Aktuelle Filme


Der Geburtstag (2019)Der Geburtstag (2019)
Auszeit? Keine Zeit! Der intelligente deutsche Film "Der Geburtstag" des aus Uruguay stammenden Regisseurs Carlos Morelli trifft den Ton. Denn er ist zeitgemäß: Die Ära der Jobstreichungen, Überstunden, psychischen Belastungen durch Druck, Mieterhöhungen etc. prangert der Film an, indem ein Mann nur noch durch sein Leben hetzt. "Buddenbrooks"- und "Tatort"-Schauspieler Mark Waschke spielt den cholerischen Hektiker Matthias brillant. Immer unter Zeitdruck, unter Stress, die Beruhigungszigarette hilft schon lange nicht mehr. Ein Leben auf der Überholspur? Matthias fährt zu Beginn des Films Auto, er baut, ein Wunder, keinen Unfall. Und hat seine Termine. Mehrere gleichzeitig. Ein Ereignis wird ihn in geordnete Bahnen lenken...
"Der Geburtstag" kommt zur rechten Zeit. Wir fühlen mit dem auf den ersten Blick unsympathischen Matthias mit, weil sein Leben uns nur zu sehr vertraut ist.
Von Michael Dlugosch.
deutscher Kinostart: 25. Juni 2020
Foto: Friede Clausz / Weydemann Bros. GmbH



Neue Rezensionen


Bombshell - Das Ende des Schweigens Bombshell - Das Ende des Schweigens
Es geht nicht um Sex, es geht um Macht; um Macht und um Demütigung. Es geht um alte Männer mit Macht, die Frauen sexuell unter Druck setzen - einfach, weil sie es seit jeher ungestraft tun können. Spätestens seit der 2017 aufgekommenen #MeToo-Bewegung und dem Weinstein-Skandal, am Ende dessen der auf großer Skala Missbrauch treibende Filmproduzent Harvey Weinstein zu 23 Jahren Haft verurteilt wurde, ist eine öffentliche Debatte darüber entstanden. Vorläuferinnen dieser Skandale waren 2016 ein paar weniger bekannte mutige Journalistinnen beim größten amerikanischen Nachrichtensender Fox News. Ihre Geschichte hatte katastrophale lebenslange Folgen, denn sie verloren dauerhaft ihre Jobs, ihren sozialen und finanziellen Status, um einen Moment der Wahrheit zu erleben: die Entlarvung des Missbrauchers Roger Ailes. Deren Geschichte zeigt "Bombshell".
Von Hilde Ottschofski.
Veröffentlichung auf Blu-Ray/DVD ab dem 4. Juni 2020
Foto: Wild Bunch/EuroVideo


Apparition - Dunkle Erscheinung
Normalerweise ist "Apparition - Dunkle Erscheinung" ein Fall für die Videothek. Das Kinodebüt von Todd Lincoln, dessen Veröffentlichung Warner rund zwei Jahre zurückhielt, erweist sich trotz seiner geringen Laufzeit als langatmige Variation hinreichend bekannter Motive und ist in jeglicher Hinsicht entbehrlich. Die Studenten Patrick (Tom Felton), Greg (Luke Pasqualino), Lydia (Julianna Guill) und Ben (Sebastian Stan) wiederholen eine wissenschaftlich unterfütterte Geisterbeschwörung aus den 70er-Jahren mit moderner Technik, was eine drastische Verstärkung der Wirkung erzeugt - ein Portal in eine andere Dimension reißt Lydia aus dieser Welt. Nachdem etwas Zeit vergangen ist, zieht Ben mit seiner Freundin Kelly (Ashley Greene) in eine neue Wohnung in einer entvölkerten Vorstadtgegend. Bald bemerken die beiden - wie soll es auch anders sein? - paranormale Aktivitäten wie Fäulnis, Möbelrückerei oder einen toten Nachbarshund.
Von Christian Horn.

Bar25 - Tage außerhalb der Zeit
Die ehemalige Bar25 am Spreeufer war bis zu ihrer Schließung im Herbst 2010 eine der beliebtesten Berliner Party-Locations. An der betont verspielten Clublandschaft mit zugehörigem Restaurant, einem kulturellen Rahmenprogramm und den oft tagelangen, exzessiven Elektro-Parties kam im Grunde kein/e Szenegänger/in an der Bar25 vorbei. Mit einem durchweg subjektiv gefärbten Blick kommt nun der Dokumentarfilm "Bar25 - Tage außerhalb der Zeit" daher. Das Regiedebüt von Britta Mischer und Nana Yuriko nimmt die behördlich erzwungene Schließung des Clubs, der im Zuge des Mediaspree-Bauprojekts rund um die O2-World dem Bau von Bürogebäuden weichen musste, zum Anlass für eine Hommage an die vormaligen Betreiber und das freie und individualistische Lebensgefühl, das die Bar25 auszeichnete.
Der Großteil des Dokumentarfilms verweilt auf dem ehemaligen Clubgelände der Bar25 und taucht mit stilbewussten HD-Bildern, die über einen Zeitraum von sechs Jahren entstanden sind, in das dortige Treiben ein.
Von Christian Horn.

Chroniken der Unterwelt - City of Bones
Der Vergleich der bislang fünfbändigen Romanreihe "Chroniken der Unterwelt" (Originaltitel: "The Mortal Instruments") von Cassandra Clare mit der "Twilight"-Saga liegt so nahe, dass er im Grunde unumgänglich ist: Wie Bella Swan steht auch Clary aus "Chroniken der Unterwelt" zwischen zwei Männern und entdeckt, dass neben der uns bekannten Welt eine geheimnisvolle Zauberwelt existiert und ein ewiger Kampf gegen Vampire, Werwölfe und Dämonen tobt.
Die 15-jährige Clary Fray (Lily Collins) lebt mit ihrer Mutter Jocelyn (Lena Headey) als ganz normale Jugendliche in New York. Erst zeichnet Clary wahnhaft seltsame Runen, dann beobachtet sie in einem Nachtclub einen Mord, wobei der Mörder für ihren besten Freund Simon (Robert Sheehan) und die meisten Besucher unsichtbar bleibt. Als ihre Mutter spurlos verschwindet und ein Dämon in der Wohnung der beiden wütet, lüftet der Schattenjäger Jace (Jamie Campbell Bower) das Geheimnis ihrer Existenz.
Von Christian Horn.

Crash
Der Filmproduzent James Ballard und seine Frau Catherine leben ein abgestumpftes 1990er-Trauerleben. Außer gierigem, hemmungslosem Sex bewegt sie anscheinend gar nichts mehr. James strengt sich am Set mit einer Kamerafrau an und Catherine vergnügt sich zunächst an einer Cessna und danach am dazugehörenden Piloten. Auf dem Balkon ihrer kargen Appartementwohnung erregen sich die beiden durch das Erzählen ihrer Abenteuer, während unten der ewig fließende Autoverkehr die Monotonie ihrer Existenz widerspiegeln darf. Doch ein unerwarteter "Crash" gibt ihrem Dasein neue Akzente. James rast mit seinem Wagen in ein anderes Fahrzeug, dessen Fahrer den Unfall nicht überlebt.
David Cronenberg zieht seinem Film verdammt dicke Slicks drauf und bleibt doch mit platten Reifen im zähflüssigen Verkehr stecken.
Von Helge Judenau.

Dredd
Rund 25 Jahre ist es jetzt her, dass Sylvester Stallone in "Judge Dredd" (Regie: Danny Cannon, USA 1995) als gleichnamiger Titelheld zu sehen war. Die seltsam zerfahren wirkende Comicverfilmung entfernte sich mit den bunten Bildern und dem ständigen Augenzwinkern von den Original-Comics, in denen Judge Dredd seit 1977 auftritt. Regisseur Pete Travis ("8 Blickwinkel") und Drehbuchautor Alex Garland ("28 Days Later") versuchen sich nun an einer schlicht mit "Dredd" betitelten Neuauflage des Stoffes. Die humorlose und düstere, bisweilen zynische Version der beiden Filmemacher bleibt näher an der Comicvorlage als das Stallone-Vehikel, zum wirklich gelungenen Film verdichtet "Dredd" seine Zutaten aber nicht.
Im Gegensatz zu Olivia Thirlby, die quasi die menschliche Komponente des Films bedient, bleibt Karl Urban als wortkarger und von einer Maske bedeckter Dirty Harry der Zukunft wenig greifbar - und so wirken die durchaus ansehnlichen Actionszenen bald etwas ermüdend.
Von Christian Horn.

Empire Me - Der Staat bin ich!
"If you don't like your world, build your own!" Frei nach diesem Motto handelt zum Beispiel das Fürstentum Sealand, eine autonome Piraterie-Gemeinschaft vor der Ostküste Englands. Von einer unterirdischen Stadt über eine Berlin-nahe Kommune, die sich "Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung" nennt und deren Mitglieder dem freien Sex und der allgemeinen Schamlosigkeit frönen, bis zu Punkmusikern, die sich in Flößen den Gezeiten ausliefern und im wahrsten Sinne des Wortes treiben lassen, sind viele unterschiedliche Schattierungen einer selbst gebastelten Gesellschaft möglich. "Empire Me" von Paul Poet stellt in knappen Episoden sechs teils kauzige und charmante, mitunter aber auch abstoßende Varianten dieser "Mikronationen" mit ihren Anliegen, Zielen und Ideen vor.
Acht Jahre lang hat der Filmemacher an seiner Doku gearbeitet. Mit einem subjektiven Blick zeichnet sich der Regisseur selbst als Suchenden, der vorurteilsfrei auf die jeweiligen Ministaaten blickt, und stellt die unterschiedlichen Lebensmodelle ohne jedwede Kritik vor.
Von Christian Horn.

Der Geschmack von Rost und Knochen
Der Moment, wenn du im Krankenhaus aufwachst und deine Beine nicht mehr spürst. Der Moment, indem du die weiße, cleane Decke von deinem Körper nimmst. Der Moment, wenn du dann merkst, dass da unten etwas fehlt. Dass deine Füße nicht mehr da sind, sondern nur noch vernarbtes Fleisch. Dieser Moment ist unheimlich, erschreckend und einer der besten Filmmomente aller Zeiten. Dieser Moment wird im Drama "Der Geschmack von Rost und Knochen" aus dem Jahr 2012 festgehalten.
Dieser brillante Film stammt aus der Feder des französischen Regisseurs Jacques Audiard. Er erzählt die Geschichte von zwei Menschen. Zwei Menschen, die auf ihr eigene Art und Weise alleine sind und an einem bestimmten Punkt ihres Lebens, wenn beide so tief am Boden sind, sich kennenlernen.
Von Gregor Oldenburg.

Hans Dampf
Einfach mal alles hinter sich lassen und auf gut Glück in die weite Welt aufbrechen - wer hat da nicht schon mal dran gedacht? Hans (Fabian Backhaus) wagt diesen Schritt und bricht ohne Umschweife von Köln in Richtung der italienischen Amalfiküste auf, als er seinen Job bei einer Bank verliert. Außer den Kleidern, die er am Leib trägt, einer Tüte mit der Abfindungssumme der Bank und einem Foto des Zielorts hat Hans keinerlei Reisegepäck. Unterwegs trifft der Titelheld einige schräge Gestalten wie die überdrehte Rose (Cécile Marmier), den dubiosen Anhalter Django (Mario Mentrup) und die freigeistige Fee (Nina Schwabe), mit der Hans einige Tage in einer Ferienwohnung verbringt.
Jukka Schmidt und Christian Mrasek gehören zur "Kölner Gruppe", einem losen Verbund Kölner Filmemacher, die Filme mit geringen Budgets drehen und den Versuch unternehmen, eine unbeschwerte und lebendige Art von Kino zu gestalten.
Von Christian Horn.

In den Gängen
Ein Supermarkt als Handlungsort einer nüchternen Studie von zufällig zusammentreffenden Mitarbeitern, irgendwo in den neuen Bundesländern: Christian (Franz Rogowski) fängt dort neu an, er muss sich in der anfangenden Probezeit bewähren. Eine Kollegin, die kaum ältere Marion (Sandra Hüller), fängt ihm gegenüber mit Flirten an, während der direkte Vorgesetzte Bruno (Peter Kurth) zu einem Freund wird, fast einem Ersatzvater. Bruno ahnt richtig, dass Christian gesessen haben muss, wegen der kriminellen Vergangenheit in der Jugendzeit ist die Vorstrafe nicht erfasst, Christian darf da arbeiten. Allen drei Hauptfiguren widmet Regisseur Thomas Stuber die drei großen Filmkapitel samt Titeln, die aus den Vornamen bestehen.
Christian zeigt, dass er sich integrieren will, er schafft seine Probezeit exzellent - und verliebt sich zurückhaltend in Marion. Realistisch geht Stuber auf Arbeit und Verliebtsein ein, wie Christian ist auch der Regisseur wohltuend zurückhaltend in der Beschreibung des Geschehens in der Arbeitswelt.
Von Michael Dlugosch.

Just Mercy
Nach einer wahren Geschichte verkörpert Michael B. Jordan, nach seiner Rolle als Rocky-Nachfolger, nun den jungen aufstrebenden Harvard-Studenten Bryan Stevenson, der in den Südstaaten Amerikas für Gerechtigkeit und Gleichheit der Armen und Schwachen kämpft. Dabei trifft Stevenson auf den zum Tode verurteilten Walter McMillian und beginnt mit der Aufklärung eines Falls, der längst für abgeschlossen erklärt wurde. "Just Mercy" orientiert sich stark an den Vorbildern der 1990er Jahre, daher könnte er sich ohne Probleme in eine Reihe von Justizkrimis, wie "In der Hitze der Nacht", "Philadelphia" oder "Eine Frage der Ehre" wiederfinden. Dabei versucht der Film besonders seinen Schwerpunkt auf die Rolle von Michael B. Jordan zu legen. Dieser kann die Handlung problemlos tragen und wächst besonders nach einer mittelmäßigen Vorstellung in "Creed 2" über sich hinaus. Dabei schafft es Jordan dem leblosen Drehbuch etwas mehr Feuer zuzufügen und die Dialoge durch Gefühl und Überzeugung glänzen zu lassen.
Von Gregor Oldenburg.

Kill the Boss
Es gibt ja diese Fernsehwerbung, die einen Affen in Profilaufnahme zeigt und die Zuschauer*innen nach einer Weile fragt, ob sie bei diesem Anblick an ihren Chef denken müssen. Das gleiche landläufige Feindbild von der wahlweise bösartigen oder unfähigen Chefetage bedient auch Regisseur Seth Gordon mit seiner schwarzen Sommerkomödie "Kill the Boss", die in erster Linie mit ihrem hochkarätigen Ensemble unterhält.
Es sind die überzeichneten und einnehmend dargestellten Figuren, von denen "Kill the Boss" lebt. Auf der einen Seite stehen mit Jason Bateman, Jason Sudeikis und Charlie Day drei Vertreter der jüngeren amerikanischen Komödie, die ihre Rollen als untergebutterte und mit ihren Mordplänen überforderte Angestellte mit reichlich Mimikeinsatz und einem guten Gespür für Situationskomik meistern. Auf der anderen Seite glänzt vor allem Kevin Spacey als ignoranter Egomane, während der allein schon durch seine Halbglatze amüsante Colin Farrell und die gegen den Strich besetzte Jennifer Aniston nur wenig Leinwandzeit absolvieren.
Von Christian Horn.

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich
Nimmt man einen der bekanntesten Comedien, eine Schauspielerin mit unheimlich hohem Potential, die fast jede Rolle spielen kann und dann hat man eine der besten Komödien der letzten Jahre? Nein, so leicht ist es dann doch nicht.
Zwar hat der neue Film von Jonathan Levine ("50/50 - Freunde fürs (Über)Leben", "Mädelstrip") bereits die Kosten von 40 Millionen Dollar bereits eingespielt, dennoch konnte der Film nicht jeden seiner Zuschauer vollends beeindrucken.
"Long Shot - Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich" ist 125 Minuten lang und erzählt die Geschichte der Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, Charlotte Field (Charlize Theron), die durch Umwege auf einer Party ihren früheren Nachbarn, Fred Flarsky (Seth Rogen) trifft und den nun arbeitslosen Journalisten bittet, ihr zukünftig als Redenschreiber zur Seite zu stehen. Aus dieser Ausgangslage eröffnet sich eine Geschichte, die ziemlich abstrus ist.
Von Gregor Oldenburg.

Mahler auf der Couch
Die frivole Tragikomödie "Mahler auf der Couch" von Percy und Felix Adlon versammelt ein Who is Who des kulturellen Wien um 1900. Gustav Mahler, der berühmte Komponist, sitzt bei Sigmund Freud "auf der Couch", die in diesem Fall ein altes Feldbett ist, weil die Therapiesitzung spontan im Hotel stattfindet. Mahler sucht Hilfe, weil seine jüngere Frau Alma ihn mit dem aufstrebenden Architekten Walter Gropius betrügt. Zuvor hatte auch schon Paul Klee der künstlerisch ambitionierten, von ihrem Ehemann aber nicht unterstützten Dame Avancen gemacht.
Im vorangestellten Textinsert verkünden die Regisseure, dass es tatsächlich eine Begegnung zwischen Mahler und Freud gegeben hat - und fügen hinzu: "Wie es geschehen ist, haben wir frei erfunden." Der so etablierte selbstreflexive Gestus spielt auch im weiteren Verlauf eine Rolle, etwa wenn Figuren direkt zum Zuschauer sprechen, findet aber zu keiner geschlossenen Form.
Von Christian Horn.

Peak
Der Klimawandel verschont auch die Alpen nicht. Seit einigen Jahren herrscht an allen Ecken und Enden des Gebirges akuter Schneemangel, den die Betreiber der touristischen Wintersportgebiete in einer Art Sisyphusarbeit bekämpfen. Hochtechnisierte Schneeanlagen, die bei 24 Stunden Dauerbetrieb Kosten von 500.000 Euro erzeugen, sollen die Skipisten mit Kunstschnee überdecken - rund 50 Millionen Euro kostet dieses Verfahren pro Jahr. Um den für die meisten Alpenregionen lebenswichtigen Tourismus zu erhalten, entstehen immer neue Schneeanlagen, die mit Hilfe von eigens angelegten Speicherseen in Höhenlagen betrieben werden und wie Prothesen aus der alpinen Landschaft ragen. Regisseur Hannes Lang, der selbst in den Bergen groß geworden ist, dokumentiert diese Entwicklung in seinem Langfilmdebüt "Peak", wobei neben Südtirol auch französische und italienische Alpengebiete ins Bild rücken. In langen und ruhigen Einstellungen, die lärmende Schneeanlagen und Touristenscharen im Originalton stehen lassen, dokumentiert der minimalistische Film die landschaftlichen Veränderungen der Alpen und den aktuellen Ist-Zustand.
Von Christian Horn.

Der schwarze Diamant
Es gibt zwei Arten von Netflix-Filmen. Die eine Sorte sind die hochwertigen, guten Filme, die gerade 2019 brillieren konnten, wie zum Beispiel "The Marriage Story", "The Irishman" oder "My Name Is Dolemite". Die andere Sorte, sind die Filme, die es darauf abgesehen haben eine lockere, lustige Geschichte zu erzählen, dabei aber bei der internationalen Kritik gnadenlos scheitern. Hierbei sind "Murder Mystery", "Sandy Wexler" und "The Kissing Booth" zu nennen. Natürlich gibt es auch Filme die sich zwischen dieses beiden Gruppen bewegen, aber eine klare Trennung ist gerade durch das letzte Jahr zu erkennen.
In zwei der oben genannten, schlechteren Filme spielt Adam Sandler die Hauptrolle. So auch in der neuen Netflix-Produktion "Der schwarze Diamant", und trotzdem gehört dieser neue Streifen zu der erstgenannten Gruppe von klug geschriebenen und intelligent inszenierten Filmen.
Von Gregor Oldenburg.

Singles - Gemeinsam einsam
1992: Das musikalische Untergrundphänomen "Grunge" ist endgültig vom Unterhaltungsbusiness geschluckt worden. Nachdem sich Musik, Mode und Lifestyle aus dem kargen Fundus der Szene reichhaltig bedient haben, und alle ganz klug von der "Generation X" und den "Twenty-somethings" quatschten, war es nur die berüchtigte Frage der Zeit, wann denn Hollywood auf den Zug nach Nirgendwo aufspringen würde...
Cameron Crowes Regiedebüt ist selbstverständlich in Seattle angesiedelt, jener fast vergessenen Metropole im einsamen Nordwesten der USA, in der es ständig regnet und die urplötzlich zur Brutstätte des angesagten, mollheulenden Gitarrenrocks wurde. Da liegt es sehr nahe, dass sich die Epigonen ebenjener Musik ein familiäres Stelldichein in Crowes Liebeskomödie geben dürfen. Pearl Jam beweisen als Cliffs Band "Citizen Dick" Mut zur Selbstpersiflage, Alice in Chains dürfen wie Soundgarden im Film lärmen; überhaupt tauchen stets und ständig Querverweise zu bekannten (Indie-)Rockgrößen auf.
Von Helge Judenau.

So ist das Leben - Life Itself
Ein Kinotalent nach dem anderen erscheint in diesem Film des "This Is Us"-Showrunners Dan Fogelman, und jedes einzelne gibt sein Bestes. Aber die über drei Generationen und zwei Länder hinweg verzweigte Geschichte, die auf ein notwendiges Ende führt, das alle Handlungsstränge zu einem Ganzen zusammenführt, kann trotz optischer Überzeugungsmomente die Zuschauerin oder den Zuschauer emotional nicht mitnehmen.
Durch die filmischen Spielereien des Vorgaukelns einer Szene, die sich schnell als konstruiert darstellt, will der Regisseur das Thema "Kunst" und "Leben" philosophisch infrage stellen. Aber neu ist diese Idee beileibe nicht, das hat Woody Allen mehrmals und etwas spannender bereits filmisch umgesetzt. In "So ist das Leben - Life Itself" schafft diese Täuschung leider eine Distanz zu den Figuren, weil man sich dann den ganzen Film fragen muss, was echte Handlung ist und was sich bald darauf als unecht darstellen wird.
Von Hilde Ottschofski.

Transit (2018)
"Transit" ist Christian Petzolds bisher schwächster Film. Der Autorenfilmer, der geniale Filme wie "Jerichow" und "Yella" drehte, kann mit Anna Seghers' gleichnamiger Vorlage (1944) nicht viel anfangen. Dass Petzold die Handlung aus dem Zweiten Weltkrieg in die Gegenwart verlegt, ist keine gute Idee, da er nicht auf die laut Film in Deutschland nun herrschende Diktatur eingeht, die Frankreich besetzt. So kann man auch nur ahnen, wovor Georg (Franz Rogowski) flüchtet, von Paris in die noch unbesetzte Hafenstadt Marseille entkommt, damit der Verhaftung entgeht. Von Marseille könnte ihn ein Schiff ins sichere Mexiko bringen. Er trifft andere Flüchtige, die auch auf ihr Fortkommen warten. Nur: Sind sie auf der Flucht? Gehetzt wirkt keiner der Protagonisten. Schlimmer: Die Handlung kommt nicht vom Fleck wie die möglichen Exilanten, langweilt. Petzold wählt eine trockene Erzählweise, die bei einer Liebesgeschichte schwülstig wird.
Von Michael Dlugosch.

Wie das Leben so spielt
Ficken (in allen denkbaren Variationen) ist sicherlich das meist gebrauchte Wort in "Wie das Leben so spielt". Es kommt so häufig vor, dass ein etwas älterer Filmkritiker in der Reihe vor mir pikiert anmerkte, dass der mit 146 Minuten recht lange Film gut "eine halbe Stunde" kürzer wäre, würde man das F-Wort streichen. Auf den weiteren Rängen der Wortfrequenz findet sich allerdings nicht minder harter Tobak: Schwanz, Schwuchtel und Eier (die haarigen) beispielsweise. Dennoch ist "Wie das Leben so spielt" von Judd Apatow, der im Original lakonisch-unverbindlich "Funny People" heißt, der bisher reifste Film mit Adam Sandler – von "Punch-Drunk Love", diesem kleinen, irren Meisterwerk, einmal abgesehen. Und es ist durchaus möglich, dass Sandler mit dieser tragischen Komödie auf ähnliche Weise seriös wird wie sein Kollege Jim Carrey zehn Jahre zuvor mit Milos Formans "Der Mondmann".
Von Christian Horn.

Zur Sache, Schätzchen
Es war im heißen Sommer 1968. Ein neuer Film lief an, er trug den originellen Titel "Zur Sache, Schätzchen". Im Kino saßen nur drei Zuschauer, einer davon war ich, der Bochumer Student. Und obwohl kein echtes Gemeinschaftsgefühl aufkam, habe ich immer wieder laut gelacht und mich herrlich amüsiert. Der Film lief in den Kinos schwach an, aber dann mussten immer mehr neue Kopien hergestellt werden, und er lockte insgesamt 6,5 Millionen Zuschauer vor die Leinwand. Diese Schwabinger Komödie um einen verbummelten Schlagertexter namens Martin und die Erlebnisse an seinem Geburtstag wurde bald zum Kultfilm. Wie kaum ein anderer verkörperte er den damaligen Zeitgeist, die Aufmüpfigkeit der Jugend, die Respektlosigkeit gegenüber den alten Autoritäten.
Martin (Werner Enke) geht lieber mit seinem Freund, dem Schauspieler Henry (Henry van Lyck), in die Badeanstalt, anstatt sich mit seiner Freundin Anita zu verloben und einen an diesem Tag fälligen Schlagertext fertigzustellen. Dort lernt Martin ein knackiges Mädchen namens Barbara (Uschi Glas) kennen.
Von Manfred Lauffs.

 



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Zitat

"Ich bin bis heute ein Minimalist. Es war Bogart, der sagte, 'Wenn Du die richtigen Gedanken denkst, wird die Kamera sie aufnehmen.' Das Wichtigste im Gesicht sind die Augen, und wenn Du die Augen zum Reden bringst, hast Du schon die halbe Strecke geschafft."

("I've always been a minimalist. It was Bogart who once said, 'If you think the right thoughts, the camera will pick it up.' The most important thing in the face is the eyes, and if you can make the eyes talk, you're halfway there.")

Schauspieler Ian Holm ("Alien", "Der Herr der Ringe"-Filme; 12. September 1931 - 19. Juni 2020)

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