes nicht unbedingt für Kinder geeignet.
Von Hilde Ottschofski.
deutscher Kinostart: 6. Juni 2013 Foto:
Disney Enterprises, Inc.
Beerland "Mit seiner Dokumentation setzt der aus Kansas, Missouri, stammende Filmemacher Matt Sweetwood unserem Nationalgetränk ein Denkmal." Um das zu erfahren, braucht man das launige Kinodebüt des Wahlpotsdamers nicht einmal anzusehen, da das Presseheft es auf der ersten Seite vorab verkündet. Wer würde dahinter werbestrategische Übertreibung vermuten? Daher: Danke, Matt Sweetwood! Vor deiner Reportage hatte man keinen Plan, weder geschichtlich, noch gesellschaftlich, weder gebiets- noch getränketechnisch. Und am wenigsten vom Titelort deines "Beerland".
Den Allgemeinbildungswert des Dokumentarfilms kennt das Presseheft ebenfalls: "Natürlich wissen wir über unser flüssiges Brot, unser wichtigstes Nahrungsmittel, selbst am besten Bescheid."
Von Lida Bach. Foto:
Movienet Film
Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen "The Bitter Pill" lautet der ursprüngliche Titel des Skripts, das Scott Z. Burns aus einem obskuren Kurzfilm aufbauschte und dem Steven Soderbergh in letzter Minute den Namen der Vorlage gab: "Side Effects". Nebenwirkung der Umtaufe ist, dass die allzu schöne Ironie der Inszenierung verlorengeht. Eine bittere Pille ist der kalkulatorische Wettbewerbsbeitrag für die Fans des Regisseurs, der ihn als seine letzte Kinoarbeit ankündigt; eine noch bittere für alle, die den bodenlosen Plot der aalglatten Mainstream-Medikation schlucken müssen.
In der Story von "Side Effects" tritt Wirkung wie bei den darin verabreichten Medikamenten nicht sorgsam austariert ein, sondern willkürlich und sensationalistisch.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale (Verleih: Senator) ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
Der Dieb der Worte "Dazu ein Mann zu sein gehört auch, dass du, egal wie schmerzlich es sein mag, deine eigenen Grenzen akzeptierst", hört der verantwortungsscheue Rory Jansen (Bradley Cooper) von seinem Vater (J. K. Simmons), als er ihn um Geld angeht. Weise Worte, doch leider nicht die, an die Brian Klugman und Lee Sternthal sich in ihrem Regiedebüt halten. "Der Dieb der Worte" ist keine Kinogeschichte, sondern ein melodramatisches Manual über Plagiarismus und die harschen Konsequenzen. Die treffen statt des Plagiators das Auditorium - ähnlich dem, vor dem das Regieduo ansetzt den wirren Handlungsfaden zu spinnen -, das sich dem dreisten Derivat ausgesetzt sieht. Keine beneidenswerte Position, weder für das Publikum auf der Leinwand, noch das davor.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 23. Mai 2013 Foto:
Wild Bunch Germany
Fünf Jahre Leben Der Fall war ein Politikum: 2001 wurde der Deutsch-Türke Murat Kurnaz von den Amerikanern des Terrorismus beschuldigt und nach Guantanamo verschleppt. Was er dort durchmachte und andere Insassen dort wohl immer noch erleben, konnte man bisher nur ahnen trotz der Bilder aus dem US-Lager Abu Ghreib im Irak. Dieser Film ändert das. Kurnaz verließ seinerzeit Bremen, um in Pakistan angeblich eine Koranschule zu besuchen, kurz nach dem 11. September 2001. Oder wollte er Terrorist werden? Der Film stellt diese Frage nicht, er enthält keine explizite Unschuldsvermutung oder das Gegenteil. Schon allein das macht den Film wertvoll.
Von Michael Dlugosch.
deutscher Kinostart: 23. Mai 2013 Foto:
Max Ophüls Preis Max Ophüls Preis 2013: ein Film in der Reihe Wettbewerb Spielfilm
Mutter und Sohn Zumindest im Kino scheint Rumänien seinen Platz in Europa gefunden zu haben. Endlich, muss man sagen, mit Blick auf all die unsäglichen und unterschwellig rassistischen Debatten der letzten Zeit über kriminelle Roma, unliebsame Arbeitsmigration und die Sicherheit der europäischen Außengrenzen. Mit dem diesjährigen Goldenen Bären für "Mutter und Sohn" des rumänischen Regisseurs Calin Peter Netzer widerfährt Rumänien zumindest auf der Leinwand ästhetische Gerechtigkeit. Kunst ist damit wieder einmal klüger als Politik und das auch, weil es ihr wie mit diesem Film gelingt, die gesellschaftlichen Zustände eines Landes mit ästhetischen Mitteln so zu verdichten und durchdringen, dass man alle politischen Einschätzungen über die Europafähigkeit dieses Landes für einen Moment getrost vergessen kann.
Von Nicolas Oxen.
deutscher Kinostart: 23. Mai 2013 Foto: X-Verleih ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013: Goldener Bär
Die Lebenden
Eigentlich können sie es. Und eigentlich können sie es gut. Die österreichischen Filmemacher sind den (aktuellen) deutschen Filmemachern um Längen voraus, wenn es darum geht plausible, nicht artifizielle, humorvolle und zugleich spannende Geschichten zu erzählen. Jessica Hausner, Ulrich Seidel, Wolfgang Murnberger, Michael Glawogger, Peter Kern und auch Barbara Albert haben - natürlich zusammen mit Michael Haneke - dem österreichischen Film in den letzten beiden Dekaden auch international ordentliche Prestige und Renommé verpasst. Ihn also gleichermaßen aufpoliert. Barbara Albert bebildert die Geschichte der 25-Jährigen Sita (Anna Fischer), die durch Zufall entdeckt, dass ihr Großvater ein Nazischerge war, und eine ausführende Funktion in einem Konzentrationslager innehatte.
Von Sven Weidner.
deutscher Kinostart: 30. Mai 2013 Foto:
Real Fiction Filmverleih
The Grandmaster "Prahl nicht mit deinem Stil", warnte ein eleganter Fremder mit einem weißen Fedora die ihn umringenden Feinde zu Beginn von "The Grandmaster", doch genau dies tut Wong Kar Wai in seiner epischen Martial-Arts-Vorführung. Der Mainstream-Auteur des Hongkong-Kinos widersetzt sich in einem bis in die kleinste Bewegung makellos choreografierten Eröffnungsfilm der 63. Berlinale dem Rat des vermeintlichen Titelcharakters mit solcher Vervollkommnung, dass die Inszenierung an eine Parodie des darin verklärten Purismus grenzt.
Die Wege der scheinbar alterlosen Charaktere kreuzen sich über die von Besatzung und Bürgerkrieg erschütterten Jahrzehnte chinesischer Geschichte, die "The Grandmaster" in verspielten Szenengemälden durchmisst.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 27. Juni 2013 Foto: Berlinale Eröffnungsfilm der 63. Berlinale 2013
Layla Fourie "Lügner sind nervöser", erwidert Layla, gefragt, ob sie ohne Lügendetektor einen Lügner erkennen könnte. Die junge Südafrikanerin (Rayna Campbell) ist nicht nervös. Sie hat Angst. Angst, dass ihr Kartenhaus aus Stillschweigen, Verheimlichung und Vertuschung, ihre mühsam gewahrte Fassung, ihre Zukunftspläne für den kleinen Sohn Kane (Rapule Hendricks) einstürzen. "Es wäre besser, es gäbe keine Lügen", sagt sie. Doch dann hätte sie nicht die Berufschance in der Polygrafie. Eine sehr ungewöhnliche Tätigkeit, bemerkt ihr zukünftiger Boss: "Für jemanden wie Sie es sind." Eine Frau, Schwarze, alleinstehende Mutter, eine von den Armen. Für "Layla Fourie", die Titelfigur von Pia Marais' angespanntem Charakterporträt als Allegorie einer von Furcht beherrschten Gesellschaft.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 4. Juli 2013 Foto: Pandora Film ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
Das Leben ist nichts für Feiglinge
Als die Mutter durch einen Unfall tödlich verunglückt, stürzt der Rest der Familie in ein Durcheinander, das sich erst wieder zurechtruckeln muss. Der Mann, Markus, die immer noch pubertierende 15jährige Tochter Kim und die krebskranke Oma versuchen verzweifelt erst allein und dann nach und nach miteinander mit ihren Problemen fertig zu werden.
Die Trauer, der Tod und seine verschiedensten Gesichter, Todesangst und Todessehnsucht treffen aufeinander in diesem Film. Ein gutes Thema, schauspielerisch gekonnt dargestellt, mit schöner Kulisse und manch poetisch gestalteter Szene. Wenn da nicht die auswendig dahergesagten "komischen" Dialoge und künstlich drübergestülpten Szenen wären, die vom eigentlichen Thema unnötigerweise ablenken.
Von Hilde Ottschofski. Foto:
Senator (Verleih: NFP)
Mademoiselle Populaire 1958: Rose Pamphyle (Déborah François) träumt von der großen weiten Welt. In der nächstgrößeren Stadt will sie einen Beruf ergreifen, der die Frauen ihrer Zeit in echte Begeisterung versetzt: Sekretärin!
Fünfzehn Millionen Euro - ein außergewöhnlich hohes Budget für einen Debütfilm. Im Fall des abendfüllenden Erstlingswerkes von Régis Roinsard hat sich der Einsatz dieser Summe vollauf gelohnt. Mit seiner romantischen Komödie über das Provinzmädchen Rose und ihren Aufstieg zur Weltmeisterin im Maschinenschnellschreiben ist dem Filmemacher ein liebenswerter Film in der Ästhetik der späten fünfziger Jahre gelungen.
Von Antje Kuschpel. Foto:
Studiocanal
Der unglaubliche Burt Wonderstone "Der unglaubliche Burt Wonderstone" kommt genau zur richtigen Zeit. Okay, das gilt jetzt nur für den Titelgeber und nicht die Bühnenzauber-Burleske. Don Scardinos fauler (Film)Zauber wirkt noch überflüssiger und unförmiger als ein Tafelsatz von Uri Geller verbogener Löffel, aber in der Handlung kommt ihr Hauptprotagonist wirklich zum perfekten Zeitpunkt: den 80ern. Damals waren Las-Vegas-Zauberer wie Siegfried & Roy ein Riesenhit. Brustfreie Glitzer-Outfits, schwülstige Showstunts und Steve Millers "Abracadabra" waren ein Riesenhit. Sprechende Künstlernamen wie "Burt Wonderstone" waren ein Riesenhit und all das kriegt Burt (Steve Carell) auf einmal mit dem Zauberkasten, den er 1982, als er noch der kleine Albert Wunderstein (Mason Cook) war, zum Geburtstag erhält.
Von Lida Bach. Foto: Ben Glass / Warner Bros. Pictures Germany
Ein freudiges Ereignis "Warum hat mich niemand gewarnt?" Diese Frage stellt sich die baldige Mutter Barbara in Rémi Bezançons Fortsetzung seiner Reihe filmischer Diskurse über die Wehen und Wehwehchen der pseudointellektuellen heterosexuellen Bourgeoisie und das Publikum der faden Familienfarce über "Ein freudiges Ereignis". Letztes ist alles andere als ein solches, sowohl für die - im Sinne der sprachgeschichtlichen Urbedeutung - hysterische Heldin als auch die Kinozuschauer. Beiden können die Vorwürfe nicht mehr helfen, denn sie stecken mittendrin.
Die Philosophiestudentin Babs steckt im Kreißsaal bei der Niederkunft ihres ersten Kindes, das Publikum im Kinosaal bei der wohl zähesten Geburtsszene seit den Aufklärungsvideos aus dem Sexualkunde-Unterricht.
Von Lida Bach. Foto: Camino Filmverleih
Zimmer 205 - Traust du dich rein? "Traust du dich rein?" fragt der Untertitel von Rainer Matsutanis "Zimmer 205". Offen zugegeben traue ich mich nicht. Nicht mehr. Wer sich einmal in die Neuverfilmung des dänischen Horrorfilms "Kollegiet" wagte, erkennt den Untertitel als böses Omen und verneint wohlbedacht die herausfordernde Titelfrage. Alle, die weder auf ungute Vorzeichen, noch ausdrückliche Warnungen etwas geben, erwartet ein ähnlicher Uni-Alptraum wie Katrin (Jennifer Ulrich). Die 19-Jährige zieht aus dem Reihenhaus ihres besorgten Vaters (Hans-Uwe Bauer) ins Studentenheim und ihr zugeteilt wird...? Tatsächlich "Zimmer 205"! Dessen letzte Bewohnerin Annika (Julia Dietze) verschwand ein Jahr zuvor spurlos aus dem Zimmer, in dem sie weiter präsent ist - und nicht nur für Katrin eine mörderische Gefahr.
Von Lida Bach. Foto:
Neue Schönhauser Filmproduktion / Katharina Simmet / NFP
Die Jagd (2012) Thomas Vinterberg ist spätestens seit "Das Fest" ("Festen", 1998) bekannt für das Ab- und noch vielmehr Hintergründige. Mads Mikkelsen, der unaufdringlich wie kraftvoll in all seinen Rollen aus den schauspielerischen, gestischen wie mimischen Vollen schöpft, verkörpert Lucas, den Kindergärtner, der eigentlich Lehrer ist, und die Tochter seines besten Freundes sexuell belästigt haben soll. In einer teuflischen Eigendynamik, gespeist aus dem unbedachten Verhalten der Kindergartenleiterin, falschen Annahmen wie falschen Schlussfolgerungen, wird die Hatz auf ihn eröffnet. "Jagten" ist ein kühler, aber nicht minder wirkungsmächtiger Appell an unsere Ratio. Uns wird plastisch vorgeführt, mit welcher Brutalität, Rücksichts- und Schonungslosigkeit, der Mensch und Freund zum Feind und Tyrann werden kann, wenn falsche Umstände es erfordern.
Von Sven Weidner. Foto: Wild Bunch Germany
Ostwind Ich habe "Ostwind" nicht verstanden. Das weiß ich dank Hannah Binke. Die 14-Jährige spielt das romantische Interesse des heldenhaften Hengstes in Katja von Garniers Kinderfilm, für den sie ebenso schwärmt wie ihre Filmfigur für ihr rebellisches Ross Ostwind. Im Presseheft beantwortet sie die Frage, die sich angesichts der gleichnamigen Glanznummer kommerziellen Kinokalküls aufdrängt: "Wie soll das Publikum denken, wenn es 'Ostwind' gesehen hat?" "Die sollen dann sagen: Ich fange jetzt an zu reiten", meint Binke. "Wenn man den Film verstanden hat, kann man gar nicht anders reagieren."
Das Titeltier schufen die Drehbuchautorinnen Lea Schmidbauer und Kristina Magdalena Henn augenscheinlich wie all ihre Klischeefiguren nach Vorbildern aus der "Lissy", "Wendy" und "Conny".
Von Lida Bach. Foto: Constantin Film / SamFilm / Tom Trambow
Die Croods "Ideen sind was für Schwächlinge!" Zu diesem Grundsatz bringt Grug seine Alltagserfahrung als Familienoberhaupt (im Original gesprochen von Nicolas Cage) zu einer Zeit irgendwann zwischen der Entdeckung des Feuers und der Ausformung der Kontinente. Ein paar Hundert Millionen Jahre später sind Kirk DeMicco und Chris Sanders intellektuell nicht sonderlich weiter gekommen. Das signalisiert jedenfalls die dreidimensionale Animationsaction, mit der das Regieduo das Publikum am letzten Wettbewerbstag der 63. Berlinale in die Steinzeit versetzt.
Das gelingt dem aufgedrehten Familienabenteuer weniger durch das dröhnende Szenario aus schroffen Felsformationen und Dschungeldickicht als die in Stein gehauene Moral. Veränderung = Gefahr.
Von Lida Bach. Foto: 2012 DreamWorks Animation LLC. (20th Century Fox) ein Film im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der 63. Berlinale 2013
Kon-Tiki Als der Norweger Thor Heyerdahl 1947 von Callao, Peru aus auf einem primitiven Holz-Floß in See stach, um den Pazifik zu überqueren, hielten ihn manche seiner Zeitgenossen für wagemutig, die meisten jedoch für schlichtweg verrückt. Heyerdahl wollte eine These belegen, mit der er zuvor in der ethnologischen Fachwelt auf vernichtende Ablehnung gestoßen war: Statt an die Besiedlung der Polynesischen Inseln von Asien aus zu glauben, vertrat Heyerdahl die Meinung, dass die Gründungsväter Polynesiens auf Flößen aus Südamerika über den Pazifik gesegelt seien.
Die beiden Filmemacher Joachim Rønning und Espen Sandberg verstehen es gekonnt, selbst die vorhersehbarsten Ereignisse in einer Weise zu inszenieren, die diese aufregend neu und hochgradig spannend machen.
Von Antje Kuschpel. Foto:
DCM
Jack and the Giants
"Es ist ein sehr traditionelles Märchen, wahrscheinlich das Traditionellste, das ich je gemacht habe", kommentiert Bryan Singer "Jack the Giant Slayer". Wenn das zutrifft, ist die Definition des "X-Men"-Regisseurs von Tradition wohl noch profaner als von Charakteren, Spannung, Humor, Romantik, Originalität und Magie. Das suggeriert das dreidimensionale Fantasy-Spektakel, zu dem er zwei Volkssagen aus Cornwall hochzüchtet: ein Wirrwarr aus Action und Familienunterhaltung, das alle aufgezählten Qualitäten haben soll, doch keine hat. Für einen Actionfilm ist das antriebslose Mainstream-Produkt zu lahm, für ein Heldenepos zu fade, für eine Romanze zu tugendsam, für eine Komödie zu witzlos.
Von Lida Bach. Foto:
Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC
Rubinrot Nachdem in Amerika Stephenie Meyers Bestseller "Bis(s)"-Bände als Vorlage für die erfolgreiche Verfilmung der "Twilight"-Saga diente, versucht es Produzent und Regisseur Felix Fuchssteiner mit einem deutschen Bestseller-Werk von Kerstin Gier. "Rubinrot" ist der erste von drei Teilen, der allein in Deutschland über eine Million Mal verkauft wurde. Während Frau Meyer die Protagonistin in ihren "Bis(s)"-Romanen durch die Welt der Vampire stolpern lässt, verarbeitet Frau Gier die mystische Thematik des Zeitreisens. Auch wenn eine Verbindung zwischen beiden Franchise-Arbeiten nur in der Hoffnung ihres Erfolges gewollt ist, ähneln sich die Fantasy-Filme in einigen Bereichen. Ihre Gemeinsamkeit liegt dabei nicht nur in der Liebesgeschichte einer Teenagerin und dem undurchsichtigen Schönling.
Von Ulrike Braun. Foto:
Meike Birck / Concorde Filmverleih
Sofia's Last Ambulance Drei Protagonisten und ihre unermüdliche Arbeit, der die Kamera aus nächster Nähe folgt: Krassi, Mila und Plamen durchkreuzen die holprigen Straßen Sofias, um Verletzte zu versorgen. Es braucht keine emotionsfördernde Musik oder einen Kommentator - die schwere Bürde, die das Team tagtäglich würdevoll zu tragen weiß, spiegelt sich in jedem Moment in ihren Gesichtern wider.
Mit dem mehrfach preisgekrönten "Sofia's Last Ambulance" legt der bulgarische Regisseur Ilian Metev seinen ersten abendfüllenden Dokumentarfilm vor. Es ist der Kampf Davids gegen Goliath. Auf die zwei Millionen Einwohner der bulgarischen Metropole Sofia fallen 13 Ambulanzen, die täglich tapfer allen Widrigkeiten zum Trotz das schier Unmögliche versuchen - Leben zu retten.
Von Oliver Forst. Foto: W-film Distribution / Ilian Metev
Lincoln Es braucht einen weisen Mann, um Frieden zu stiften. Und auch wenn es in Lincolns Amtszeit einen langen und blutigen Sezessionskrieg gegeben hat, so hat er es doch geschafft, ihn zu beenden. Und dadurch die Union der Staaten wiederherzustellen und auch die Sklaverei abzuschaffen. Steven Spielbergs Verfilmung der letzten Monate im Leben Lincolns ist eine tiefe Verbeugung vor diesem weisen Mann. Er schafft das Porträt eines liebenden Vaters, eines geduldigen Ehemanns, eines völlig erschöpften Taktierers, eines guten Zuhörers und intelligenten Redners, eines heiteren Geschichtenerzählers und geschickten Juristen. Dem Charisma dieser historischen Gestalt kann sich keiner wirklich entziehen, auch nicht Spielberg.
Von Hilde Ottschofski. Foto:
Twentieth Century Fox of Germany
3096 Tage Weiß. Alles beginnt mit Bildern von gleißendem Weiß. Aus jener blendenden, endlosen Leere lösen sich sachte die Umrisse einer Schneelandschaft und aus ihr die Gestalt einer jungen Skifahrerin. "Es war klar: Nur einer von uns würde überleben", resümiert sie nüchtern vor der eisigen Nicht-Farbe, aus der sie auftaucht und in der sie wieder versinkt. Weiß ist in vielen Kulturen die Farbe des Todes, nicht jedoch im Österreich um die Jahrtausendwende. Dort spielt die Geschichte, die zwei ist: eine wahre und eine fiktive. Beide verschmelzen in Sherry Hormanns distanzierter Verfilmung des Falls Natascha Kampusch zur psychologisch verkürzten Chronik der titelgebenden "3096 Tage".
Von Lida Bach. Foto: Constantin Film / Jürgen Olczyk
Liebe und andere Turbulenzen "Das Leben ist nur eine Reihe von Unfällen", erkennt in Nora Tschirners liebeskomödiantischem Kinovehikel ihr Filmfreund Paolo. "Mehr ist da nicht." Was den Paarklamauk angeht hat der Pariser Touristenbusfahrer (Vincenzo Amato) damit leider Recht. Da ist keine Romantik, kein Humor, keine Schauspielerchemie, keine Logik. Da ist nicht mal ein einziger sinniger Dialog oder Plot. Nur eine Reihe von Unfällen, deren erste und angesichts der kinematischen Konsequenzen fatalste die Idee zu der holprigen Beziehungsposse ist. "Ich ging in der Nähe meiner Pariser Wohnung durch die Straßen, als eine schöne Frau an mir vorbei radelte", erinnert sich Jeremy Leven: "Sofort sagte ich mir: Das ist ein Film!"
Von Lida Bach. Foto: Warner Bros. Pictures Germany
Nachtzug nach Lissabon "Wir reisen zu uns selbst, wenn wir an einen Ort reisen." Zu dieser tiefschürfenden Erkenntnis gelangt Raimund Gregorius (Jeremy Irons) dank Amadeu Inácio de Almeida Prado. Alles, was den gealterten Lateinlehrer an einem Berner Gymnasium und den jungen Arzt und Dichter (Jack Huston) aus dem Lissabon zur Zeit der Militärdiktatur verbindet, ist ein Buch. Den vergilbten Band findet der Leitcharakter von Bille Augusts schwärmerischer Bestseller-Verfilmung im vergessenen Mantel einer Fremden, die er eines verregneten Tages auf dem Arbeitsweg vor dem Selbstmord bewahrt. Aus dem von Amadeu verfassten Werk fällt ihm ein Ticket entgegen: für den "Nachtzug nach Lissabon", der ihn auf eine Reise in die Vergangenheit trägt.
Von Lida Bach. Foto: Sam Emerson / Concorde Film ein Film im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der 63. Berlinale 2013
Sightseers Der britische Regisseur Ben Wheatley widmet seine Horrorposse ganz dem trockenen Zynismus, den er bereits in "Kill List" durchscheinen ließ. Die 34-jährige Tina (Alice Lowe) trotzt erstmals dem mütterlichen Willen und begleitet ihren Liebhaber Chris (Steve Oram) auf einer Campingtour zu seinen Lieblingsorten. Der rabiate Kleingeist und die dickköpfige Spießerin ergeben ein pathologisches Pärchen, das die Publikumssympathie dennoch nicht verliert - weil es sie nie besaß. Die Leute mit schrecklichen Erlebnissen werden bald mehr: die "Sightseers" selbst, ihre Mordopfer und nicht zuletzt das Publikum, dem statt Love on the Run Hate on the Roadside dargeboten wird.
Von Lida Bach. Foto:
MFA+
Puppe (2012) Filme wie "Prinzessin" (2007) haben schon gezeigt, dass es unter deutschen Straßenkindern auch Mädchen gibt, denen man nicht blöd kommen darf. Dann reagieren sie schnell ungewöhnlich brutal. Anna (Anke Retzlaff) aus Duisburg ist in "Puppe" so eine Heranwachsende, die auf die schiefe Bahn geraten ist. Die 16-Jährige erhält eine letzte Chance, sich zu bessern - im Erziehungscamp von Geena (Corinna Harfouch), das inmitten der Walliser Alpen liegt. Auch Magenta (Sara Fazilat), ebenfalls aus Duisburg und Heranwachsende, ist dort untergebracht. Eine Begegnung mit fatalen Folgen.
Das stilistisch originelle Langfilmdebüt des Münchner Filmhochschulabsolventen Sebastian Kutzli ist wohltuend unsentimental. Die auf zwei Ebenen spielende Handlung wirkt am Schluss des Films allerdings aufgesetzt.
Von Michael Dlugosch. Foto:
W-film Distribution / Hagen Keller
Fünf Freunde 2 "Endlich wieder zusammen!", jauchzt Anne (Neele Marie Nickel) während sie mit ihren Brüdern Julian (Quirin Oettl), Dick (Justus Schlingensiepen), Cousine Georgina, genannt George (Valeria Eisenbart), und Hund Timmy in ein neues Abenteuer radelt. Das erwartet in "Fünf Freunde 2" im Katzenmoor in Gestalt eines sagenumwobenen Smaragds namens das Grüne Auge und der Gauner Fil (Oliver Korittke) und Max (Stefan Konarske). Sie wollen den Stein und den reichen Erben Hardy (Kristo Ferkic) - und erwischen im Katzenmoor stattdessen den ahnungslosen Dick.
"Gibt Schlimmeres", kommentiert George Annes Ausruf und liefert damit kein schlechtes Gesamturteil der Fortsetzung von Mike Marzuks Kinoadaption der "Fünf Freunde".
Von Lida Bach. Foto:
Constantin Film
Ritter Rost - Eisenhart und voll verbeult Der verarmte und bei seinen Untertanen - laufende Tassen, Teller, Werkzeuge - verschuldete Ritter Rost lebt auf der Eisernen Burg in einem Land namens Schrottland. Er ist zwar ein Ritter, aber etwas rostig - also kein Ritter im klassischen Sinne. Es fehlen ihm die hehren Eigenschaften der tugendhaften Männlichkeit, aber auch menschlich wichtige wie Loyalität und Hingabe. Erst als ihn sein Burgfräulein verlässt, und er sich durch Schwierigkeiten hindurchkämpfen muss, erkennt Rost die wichtigsten Dinge in seinem Ritterleben. Mittelalter und quietschig-rostige Robotertechnik in einem Land, wo fast alles aus Metall ist, treffen in diesem amüsanten und unterhaltsamen Animationsfilm aufeinander.
Von Hilde Ottschofski. Foto:
Universum Film
Quartett "Bella figlia dell'amore" in wörtlicher und musikalischer Variation, Jazz nicht ausgenommen, stellt den musikalischen Sockel des Films dar. Das berühmte Quartett aus Verdis "Rigoletto" soll zur Jahresbenefizgala eines ganz speziellen Seniorenheims für Opernmusiker in England - genannt Beecham House - aufgeführt werden. Und da kommen Eitelkeiten über verlorene Stimmstärken, emotionale Verletzungen der Vergangenheit, Altersdemenz, aber auch - und das ist die wichtigste Botschaft des Films - Freundschaft und Liebe zum Tragen.
Beim Regie-Erstlingswerk eines Meisterschauspielers wie Dustin Hoffman sind die Erwartungen des Publikums groß. Aber auch wenn der Film optisch, musikalisch und schauspielerisch ein Genuss ist - und deshalb schon empfehlenswert -, so plätschert er doch etwas seicht zum sehnsüchtig erwarteten Höhepunkt am Ende hin.
Von Hilde Ottschofski. Foto:
DCM
Hannah Arendt Biographien bekannter Persönlichkeiten zu verfilmen kann eine Schlitterpartie werden. Vor allem im fiktionalen Bereich. Ein heikles Unterfangen gleichsam, das unter Umständen die Puristen des Dokumentarischen und Historischen verprellt, während es den unterhaltungsbestrebten Zuseher im schlechtesten Fall nach geraumer Zeit langweilen kann. Zwischen diesen beiden Polen muss der Filmemacher changieren, zwischen dem Anspruch einer möglichst authentischen Figurenzeichnung einerseits, die den Protagonisten weitgehend unvermittelt wie facettenreich präsentiert; und andererseits der Notwendigkeit narrative Bögen zu spannen, Momente und Wendepunkte zu entwerfen, die die Erzählungen in Gang halten.
Margarethe von Trottas Film spielt primär in den vier Jahren in denen sich Arendt intensiv mit dem Eichmann-Prozess, der 1961 in Israel stattfand beschäftigt.
Von Sven Weidner. Foto:
Heimatfilm / NFP
Der Geschmack von Rost und Knochen Jacques Audiard hat schon mit "Der wilde Schlag meines Herzens" ("De battre mon cœur s'est arrêté", 2005) und dann mit "Ein Prophet" ("Un prophète", 2009) zwei Filme auf die Leinwand gebracht, die eine verheißungsvolle Perspektive auf weitere kommende Werke eröffnete. In ihnen sind wir vornehmlich mit eher abgegrenzten Männerwelten konfrontiert, mit einem Milieu von Halbseidenen wie Halbkriminellen, und oftmals verkörpern Audiards Protagonisten das Klischee des einsamen Wolfes; ihr martialischer Duktus ist nicht selten stolz nach außen getragene Fassade. Ihre ureigenen Emotionen zu äußern sind sie unfähig, und unfähig, sie zu leben.
Von Sven Weidner. Foto:
Wild Bunch Germany
The Sessions - Wenn Worte berühren
Filme enttabuisieren - nach dem französischen "Ziemlich beste Freunde" (2011), dem belgischen "Hasta la Vista" (2011) und natürlich dem unvergesslichen "Geboren am 4. Juli" (1989) widmet sich jetzt der amerikanische Film "The Sessions" der Sexualität behinderter Menschen. Was letzteren aber besonders macht ist die Beschreibung der Arbeit von "Sexualassistenten" - in den USA als "Sex Surrogates" mehr oder weniger bekannt. Dem technischen Aspekt der Durchführbarkeit sexueller Handlungen stellt dieser Film die Poesie und seelische Empfindsamkeit des behinderten Empfängers derselben dar. Ein ruhiger, gut gespielter und gelungener Film.
Von Hilde Ottschofski. Foto:
Twentieth Century Fox
Jack Reacher Schon bevor er auf die Leinwand kommt, eilen ihm düstere Vorzeichen voraus: "Holt Jack Reacher!" schreibt ein des mehrfachen Mordes Angeklagter beim Polizeiverhör auf einen Zettel. Ist Jack Reacher ein Freund oder ein Feind? Warum muss er seine Identität verschleiern, warum irrt er durch die Zeitgeschichte ohne Spur umher? Bis wir die ganze Geschichte erfahren, dauert es eine immerhin kurzweilige weil spannende Filmzeit. Der Held ist stark überzeichnet, der Film doch sehr brutal, mit einem mitunter in die unfreiwillige Komik umschwappendem übertriebenem Nebencharakter mit Akzent, der leider manche Szene verdirbt. Trotz dessen ein gelungener Thriller, der gut Spannung aufbauen und halten kann.
Von Hilde Ottschofski. Foto:
Paramount Pictures
Die Vampirschwestern "Eigentlich war ich nie ein besonders großer Vampirfan", erklärt Franziska Gehm im Presseheft zu "Die Vampirschwestern". Die Kinoadaption ihrer Buchreihe um die Halbvampire Silvania (Marta Martin) und Dakaria (Laura Roge) weckt Verständnis für die Ressentiments der Jugendautorin. Ihre Mischung aus Kinderabenteuer und Monsterkomödie greift ein Thema auf, das laut Gehm "nicht wirklich totzukriegen" ist: Beziehungen von Menschen und Vampiren. Die 12-jährigen Titelfiguren sind beides und obendrein Zwillinge, obwohl Emo Daka und Romantikerin Silvania äußerlich so verschieden sind wie charakterlich. Doch Gegensätze ziehen sich nicht nur an, sondern ergänzen sich, zeigt ihr erstes Abenteuer.
Von Lida Bach. Foto:
Sony Pictures / Tom Trambow
Die Abenteuer des Huck Finn "Als Gott die Südstaaten der USA schuf, gab er sich besonders viel Mühe", verkündet eine würdige Erzähler-Stimme zu Beginn von Hermine Huntgeburths cineastischem Versuch, "Die Abenteuer des Huck Finn" zu erzählen. Leider schuf Gott nicht die fast aller sozialkritischer und satirischer Motive und somit ihrer Gewitztheit und Spannung beraubten Romanverfilmung. Die gibt sich kaum Mühe mit der Treue zu Mark Twains Romanvorlage. Den moralischen Konflikt des Titelcharakters (Leon Seidel) ersetzt der Drehbuchautor durch die Sklavenjäger Packard (Henry Hübchen), Turner (Milan Peschel) und Bill (Andreas Schmidt). Das Textbuchschurken-Trio ist nicht die einzige Hinzudichtung, die Twains funkelnde Ideen ersetzt und seinen zeitlosen Klassiker zu beliebiger Familienunterhaltung bereinigt.
Von Lida Bach. Foto:
Majestic / Tom Trambow
Beasts of the Southern Wild "Daddy sagt immer oben in der trockenen Welt haben sie nichts von dem, was wir haben", erzählt Hushpuppy (Quvenzhané Wallis). Das kleine Mädchen führt ein Leben voll kindlicher Wildheit und Weisheit in einer fiktiven Bayou-Bastion, die so ungestüm und energisch ist wie sie. Bathtub heiß das Sumpfbecken, wo ihr Vater Wink, der alte Säufer Walrus, die fettleibige Little Jo, Sticks, Peter T. und die restlichen menschlichen Kuriosa der Gemeinde die meisten Feiertage feiern. Die permanente Partystimmung dämpft ein Hurrikan. Der prophezeite Sturm bringt über Bathtub die Sintflut und ihr folgen die "Beasts of the Southern Wild".
Von Lida Bach. Foto:
Ben Richardson / MFA+
Kid-Thing Kleine Jungs lassen in einem großen Sandkasten Spielzeugautos zusammenstoßen. Krachend prallen die Matchbox-Autos mit quietschenden Reifen und heulenden Motoren aufeinander, bis der bunte Lack von den verbeulten Karosserien splittert. Einer der "kleinen Jungs" ist Annies Vater. Während er draußen spielen ist, guckt sie aus dem Fenster. Beim Autos kaputtmachen darf sie nicht mitmachen, denn das ist ein Spiel für Erwachsene und die nennen es Destruction Derby. Annie (Sydney Aguirre) ist ein großes Mädchen und zu alt für solchen Kinderkram. Sie hat ihre eigenen Spiele und darin macht sie kaputt, was sie will.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: zweite Jahreshälfte 2013 Foto:
W-film Distribution / Zellner Bros.
Special: 63. Berlinale 2013 (7. - 17. Februar 2013)
Forum Expanded Screenings - Kurzfilme 158 Minuten dauert auf der 63. Berlinale der längste Film, in dem Tom Hooper eine Riege von Stars zu bombastischen Musikeinlagen durch wuchtige Kulissen führt: in einer Blockbuster-Musical-Verfilmung, die wohl unvermeidlich Oscars einheimsen und nach der Premiere im Berlinale Special in jedem Multiplex-Kino laufen wird. Ein facettenreiches Kontrastprogramm zum maßlosen Mainstream wartet im Forum Expanded Screenings.
Einen gemeinsamen Nenner der Studiensubjekte ihrer gewitzten Vignetten sucht Isabella Rossellini in "Mammas" noch: "Was ist diese einende Eigenschaft, die alle Mütter charakterisiert?" Antwort auf die Frage geben satirische Exkursionen ins Reich der Tiere. In deren (Mutter)Rolle schlüpft die wandelbare Künstlerin persönlich, mag die originelle Kostümierung wie etwa bei der Kröte auch unbequem aussehen. "Selbstverständlich fordert das Muttersein einige Opfer. Was gibt es Großartigeres als Opfer? Es ist doch die Essenz des Weiblichen - oder?!"
Von Lida Bach. Foto: Berlinale Kurzfilme der 63. Berlinale 2013
Elle s'en va / On My Way "Es gibt in meinem Leben nicht einen Moment, der mir einfallen würde, der nicht von einem ihrer Filme beeinflusst ist", sagt Emmanuelle Bercot über die Hauptfigur ihrer bigotten Belanglosigkeit. Auch im Leben der Protagonisten gibt es keinen Moment, der nicht vom Film beeinflusst wäre. Allerdings sind es nicht Leinwandklassiker einer französischen Filmikone, sondern der Horrorfilm eines Mainstream-Regisseurs.
"Es gibt gewisse Regeln, die man einhalten muss, um erfolgreich einen Horrorfilm zu überleben", verkündet in jenem Werk ein Charakter. Bercots Heldin Bettie (Catherine Deneuve) verstößt gegen sie alle. Den moralistischen Horror von "On My Way" überlebt sie folglich nicht - zumindest nicht erfolgreich.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
An Episode in the Life of an Iron Picker 980 bosnische Mark. "Wo soll ich so viel Geld herbekommen?", fragt Nazif. 980 Mark sind 500 Euro und 86 Cent. Eine schwindelerregende Summe für den Familienvater (Nazif Mujic), der mit seiner Frau Senada (Senada Alimanovic) und den Töchtern Sandra (Sandra Mujic) und Semsa (Semsa Mujic) in einer heruntergekommenen Stadtrandsiedlung lebt. Die Ansammlung baufälliger Häuser entlang der von Schrott und Sperrmüll gesäumten Straße ist ein Ghetto, wenn auch der Begriff in Danis Tanovics ungeschönten Gesellschaftsbild nie fällt.
Die dort leben, sind Roma, denen selbst die staatliche Grundversorgung verwehrt ist: eine Pension, Kindergeld, eine Krankenversicherung. So auch Senada, die dringend medizinische Behandlung braucht.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013; Silberne Bären: Großer Preis der Jury, Bester Darsteller (Nazif Mujic)
Camille Claudel 1915 "Ich schreibe nicht aus meinem hübschen Studio in Paris, sondern von weit weg", berichtet die verhärmte Frau, auf die durch das schmale Fenster einer kargen Schlafkammer der Nachthimmel scheint. Weit weg ist ein aus der Ferne fast malerisch anzusehender Ort, nicht weit von Avignon gelegen. Seine Tore öffnen sich niemals für die dort Lebenden, nur für ihr Betreuungspersonal und Besuch. Den einzigen, der den Weg auf sich nimmt, erwartet sie mit der Fixierung einer, die spürt, dass sie sonst nichts mehr zu erwarten hat. "Bring das alles zu einem Ende", fleht sie zu Gott und: "Lass mich zu meiner Arbeit zurückkehren." Das eine wird nie sein, das andere erst fast dreißig verzehrende Jahre nach der knappen Handlungsspanne von Bruno Dumonts biografischer Momentaufnahme der "Camille Claudel 1915".
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
Dark Blood "Dark Blood" - 1993 von Regisseur George Sluizer gedreht - wurde erst 2012 fertiggestellt und erstmals auf dem Netherlands Film Festival sowie im Februar 2013 auf der Berlinale gezeigt, da der Film aufgrund des Todes von Hauptdarsteller River Phoenix seinerzeit auf Eis gelegt worden war. Gleich im Vorspann des Films weist Sluizer den Zuschauer aus dem Off darauf hin, dass der Film ebenso komplett ist wie ein Stuhl mit drei Beinen. Zwar fehle das vierte, dennoch stehe er fest auf dem Boden.
Der Schauspieler Harry (Jonathan Pryce) und seine Frau Buffy (Judy Davis) treffen in der Wüste auf Boy (River Phoenix). Schnell wird klar, dass Boy Buffy begehrt und deshalb sie und Harry zu seinen Gefangenen macht, die ohne Auto nicht fort können.
Von Markus Malik. Foto:
Berlinale ein Film im Wettbewerb (außer Konkurrenz) der 63. Berlinale 2013
Prince Avalanche "Können wir einfach die Stille genießen?" Nein, können wir nicht. Denn da sind Alvin (Paul Rudd) und Lance (Emile Hirsch) mit ihrem Werkzeug. Der kauzige Straßenarbeiter und sein junger Assistent erneuern die Markierungen auf einer texanischen Landstraße. Der Arbeitsgang der Protagonisten mag einen erkennbaren Sinn haben; der Handlungsgang hat ihn nicht. Alvin und Lance malen mit gelber Farbe Streifen auf die Fahrbahn und stellen neue Pfeiler auf. Auch David Gordon Green will offenbar ein Zeichen setzen. Das weist so unübersehbar wie die Straßenpfosten die Richtung, die der Regisseur und Drehbuchautor mit "Prince Avalanche" eingeschlagen hat: zurück zum Independent-Kino, über das er gleich einer Lawine als Kronprinz einbrechen will.
Von Lida Bach. Foto:
Scott Gardner ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013; Silberner Bär für die Beste Regie (David Gordon Green)
Closed Curtain / Pardé Das Wichtigste im Kino ist der Vorhang. Sein Öffnen und Schließen zeigt, wann Realität aufhört und Fiktion beginnt. Er markiert am Rande der Leinwand die Trennlinie zwischen wirklicher und unwirklicher Welt, die sonst mutwillig ineinander übergehen könnten. Ohne den, der den Vorhang lenkt, könnte man nie davor sicher sein, sich in den Film zu verirren oder dass die Figuren in die eigene Welt herüberkommen. Was geschieht, wenn ihm die Hände gebunden werden und die fließenden Eingrenzungen zu starren Mauern, zeigen Jafar Panahi und seine mit ihm hinter dem "Closed Curtain" eingekerkerten Protagonisten-Phantasien.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013; Silberner Bär für das Beste Drehbuch (Jafar Panahi)
Vic + Flo haben einen Bären gesehen "Kommt ziemlich oft vor, so was: Leute stolpern in Bärenfallen." Kommt sogar verdächtig oft vor, so was. Jedenfalls auf der 63. Berlinale. Da trat schon am zweiten Festivaltag in Thomas Arslans Wettbewerbsbeitrag "Gold" ein Protagonist in das fiese Gerät, was nach seiner Reaktion zu urteilen unangenehmer ist als wenn das einem bei einem Hundehaufen passiert. Denis Côtés vierter Langspielfilm bestätigt diesen Eindruck. Letztes tut seine filmische Abstraktion äußerst nachdrücklich, so dass bei niemandem im Publikum noch Fragen zum Thema Bärenfalle offen bleiben dürften. Lahme Scherzfrage: Was ist schlimmer als in eine Bärenfalle zu treten? Die Antwort darauf gibt "Vic + Flo ont vu un ours".
Von Lida Bach. Foto: Yannick Grandmont ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
Die Nonne (2013) "Ich muss erwachsen werden und beten." So sage es ihr der Priester, erklärt die junge Suzanne (Pauline Etienne) ihrer Mutter (Martina Gedeck). Die wird die 16-Jährige in die Obhut einer anderen geben: der Mutter Oberin Madame de Moni (Francoise Lebrun) des Ordens St. Marie, wo Suzanne das Glaubenseid ablegen soll. Doch da sie Gott die Wahrheit versprochen hat, kann die Novizin bei der Aufnahmezeremonie des Ordens nicht Freiwilligkeit heucheln, wo nur Zwang herrscht. Denn trotz ihres tiefen Glaubens fühlt sich Suzanne nicht berufen zu dem, was sie in Guillaume Nicloux' fokussierter Kinoadaption von Denis Diderots aufklärerischem Klassiker wird: "Die Nonne"
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
The Necessary Death of Charlie Countryman "Liebe ist Schmerz", heißt es zu Beginn von "The Necessary Death of Charlie Countryman". Als übergreifende Erkenntnis eines Wettbewerbsbeitrags auf einem Filmfestival klingt der Kommentar ein klein wenig dürftig, aber wenn er zu einer aberwitzigen Christus-Anspielung aus dem Off gesprochen wird, hat er bestimmt irgendwo einen tieferen Sinn. Besonders, wenn der Typ, der ihn sagt, klingt wie John Hurt. Nomen est omen. Und Tatsache: der Typ, der den Satz sagt, ist John Hurt und Liebe ist Schmerz. Besonders die Liebe, die den Titelcharakter zu einem halsbrecherischen Trip durch Bukarest motiviert und der Plot von Fredrik Bonds Actionkomödie, die aus cineastischer Sicht weh tut.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
Gold (2013) Niemand kann behaupten, dass er nicht gewarnt wurde. "Lassen Sie mich Ihnen eines sagen: Es ist ein schrecklicher Trip!", sagt ein Postbeamter der durchreisenden Emily Meyer (Nina Hoss). Seinen Rat nimmt man sich besser zu Herzen, wenn man plant als Kinozuschauer Emilys filmische Reise mitzumachen. Aber ich habe nichts dergleichen getan, genau wie Emily. Ich bin einfach in der Vorführung von Thomas Arslans Treck-Film sitzen geblieben, genau wie Emily auf den Stufen einer Western-Kulisse in dem kanadischen Kaff, von wo die Tour losgehen soll. Ich habe sogar sportlich alle Ressourcen aufgewandt, um dabei zu sein, genau wie Emily und ihre Reisegefährten finanziell. Und alle hatten wir, sei es filmisch oder materiell, nur ein Ziel: "Gold"
Von Lida Bach. Foto: Patrick Orth / Schramm ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
In the Name of "Du bist krank." Der erste Satz in Malgoska Szumowskas sprödem Abbild einer im eigenen Denkmuster gefangenen Gesellschaft fällt in einer Gruppe scherzender Jungen, gleich einem unheilvollen Vorboten des Urteils, das der Erzieher dieser Jungen über sich fällen wird. "Ich bin krank", stößt Adam (Andrzej Chyra) dann mit erstickter Stimme hervor, während er mit seiner verständnislosen Schwester über Skype spricht. Krank steht für die Gefühle, für die es in dem polnischen Dorf, in das der junge Priester versetzt wurde, kein Wort gibt, kein Begriffsvermögen, keine Empathie. Krank steht für die Liebe, die Adam von sich selbst und seinem Umfeld verwehrt wird: "In the Name of..."
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film im Wettbewerb der 63. Berlinale 2013
Behind the Camera "Ich werde einen Kurzfilm drehen und hatte eine schockierende Idee!" Mit dieser kühnen Ansage beginnt E J-yongs Selbstreferenz-Satire gleich doppelt. Einmal auf der Handlungsebene der kecken Kinoparodie und einmal auf der Metaebene. Letzte ist die eigentliche Realität an dem scheinbar so eindeutig definierten, tatsächlich aber unbestimmbaren Aktions- und Titelort von E J-yongs drittem Berlinale-Beitrag "Behind the Camera".
Sich ihren Anschein zu geben und gleichzeitig der verbal beschworenen Doppelbödigkeit wohlweislich auszuweichen erscheint dabei als bemerkenswerteste Schliche der ebenso unterhaltsamen wie oberflächlichen Doku-Satire.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Panorama
Computer Chess Der einzige Weg den Charme einer überholten Technologie in all seiner Sperrigkeit und Kuriosität einzufangen führt über eine andere überholte Technologie. Und Andrew Bujalski ist kein Regisseur mit Hang zu Spezialeffekten. Eine 92-minütige Kette von ihnen ist das jüngste Werk des Mitbegründers des Mumblecore aus gewisser Sicht; der des gegenwärtigen Publikums. Nicht jedoch dessen von 1980 oder 81... Aber nehmen wir an 1980, denn das ist der Anfang der Dekade, an deren Ende der internationale Meister David Levy in der titelgebenden Disziplin besiegt wurde: "Computer Chess".
Dass darin Maschinen je einen Menschen schlagen können ist in der Handlungsära noch umstritten, aber Pat Henderson (Gerald Peary) sieht es kommen: "Vielleicht 1984, was nicht mehr allzu fern ist."
Von Lida Bach. Foto: Computer Chess LLC ein Film in der Sektion Forum
Don Jon's Addiction Wenn gute Filme eine profunde Wahrheit vermitteln, dann meist nicht in markigen Leitsätzen, sondern ganz nebenbei. "Don Jon's Addiction" vermittelt eine profunde Wahrheit: "Jeder guckt Pornos." Das ist ein markiger Leitsatz, aber trotzdem ist Joseph Gordon-Levitts bissiges Debüt als Spielfilmregisseur ein guter Film. Denn Schuld an der gewollten Markigkeit ist nicht die Unartikuliertheit des selbstverfassten Skripts, sondern seines selbstgespielten Hauptcharakters.
Die Reanimation einer zuvor als verlogen entlarvten Liebesillusion unterwandert die satirische Schärfe, die dem gerissenen Debüt seinen Reiz verleiht.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Panorama
Frances Ha "Du solltest deine Angelegenheiten auf die Reihe kriegen." Den wohlmeinenden Rat erhält Frances von der Leiterin der Tanzkompanie, auf deren Bühne die fahrige 27-Jährige steht. Ihr Platz entspricht dem in der Truppe, wo sie sich an aussichtslose Erfolgsträume klammert. Grund zu verzagen hat Frances deshalb keinen. Einmal sind Noah Baumbachs ironische Episoden eines überfälligen Erwachsenwerdens nicht so verkniffen wie die Moral, zum anderen ist Frances dafür Hauptfigur der Comedy-Soap. Deren Co-Autorin und Hauptdarstellerin Greta Gerwig taufte den spröden Coming-of-Age-Streifen nach ihrer Figur: "Frances Ha".
Von Lida Bach. Foto: 2012 Pine District, LLC ein Film in der Sektion Panorama
Inch'Allah Ein sonniger Tag auf einem belebten Platz. Geschäftige Marktstände, volle Straßencafés, lachende Menschen. Eine langhaarige Frau mit einem Rucksack setzt sich an einen der Tische. Der junge Kellner bringt ihr einen Kaffee und sie rührt Zucker hinein. Ein kleiner Junge bleibt einen Moment vor den Käfigen eines Straßenhändlers stehen und betrachtet die Tauben darin. Die Vögel könnten Symbole für den äußeren Frieden sein, doch der Schauplatz von Anaïs Barbeau-Lavalettes zweitem Spielfilm ist nicht friedlich. Die Tauben sind hinter Gittern eingepfercht und blicken angstvoll als ahnen sie das Szenario, mit dem das Kriegsdrama beginnt.
Von Lida Bach. Foto: Philippe Lavalette ein Film in der Sektion Panorama
I Used to Be Darker "Musik spielt eine wichtige Rolle in 'I Used to Be Darker'", verrät Matt Porterfield über sein zielloses Familien- und Beziehungsdrama, das wie sein zweiter Spielfilm "Putty Hill" auf der Suche nach emotionaler Tiefe den eigenen Handlungsinhalt aus den Augen verliert. "Ich war immer an der Idee interessiert den Einsatz von nicht-diegetischer Musik in meinem Filmen auf ein Minimum zu beschränken", sagt der Independent-Regisseur. In seinem nachlässigen Beitrag zum Berlinale Forum gelingt ihm das - leider nicht nur beim nicht-diegetischen Soundtrack, sondern auch bei Story und Figuren.
Letzte sind die junge Taryn (Deragh Campbell), die statt wie mit ihrer Mutter vereinbart nach Wales zu fahren bei ihrer Tante Kim (Kim Taylor), Onkel Bill (Ned Oldham) und der gleichaltrigen Cousine Abby (Hannah Gross) in Baltimore auftaucht.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Forum
Kopfüber "Weißt du eigentlich, dass du nicht mehr lachen kannst?", fragt Elli als Sascha beim gemeinsamen Anhören einer ihrer Geräuschkompilationen einnickt. Weiß er nicht. Das verrät das Blinzeln des 10-Jährigen, dessen Perspektive Bernd Sahling in seinem Mix aus Kinderfilm und Sozialdrama schon im Titel einnimmt: "Kopfüber". So stürzt sich Sascha (Marcel Hoffmann) in Wutausbrüche, Diebstähle und die nächste Ablenkung.
"Machst du auch was länger als zwei Minuten?", fragt ihn der Sozialarbeiter Frank, der Saschas überforderter Mutter (Inka Friedrich) als Erziehungshelfer zur Seite gestellt wird. Doch, denn auf einmal kann der junge Randalierer, der zuvor an Grundschultexten scheiterte, sich auf Dinge konzentrieren und lesen.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Generation Kplus
La Piscina "Schau dir das Wetter an", sinniert eine der Figuren, für die Carlos Machado Quintelas "La Piscina" zum Zentrum ihres kümmerlichen Lebens geworden scheint. Das Wetter ist das einzige, das sich im trägen Spielfilmdebüt des venezolanischen Regisseurs verändert. Die vier jugendlichen Protagonisten und ihr in sich gekehrter Schwimmlehrer (Raul Capote) wirken psychologisch noch unveränderlicher und eintöniger als die titelgebende Szenerie der schleppenden Diaschau.
Machado Quintela inszeniert "La Piscina" als einen Ort außerhalb jedes greifbaren sozialen oder individuellen Kontextes. Die jungen Darsteller können mit ihrem eher linkischen Spiel die Leere der langatmigen Handlungen und sporadischen Wortwechseln, die vor dem monotonen Hintergrund beinahe abstrakt erscheinen, unmöglich füllen.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Panorama
Le Météore "Wir klammern uns fest." Die Stimme ist tonlos und dumpf. Ein Echo, das aus undurchdringlicher Finsternis zu den symbolschweren Bildern aufsteigt. Die Finsternis hält Pierre gefangen, mit Stein, Fleisch und Metall. Mit Mauern, Wärtern und Gitterstäben. 14 Jahre sollen sie den in sich gekehrten Hauptcharakter (François Delisle, Stimme: François Papineau) umgeben. Zu viele Jahre lebt er getrennt von der Außenwelt. Alle Bande zu ihr sind gekappt, außer zu der erschöpften Mutter (Jacqueline Courtemanche, Stimme: Andrée Lachapelle) und seiner Frau Suzanne (Noémie Godin-Vigneau, Stimme: Dominique Leduc). Sie bilden das unglückliche Dreigestirn von François Delisles allegorischem Porträt verlorener Seelen, auf die "Le Météore" ein Streiflicht wirft, bevor sie im Dunkeln versinken.
Von Lida Bach. Foto: Films 53/12 ein Film in der Sektion Forum
Lovelace "Sagen Sie mir also: Wer ist die wahre Linda Lovelace?", fragt Chloë Sevignys Stimme, in dem, was von ihrer Nebenrolle als Reporterin übrigblieb, zu Beginn von Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans Biopic über die bekannteste Pornodarstellerin aller Zeiten, der Akteurin, die das deep throat in "Deep Throat" brachte. Geboren wurde sie als Linda Boreman, die Pornoindustrie gab ihr den Namen, den die Filmemacher für ihr zwiespältiges Drama wählten: "Lovelace".
Die mit knalligen Retro-Details prunkende Ästhetik und der Dokumentarhintergrund der Regisseure, die vor drei Jahren im Berlinale-Wettbewerb mit "Howl - Das Geheul" vertreten waren, suggerieren eine Authentizität, die Andy Bellins zweigleisiges Drehbuch nicht ansatzweise liefert.
Von Lida Bach. Foto: Dale Robinette ein Film in der Sektion Panorama
Maladies "Die Leute verstehen oftmals nicht wie sensibel andere Leute sind." Die Erkenntnis steht in dem bitter-süßen Spielfilmdebüt des New Yorker Künstlers und Filmemachers Carter weiß auf schwarz auf einer Textkarte. Die können die eigenwilligen Akteure des melancholischen Ensembletheaters jedoch nicht lesen. So treffen ihr Pragmatismus, ihre Launen und Provokationen stets und ständig den von den meisten "Maladies" geplagten Sensibelsten, der mit seinem Karojacket, Fotoapparat und Repertoire an Ticks 1963 durch den blassen Küstenort wandert.
Carters tragisch-komischer Schlüsselfilm schwankt zwischen Empfindsamkeit und Überempfindlichkeit.
Von Lida Bach. Foto: Pamela Berkovic ein Film in der Sektion Panorama
Nono, Het Zigzag Kind / The Zigzag Kid "Ob man es so will oder nicht, jeder hat eine Familie", weiß der aufgeweckte Nono (Thomas Simon). Seine besteht normalerweise aus seinem Vater Jacob (Fedja Van Huet), dem besten Inspektor der Welt, und Gaby (Jessica Zeylmaker), die seit Nonos Babyzeit bloß Jacobs Sekretärin ist - offiziell. Um das zu ändern bräuchte sie den Schal ihrer Lieblingssängerin Lola Chiperola (Isabella Rossellini) und einen der Blitz-Anhänger, die Superverbrecher Felix Glick (Burghart Klaussner) am Tatort hinterlässt. Beides rückt kurz vor Nonos Bar Mitzvah zum Greifen nah. Ein mysteriöser Brief konfrontiert den kindlichen Helden mit der Frage: "Wer bin ich?"
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Generation Kplus
Ödland - Damit keiner das so mitbemerkt "Ödland" gehört den Kindern. Sie ziehen mit Vorschlaghammer und Werkzeug in die Ruinen, wo sie kaputte Röhrenfernseher und Computer ausweiden. Andere waren schon vor ihnen da, aber trotzdem finden sie noch ein paar Reste Kupfer. An Autos seien die Kinder nicht gewöhnt, erklärt eine Frauenstimme aus dem Off, während die Kamera über ein gesichtsloses Stadtrandgebiet streift. B/W steht im Presseheft von Anne Koduras scharfsichtigem Dokumentarfilm, doch die Bilder ihres abendfüllenden Debüts sind nicht schwarz-weiß, sie sind grau. Grau gibt es viel in dem deutschen Niemandsland, von dem "Ödland" seinen Titel nimmt und durch dessen Außenzonen die Filmautorin ihren jungen Protagonisten folgt.
Von Lida Bach. Foto: Friede Clausz ein Film in der Sektion Generation Kplus
Pluto (2012) Pluto ist der kleinste und sonnenfernste unter den Planeten. Bis im Jahr 2006 eine neu erstellte Klassifizierung ihn aus dem Planetensystem ausschließt. Gegen diese Kategorisierung protestierten zahlreiche Wissenschaftler. Einer unter ihnen ist June (David Lee), dabei ist der koreanische Teenager aus einfachem Hause genaugenommen Student; einer der besten seines Jahrgangs. Bis er nach dem Wechsel auf Seouls Eliteuniversität seinen Status einbüßt. Unterprivilegierte Außenseiter wie er kriegen hier vielleicht ein Studentenbett, aber keinen Abschluss, verrät ihm seine Kameradin Sujin (Kim Khob-bi). Sie weiß auch von der Clique Spitzenschüler, die ihre Noten mit unlauteren Mitteln halten - und mit mörderischen verteidigen.
Von Lida Bach. Foto: Berlinale ein Film in der Sektion Generation Kplus
Die 727 Tage ohne Karamo Drei Tage noch, dann haben Karamo und seine Frau ihren Jahrestag. Den zweiten schon. Wer hätte gedacht, dass die Beziehung so lange hält? Der Vater der Braut sicher nicht. In einem Brief listet er seiner Tochter in nüchternem Ton die Gründe für auf, aus denen er ihre Ehe zum Scheitern verurteilt sieht. Anja Salomonowitz sieht es auch, doch der filmische Blick der österreichischen Regisseurin erkennt hinter der liberalen Fassade ihres Heimatlandes ein ausgefeiltes System institutionalisierter Diskriminierung. Einige der binationalen Paare, denen Salomonowitz einen Kurzauftritt in abstrahierenden Rahmen gewährt, drohen die schikanösen Mechanismen auseinanderzutreiben.
Von Lida Bach. Foto: Amour Fou Vienna ein Film in der Sektion Forum
Terra de ninguém / No Man's Land "Was glauben Sie machen wir hier?" Es scheint, Salomé Lamas kennt selbst nicht die Antwort auf die Frage an ihren undurchsichtigen Protagonisten. Er ist der eigentliche Regisseur und Autor des unentwirrbar verwobenen Zeit- und Charakterdokuments der portugiesischen Filmemacherin. Sie eröffnet ihren cineastischen Monolog mit einer Fragestellung, die in nahezu jedem anderen Kontext für Rhetorik gelten würde. In Lamas filmischen Rapport ist sie ein versteckter Wegweiser auf die Unzuverlässigkeit des einsamen Erzählers im faktischen "No Man's Land".
Das vom Titel evozierte Niemandsland ist die vielfache Grauzone, in die sich die Regisseurin mit ihrer Kamera und mehr noch ihren Tonaufnahmegeräten vorwagt.
Von Lida Bach. Foto: O Som e a Fúria ein Film in der Sektion Forum
Special: Max Ophüls Preis 2013
Max Ophüls Preis 2013 Zum mittlerweile 34. Mal hat Saarbrücken zum Filmfestival Max Ophüls Preis (21. – 27. Januar 2013) eingeladen. Deutschsprachigen Nachwuchsregisseuren gibt das Festival Gelegenheit, ihre ersten Filme zu präsentieren und vielleicht die ersten Auszeichnungen für sie zu erhalten. Der Sieger des Hauptwettbewerbs Langer Spielfilm ist mit einem Preisgeld von 18.000 Euro und einer Verleihförderung in gleicher Höhe ausgestattet. Der Preisträger ist im Februar in einer Sektion der Berlinale zu sehen. Als Nachwuchsregisseur gilt ein Filmemacher beim Festival bis zu seinem dritten Film. Die Festivalteilnehmer kommen normalerweise aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, diesmal sogar aus Italien: Tizza Covi, 1971 geboren in Bozen in Südtirol, gewann zusammen mit dem im selben Jahr in Wien geborenen Co-Regisseur Rainer Frimmel den Hauptpreis für die österreichische Produktion "Der Glanz des Tages". Die Jury entschied sich für diesen Film mit der Begründung, er behandle "gewichtige gesellschaftliche Fragen ... auf poetische wie oft auch tragikomische Weise". "Der Glanz des Tages" beeindruckte die Jury, die aus Filmschaffenden und einem Filmjournalisten zusammengesetzt war, sicher wegen der präzisen Darstellung eines Schauspielers und seines ebenfalls auf einer Bühne stehenden Onkels und ihrer Gespräche über Identität und Lebenskrisen.
Von Michael Dlugosch. Foto:
Max Ophüls Preis
Neue Rezensionen
The Collection Das geschulte Auge eines Sammlers findet stets die Rarität in der Menge. Doch wenn es sich dabei um eine feiernde Menschenmenge handelt und die (un)natürliche Auslese auf einer geheimen Party stattfindet, braucht selbst ein Kennerblick Hilfe. Die liefert ein Arsenal tödlicher Fallen, die blutige Brachen in die Gästeschar schlagen. Ausgerechnet diejenige, die das Gemetzel auslöst, ist dessen einzige Überlebende. Dieser Status macht die junge Elena (Emma Fitzpatrick) zum auserkorenen Sammlerstück des maskierten Beobachters, der es plante. Kaum hat Elena dessen letztes Opfer Arkin (Josh Stewart) aus dem verhängnisvollen Fundus befreit, landet sie an seinem Platz im titelgebenden Schreckenskabinett von "The Collection".
Von Lida Bach. The Twilight Werewolf Bevor ein abträgliches Wort über "The Twilight Werewolf" fällt, muss fairerweise gesagt werden, dass Jonathan Glendenings Monsterthriller immerhin solides Low-Budget-Handwerk bietet, nebst frischem Schauspielblut. Letztes fließt reichlich in der Vollmondnacht, in der Sarah (Isabella Calthorpe) aus den USA in ihren englischen Heimatort zurückkehrt. In dem abgelegenen Familienheim machen ihre Brüder Luke (Antony De Liseo), Charlie (Gabriel Thomson) und Stephen (Peter Gadiot), Sarahs frühere Freundin Emily und zwei weitere Freunde Party wie es sich für jugendliche Horrorfilmprotagonisten gehört. Erst killen alte Konflikte die Stimmung, dann tut ein bestialisches Etwas das gleiche der Reihe nach mit Sarahs Verwandten.
Von Lida Bach. The Corridor Ein Lichtblick am Ende des Tunnels: Das ist genau das, worauf Tyler, sein bester Kumpel Chris, Chris' Cousin Bobcat, Jim, den alle Huggs nennen, und Everett gewartet haben. Keiner der entfremdeten Jugendfreunde ahnt, dass der Lichtblick all die Zeit auch auf sie wartete. Draußen in den verschneiten Weiten Nova Scotias, fernab ihrer wachsenden Alltagssorgen, nahe dem Blockhaus von Tys verstorbener Mutter Pauline. Dorthin lädt der psychisch labile Ty seine alten Freunde zu einem Männerausflug, der die verlorene Verbundenheit unter ihnen erneuern soll. Der Wunsch erfüllt sich in Evan Kellys eisigem Horrorfilm. Doch "The Corridor" bringt die Figuren an den Rand des Wahnsinns - und darüber hinaus.
Von Lida Bach. Remember Me Robert Pattinson kann auch anders, als nur den leidenden Vampir zu mimen. Zwischen den Dreharbeiten des zweiten und dritten Teils der Twilight-Saga, "New Moon" und "Eclipse", drehte er 2009 das Drama "Remember Me" und zeigt sich hier von einer sehr menschlichen Seite.
Auf den ersten Blick scheint "Remember Me" eine typische Lovestory zu sein. Auf den zweiten Blick verliert sich das Klischeehafte und es bleibt ein einfacher Einblick in ein Leben mit dramatischem Ende. Regisseur Allen Coulter und Drehbuchautor Will Fetters haben es mit Robert Pattinson geschafft, die Rebellion eines Heranwachsenden gegen seinen mächtigen Vater und einen Gesetzeshüter glaubwürdig darzustellen.
Von Ulrike Braun. Jersey Devil Stille liegt über den Pine Barrens im Süden von New Jersey, doch sie hat nichts Beruhigendes für das Wandererpaar, das die mythenumrankten Wälder durchstreift. Es ist Totenstille, die jeden natürlichen Laut erstickt und von einem Haufen verstümmelter Leiber auszugehen scheint. Die Kadaver, die das Pärchen zu einem grausigen Hügel aufgetürmt findet, gehören Rehen. Doch es wartet noch mehr Totes in der Tiefe des Waldes. Dort geht etwas um, das Menschen weit lieber jagt als Tiere und das Paar ist bei weitem nicht sein erstes Opfer. Der Flügelschlag, den die verstörten Wanderer vernehmen, stammt von den Schwingen des Todes. Er beschließt unheilvoll den Prolog, der das titulare Böse von Darren Lynn Bousmans Horrorthriller vorstellt: "Jersey Devil".
Von Lida Bach.
DVD-Start: Ende November 2012
"Während das spanische Regime Frauen forderte, die ergeben, milde und dienstbar waren, schuf Jess Franco phantastische und unübliche Heldinnen: Frauendetektive, weibliche Vampire, lesbische Wärterinnen und weibliche Killer."