Neue Rezensionen


Paris kann warten
Es ist nicht besonders schwer, diesen Film zu verreißen. Wie es zum Beispiel in der WELT geschah: Das "Roadmovie" sieht dann aus wie "ein Reiseprospekt", es gibt "Gelaber über die alten Römer", die Hauptperson Jacques ist "ein selbstgefälliger Chauvinist", der sich mit einer "nuttigen Museumsdirektorin" einlässt, der Film ist "Quark", es "stimmt nichts", und die Rezensentin fragt sich, "warum Mr. Coppola seine Mrs. Coppola nicht davon abgehalten hat, so einen Schmonzes abzuliefern." Eleanor Coppola, 80 Jahre alt, ist die Regisseurin des Films "Paris kann warten". Sie hat unter anderem eine großartige Dokumentation über die Dreharbeiten von "Apocalypse Now" ihres Mannes Francis Ford Coppola produziert. "Paris kann warten" ist ihr erster Spielfilm.
Man kann es aber auch anders sehen. Man kann sagen, dass dies einfach ein Film ist, der einem anderthalb heitere und unbeschwerte Unterhaltungsstunden schenkt, besonders wenn man Frankreich liebt, und wer tut das nicht?
Von Manfred Lauffs.


Aktuelle Filme


Draußen in meinem KopfDraußen in meinem Kopf
Viele Medien berichteten bereits darüber: Samuel Koch, der seit seinem Unfall bei "Wetten, dass...?" 2010 querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt, ist in seiner neuen Karriere als Schauspieler erstmals in einem Film in einer Hauptrolle besetzt.
"Draußen in meinem Kopf" ist ein Kammerspiel, seine Handlung findet nur in einem Raum statt, Svens Pflegezimmer, abgesehen einmal vom Filmende. Samuel Koch spielt den 28-jährigen Sven, der unter Muskeldystrophie leidet, weswegen er bald sterben dürfte. Sven nimmt sein Schicksal der Krankheit und das Gefesseltsein an einen Ort scheinbar gelassen hin. Doch die Coolness ist nur Fassade, merkt Christoph (Nils Hohenhövel), sein neuer Pfleger, ein frisch von der Schule kommender, noch jugendlich wirkender junger Mann in seinem Freiwilligen Sozialen Jahr. Der Film lebt vom Kontrast der Charaktere zweier junger Männer, die von großartigen Nachwuchsdarstellern gespielt werden. Der Kontrast besteht in der vermeintlichen Coolness des einen und der Unerfahrenheit des anderen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Martin Menke Junafilm


ZudZud
In ihrem Spielfilmdebüt verwebt Filmemacherin Marta Minorowicz dokumentarische Aufnahmen mit einer fiktiven Handlung. Wo die Realität aufhört und die Inszenierung beginnt, lässt sie das Publikum nicht wissen. Nicht nur dies beeinträchtigt die Geschichte des elfjährigen Sukhbat, der mit seinen Eltern und einem kleinen Geschwisterkind in den Weiten der Mongolei lebt.
Der Alltag in der unwirtlichen Landschaft ist hart, besonders, da der Winter hereinbricht. Eine rätselhafte Krankheit tötet die Schafe und Ziegen der Familie. Jedes Mal wenn Sukhbat ein verendetes Tier findet, rückt sein Wunsch, wieder zur Schule zu gehen weiter in die Ferne. Über den Hauptcharakter erfährt man fast nichts, nur, dass er sein Schicksal klaglos hinnimmt. Unbeschwerte Momente sind selten, denn die Eltern sind auf seine Hilfe angewiesen und er tut alles, um die Lage der Familie zu verbessern. Mit dem Vater hütet er in der von Wind und Regen gepeitschten Ödnis die Schafe und Ziegen.
Von Lida Bach.
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Generation Kplus
Foto: Berlinale


Das Mädchen aus dem NordenDas Mädchen aus dem Norden
Mit "Das Mädchen aus dem Norden" kommt ein hervorragendes Spielfilmdebüt aus Schweden in die deutschen Kinos. Hervorragend deswegen, weil Regisseurin Amanda Kernell aufgrund ihrer Lebensgeschichte weiß, wovon sie erzählt. Ein 14-jähriges Mädchen, Elle Marja (Cecilia Sparrok), gehört dem schwedischen Volk der Samen an. Die Handlung spielt in den 1930er-Jahren, Rassismus ist an der Tagesordnung: Die großen, blonden Schweden blicken verächtlich auf das kleinwüchsige, schwarzhaarige Sámi-Mädchen herab, aber Elle Marja hat ein starkes Selbstbewusstsein. Bald versucht sie, ihre Herkunft zu leugnen und nimmt den Namen Christina an, sogar von ihrer Familie wendet sie sich ab.
Filmemacherin Kernell, die zuvor nur Kurzfilme drehte, hat einen samischen Vater und eine schwedische Mutter. Die feindliche Stimmung gegenüber den Samen einem größeren Publikum bekannt zu machen, war ihr Anliegen. Mit diesem Film gelingt ihr nicht nur dies, sondern auch eine allgemeine Studie über Identitätskrise und Rassenwahn.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclay Filmverleih


1000 Arten Regen zu beschreiben1000 Arten Regen zu beschreiben
Eine Familie feiert Geburtstag. Es ist der 18. von Mike. Der Schein trügt. Nichts ist in Ordnung. Mike hat sich, freundlich formuliert, zurückgezogen. Das Kinopublikum wird ihn im Film ein einziges Mal zu sehen bekommen, und zwar als verwaschene Erinnerung. Aber dem Publikum geht es nicht alleine so. Die Familie sieht ihn auch nicht, Mike hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Vor Wochen. Mutter Susanne (Bibiana Beglau), Vater Thomas (Bjarne Mädel) und Schwester Miriam (Emma Bading) stehen hilflos vor verschlossener Tür. Die Geburtstagsfeier war ein verzweifelter Versuch der Drei, das vierte Familienmitglied herauszulocken. Bald weiß der Zuschauer: Diese Familie ist nicht mehr intakt. Mike protestiert, ohne dass es gesagt wird, gegen das Dysfunktionale seines Elternhauses und kommuniziert nur noch mit Zetteln unter der Tür. Kryptische Nachrichten sind es.
Die Redewendung "Du siehst ja aus wie 100 Tage Regenwetter" spielte sicher eine Rolle bei der Wahl von Filmtitel und -handlung.
Von Michael Dlugosch.
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Wettbewerbsfilm
Foto: Made in Germany Filmproduktion


Der Hauptmann (2017)Der Hauptmann (2017)
Nach 13 Jahren in den USA und einer Vielzahl von ihm inszenierter Blockbuster ("Flightplan", "Die Frau des Zeitreisenden", "R.E.D. - Älter. Härter. Besser.") kehrt "Tattoo"-Regisseur Robert Schwentke nach Deutschland zurück, um seinen ersten Historienfilm vorzustellen: "Der Hauptmann". Der Titel erinnert nicht von ungefähr an die Geschichte des Hauptmanns von Köpenick und dessen Dramatisierung durch Carl Zuckmayer, denn auch hier kleidet sich ein Mann in eine Uniform, die ihn zum erfolgreichen Hochstapler macht. Auch diese Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten: Am Ende des Zweiten Weltkriegs steigt der Gefreite Willi Herold (Max Hubacher, "Stationspiraten", "Der Verdingbub") zum Nazi-Hauptmann auf. Aber Herold ist als Hauptfigur kein Filmheld, denn die gewonnene Macht führt bei ihm zum extremen Blutrausch.
Hervorragend erzählt Schwentke von Machtmissbrauch und Verrohung im Krieg, konterkariert aber die Intention seines eigenen Films mit einer dummen Sequenz während des Abspanns.
Von Michael Dlugosch.
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Eröffnungsfilm
Foto: Julia M. Müller / Weltkino Filmverleih


Alles Geld der WeltAlles Geld der Welt
Das jetzige Filmzeitalter weitet die Grenzen des Bösen aus - ruchlose blutreiche Krimis, mit eisig-kaltherzigen Serienkillern, historische Filme wie "The Revenant", die die Bestie im Menschen vorführen, Serien wie "Breaking Bad" oder "House of Cards" zeigen uns, wie tief man sinken kann, wenn man von Macht oder Todesangst besessen ist. So zeigt der Film "Alles Geld der Welt", wie unvorstellbar herzlos Geldgier machen kann.
Als der reichste Mann der Welt, der Ölmagnat J. Paul Getty (gespielt von Altmeister Christopher Plummer, als kurzfristig eingesetzter, besserer Ersatz für den wegen Missbrauchsvorwürfen angeklagten Kevin Spacey), von der Entführung seines 16-jährigen Enkels Paul (gespielt von Charlie Plummer) in Rom erfährt, zahlt er erstmal das Lösegeld nicht.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Tobis


Die GrundschullehrerinDie Grundschullehrerin
Black-Screen. Der Zuschauer hört zwei Stimmen, die das Wort â-v-e-n-t-i-u-e-r-e buchstabieren. Die erste Einstellung zeigt Florence Mautret zu zweit mit einer Schülerin an einem Tisch in ihrem Klassenzimmer sitzen. Tara, die Schülerin, hat es bis in die 4. Klasse geschafft, ohne lesen zu können, mit Auswendiglernen und Raten. Madame Mautret, anstatt sie zurückzustufen, nimmt sich die Zeit ihr jetzt das ganze Alphabet von vorne beizubringen. Das Bild verweilt lange still bei dieser Szene, bis man als Betrachter fast unruhig wird und ein wenig jene Geduld der Lehrerin aufbringen muss, um sich auf dieses langsame Tempo von Madame Mautret und Tara einzulassen. Der Film führt unmittelbar in Rhythmus und Tempo des Klassenzimmers hinein.
Um diesen Raum, in dem auch das Schulkaninchen Sombrero wohnt, und die Lehrerin Florence Mautret ordnen sich die Geschichten, die der Film der Regisseurin Hélène Angel erzählt.
Von Simon Probst.
Foto: Alamode Film


Königin von NiendorfKönigin von Niendorf
Sind die doof. Die anderen Mädchen. Lea (Lisa Moell) kommt noch nicht in die Pubertät, wie es die Gleichaltrigen gerade tun. Sonst fährt die Zehnjährige immer mit ihren Freundinnen ins Ferienlager, wenn die Sommerferien beginnen. Sie bleibt allein in der brandenburgischen Dorfidylle zurück. Dort entdeckt sie eines Tages Jungs, die eine Bande bilden. Gerne würde Lea in diese aufgenommen werden, aber: Mädchen sind doof, sagen die Jungs. Da bleibt nur eins übrig: eine Mutprobe bestehen.
Die Regisseurin des Films, Joya Thome, hat einen einst berühmten Vater, den Filmemacher Rudolf Thome ("Rote Sonne"). Ihm macht sie aber mit ihrem Langfilmdebüt keine Ehre. Ganz im Gegenteil: Joya Thome hat fragwürdige Moralvorstellungen, mit denen sie in ihrem Kinderfilm die kleinen Zuschauer zum Nachahmen animiert. Als Entschuldigung kann nicht dienen, dass der Film schnell mit geringem Budget gedreht wurde.
Von Michael Dlugosch.
Foto: daredo media / Darling Berlin


Shape of Water - Das Flüstern des WassersShape of Water - Das Flüstern des Wassers
Guillermo del Toro inszeniert eine fabelhafte und böse Science-Fiction-Welt mitten im kalten Krieg.
Alles dreht sich um ein Hochsicherheitslabor der US-amerikanischen Regierung im Jahr 1962 und ein mysteriöses humanoides Fischwesen (Doug Jones), das aus Südamerika verschleppt wurde und jetzt dort gefangen gehalten wird. Aber wo fängt man im Reigen der Figuren an, die sich um dieses Zentrum drehen und die alle abgründig, kantig und einfühlsam genug gezeichnet sind, um alleine einen Film tragen zu können?
Kolonialistisches und chauvinistisches Gehabe, Rassismus und die Unterdrückung von Frauen werden, vor allem in der Figur des Strickland, zelebriert und dabei feierlich und mit viel Spaß entblößt. Denn der Film setzt unserer Welt in allen Details seiner Inszenierung die verspielte und hybride Sichtweise der Form des Wassers entgegen, die durch alle Bilder fließt - eine liebevolle, mächtige und tanzende Kritik aller bestehenden Verhältnisse.
Von Simon Probst.
Foto: Twentieth Century Fox of Germany


Three Billboards Outside Ebbing, MissouriThree Billboards Outside Ebbing, Missouri
"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri": ein sperriger Filmtitel, doch die genannten drei Werbetafeln außerhalb eines Ortes mitten im Nirgendwo der USA spielen in dem Film eine wichtige Rolle. Sie rotten vor sich hin, als Mildred Hayes (Frances McDormand) sie sich näher betrachtet. Sie hat eine Idee. Sie setzt sie in die Tat um, wie sie alles umsetzt, was sie vorhat - nicht immer zugunsten von ihr und ihren Mitmenschen in Ebbing. Der Ort wird zum von Autorenfilmer Martin McDonagh betrachteten Mikrokosmos, in dem Mildred wüten, die Grundfesten erschüttern wird. Das macht die vom Alter her reife, aber nicht charakterlich gereifte Frau nicht grundlos: Ihre Tochter wurde im Vorjahr ermordet, vergewaltigt und verbrannt. Sie will den Mörder gefasst sehen. Die Werbetafeln bekommen einen Text, der der örtlichen Polizei übel aufstößt.
"Three Billboards..." war 2018 für sieben Academy Awards nominiert, zwei Darstellerpreise erhielt er.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Twentieth Century Fox


LandrauschenLandrauschen
Statt Weltstadt nun wieder Landidylle. Statt Berlin wieder Bubenhausen bei Neu-Ulm. Antonie, gerufen Toni ist zurück in der Heimat und kommt erneut bei den Eltern unter, weil sie pleite ist, die Großstadt Geld kostete. Zwei Hochschulabschlüsse hat die junge Frau in der Tasche, aber keinen Job. Anstelle fester Arbeit in einer Ulmer Zeitungsredaktion erhält sie einen Praktikumsplatz. Zu ihrem Glück trifft sie die lebensfrohe, lesbische Rosa. Als sie sich ineinander verlieben, entstehen Konflikte, da die Landbevölkerung nicht weltoffen ist.
"Landrauschen" gewann u.a. den Hauptpreis sowie den Drehbuchpreis des 39. Filmfestivals Max Ophüls Preis 2018 in Saarbrücken. Der Film von Regisseurin Lisa Miller, der nach zwei Kurzfilmen deren Spielfilmdebüt ist, setzt auf Laiendarsteller, was manchmal nicht funktioniert, doch Nadine Sauter als Rosa - mehr noch als die von Kathrin Wolf dargestellte Toni - reißt "Landrauschen" aus dem Mittelmaß heraus, ihr Spiel als heimliche Heldin des Films ist eine Wucht.
Von Michael Dlugosch.
deutscher Kinostart: 19. Juli 2018
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Wettbewerbsfilm, u.a. Gewinner des Hauptpreises und des Fritz-Raff-Drehbuchpreises
Foto: Landrauschen Film


Reise nach Jerusalem (2018)Reise nach Jerusalem (2018)
Alice (Eva Löbau), 39 Jahre alt, findet keinen Job mehr und ist Single. Das Leben geht an der jungen Frau vorbei. Wie im beliebten, titelgebenden Spiel für Kinder und Erwachsene, "Reise nach Jerusalem", muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, sonst bleibt kein Stuhl übrig. Alice hat den Anschluss verpasst, die Arbeitsagentur schickt sie bürokratisch in unnötige, quälende Bewerbungstrainings, anstatt zu helfen. Schlimmer geht’s nimmer? Nicht für Alice.
Und nicht für den Zuschauer. In Regisseurin Lucia Chiarlas Spielfilmdebüt sind Alices Qualen auch Qualen für diesen: Der Film hat den Nachteil, dass er sich nie weiterentwickelt, erst am Schluss des Films greift die Filmheldin durch, flüchtet aus der Misere, auch wenn diese damit nicht endet, aber für sie wie für den Zuschauer ist die Flucht eine Katharsis. Zuvor bemüht Chiarla Realismus, aber dabei zu viel des Guten. Der Film dreht sich wie die "Reise nach Jerusalem"-Spieler lange im Kreis.
Von Michael Dlugosch.
deutscher Kinostart: 15. November 2018
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Wettbewerbsfilm
Foto: Kess Film



Dossier


Neue Familienmodelle im Film
Frisch geschieden und alleinerziehend, in "wilder Ehe" oder als schwule Regenbogenfamilie. Was früher als Schmach galt, ist heute weitgehend salonfähig - im wahren Leben wie im Kino.
Von Christian Horn.

Der politische Film
Bei der Academy-Award-Verleihung 2013 stand der politische Film im Mittelpunkt. Feiert er seitdem seine Rückkehr?
Von Christian Horn.

Gene im Videospiel
In diesem Essay geht Autor Christian Horn auf neueste Trends im Videospiel ein: Beispielsweise lässt das Spiel "Spore" den Akteur Gott spielen, der Spieler formt sich seine eigene Evolution.
Von Christian Horn.


Neue Rezensionen (Fortsetzung)


After Earth
Vor einem Jahrtausend musste die Menschheit die unbewohnbar gewordene Erde verlassen, und siedelte sich auf dem entfernten Planeten Nova Prime an. Hier wächst der 13-jährige Kitai Raige (Jaden Smith) auf, der nach dem Vorbild seines Vaters Cypher (Will Smith) eine militärische Laufbahn einschlagen will. Als Cypher nach langer Abwesenheit zu seiner Familie zurückkehrt, ist das von einem Machtgefälle geprägte Verhältnis zwischen Vater und Sohn sehr angespannt. Also schlägt der kantige General vor, dass Kitai ihn bei einer Inspektionsreise in den Weltraum begleiten soll. Unterwegs gerät das Raumschiff jedoch in einen Asteroidenhagel und muss auf einem Planeten notlanden, der sich bald als die verlassene Erde entpuppt.
Nur Kitai und sein Vater überleben den Absturz, und weil Cypher schwer verletzt ist, muss der Sohn die Rettung der beiden organisieren.
Von Christian Horn.

Bastard (2011)
Eine Videokamera im Nachtsichtmodus: Die grünstichigen Bilder zeigen den neunjährigen Nikolas, der in Erwartung einer Überraschung einen maroden Kellerverschlag betritt. Doch der Mensch hinter der Kamera verschließt eine Stahltür und sperrt das Kind ein, das panisch von innen dagegen trommelt. Der Titel füllt die Leinwand, während der Entführer aus dem Off spricht: "Da ist nichts. Kein Name, kein Gesicht. Ich bin in ein Nichts geboren. Man kann sagen, ich bin nicht". Mit dieser beunruhigenden Szene eröffnet der debütierende Regisseur und Drehbuchautor Carsten Unger sein atmosphärisch sehr dichtes Psychodrama "Bastard".
Die nächste Irritation, die der Film bereithält, ist der Umstand, dass der lange namenlose Entführer Leon (Markus Krojer) mit seinen 13 Jahren selbst noch ein Kind ist, das mit seiner Gefühlskälte und seinem gestörten Selbstbild die größte Reibungsfläche für das Publikum bietet.
Von Christian Horn.

Black Brown White
Die politischen und aufklärerischen Ambitionen, die Erwin Wagenhofers vielfach diskutierte Dokumentarfilme "We feed the World" und "Let's Make Money" auszeichneten, überträgt der Österreicher auch auf sein Spielfilmdebüt. Als eindrücklich fotografiertes Road Movies erzählt "Black Brown White" vom kapitalistischen Wildwuchs im reichen Europa, der nicht nur in der eigenen Hemisphäre, sondern vor allem in ärmeren Gebieten für soziale Schieflagen sorgt.
Der Fernfahrer Peter (Fritz Karl), den alle Don Pedro nennen, fährt regelmäßig von Österreich nach Marokko, um beispielsweise Knoblauch zu verladen. Doch seine Arbeit beschränkt sich nicht nur auf gewöhnliches Frachtgut: Im Auftrag seines Chefs Jimmy (Karl Markovics) schleust Peter gegen eine ordentliche Entlohnung illegale Immigranten vom Norden Afrikas nach Europa. Als die Ghanaerin Jackie (Clare-Hope Ashitey) unter keinen Umständen in dem dafür vorgesehenen winzigen Verschlag in Peters Anhänger Platz nehmen will, landet sie mit ihrem kleinen Sohn Theo (Theo Caleb Chapman) auf dem Beifahrersitz.
Von Christian Horn.

Contagion
Schon in der ersten Einstellung von "Contagion" sieht Gwyneth Paltrows Filmfigur, die in Chicago auf ihren Anschlussflug nach Minneapolis wartet, ziemlich mitgenommen aus. Zu Hause verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand rapide - als sie schließlich einen epileptischen Anfall erleidet und ins Krankenhaus muss, können die Ärzte ihr Leben nicht mehr retten. Ausgelöst wurde die tödliche Krankheit von einem bislang unbekannten Virus, der sich schnell global ausbreitet. Von dieser Ausgangslage aus entspinnt Regisseur Steven Soderbergh ein halbes Dutzend Episoden, die das private wie öffentliche Katastrophenmanagement im Zuge der folgenden Pandemie aus mehreren Perspektiven schildern: Die Arbeit der WHO und anderer Krisenmanager, die nach einem Gegenmittel und dem Ursprung des Virus suchen, und die Manöver von Politik und Militär spielen dabei eine wesentliche Rolle. Aber auch Privatpersonen wie ein von Matt Damon gespielter Vater, der seine Tochter verzweifelt vor einer Ansteckung schützen will, webt Soderbergh in sein Panorama.
Von Christian Horn.

Eine zauberhafte Nanny - Knall auf Fall in ein neues Abenteuer
Nach dem nun fünf Jahre zurückliegenden Überraschungserfolg des Kinderfilms "Eine zauberhafte Nanny" war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung auf den Weg gebracht wird. Wie schon im ersten Teil schlüpft Emma Thompson in die Rolle der Nanny McPhee und ebenfalls wie beim Vorgänger hat Thompson das Drehbuch verfasst. Da die drei Buchvorlagen von Christianna Brand bereits für den ersten Film ausgeschöpft wurden, musste nun eine eigene Story her.
Im Großbritannien der frühen Vierzigerjahre, also zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, bewirtschaftet Mrs. Green (Maggie Gyllenhaal) eine Farm, die kurz vor dem Bankrott steht. Ihr Ehemann (Ewan McGregor) kämpft auf dem europäischen Festland gegen die Nazis, während sein Bruder Phil (Rhys Ifans) Spielschulden bezahlen will, indem er Mrs. Green die Farm abspenstig macht. Zum Glück erscheint in einer stürmischen Nacht die Nanny mitsamt Knollennase und Warze auf dem Kinn für dieses und andere Probleme.
Von Christian Horn.

Glück
Zwei junge Menschen, die auf je eigene Weise abseits der gesellschaftlichen Norm leben, finden in Doris Dörries Liebesgeschichte glücklich zusammen. Irina (Alba Rohrwacher) floh vor einem Bürgerkrieg aus ihrem osteuropäischen Heimatland und schlägt sich ohne Aufenthaltsgenehmigung in Berlin als Prostituierte durch. Der Berliner Punker Kalle (Vinzenz Kiefer) hingegen ist aufgrund familiärer Probleme von zu Hause abgehauen und schnorrt sich mit seinem Hund auf der Straße durch. Im Grunde fehlt beiden die Perspektive fürs weitere Leben, zumal sie auf der Welt scheinbar niemanden als sich selbst haben. Was sowohl Irina als auch Kalle abhanden gekommen ist, darauf verweist bereits der Titel: Es ist das Lebensglück. Ein Glück also, dass die Außenseiter auf den Berliner Straßen zueinander finden und eine große Liebe ihren Anfang nimmt, die beide vor ihren Lebensproblemen rettet.
Von Christian Horn.

180° South
Ein Panorama wie aus dem Bilderbuch: Majestätisch schraubt sich der Vulkan Corcovado in den Anden Patagoniens in die Höhe. An der Bergspitze sammeln sich Schnee und Eis, wie verlorene Punkte klettern ein paar Männer unter widrigen Bedingungen der Spitze entgegen. An der tosenden Küste vor dem Vulkan gleitet indes ein Surfer durch die Brandung. Jeff Johnson und seine Begleiter sind am Ziel ihrer knapp fünfwöchigen Reise angekommen, deren Verlauf "180° South" dokumentiert.
Im Jahr 1968 unternahmen die Umweltaktivisten Yvon Chouinard und Doug Tompkins eine Expedition nach Patagonien, die schließlich eines der weltweit größten Umweltschutzprojekte ins Rollen brachte. Heute stehen rund 3.000 km² Patagoniens im sogenannten "Conservacion Patagonica Land Trust" unter Naturschutz. Genau vierzig Jahre später, im Jahr 2008, trat der amerikanische Abenteurer und Buchautor Jeff Johnson in die Fußstapfen seiner Idole und brach mit einigen Mitstreitern ebenfalls Richtung Patagonien auf.
Von Christian Horn.

Irrational Man
Pünktlich zu Woody Allens 80. Geburtstag kam Ende 2015 sein 46. Film in die deutschen Kinos. Nach dem großen Erfolg mit "Match Point" setzte der New Yorker Regisseur erneut auf einen Krimiplot. Der Film scheitert aber, wenngleich auf hohem Niveau. Versatzstücke früherer Filme bastelt der normalerweise geniale Filmemacher Allen in "Irrational Man" zusammen, wie die Liebe einer jungen Frau und eines intellektuellen, etwas älteren Mannes, oder die Frage nach Schuld und Sühne, die Untersuchung von Doppelmoral. Allen macht sich einen Jux draus, Philosophie als Grundlage für einen "moralisch korrekten" Mord, zumindest in der Denke seiner Film-Hauptfigur, zu nehmen. Die Philosophie nimmt Allen, der Intellektuelle, hier nicht ernst, was dem Film schadet. Denn "Irrational Man" betrachtet nur Ansätze der Geistesarbeiten von Kant, Kierkegaard & Co. in Sachen Schuldigwerden, die Mordgeschichte ist sehr banal erzählt.
Von Michael Dlugosch.

Das Lied in mir
Buenos Aires aus der Draufsicht: Während die Kamera langsam über die Straßen und Häuserdächer der argentinischen Hauptstadt fliegt, ziehen kreisförmige Wellen durchs Bild. Das Motiv des Wassers spielt auch im weiteren Verlauf von Florian Cossens Regiedebüt "Das Lied in mir" eine zentrale Rolle, vor allem in seiner symbolischen Bedeutung als Tiefe des Unterbewussten. Die Wellen aus dem Vorspann verweisen darauf, dass irgendwo unter der Oberfläche ein Geheimnis verborgen liegt, das wie ein Stein im Wasser versenkt wurde und nun aus dem tiefsten Unterbewussten hervorbricht.
Zu Beginn der Handlung fungiert ein spanisches Kinderlied als eine Art Deus ex machina. Die 31-jährige deutsche Profi-Schwimmerin Maria (Jessica Schwarz) hört es zufällig, als sie am Flughafen von Buenos Aires auf einen Anschlussflug wartet. Die junge Frau reagiert ungewöhnlich heftig auf das Lied: Obwohl Maria kein Spanisch spricht, kommen ihr Text und Melodie bekannt vor.
Von Christian Horn.

Martha
Regisseur Rainer Werner Fassbinder hat die #MeToo-Debatte der Jahre 2017 und 2018 nicht mehr erlebt; er starb 1982. Und doch ist sein Fernsehfilm aus dem Jahr 1974 eine Bestandsaufnahme des Verhältnisses zwischen Mann und Frau, wie sie 2018 aktueller nicht sein könnte. Fassbinder wirft einen zynischen Blick auf die Ehe, die vorschnell geschlossen wird, ja auf die Ehe schlechthin. Eine Frau, Martha (Margit Carstensen) lernt einen Mann, Helmut (Karlheinz Böhm) kennen. Sie heiraten. Marthas Mutter ist gegen die Ehe, ohne Gründe zu nennen. Sie wird recht behalten.
Ist der Film anfangs sehr statisch (typisch für Fassbinder, die Schauspieler starr stehen zu lassen), entwickelt er sich in seinem Sarkasmus hervorragend: Der Mann schlägt die Frau nie, brutal ist er psychisch, körperlich auch, aber nur, wenn er Umarmungen will und Knutschflecke erzeugt. Die Frau kann dem nichts entgegensetzen.
Von Michael Dlugosch.

M.A.S.H.
"M.A.S.H." steht für "Mobile Army Surgical Hospital". Das "M.A.S.H." im gleichnamigen Film, mit dem Robert Altman seinen Durchbruch als Regisseur schaffte, steht an der Front im Korea-Krieg Anfang der 1950er Jahre. Der Film entstand 1970, zu Zeiten des Vietnam-Krieges, zu Zeiten, als die Gesellschaft sich gegen diesen Krieg wandte. Und auch Altman. Nicht sehr camoufliert steht Korea für Vietnam, nicht sehr camoufliert ist die Kritik am Krieg, letztere mehr als nur unterschwellig. "M.A.S.H." ist bis heute der frechste Antikriegsfilm überhaupt. Wenn der Geistliche des Hospitals einen Jeep für den Einsatz im Krieg segnet, gleichzeitig eine andere Filmfigur betet und als bigott dargestellt wird - er betrügt seine Frau -, erkennt man schnell die Tendenz, die Altmans Film einschlägt. Die Hauptcharaktere des Films, Chirurgen, die verwundete Soldaten zusammenflicken, erlauben sich Späße weit unter der Gürtellinie. Sonst wäre der Horror nicht zu ertragen.
Von Michael Dlugosch.

17 Mädchen
Während einer routinemäßigen Schuluntersuchung erfährt die 16-jährige Camille (Louise Grinberg), dass sie ungewollt schwanger ist. Bald sieht die Heranwachsende in ihren Umständen die Chance auf ein neues, erfüllteres Leben, wobei vor allem der alterstypische Wunsch nach einer Abgrenzung von den Eltern und der Drang nach Selbstbestimmung zu einer positiven Bewertung der Schwangerschaft führen. Als mit der Außenseiterin Florence (Roxane Duran) ein weiteres Mädchen der Schule ein Kind erwartet, schließt die Mädchenclique um Camille einen Pakt: Sie alle wollen kollektiv schwanger werden, um die Kinder in der Gemeinschaft großzuziehen. Den Plan setzen die Mädchen bei der nächsten Party prompt in die Tat um und stoßen damit die durch Eltern und Lehrerschaft verkörperte Erwachsenenwelt gehörig vor den Kopf. Ihren eigenen Körper, über den sie selbstbestimmt verfügen möchten, nutzen die Mädchen gewissermaßen als Vehikel ihres rebellischen Protests.
Von Christian Horn.

Von der Kunst, sich durchzumogeln
Der 17-jährige George (Freddie Highmore) kritzelt lieber ins Schulheft, als Hausaufgaben zu machen. Überhaupt vermisst der Einzelgänger einen Sinn in seinem Leben, denn wozu soll er sich überhaupt für irgendetwas anstrengen oder einsetzen, wenn er schlussendlich doch im Sarg landet?
So schlurft George in einem zu großen Mantel durch New York, hört Leonard Cohen und lässt seinen fatalistischen Gedanken freien Lauf. Die Erwachsenen, ob Lehrer oder Eltern, ringen ihm jedenfalls kein Engagement ab - dass die Abschlussprüfung in drei Wochen bevorsteht und er den gesamten Stoff des vergangenen Schuljahres nachholen müsste, interessiert ihn nicht im Geringsten. Die Rettung für diesen jungen Heranwachsenden in der Selbstfindungskrise naht - natürlich - in Form seiner schönen Mitschülerin Sally (Emma Roberts), die ihn auf Partys mitnimmt und von einer Gesprächspartnerin zur Angebeteten aufsteigt. Endlich etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt!
Von Christian Horn.

Was du nicht siehst
Die Atmosphäre ist von Anfang an unheilschwanger: Als Prolog ein junger Mann, der gefährlich nah am Rand einer Klippe steht; dann ein glühender, achtlos an den Straßenrand geworfener Zigarettenanzünder, ein rüpelhafter Typ auf einer Rasthof-Toilette und ein qualmender Müllabfuhrwagen, der geradewegs aus einem amerikanischen Highway-Horrorfilm stammen könnte. Diese Eröffnungsszenen aus Wolfgang Fischers Kinodebüt "Was du nicht siehst" etablieren eine mysteriöse Grundstimmung, die im Folgenden bestehen bleibt.
Wie einen Gruselfilm inszeniert Fischer den Familienausflug des 17-jährigen Anton (Ludwig Trepte), seiner Mutter Luzia (Bibiana Beglau) und deren neuem Freund Paul (Andreas Patton), die für ein paar Tage in einem Ferienhaus in der Bretagne einkehren. Ohne dass die Zuschauer wissen, was eigentlich los ist, scheint eine Eskalation von vornherein unausweichlich - die Bilder und die von unheimlichen Melodien getragene Tonspur lassen hieran keinen Zweifel.
Von Christian Horn.

Werner - Eiskalt!
Den zweiten Werner-Film habe ich als kleiner Junge im Kino gesehen. Einige ältere Kerle imponierten mir sehr, als sie einen kompletten Kasten Bier ins Kino schleppten und mit dem Zischen beim Bierflaschen öffnen während der Vorführung eine Art zweiten Rhythmus vorgaben: An ebenjene Kerle musste ich denken, als die Pressevorstellung von "Werner - Eiskalt!" lief. Denn hier hilft es wohl auch nichts, beim Zuschauen unter Alkoholeinfluss zu stehen: Gernot Roll legt einen durch und durch öden Streifen vor, der wirklich nicht hätte sein müssen.
"Werner - Eiskalt!" ist der nunmehr fünfte Teil der Werner-Reihe und der erste seit dem Original, in dem die Zeichentrickszenen mit Realfilmeinschüben zusammengehen. Rötger Feldmann alias Brösel spielt sich selbst, wobei er durchaus ironische Töne anschlägt, letztlich aber allzu plump und verkrampft wirkt. Während der erste Werner-Film noch durch seine pure Anarchie zu unterhalten wusste, erweist sich der fünfte Teil als arg seelenloser und müder Nachäffer.
Von Christian Horn.

What a Man
Der 30-jährige Lehrer Alex (Matthias Schweighöfer) ist viel zu harmlos, um ein "richtiger Mann" zu sein. Als ihn seine Freundin Carolin (Mavie Hörbiger) gegen den durchtrainierten Macho Jens (Thomas Kretschmann) eintauscht, sucht der Vollblut-Softie die Fehler bei sich selbst und möchte endlich ein ganzer Kerl sein: Doch wann ist ein Mann ein Mann? Die infantilen Tipps seines türkischen Kumpels Okke (Elyas M'Barek) fruchten nicht und auch sonstige Männlichkeitsrituale gehen nach hinten los. Dass seine beste Freundin Nele (Sibel Kekilli) ihn auch in seiner jetzigen Form als Mann attraktiv findet, merkt der mit seinem Rollenbild beschäftigte Alex indes nicht.
Bei seinem Regiedebüt "What a Man" orientiert sich Matthias Schweighöfer stark an amerikanischen Vorbildern aus Hollywood. Dementsprechend inszeniert Schweighöfer, der auch als Co-Autor und Produzent fungiert, die Finanzmetropole Frankfurt/Main mit ihrer imposanten Skyline als Glitzerkulisse à la Manhattan.
Von Christian Horn.

White House Down
Nachdem Roland Emmerich in Blockbustern wie "Independence Day", "The Day After Tomorrow" oder "2012" die Welt bereits mehrfach untergehen ließ, zerstört der erfolgreiche Filmemacher in seinem Actionfilm "White House Down" lediglich das Weiße Haus. Dieses Mal fliegt aber nicht gleich das ganze Gebäude in die Luft, sondern es ist vor allem die Inneneinrichtung, die mit fortschreitender Dauer des Old-School-Actionfilms immer mehr zu Klump geht.
Für ein Bewerbungsgespräch fährt der Polizist John Cale (Channing Tatum) mit seiner 11-jährigen Tochter Emily (Joey King) ins Weiße Haus. Cale will für den Secret Service den Präsidenten beschützen, doch die Secret-Service-Agentin Finnerty (Maggie Gyllenhaal) schmettert seine Bewerbung ab. Cale bleibt jedoch kaum Zeit, die Pleite zu verdauen, denn wie aus dem Nichts infiltriert eine paramilitärische Truppe unter der Führung des abtrünnigen Agenten Walker (James Woods) den Regierungssitz.
Von Christian Horn.

Wie durch ein Wunder
Mit den ursprünglich fürs Fernsehen produzierten "High School Musical"-Filmen ist Zac Efron zum Teenie-Schwarm aufgestiegen. In "Ich & Orson Welles" von Richard Linklater bewies er sein Talent für ernsthaftere Rollen und genau in diese Kerbe wollte er wohl schlagen, als er die Hauptrolle in Burr Steers' Teenager-Drama "Wie durch ein Wunder" annahm, der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Ben Sherwood und Birgit Moosmüller. Doch wenngleich Zac Efron schauspielerisch eine solide und stimmige Leistung abliefert, ist dieser Versuch gehörig schief gelaufen: "Wie durch ein Wunder" ist eine überaus seichte und aufgesetzte, bisweilen schnulzige Tragödie, die selbst dem jugendlichen Zielpublikum nur in Ansätzen behagen dürfte.
Von der Anlage her ist die Geschichte von "Wie durch ein Wunder", die zwischen Liebes-, Mystery- und Coming-of-Age-Drama changiert, interessant. Aber die unbeholfene und über die Maßen kitschige Inszenierung von Burr Steers erstickt dieses Potenzial bereits im Keim.
Von Christian Horn.

Willkommen bei den Rileys
Mit James Gandolfini und Kristen Stewart treten in "Willkommen bei den Rileys" gleich zwei Schauspieler auf, die mit einem recht festgelegten Image geschlagen sind: Gandolfini, der vor allem mit seiner Rolle des Tony Soprano in der Fernsehserie "Die Sopranos" assoziiert wird und im Kino in meist zwielichtigen Nebenrollen auftritt, liefert in Jake Scotts zweitem Spielfilm eine seiner wenigen Hauptrollen. Kristen Stewart ist durch ihre Rolle der Bella Swan aus der "Twilight"-Reihe noch festgelegter und erweitert ihr Rollenspektrum als minderjährige Prostituierte, die von der naiven Schönheit der Vampir-Geliebten kaum weiter entfernt sein könnte. Beide Darsteller meistern den Aufbruch zu neuen Ufern, und Melissa Leo, die kürzlich einen Oscar für ihre Nebenrolle in "The Fighter" erhielt, komplettiert das Ensemble mit einer nicht minder sehenswerten Darbietung. Als erste und zentrale Einschätzung kann gesagt werden, dass "Willkommen bei den Rileys" ein Schauspielerfilm ist.
Von Christian Horn.

Woher weißt du, dass es Liebe ist?
Die Figuren aus James L. Brooks' Komödie "Woher weißt du, dass es Liebe ist?" durchleben verschiedene Umbruch- und Krisensituationen: Titelheldin Lisa (Reese Witherspoon), eine begnadete Profi-Softball-Spielerin, steuert auf ihren Dreißigsten zu und muss damit leben, dass eine jüngere Spielerin ihren Platz einnimmt. Mit dem millionenschweren Baseball-Spieler Matty (Owen Wilson) teilt sie im Rahmen einer Affäre "amazing sex" und lenkt sich von ihren Sorgen ab. Frauenschwarm Matty hingegen kommt in die Bredouille, als er mit Lisa eine Beziehung anfängt und seinem reichhaltigen Sexleben Adieu sagen muss. Der Dritte im Bunde, George (Paul Rudd), durchlebt gleich zwei Krisen: Erstens ermittelt der Staat wegen fauler Geldgeschäfte gegen den (freilich unschuldigen) Unternehmer, der nach einem Prozess sogar im Gefängnis landen könnte - zweitens verliebt er sich in Lisa, die aber bekanntlich mit Matty zusammen ist.
Von Christian Horn.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit
In naher Zukunft treiben die Menschen die Mutanten mit einer kampfstarken Roboter-Armee an den Rand der Vernichtung. Damit der verheerende Krieg gar nicht erst ausbricht, unternimmt Logan alias Wolverine eine Reise in die Vergangenheit. Im Jahr 1973 soll der Kämpfer die Erzfeinde Professor X und Magneto versöhnen und ein Attentat auf einen US-Senator verhindern. Die so ausgelöste Ereigniskette würde ein Anti-Mutanten-Programm der Nixon-Regierung stoppen - und Frieden schaffen.
Bryan Singer eröffnete das populäre X-Men-Franchise mit "X-Men" (USA 2000) sowie "X-Men 2" (USA 2003) und kehrt für den mittlerweile sechsten Kinofilm der Marvel-Reihe auf den Regiestuhl zurück.
Dass die verschachtelte Geschichte trotz der zahlreichen Charaktere übersichtlich bleibt, liegt neben den vielen bekannten Darstellern auch an den jeweils individuellen Superkräften der Mutanten, die den gelungenen Sommerblockbuster um einige optische Highlights bereichern.
Von Christian Horn.

Zuhause ist der Zauber los
In den Achtzigern als zotiger "Beverly Hills Cop" berühmt geworden, hat Eddie Murphy sich von den Neunzigern bis heute auf das Komödienfach festgelegt - von vereinzelten Ausflügen ins Actiongenre abgesehen. "Zuhause ist der Zauber los" von Karey Kirkpatrick ("Ab durch die Hecke") ist nun ebenfalls eine Komödie, allerdings eine mit ambitionierten Untertönen. Auf der emotionalen Ebene erzählt der Film von der entfremdeten Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter, ein Ansatz, der vor dem Hintergrund der oberflächlichen Rührseligkeit des Films allerdings zwangsläufig in die Knie gehen muss: Übrig bleibt trotz einiger Vorzüge kaum mehr als das Gerippe einer 08/15-Tragikomödie nach bewährter Hollywood-Machart. Die Story erinnert dabei über alle Maßen an "Bedtime Stories" mit Adam Sandler. Hier wie da muss sich ein Geschäftsmann gegen einen Konkurrenten am Arbeitsplatz behaupten und in beiden Fällen kommt dem Helden dabei die Kraft kindlicher Magie zu Hilfe.
Von Christian Horn.

 



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Zitat

"Gib mir 100.000 Dollar und ich werde den Film für 100.000 Dollar drehen. Gib mir 10 Millionen Dollar und ich werde den Film für 10 Millionen Dollar drehen. Gib mir 100 Millionen Dollar und ich spende das Geld."

"Give me $100,000 and I will make the film for $100,000. Give me $10m and I will make the film for $10m. Give me $100m and I will spend it."

Regisseur Milos Forman (18.02.1932 - 13.04.2018; "Einer flog über das Kuckucksnest", "Amadeus")

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