Aktuelle Filme


The Favourite - Intrigen und IrrsinnThe Favourite - Intrigen und Irrsinn
Abstrakter Mystizismus, stilisierte Groteske und verhohlener Zynismus, die Yorgos Lanthimos' eigenwillige Inszenierungen auszeichnen, sind die Grundfesten des höfischen Settings seines dritten englischsprachigen Werks. Dessen historischer Rahmen wird zur Bühne eines süffisanten Intrigenstücks voll doppelbödiger Konversation, vielsagender Gegenwartsbezüge und beißender Komik. Dabei besticht die strategische Ménage-à-trois im Zentrum der Handlung gleichermaßen durch messerscharfe Machtspielchen, präzise beobachtete Verhaltensmuster und unaufdringliches Mitgefühl gegenüber den Figuren. Deren vermeintlicher Egoismus enthüllt sich als pragmatischer Überlebenskampf auf einem politischen Parkett voll ausgestreckter Stolperbeine, in metaphorischem Wettlauf watschelnder Enten und Kindersatz-Kaninchen.
Besagte Haustiere sind einer der tragikomischen Verweise auf schmerzliche Opfer, welche Queen Anne (brillant: Olivia Colman) und deren Günstling Lady Sarah Churchill (Rachel Weisz) zu dem exzentrischen Regentinnen-Paar gemacht haben, das sie abgeben. Akutes Elend formt auch Sarahs tugendsame junge Cousine Abigail Masham (Emma Stone) zur kalkulierenden Aufsteigerin. Als solche bringt sie Sarah gleich doppelt um ihre Position: als Titelfigur und königliche Favoritin.
Von Lida Bach.
deutscher Kinostart: 24. Januar 2019
Foto: Twentieth Century Fox



Special: 40. Filmfestival Max Ophüls Preis 2019


Jibril
Von einer Liebe, die meist durch Gefängnismauern getrennt ist, erzählt dieser kleine, aber feine deutsche Film. Ein Film, der zwar auf der Berlinale in der Sektion Panorama 2018 und ein knappes Jahr später auf dem 40. Filmfestival Max Ophüls Preis gezeigt wurde, aber wohl keinen Verleih finden wird, dabei hätte er diesen verdient. "Jibril" von der 1984 geborenen Spielfilmdebüt-Regisseurin Henrika Kull hat eine sehr gute Grundstruktur, die die Entstehung des Verliebtseins und sämtliche Höhen und Tiefen durchdekliniert sowie Widerstände gegen die Beziehung nicht außen vor lässt. Einspruch gibt es: Ist die Berliner Deutscharaberin Maryam (Susana Abdulmajid) doch in den inhaftierten Gabriel, genannt Jibril (Malik Adan) verliebt. Maryam wird gefragt: Wie soll der die Frau, die aus einer ersten Ehe drei Kinder mitbringt, versorgen, wenn er mal draußen ist? Die nicht naive, selbstbestimmt lebende Maryam glaubt an wahre Liebe, diese Liebe. Die auch zwischenmenschlich auf die Probe gestellt wird.
Von Michael Dlugosch.
40. Filmfestival Max Ophüls Preis 2019: MOP-Watchlist

Das Ende der WahrheitDas Ende der Wahrheit
Spätestens seit dem Fall Hans-Georg Maaßen stehen Verfassungsschutz und deutsche Geheimdienste in der Kritik. Verfassungsschutz-Chef Maaßen bezweifelte, dass es Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz gegeben hatte, und machte seine Privatmeinung öffentlich. Und sie kochen ihr eigenes Süppchen, weitestgehend unbeaufsichtigt, die Leute von Bundesnachrichtendienst (BND) und Co. Wie sehr, das zeigt dieser intelligente, sehr gut inszenierte und gespielte Polit-Thriller von Philipp Leinemann ("Wir waren Könige"). Leinemann recherchierte in der Szene und stellte eine Paranoia fest, bemerkte er beim 40. Filmfestival Max Ophüls Preis 2019 in Saarbrücken, "Das Ende der Wahrheit" eröffnete das Filmfest. Der Regisseur erzählte, nach konspirativen Treffen bei gemeinsamem Essen mit Geheimdienstlern verbrannten diese "die Quittung in der Kerzenflamme". "Authentisch" sei sein Film, fuhr Leinemann fort, ein Film, der von einem BND-Mann namens Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) handelt, dessen eigene Leute nicht gesetzeskonform agieren, muss Behrens feststellen.
Von Michael Dlugosch.
40. Filmfestival Max Ophüls Preis 2019: Eröffnungsfilm
deutscher Kinostart: 9. Mai 2019
Foto: Prokino



Aktuelle Filme (Fortsetzung)


Fahrenheit 11/9Fahrenheit 11/9
Ende 2016 wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Eine Reaktion von Michael Moore, der in seinen Dokumentarfilmen gerne gegen die Republikaner stichelt, konnte da nicht ausbleiben. Gut so! Moores Filme zeigen Missstände auf, die vor allem von der Partei, für die sich Trump wie einst George W. Bush aufstellte, erzeugt werden. Wer jetzt denkt, Moores neuester Film handle nur von Trump, irrt sich. Der Filmemacher Moore teilt auch gegen die Demokraten aus. Eine Ausnahme ist Bernie Sanders, der gegen Hillary Clinton in den Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidaten-Kür verlor; der Bernie Sanders, den Trump als "Kommunisten" beschimpft hatte. Ein "Titel", den auch Moore trägt, da ihm Republikaner das Aufzeigen von Missständen übelnehmen. Diese Missstände sind das große Problem von "Fahrenheit 11/9": Moore will alles gleichzeitig in den Film packen, was ihm gerade einfällt, und springt wahllos hin und her.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Midwestern Films LLC


Drei GesichterDrei Gesichter
Gab es in "Taxi Teheran" noch eine eigensinnige Mischung aus kreativem Widerstandsgeist und individueller Systemkritik, die den Goldenen Bären auf der Berlinale 2015 verdienten, so erscheint der diesjährige Drehbuchpreis für Jafar Panahis jüngstes Werk in Cannes als pauschale Geste. Zu unentschlossen, zu richtungslos ist das dahinplätschernde Road Movie, mit dem der iranische Filmemacher zum vierten Mal das 2010 verhängte 20-jährige Berufsverbot umfährt. Der mit dem Handy gedrehte Auftakt bleibt sowohl inszenatorisch als auch dramatisch der bescheidene Höhepunkt einer Geschichte, deren gesellschaftspolitische Motive in Ansätzen verkümmern.
Ein mühsam artikulierter Kommentar zum Einfluss der modernen Medienlandschaft auf selbst den entlegensten Provinzort kann den Mangel an Inhalt und Dramatik nicht aufwiegen. Der erzwungene Minimalismus, der die experimentelleren Filmprojekte anspornte, blockiert den vergleichsweise konventionellen Plot. Dessen Stärke ruht in nostalgischen Beobachtungen der Eigentümlichkeiten seiner Herkunftsregion und dem präzisen Spiel von Hauptdarstellerin Behnaz Jafari.
Von Lida Bach.
Foto: Jafar Panahi Film Production


AquamanAquaman
Lässt sich überhaupt eine Kritik zu James Wans überlanger H2O-Oper verfassen, ohne eine Flut an Wasser-Kalauern? Möglich, aber solch Ernst wäre kaum ein passender Ansatz bei einem Action-Spektakel, das überschwappt vor paillettenbesetzten Kitsch-Kostümen, stumpfem CGI und verwässertem Familiendrama. Dessen muskelstrotzender Held Arthur Curry alias Aquaman (Jason Momoa) reitet grimmig im Sexy-Seaworld-Anzug auf einem Kriegsseepferdchen (Kriegshaie - okay, aber Seepferdchen?) zum unvermeidlichen Triumphsieg seiner Origin-Story, die ihre Trashigkeit nicht realisiert. Seichtheit, Stupidität und Schludrigkeit machen DCs Derivat zum filmischen Bauchklatscher.
Diese Flachlandung wäre weniger peinlich, besäße der Regisseur Sinn für den Camp-Faktor der von ihm mitverfassten Story. Doch Wan ist nicht Taika Waititi, obwohl er das bisweilen zu glauben scheint. Überdeutliche Parallelen zu Marvels Halbgott Thor machen den illegitimen Sohn der Atlantis-Königin Atlanna (eine computertechnisch verjüngte Nicole Kidman) und eines Leuchtturmwärters (Temuera Morrison) zum Aufhänger eines Quasi-Remakes.
Von Lida Bach.
Foto: Warner Bros. Entertainment GmbH


Die Poesie der LiebeDie Poesie der Liebe
Sie will ihn. Er will sie auch, weiß es aber lange nicht. Sie kommen zusammen, lieben sich, hassen sich, trennen sich, kommen wieder zusammen. Bis der Tod sie scheidet, ein Tod, der ein Mord sein wird, ein Mord aus Liebe, so viel lässt sich verraten. Zuvor gibt es in ihrer Beziehung einiges an sadomasochistischem Verhalten.
Der französische Film "Die Poesie der Liebe" ist absolut französisch, er dreht sich komplett um ein Paar und seine Gefühle füreinander und steht damit in der Tradition von Filmen wie "Eine pornografische Beziehung", "Romance" oder "Intimacy", um nur Filme der letzten 20 Jahre zu nennen. "Die Poesie der Liebe" ist episch angelegt: Von 1971 bis in die Gegenwart begleitet der Zuschauer die Adelmans. Das Beste am Film sind die Maskenbildner, denn beide Hauptdarsteller altern perfekt. Nicht ganz perfekt ist der überlange, das Kinopublikum quälende Film, so, wie sich die Protagonisten gegenseitig oft quälen.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclayfilm


Mellow MudMellow Mud
Nachdenklich, traurig und sicher nicht naiv: Die Worte, mit denen die 17-jährige Raya (Elina Vaska) ein Mädchen auf einem Gemälde Odilon Redons beschreibt, beschreiben auch sie selbst und den erzählerischen Ton von Renars Vimbas überzeugender Coming-of-Age-Story.
Melancholisch und mit leiser Poesie zeigt das Spielfilmdebüt des lettischen Regisseurs die Suche nach einem Fluchtweg aus der hoffnungslosen Situation, in der sich die junge Frau wiederfindet. Der Originaltitel "Es esmu seit" bedeutet "Ich bin hier" und hat im Gegensatz zum internationalen Verleihtitel einen konkreten Bezug auf die innere Haltung der Hauptfigur. Raya will sich selbst an dem Ort, den sie als Zuhause wahrnimmt, behaupten. Der Ort ist eine klapprige Hütte am Rand einer lettischen Kleinstadt, die ihr Vater einst gekauft hatte. Nach seinem Tod hat ihre Mutter sich nach London aus dem Staub gemacht und Raya und deren kleinen Bruder Robis (Andzejs Lilientals) bei der Großmutter zurückgelassen.
Von Lida Bach.
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Generation 14plus
Foto: Sabcat Media


RBG - Ein Leben für die GerechtigkeitRBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit
Titel und Bildsprache von Julie Cohens und Betsy Wests glühender Hommage vertrauen zu sehr auf den ikonischen Status der Protagonistin in ihrem Heimatland, dessen Justiz entscheidend von Ruth Bader Ginsburgs liberalem Denken und entschlossenem Wirken profitierte. Faszinierender als die untypische Medienpräsenz und Prominenz der zum Zeitpunkt des Drehs 84-jährigen Richterin ist ihr Weg an die Spitze des amerikanischen Rechtssystems in den Supreme Court. Dorthin gelangte die in einfache Verhältnisse in Brooklyn geborene Vorkämpferin für Gleichberechtigung und Bürgerrechte im Jahr 1993 erst als zweite Frau.
Die Vorreiterrolle der ersten Supreme Court Richterin Sandra Day O'Connor bleibt unergründet, genauso wie Ginsburgs beschwerliche Karriereanfänge. In einer Ära, die Frauen per Gesetz eine dem Ehemann untergeordnete häusliche Rolle zuwies, strebte sie als verheiratete Mutter eine juristische Laufbahn an. Der Erfolg dieses in den 1950er-Jahren unerhörten Entschlusses erscheint auf dem umfangreichen Archivmaterial schlicht Verdienst unermüdlicher Arbeit.
Von Lida Bach.
Foto: Koch Films


Wo bist du, João Gilberto?Wo bist du, João Gilberto?
"Warum einen Mann finden, der offensichtlich nicht gefunden werden will?"
So beginnt Marc Fischer sein Buch "Hobalala". Seiner Suche nach dem sich aus dem gesellschaftlichen Leben komplett zurückgezogenen Bossa-Nova-Sänger João Gilberto folgt jetzt auch der Film von Georges Gachot, eine liebevolle Hommage.
Als spiele das Leben von Gilberto irgendwo im Bermuda-Dreieck. Wer dahin aufbricht, muss lieber auf sich selber Acht geben. Der Autor konnte zu diesem neuerlichen Projekt jedenfalls nicht mehr befragt werden, denn Fischer nahm sich 2011 das Leben, gerade mal 41 Jahre alt. Sein Buch "Hobalala" erschien ein paar Tage danach, die Figur Gilberto darin allerdings nur als Fata Morgana, getroffen hatte er ihn nicht. Trotz vieler Begegnungen mit alten Weggefährten in Brasilien, die selbst vor Jahren den direkten Kontakt entweder verloren hatten oder dieser zumindest auf Telefonate beschränkt wurde.
Von Jürgen Grötzinger.
Foto: Stéphane Kuthy




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Reise nach Jerusalem (2018)Reise nach Jerusalem (2018)
Alice (Eva Löbau), 39 Jahre alt, findet keinen Job mehr und ist Single. Das Leben geht an der jungen Frau vorbei. Wie im beliebten, titelgebenden Spiel für Kinder und Erwachsene, "Reise nach Jerusalem", muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, sonst bleibt kein Stuhl übrig. Alice hat den Anschluss verpasst, die Arbeitsagentur schickt sie bürokratisch in unnötige, quälende Bewerbungstrainings, anstatt zu helfen. Schlimmer geht’s nimmer? Nicht für Alice.
Und nicht für den Zuschauer. In Regisseurin Lucia Chiarlas Spielfilmdebüt sind Alices Qualen auch Qualen für diesen: Der Film hat den Nachteil, dass er sich nie weiterentwickelt, erst am Schluss des Films greift die Filmheldin durch, flüchtet aus der Misere, auch wenn diese damit nicht endet, aber für sie wie für den Zuschauer ist die Flucht eine Katharsis. Zuvor bemüht Chiarla Realismus, aber dabei zu viel des Guten. Der Film dreht sich wie die "Reise nach Jerusalem"-Spieler lange im Kreis.
Von Michael Dlugosch.
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Wettbewerbsfilm
Foto: Kess Film


Blue My MindBlue My Mind
Ein Schweizer Coming-of-Age-Film der etwas anderen Art: Die 15-jährige Mia (Luna Wedler), gerade mit ihren Eltern umgezogen und in eine andere Schule gekommen, steckt mitten in der Pubertät. Mit dem Erwachsenwerden verändert sich der Körper. Aber bei Mia anders, als sie selbst es wünscht. Das Mädchen entwickelt einen seltsamen Heißhunger: Es stibitzt die Aquarienfische seiner Eltern. Warum wachsen Häutchen zwischen den Zehen? Dann werden die Beine fleckig. Und bekommen Schuppen.
Die englische Redewendung "Blow My Mind" steht für das Verdrehen des Verstandes durch ein Geschehnis. Darauf spielt der Titel des Spielfilmdebüts der Schweizer Regisseurin Lisa Brühlmann an, ein Film, der oft in blauen Farbtönen gehalten ist, blau wie Wasser. Der Zuschauer ahnt, was kommt: Mia wird zur Meerjungfrau, oder gar ganz zum Fisch. "Shape of Water" lässt grüßen. Aber ein ähnlich fantasievoller Film ist "Blue My Mind" nicht ganz.
Von Michael Dlugosch.
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Wettbewerbsfilm
Foto: Daniel Lobos / Tellfilm


Mandy (2018)Mandy (2018)
In seinem zweiten Spielfilm versucht Panos Cosmatos alles, um dem Publikum eine filmische Vision seelischer Abgründe zu eröffnen. Die erschreckendste Manifestation irdischen Grauens, die sein psychedelischer Trash-Horror zustande bringt, ist ein mit gelbem Plüsch bezogener Klodeckel. Dessen Eigentümer Red Miller (Nicolas Cage) trinkt verständlicherweise medizinischen Alkohol direkt aus der Flasche. Doch kein Fusel ist so stark wie der Schmerz des harten Holzfällers über den Mord an seiner Liebsten Mandy. Red sieht Rot und beschreitet den blutigen Pfad der Rache.
Die gilt dem perversen Sektenführer Jeremy und dessen fanatischen Anhängern. Ein Mann gegen alle! Alle sind zwar nur fünf Leute, darunter eine Oma und ein apathisches Mädchen, was die Gegner auf drei reduziert, aber hey, besser als nichts. Ein King-Crimson-farbener Mond hebt sich über die Shadow Mountains des Jahres 1983, während Jóhann Jóhannssons synthesizerlastiger Soundtrack die (alb)traumartige Szenerie in unheilschwangere Schwermut tränkt.
Von Lida Bach.
Foto: Koch Films


Vakuum (2017)Vakuum (2017)
Eine Frau, seit 35 Jahren verheiratet, erfährt zufällig, dass sie HIV-positiv ist. Erst will sie dies nicht glauben. Aber die zweite Untersuchung bestätigt es. Ihr Mann, mit dem sie eine gute Ehe führt, muss sie angesteckt haben, es gibt keine anderen Erklärungen. Denn frühere Operationen, die noch infrage kommen, waren nicht mit Bluttransfusionen verbunden. Die Frau reifen Alters findet heraus, dass der Mann bei Prostituierten war. Wie soll die Ehe jetzt weitergehen?
Der zweite Langspielfilm der Schweizer Regisseurin Christine Repond nach "Silberwald" 2011 hat eine Story, die auf den ersten Blick an Handlungen von Telenovelas erinnert. Aber Repond sorgt dafür, dass jedes Detail, jede Nuance stimmt - kurz: Die Filmemacherin nimmt den Stoff, den sie verfilmt hat, ernst (Drehbuch: Repond mit Silvia Wolkan). Zudem trägt die hervorragende schauspielerische Leistung des Leinwandstars Barbara Auer ("Die innere Sicherheit") den Film.
Von Michael Dlugosch.
deutscher Kinostart: 14. März 2019
39. Filmfestival Max Ophüls Preis 2018: Wettbewerbsfilm
Foto: Dschoint Ventschr Filmproduktion



Neue Rezensionen


The Avengers
Die beiden "Iron Man"-Filme, "Der unglaubliche Hulk", "Thor" und "Captain America" klärten die Vorgeschichte der wesentlichen Helden des Marvel-Superheldenteams "The Avengers" bereits in eigenen Filmen. Begleitet von einer immensen Werbekampagne rollt der Blockbuster "The Avengers", der die Helden in einem Film vereint, nun seit geraumer Zeit heran. Dass zahlreiche Fans der Sechzigerjahre-Comicserie und gegenwärtiger Comicverfilmungen die Großproduktion heiß erwarten, verwundert wenig, denn wenn es schon in den bisherigen Filmen ordentlich krachte, wie muss es dann erst scheppern, wenn alle diese überlebensgroßen Superhelden und dazu noch die Marvel-Figuren Hawkeye, Black Widow und Agent Phil Coulson gemeinsam in einer 220 Millionen Dollar schweren Riesenproduktion auftreten?
Tatsächlich erfüllt "The Avengers" von Regisseur Joss Whedon ("Buffy - Im Bann der Dämonen") die hohen Erwartungen, die in punkto Action und Spezialeffekte an ihn gestellt werden: Bereits am Anfang legt eine riesige Explosion einen kompletten Gebäudekomplex samt Umland in Schutt und Asche.
Von Christian Horn.

The Deep
Die Isländer nennen ihn den Seehundmann. Besonders für die Bewohner der Westmännerinseln ist der Fischer Gulli (im Film: Ólafur Darri Ólafsson) eine Art Nationalheld, und seine Geschichte ein moderner Mythos. Im Jahr 1984 kentert Gulli mit fünf anderen Seemännern in den eisigen Fluten des Nordatlantik. Die rettende Küste liegt einige Kilometer entfernt in ungewisser Himmelsrichtung. Während die übrigen Besatzungsmitglieder schon nach kurzer Zeit im eiskalten Wasser erfrieren, schwimmt Gulli etwa sechs Stunden durch den Atlantik, bis er völlig entkräftet das Ufer erreicht und sich über scharfkantiges Vulkangestein seiner Rettung entgegen schleppt.
Dem isländischen Regisseur Baltasar Kormákur ("101 Reykjavik") dient diese wahre Begebenheit nun als Stoff für sein Drama "The Deep", das mehr als den reinen Überlebenskampf Gullis schildert. Nach einer effizienten Einführung in das raue Milieu der Westmännerinseln und einer Charakterisierung der Figuren, bildet das eigentliche Überlebensdrama im Atlantik nur das zweite Drittel der Erzählung.
Von Christian Horn.

Ein Sommer in Haifa
Auf den ersten Blick ist "Ein Sommer in Haifa" ein leichter Sommerfilm: Lichtdurchflutete Bilder von Haifa liefern den Rahmen für die Geschichte des jungen Heranwachsenden Arik, der ausgerechnet im Sommer 1968 seine erste Liebe trifft und die teils verbohrte Lebenseinstellung seiner polnischen Eltern zu hinterfragen beginnt. Schaut man die Tragikomödie des israelischen Regie-Altmeisters Avi Nesher ausschließlich auf dieser Ebene, ist ein vergnüglicher Kinoabend gesichert, liefert der Film doch zig Erzählstränge zum Mitfiebern: Arik verliebt sich in die Hippiebraut Tamara, die Cousine seines besten Kumpels Benny, der - ebenfalls in der Pubertät - auch ein Auge auf die sommerlichen Kleider seiner Cousine wirft. Parallel nimmt Arik einen Ferienjob beim alten Holocaust-Überlebenden Yankele an, der in einem Kinohinterzimmer Heiratswillige an Gleichgesinnte vermittelt. Beide Erzählstränge greifen ineinander und in beiden kommt es über Kurz oder Lang zum großen Knall.
Von Christian Horn.

The Guard - Ein Ire sieht schwarz
Die raue Küstenlandschaft Westirlands liefert die perfekte Kulisse für die schwarze Thrillerkomödie "The Guard" und genau das richtige Setting für eine Figur wie den von Brendan Gleeson verkörperten Sergeant Gerry Boyle. So mürrisch wie die Landschaft selbst poltert Boyle durch den Film, schert sich einen Dreck um political correctness und folgt seinem kantigen Ehrenkodex. Als dieser harte irische Brocken gemeinsam mit dem frisch aus der Stadt angereisten FBI-Agenten Everett (Don Cheadle) ein mit Kokain beladenes Schiff ausfindig machen soll, gibt sich der Dorfpolizist entsprechend unkooperativ. Anstatt Everett hilfreich zur Seite zu stehen und ihm die Kontaktaufnahme mit der ebenso kernigen Bevölkerung zu erleichtern, diskriminiert er den ungewollten Kollegen lieber wegen seiner Hautfarbe und stößt ihn mit allerlei anderen Regelverstößen vor den Kopf. Regisseur und Drehbuchautor John Michael McDonagh macht aus dieser ungleichen Konstellation eine unaufdringliche Komödie, die ihren Charme aus schwarzhumorigen Normabweichungen und punktgenauem Dialogwitz bezieht.
Von Christian Horn.

The Liverpool Goalie
Zunächst ist "The Liverpool Goalie" von Arild Andresen so etwas wie eine romantische Komödie für jüngere Kinogänger/innen: Der 13-jährige Jo verguckt sich in seine neue Mitschülerin Mari, weiß aber nicht so recht, wie er das Herz der Wunschdame erringen kann. Ein Plan ist bald gefasst: Jo will die seltene Fußball-Sammelkarte des Torwarts von Liverpool in Besitz nehmen, um mehr Ansehen in der Schulklasse und Maris Herz zu gewinnen. Denn wo soll die Coolness sonst herkommen, wenn man nicht gut Fußball spielt und für stärkere Raufbolde die Hausaufgaben machen muss?
In seinem Kinodebüt zelebriert der norwegische Filmemacher Arild Andresen die Zeit der Pubertät und die damit einhergehende erste größere Selbstfindung auf überaus smarte Weise, mit etlichen schönen Ideen und einem guten Schuss Selbstironie.
Wie jeder starke Kinderfilm verbreitet auch "The Liverpool Goalie" sein Charisma mühelos über Altersgrenzen hinweg.
Von Christian Horn.

The Party (2017)
Regisseurin Sally Potter, bekannt geworden mit den Filmen "Orlando" (1992) und "Tango-Fieber" (1997), kam mit "The Party" in den Wettbewerb der 67. Berlinale 2017. Einen Preis erhielt er da, den Gilde Filmpreis für den Besten Wettbewerbsfilm. Potter plante mit dem Film eine Gesellschaftssatire. Doch "The Party" missglückt vollends, da die Filmemacherin die seichte, tausendmal gesehene Handlung und die überkandidelt agierenden Darsteller nicht in den Griff bekommt. In einem Interview sprach Potter davon, sich die Screwball-Komödien der 1930er-Jahre zum Vorbild genommen zu haben. Davon ist nichts zu sehen, die Übertriebenheit der Aktionen der Filmfiguren tut weh, was lustig sein soll, ist es nicht: Der Protagonist Tom (Cilian Murphy), ein Jungbanker, fuchtelt, wenn er während der Party allein auf die Toilette flüchtet, mit Waffe herum, die er dann in der Mülltonne verbirgt, bis die Gastgeberin der Party, Janet, eine Politikerin (Kristin Scott Thomas) sie findet, und schließlich benutzt.
Von Michael Dlugosch.

Pommes essen
Dass die Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs im Ruhrpott vorbei sind, bekommt auch die dreifache Mutter und Imbissbuden-Betreiberin Frieda (Anneke Kim Sarnau) zu spüren. Trotz des Geheimrezepts für eine Currywurst-Spezialsoße, das ihr der vor einem Jahr verstorbene Vater vererbt hat, bilden sich keine nennenswerten Warteschlangen vor der Duisburger Bude "Freys Feyner Imbiss". Das liegt auch an der Fastfood-Kette "Pommes King", die ausgerechnet Friedas Bruder Walther (Smudo) betreibt. Als die überlastete Frieda eines Tages zusammenbricht und eine Erholungskur antritt, übernehmen ihre jüngeren Töchter Selma (Marlene Risch) und Lilo (Tabea Willemsen) den Betrieb und fackeln die Imbissbude dabei versehentlich ab. Mit Unterstützung der Aushilfskraft Besjana (Thekla Carola Wied) bauen die Kinder das Familiengeschäft wieder auf und treten bei einem Wettbewerb an, der die beste Currywurst der Stadt ermitteln soll.
Der Kinder- beziehungsweise Jugendfilm "Pommes essen" kommt ohne große Überraschungen daher und scheint eher fürs Fernsehen als für die große Leinwand geeignet.
Von Christian Horn.

Rock It!
"Hannah Montana" tut es, die Kids vom "High School Musical" und jene vom "Camp Rock" tun es ebenfalls: Sie alle singen und tanzen, und das mit beachtlichem kommerziellem Erfolg. Nun kommt ein Ableger dieser Musical-Filme direkt aus Deutschland, speziell für die heimischen Fans. Nur kann die deutsche Variante den amerikanischen Vorbildern in keiner Hinsicht das Wasser reichen und entpuppt sich schon nach wenigen Spielminuten als gescheiterte, erschreckend uninspirierte Kopie.
Julia (Emilia Schüle), 15 Jahre alt, begabte Pianistin und unsere Hauptfigur, gehört zu den Neuankömmlingen im renommierten Musik-Internat "Amadeus", das sich - der Name verrät es schon - der klassischen Musik verschreibt. Als Julia eine Probe der ortsansässigen Band "Rock it!" beobachtet, die freilich nichts mit den arroganten "Amadeus"-Schülern zu tun haben will (und umgekehrt), verguckt sie sich prompt in den süßen und gleichaltrigen Bandleader Nick (Daniel Axt).
Von Christian Horn.

Ronal, der Barbar
Ronal ist anders. Denn als einziges Mitglied seines Barbarenstammes lässt der kraftlose Jüngling die traditionell gestählten Muskelberge und die obligatorische Kampflust seiner Mitstreiter vermissen. Ausgerechnet diese halbe Portion schiebt Wache, als der böse Prinz Volcazar das Dorf der Barbaren angreift und bis auf Ronal, der sich mit seinen schmächtigen Armen aus den Eisenketten befreien kann, alle Bewohner in Gefangenschaft nimmt. Gemeinsam mit dem triebgesteuerten Barden Alibert bricht Ronal trotz fehlender Kampferfahrung auf, um seine Leute zu befreien. Unterwegs stoßen die wilde Kriegerin Zandra sowie der metrosexuelle Elb Elric zur illustren Reisegesellschaft und unterstützen Ronal bei seiner Mission.
Die Ausgangslage der dänischen Animationsfilmkomödie "Ronal, der Barbar" erinnert stark an "Drachenzähmen leicht gemacht", denn hier wie dort steht ein junger Held im Mittelpunkt, der sich den rauen Sitten seines Volkes verweigert und einen eigenen Weg sucht.
Von Christian Horn.

Das Rotkäppchen-Ultimatum
Dass nicht alle Animationsfilme den hohen technischen Standard der beiden Marktführer Pixar und Dreamworks erreichen können, liegt auf der Hand. Prinzipiell muss das auch kein Problem sein - schließlich kann eine nicht ganz so ausgereifte visuelle Oberfläche durch Charme, eine spannende Geschichte und dergleichen durchaus einen interessanten Film beherbergen. Doch Mike Disa, der mit "Das Rotkäppchen-Ultimatum" sein Kinofilmdebüt vorlegt, schafft es nicht im Geringsten, die mäßig animierten Bilder auf welche Weise auch immer aufzuwerten. Von einem gelungenen Running Gag um eine musizierende Ziege abgesehen, ist "Das Rotkäppchen-Ultimatum" durchgängig witzlos und gibt eine schwache Fortsetzung des ebenfalls nicht rundum überzeugenden Vorgängers "Die Rotkäppchen-Verschwörung" ab.
Die rüstige Oma des grimmigen Rotkäppchens wurde entführt, weil sie das Rezept für einen Krafttrank kennt. Gemeinsam mit dem bösen Wolf macht sich das kampferprobte Rotkäppchen auf die Suche nach den Entführern der Großmutter.
Von Christian Horn.

Die Schatzritter
Die Gründungssage Luxemburgs dient Regisseurin Laura Schroeder als Hintergrund für ihr Kinodebüt "Die Schatzritter". Im Zentrum der Legende steht die verwunschene Meerjungfrau Melusina, die alle sieben Jahre auf die Erde zurückkehrt. Innerhalb der Woche ihrer Anwesenheit ist es Schatzsuchern möglich, den Schatz der Meerjungfrau zu finden und die Verwunschene damit von ihrem Fluch zu erlösen. Der elfjährige Jeff (Anton Glas) hegt ein besonders Interesse an dieser Legende, sieht er doch einen Zusammenhang zwischen der Ermordung seiner Mutter durch den unheimlichen Duc de Barry (Clemens Schick) und dem verborgenen Schatz, während sein Vater (Luc Feit) nach wie vor an einen Herzstillstand der Ehefrau glaubt. In den Sommerferien begibt sich Jeff mit seinen Freunden Leo (Thierry Koob), Julia (Lana Welter) und Killer (Tun Schon) auf Schatzsuche. Die Burg im angrenzenden Wald und das Auftauchen einer fremden Frau (Alexandra Neldel) markieren dabei erste Hinweise.
Von Christian Horn.

Sommer auf dem Land
"Öffne deine Augen!" lautet die erste Dialogzeile des Films. Das zugehörige Bild zeigt die kürzlich verstorbene, über alles geliebte Frau des Konzertpianisten Bogdan (Zbigniew Zamachowski), die mit geschlossenen Augen im Sarg liegt. Nach der Beerdigung macht die Erzählung schnell deutlich, dass Bogdan den Tod seiner großen Liebe Izabela (Lucyna Malec) überaus schlecht verkraftet. Anstehende Konzerte sagt der Musiker ab und verlebt den Sommer lieber auf dem kleinen Bauernhof seiner Mutter, der mitten im polnischen Hinterland liegt. Beim Melken bemerkt der Liebeskranke eine Kuh, die ein besonderes Interesse an klassischer Musik hegt und deren Milch besonders schmackhaft ist. Sofort steht für Bogdan unverrückbar fest, dass Izabelas Seele in der friedlichen Kuh steckt.
Von diesem Konflikt aus entwirft der polnische Regiedebütant Radek Wegrzyn seine schön zwischen Drama und Komödie austarierte deutsch-polnisch-finnische Koproduktion "Sommer auf dem Land", die immer eingängig und unterhaltsam bleibt, aber keineswegs ins Plumpe abrutscht.
Von Christian Horn.

Space Dogs
"Space Dogs" ist der erste 3D-Animationsfilm aus Russland und daher schon auf rein technischer Ebene ein Prestigeprojekt des russischen Nationalkinos. Ganz passend erzählt die Geschichte eine Episode aus den frühen Erfolgen der sowjetischen Raumfahrt, als diese den amerikanischen Bemühungen zur Eroberung des Weltalls deutlich überlegen war. So schickten die Russen mit ihrer Raumkapsel Sputnik 5 im August 1960 zwei Hunde, ein Meerschweinchen und vierzig Ratten ins All, die einen Tag später als erste Lebewesen sicher zur Erde zurückkehrten. Diesen Erfolg der frühen Raumfahrt adaptiert "Space Dogs" in einer recht freien, kindgerechten Weise als Abenteuerfilm.
Wie beim Großteil der gegenwärtigen 3D-Produktionen (auch aus Hollywood), vermag die dritte Dimension in "Space Dogs" kaum zu überzeugen, sondern äußert sich allenfalls in Nuancen und beim Finale, das einen kurzen Ausflug ins All unternimmt - das Tragen der Brille erweist sich einmal mehr als reichlich überflüssig.
Von Christian Horn.

Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
Wie lange George Lucas seine "Star Wars"-Saga noch überarbeitet, weiß wohl nur der liebe Gott. Kaum eine andere Kinofilmreihe erfuhr so viele Neuauflagen und Überarbeitungen jeglicher Stoßrichtungen: etwa in punkto "brandneue" Bildqualität, veränderte Schnittfassungen, Spezialeffekte und Pixelverhältnisse, Sequels, Prequels und Spin-Offs und Wiederaufführungen in den Lichtspielhäusern. So ist es nur konsequent, dass George Lucas und die zugehörige Effekt-Schmiede "Industrial Light & Magic" das kassenträchtige und – verglichen mit den 3D-Booms Mitte der 50-er ("Bei Anruf Mord") und Anfang der 80-er ("Der weiße Hai 3-D") – tatsächlich "sehenswerte" Reel-D-Verfahren der Gegenwart für eine erneute Kinopremiere von "Star Wars" beim Schopfe packt.
Der Film als solcher ist ja bekannt: Angelegt als Vorgeschichte zur Original-Trilogie erzählt Lucas einen politischen Konflikt zwischen den bösen Sith Lords und den guten Jedi-Rittern. Es geht um Handelsrouten und der friedliche Planet Naboo gerät ins Kreuzfeuer der Ränkespiele, weswegen ein Jedi-Meister (Liam Neeson) und sein Schüler (Ewan McGregor) einschreiten.
Von Christian Horn.

Susos Turm
Manchmal braucht es zu einem gelungenen Kinoerlebnis nur eine Handvoll charismatischer Darsteller und eine geschmeidige Inszenierung. Das hört sich freilich leichter an, als es ist. Können sich diese Zutaten jedoch frei entfalten, darf ein Film auch mal daneben hauen und der ein oder andere Patzer ist schneller verziehen als der Zuschauer "So was aber auch!" sagen kann. Ein solcher Film ist die spanische Komödie "Susos Turm", mit der Regisseur Tom Fernández sein Kinodebüt vorlegt.
Als Cundo (Javier Cámara) nach zehn Jahren Abwesenheit in sein Heimatdorf zurückkehrt, um der Beerdigung seines Freundes Suso beizuwohnen, hat er einen ganz einfachen Plan: Mit den alten Kumpels betrinken, der verlassenen Familie vorgaukeln, dass sein neues Leben reibungslos verläuft - und ab in den nächsten Flieger. Doch "Susos Turm" wäre kein Film, würde nicht einiges schief gehen.
Von Christian Horn.

Swans - Hunger nach Leben
Das Beste an der deutsch-portugiesischen Koproduktion "Swans" sind die konzentrierten Bilder von Kameramann Reinhold Vorschneider, der bei den meisten Filmen der sogenannten Berliner Schule (zuletzt bei "Der Räuber", "Im Schatten" und "Dreileben") hinter der Kamera stand und die Ästhetik des jungen deutschen Independent-Kinos somit maßgeblich mitgeprägt hat. Da der portugiesische Regisseur und Drehbuchautor Hugo Vieira da Silva seinem im Forum der Berlinale aufgeführten Drama ansonsten kein nennenswertes Profil verleihen kann, bleibt "Swans" am Ende eine arg durchschnittliche und allzu offensichtlich um ihren Kunstcharakter bemühte Arthouse-Produktion.
Gemeinsam mit seinem jugendlichen Sohn Manuel (Kai Hillebrand) reist Tarso (Ralph Herforth) nach Berlin, um seine im Koma liegende Exfrau, die Mutter Manuels, zu besuchen. Der Sohn hat die Mutter zuletzt als Kind gesehen und ist vom Anblick des reglosen Körpers im Krankenhausbett verständlicherweise irritiert.
Von Christian Horn.

Transnationalmannschaft
Multikulti ist gescheitert und "Deutschland schafft sich ab" - bei Kerner, Maischberger und Co. reden sich die Experten die Köpfe darüber heiß. Doch mitten in Mannheim nimmt der vormalige Ethnologie-Student Philipp Kohl eine andere Sichtweise ein: Abseits von grauen Zahlen und Spitzengremien begibt sich der junge Regisseur mit seiner Kamera vor die eigene Haustür, um dem ganz alltäglichen Stand der Integration im vibrierenden Migranten- und Arbeiterviertel Jungbusch nachzuspüren. Dass "Transnationalmannschaft" während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika - also inmitten einer deutschlandweiten Euphorie - entstanden ist und daher nicht unbedingt ein allgemeingültiges Stimmungsbild zeichnet, reflektiert die Doku indes nicht. Kohls Film ist daher weniger eine objektive Bestandsaufnahme, als vielmehr ein subjektiver Blick auf das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern im Jungbusch.
Zahlreiche der Jungbusch-Anwohner aus aller Herren Länder sprechen über ihre Erfahrungen mit Integration, wobei die multiethnische Aufstellung der deutschen Nationalelf wiederholt als Gesprächseinstieg dient.
Von Christian Horn.

Vollmondnächte
Regisseur Eric Rohmer ("Pauline am Strand" (1983), "Sommer" (1996)), verstorben 2010, ist bekannt für seine intelligenten, intellektuellen Beziehungsdramen. Auch dieser Film von 1984 untersucht sehr klug die Zweisamkeiten, die zu Einsamkeiten werden, weil Partner sich entfremden. In "Vollmondnächte" fühlt sich die junge Louise in einer Vorstadt eingesperrt, in der ihr Lebensgefährte Rémi (Tchéky Karyo) lieber leben will, und bezieht eine Zweitwohnung in Paris, mitten im Trubel der Weltstadt. Es geht nicht gut aus, beide geraten wegen der Entfernung in Streits und driften auseinander. Am Ende geht Louise fremd, will aber zu Rémi zurück - doch der hat eine neue Partnerschaft.
"Vollmondnächte" lief im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig 1984. Hauptdarstellerin Pascale Ogier, Tochter der französischen Schauspielerin Bulle Ogier, wurde dort wegen ihrer sehr guten Leistung als Beste Darstellerin geehrt. Ihren größten Triumph konnte die 26-Jährige nicht lange auskosten: Sie starb wenige Wochen später, offiziell an einem Herzstillstand.
Von Michael Dlugosch.

Zettl
Der 2015 verstorbene Regisseur Helmut Dietl hatte 1986 den TV-Mehrteiler "Kir Royal" erschaffen. Es war große Fernsehunterhaltung, ein Klassiker, jede der Folgen brillant. 2012 versuchte Dietl den Erfolg zu wiederholen, nun fürs Kino. Aber was ist daraus geworden? Eine allzu zahme Kopie, die scheitert, zum Scheitern schon allein deswegen verurteilt ist, weil die "Kir Royal"-Hauptfigur Baby Schimmerlos nicht vorkommt: Darsteller Franz Xaver Kroetz wollte nicht mitmachen. Der Anfang von "Zettl" erklärt Baby Schimmerlos für tot, verunglückt auf dem Motorrad am Brandenburger Tor. Ja, in Berlin war der Klatschreporter aktiv, nicht mehr in München. Dietl schickt Michael "Bully" Herbig in die Fußstapfen von Kroetz, Herbig mimt einen Max Zettl, der zu Beginn ein Chauffeur ist, Chauffeur mit selbsterklärt guten Kontakten, daher wäre er gerne der Nachfolger von Schimmerlos. Bis er der Boulevard-Journalist ist, braucht der Film allein viel zu viel Zeit für den Aufbau einer Grundstruktur.
Von Michael Dlugosch.

 



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Zitat

"Es gibt schlimmere Dinge als den Tod. Viele von ihnen spielen in einem Kino in Ihrer Nähe."

("There are worse things than death. Many of them playing at a theater near you.")

Woody Allen

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