Neue Rezensionen


Bar25 - Tage außerhalb der Zeit
Die ehemalige Bar25 am Spreeufer war bis zu ihrer Schließung im Herbst 2010 eine der beliebtesten Berliner Party-Locations. An der betont verspielten Clublandschaft mit zugehörigem Restaurant, einem kulturellen Rahmenprogramm und den oft tagelangen, exzessiven Elektro-Parties kam im Grunde kein/e Szenegänger/in an der Bar25 vorbei. Mit einem durchweg subjektiv gefärbten Blick kommt nun der Dokumentarfilm "Bar25 - Tage außerhalb der Zeit" daher. Das Regiedebüt von Britta Mischer und Nana Yuriko nimmt die behördlich erzwungene Schließung des Clubs, der im Zuge des Mediaspree-Bauprojekts rund um die O2-World dem Bau von Bürogebäuden weichen musste, zum Anlass für eine Hommage an die vormaligen Betreiber und das freie und individualistische Lebensgefühl, das die Bar25 auszeichnete.
Der Großteil des Dokumentarfilms verweilt auf dem ehemaligen Clubgelände der Bar25 und taucht mit stilbewussten HD-Bildern, die über einen Zeitraum von sechs Jahren entstanden sind, in das dortige Treiben ein.
Von Christian Horn.

Chroniken der Unterwelt - City of Bones
Der Vergleich der bislang fünfbändigen Romanreihe "Chroniken der Unterwelt" (Originaltitel: "The Mortal Instruments") von Cassandra Clare mit der "Twilight"-Saga liegt so nahe, dass er im Grunde unumgänglich ist: Wie Bella Swan steht auch Clary aus "Chroniken der Unterwelt" zwischen zwei Männern und entdeckt, dass neben der uns bekannten Welt eine geheimnisvolle Zauberwelt existiert und ein ewiger Kampf gegen Vampire, Werwölfe und Dämonen tobt.
Die 15-jährige Clary Fray (Lily Collins) lebt mit ihrer Mutter Jocelyn (Lena Headey) als ganz normale Jugendliche in New York. Erst zeichnet Clary wahnhaft seltsame Runen, dann beobachtet sie in einem Nachtclub einen Mord, wobei der Mörder für ihren besten Freund Simon (Robert Sheehan) und die meisten Besucher unsichtbar bleibt. Als ihre Mutter spurlos verschwindet und ein Dämon in der Wohnung der beiden wütet, lüftet der Schattenjäger Jace (Jamie Campbell Bower) das Geheimnis ihrer Existenz.
Von Christian Horn.

Crash
Der Filmproduzent James Ballard und seine Frau Catherine leben ein abgestumpftes 1990er-Trauerleben. Außer gierigem, hemmungslosem Sex bewegt sie anscheinend gar nichts mehr. James strengt sich am Set mit einer Kamerafrau an und Catherine vergnügt sich zunächst an einer Cessna und danach am dazugehörenden Piloten. Auf dem Balkon ihrer kargen Appartementwohnung erregen sich die beiden durch das Erzählen ihrer Abenteuer, während unten der ewig fließende Autoverkehr die Monotonie ihrer Existenz widerspiegeln darf. Doch ein unerwarteter "Crash" gibt ihrem Dasein neue Akzente. James rast mit seinem Wagen in ein anderes Fahrzeug, dessen Fahrer den Unfall nicht überlebt.
David Cronenberg zieht seinem Film verdammt dicke Slicks drauf und bleibt doch mit platten Reifen im zähflüssigen Verkehr stecken.
Von Helge Judenau.

Dredd
Rund 25 Jahre ist es jetzt her, dass Sylvester Stallone in "Judge Dredd" (Regie: Danny Cannon, USA 1995) als gleichnamiger Titelheld zu sehen war. Die seltsam zerfahren wirkende Comicverfilmung entfernte sich mit den bunten Bildern und dem ständigen Augenzwinkern von den Original-Comics, in denen Judge Dredd seit 1977 auftritt. Regisseur Pete Travis ("8 Blickwinkel") und Drehbuchautor Alex Garland ("28 Days Later") versuchen sich nun an einer schlicht mit "Dredd" betitelten Neuauflage des Stoffes. Die humorlose und düstere, bisweilen zynische Version der beiden Filmemacher bleibt näher an der Comicvorlage als das Stallone-Vehikel, zum wirklich gelungenen Film verdichtet "Dredd" seine Zutaten aber nicht.
Im Gegensatz zu Olivia Thirlby, die quasi die menschliche Komponente des Films bedient, bleibt Karl Urban als wortkarger und von einer Maske bedeckter Dirty Harry der Zukunft wenig greifbar - und so wirken die durchaus ansehnlichen Actionszenen bald etwas ermüdend.
Von Christian Horn.

Empire Me - Der Staat bin ich!
"If you don't like your world, build your own!" Frei nach diesem Motto handelt zum Beispiel das Fürstentum Sealand, eine autonome Piraterie-Gemeinschaft vor der Ostküste Englands. Von einer unterirdischen Stadt über eine Berlin-nahe Kommune, die sich "Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung" nennt und deren Mitglieder dem freien Sex und der allgemeinen Schamlosigkeit frönen, bis zu Punkmusikern, die sich in Flößen den Gezeiten ausliefern und im wahrsten Sinne des Wortes treiben lassen, sind viele unterschiedliche Schattierungen einer selbst gebastelten Gesellschaft möglich. "Empire Me" von Paul Poet stellt in knappen Episoden sechs teils kauzige und charmante, mitunter aber auch abstoßende Varianten dieser "Mikronationen" mit ihren Anliegen, Zielen und Ideen vor.
Acht Jahre lang hat der Filmemacher an seiner Doku gearbeitet. Mit einem subjektiven Blick zeichnet sich der Regisseur selbst als Suchenden, der vorurteilsfrei auf die jeweiligen Ministaaten blickt, und stellt die unterschiedlichen Lebensmodelle ohne jedwede Kritik vor.
Von Christian Horn.

Das Geheimnis der Flamingos
Wirklich schön sind Flamingos ja nicht. Mit den blutroten Augen, den übergroßen, schwarzen Schnäbeln, den langen Hälsen und den dürren, klapprigen Stelzen sehen sie eher "interessant" aus. Nun gut: Wenn sie mal trocken sind, wirken sie ganz schön flauschig, gerade die Kleinen. Trotzdem sind Flamingos keine Pinguine und auch keine Erdmännchen. Umso schöner also, dass sie in der gegenwärtigen Hochphase der Naturdokus mit "Das Geheimnis der Flamingos" dennoch einen eigenen Film bekommen haben.
Matthew Aeberhard und Leander Ward porträtieren die Tiere in der altbewährten Naturfilm-Dramaturgie: Die wesentliche Lebensspanne eines Flamingos, von der Geburt bis zum Brüten, dient als narratives Gerüst. "Sie", ein konstruiertes Flamingo-Weibchen, wird mit 1,5 Millionen Artgenossen auf dem unwirtlichen Natronsee in Tansania geboren, der direkt an einem Vulkan in einer bizarren Landschaft liegt. Nach einiger Zeit ziehen die Flamingos in einer riesigen Karawane zu einem anderen See, um schließlich an ihren Geburtsort zurückzukehren und eigene Junge zu gebären.
Von Christian Horn.

Der Geschmack von Rost und Knochen
Der Moment, wenn du im Krankenhaus aufwachst und deine Beine nicht mehr spürst. Der Moment, indem du die weiße, cleane Decke von deinem Körper nimmst. Der Moment, wenn du dann merkst, dass da unten etwas fehlt. Dass deine Füße nicht mehr da sind, sondern nur noch vernarbtes Fleisch. Dieser Moment ist unheimlich, erschreckend und einer der besten Filmmomente aller Zeiten. Dieser Moment wird im Drama "Der Geschmack von Rost und Knochen" aus dem Jahr 2012 festgehalten.
Dieser brillante Film stammt aus der Feder des französischen Regisseurs Jacques Audiard. Er erzählt die Geschichte von zwei Menschen. Zwei Menschen, die auf ihr eigene Art und Weise alleine sind und an einem bestimmten Punkt ihres Lebens, wenn beide so tief am Boden sind, sich kennenlernen.
Von Gregor Oldenburg.

The Happytime Murders
Eine gute Idee geht durch eine läppische Krimihandlung und vulgäre Zoten, die nicht stimmig inszeniert sind und sich stets wiederholen, verloren. "Muppets Show"- beziehungsweise "Sesamstraße"-hafte Puppen leben mit Menschen zusammen. Nicht gerade in friedlicher Koexistenz, ein Anti-Puppen-Rassismus ist an der Tagesordnung (im Film aber nur angeschnitten). Ein Ex-Cop und Privatdetektiv namens Phil Philips (mit immer demselben Gesichtsausdruck: eine Puppe) muss sich mit seiner Ex-Kollegin, Detective Connie Edwards (mit ein wenig mehr Gesichtsausdrücken: Melissa McCarthy) zusammenraufen, um eine Mordserie aufzuklären. Phil ist immer dabei, wenn die Morde geschehen, so dass der Verdacht bald auf ihn fällt.
"Muppets Show" trifft Film Noir, denn Philips ist an die beiden berühmten Figuren angelehnt, die Humphrey Bogart in den 1940ern in "Die Spur des Falken" und "Tote schlafen fest" spielte, Sam Spade und Philip Marlowe. Die Hommage an beides ist noch das Interessanteste am unter seiner Humor- und Ideenlosigkeit leidenden Film.
Von Michael Dlugosch.

Hexe Lilli: Die Reise nach Mandolan
Schon "Hexe Lilli: Der Drache und das magische Buch" von Regisseur Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher") war ein nur leidlich interessanter Kinderfilm, das Sequel von Harald Sicheritz drückt das Niveau der Kinoreihe jedoch noch einmal merklich herunter. "Hexe Lilli: Die Reise nach Mandolan", der wie sein Vorgänger auf den Büchern von Knister basiert, ist ein arg ideenloser und kraftloser Märchenfilm, der lediglich dank der 13-jährigen Hauptdarstellerin Alina Freund und ihrem computergenerierten Sidekick, einem rundlichen Flugdrachen namens Hektor (Sprecher: Michael Mittermeier), nicht zum völligen Ärgernis gerät.
Die kleine Lilli (Alina Freund) ist seit den turbulenten Ereignissen des ersten Teils eine waschechte Superhexe. Zwischen Alltagsproblemen, Hausaufgaben und Nervereien ihres kleinen Bruders bleibt dem Mädchen jedoch kaum Zeit zum Hexen. Ein Glück also, dass Großwesir Guliman (Jürgen Tarrach) und sein Hofmagier Abrasch (Ercan Durmaz) einen Hilferuf aus dem orientalischen Königreich Mandolan schicken: Lilli soll den von böser Hand verhexten Thron des Großwesirs entzaubern.
Von Christian Horn.

I Phone You
Berlin ist ebenso angesagt wie das iPhone. In "I Phone You" des chinesischen Regisseurs Dan Tang kommt nun beides zusammen und auch ansonsten ist die nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase gedrehte Romantikkomödie - zumindest auf den ersten Blick - recht nah dran am Zeitgeist. Um ihre Flamme Vong (Aaron Hong Le) zu besuchen, reist die junge Chinesin Ling (Yiyan Jiang) von China nach Deutschland. In der deutschen Hauptstadt angekommen, schickt der plötzlich allzu beschäftigte Vong seinen Bodyguard Marco (Florian Lukas), um Ling zu verdeutlichen, dass sie doch bitte den nächsten Flieger zurück in die Heimat nehmen soll. Doch die verliebte Frau gibt nicht so schnell auf, schüttelt Marco ab und begibt sich auf die Suche nach ihrem Geliebten - der Beginn einer Odyssee durch Berlin, die Ling auf ganz verschiedene Menschen aus aller Herren Länder treffen lässt.
Von Christian Horn.

Jäger des Augenblicks - Ein Abenteuer am Mount Roraima
Für die befreundeten Profibergsteiger Stefan Glowacz, Holger Heuber und Kurt Albert ist das Erklimmen eines Berges eine wahre Passion. Zu dritt bereisen die Männer Berge auf der ganzen Welt, immer mit dem hehren Anspruch, als erste Bergsteiger eine bislang unerschlossene Route zu bezwingen. Ihr ambitioniertes Projekt, die steil aufragende Felswand des Tafelbergs Roraima im Dreiländereck zwischen Brasilien, Venezuela und Guyana zu erklettern, begleitet der Dokumentarfilm "Jäger des Augenblicks" auf insgesamt schnörkellose, aber dennoch mitreißende Art und Weise.
Im Mittelpunkt stehen freilich die Protagonisten, deren Versuch im ersten Anlauf an Schlechtwetter, schwindenden Vorräten und einer Fußverletzung scheitert. Dass Glowacz, Heuber und Albert ihr Projekt im ersten Versuch abbrechen müssen und erst nach einigen Wochen Aufenthalt in Deutschland einen zweiten Versuch angehen, etabliert den dramaturgischen Rahmen der Dokumentation, die vom Umgang mit dem Scheitern handelt - und davon, dass die Leidenschaft und ein vorwärts drängender Wille die Grundlage zum Weitermachen bilden.
Von Christian Horn.

Kill the Boss
Es gibt ja diese Fernsehwerbung, die einen Affen in Profilaufnahme zeigt und die Zuschauer*innen nach einer Weile fragt, ob sie bei diesem Anblick an ihren Chef denken müssen. Das gleiche landläufige Feindbild von der wahlweise bösartigen oder unfähigen Chefetage bedient auch Regisseur Seth Gordon mit seiner schwarzen Sommerkomödie "Kill the Boss", die in erster Linie mit ihrem hochkarätigen Ensemble unterhält.
Es sind die überzeichneten und einnehmend dargestellten Figuren, von denen "Kill the Boss" lebt. Auf der einen Seite stehen mit Jason Bateman, Jason Sudeikis und Charlie Day drei Vertreter der jüngeren amerikanischen Komödie, die ihre Rollen als untergebutterte und mit ihren Mordplänen überforderte Angestellte mit reichlich Mimikeinsatz und einem guten Gespür für Situationskomik meistern. Auf der anderen Seite glänzt vor allem Kevin Spacey als ignoranter Egomane, während der allein schon durch seine Halbglatze amüsante Colin Farrell und die gegen den Strich besetzte Jennifer Aniston nur wenig Leinwandzeit absolvieren.
Von Christian Horn.

Klaus
Sergio Pablos erzählt auf eine vollkommen neue Weise die Geschichte von Weihnachten, die uns sonst nur in Filmen, wie "Der Grinch" oder "Kevin allein zuhaus" verbildlicht wurde. Doch diesmal ist es nicht derselbe schnulzige Kram, der jedes Jahr am 24. geschaut wird. Diesmal ist es eine Geschichte, bei der man sich im Vorhinein nicht abschrecken lassen darf, da es sich um einen Animationsfilm handelt. Diesmal ist es einfach anderes als sonst. Diesmal ist es echter und gefühlvoller.
In den 96 Minuten wird von einem Postboten erzählt, der von seinem Vater auf eine Insel geschickt wird, um dort, binnen eines Jahres, 6000 Briefe zugestellt haben muss, damit er wieder zur Familie gehört. Anfangs tut sich Postbote Jesper sehr schwer, da auf dieser Insel seit Jahren Krieg zwischen zwei Gemeinschaften gibt. Aber ab dem Tag, an dem Jesper den alten Spielzeughersteller Klaus trifft, ändert sich die Trostlosigkeit und Einsamkeit für Jesper, so dass ein neuer Wind einkehrt.
Von Gregor Oldenburg.

The Legend of Kaspar Hauser
"The Legend of Kaspar Hauser" ist von der ersten Szene an höchst rätselhaft: Vincent Gallo steht in einer unbewegten Schwarzweiß-Aufnahme an einem verlassenen Strand und streckt einen Arm gen Himmel, während die treibende Elektromusik von "Vitalic" eine Dynamik erzeugt, die weder im Bild noch in der Handlung eine Entsprechung findet. Unerwartet fliegen drei UFOs über Gallo hinweg, bilden eine Dreicksformation und entschwinden wieder. In der letzten Szene von "Kaspar Hauser" greift der italienische Regisseur Davide Manuli dieses Eröffnungsbild leicht variiert auf und schließt damit immerhin in formaler Weise einen Kreis. Bei allem, was zwischen diesen beiden Szenen passiert, lässt der verschrobene Film seine Zuschauer jedoch ziemlich alleine: "Kaspar Hauser" folgt keiner erzählerischen Logik mit greifbaren Figuren, sondern arbeitet mit Assoziationen und Typen.
Das übergeordnete Thema ist der Einbruch eines Fremden in die Gesellschaft einer verlassenen Insel.
Von Christian Horn.

Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich
Nimmt man einen der bekanntesten Comedien, eine Schauspielerin mit unheimlich hohem Potential, die fast jede Rolle spielen kann und dann hat man eine der besten Komödien der letzten Jahre? Nein, so leicht ist es dann doch nicht.
Zwar hat der neue Film von Jonathan Levine ("50/50 - Freunde fürs (Über)Leben", "Mädelstrip") bereits die Kosten von 40 Millionen Dollar bereits eingespielt, dennoch konnte der Film nicht jeden seiner Zuschauer vollends beeindrucken.
"Long Shot - Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich" ist 125 Minuten lang und erzählt die Geschichte der Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, Charlotte Field (Charlize Theron), die durch Umwege auf einer Party ihren früheren Nachbarn, Fred Flarsky (Seth Rogen) trifft und den nun arbeitslosen Journalisten bittet, ihr zukünftig als Redenschreiber zur Seite zu stehen. Aus dieser Ausgangslage eröffnet sich eine Geschichte, die ziemlich abstrus ist.
Von Gregor Oldenburg.

Peak
Der Klimawandel verschont auch die Alpen nicht. Seit einigen Jahren herrscht an allen Ecken und Enden des Gebirges akuter Schneemangel, den die Betreiber der touristischen Wintersportgebiete in einer Art Sisyphusarbeit bekämpfen. Hochtechnisierte Schneeanlagen, die bei 24 Stunden Dauerbetrieb Kosten von 500.000 Euro erzeugen, sollen die Skipisten mit Kunstschnee überdecken - rund 50 Millionen Euro kostet dieses Verfahren pro Jahr. Um den für die meisten Alpenregionen lebenswichtigen Tourismus zu erhalten, entstehen immer neue Schneeanlagen, die mit Hilfe von eigens angelegten Speicherseen in Höhenlagen betrieben werden und wie Prothesen aus der alpinen Landschaft ragen. Regisseur Hannes Lang, der selbst in den Bergen groß geworden ist, dokumentiert diese Entwicklung in seinem Langfilmdebüt "Peak", wobei neben Südtirol auch französische und italienische Alpengebiete ins Bild rücken. In langen und ruhigen Einstellungen, die lärmende Schneeanlagen und Touristenscharen im Originalton stehen lassen, dokumentiert der minimalistische Film die landschaftlichen Veränderungen der Alpen und den aktuellen Ist-Zustand.
Von Christian Horn.

Percy Jackson - Diebe im Olymp
Nur noch ein Zweiteiler und die kassenträchtige "Harry Potter"-Reihe ist abgeschlossen. Nachdem sich mit der streitbaren "Twilight"-Saga bereits eine Art Nachfolger etabliert hat, schickt Chris Columbus, Regisseur der ersten beiden "Harry Potter"-Filme, nun einen neuen Helden ins Box-Office-Rennen: Percy Jackson (Logan Lerman), ein in New York lebender Schüler, der mit seinem Stiefvater streitet, unter Wasser ziemlich lange die Luft anhalten kann, im Englischunterricht keine sonderlich gute Figur macht – und weiß Gott nicht ahnt, dass er ein Halbgott ist...
Wie bei dem bebrillten Zauberschüler aus Hogwarts steht auch bei "Percy Jackson - Diebe im Olymp" eine Kinderbuchreihe Pate (Autor derselben: Rick Riordan), die bisher fünf Bände umfasst. Buchvorlage wie Film verpacken die fantastischen Ereignisse rund um den Protagonisten Percy Jackson und seine jugendlichen Begleiter Annabeth (Alexandra Daddario), Tochter der Athene, und den Satyr Grover (Brandon T. Jackson) mit allerhand Versatzstücken aus der griechischen Mythologie.
Von Christian Horn.

Percy Jackson - Im Bann des Zyklopen
Rick Riordans Kinderbuchreihe um den jugendlichen Halbgott Percy Jackson umfasst fünf Bände. Nach "Percy Jackson - Diebe im Olymp" (USA 2010) von Chris Columbus folgt nun mit "Im Bann des Zyklopen" etwas verspätet der zweite Teil des Franchise. Die Regie übernimmt Thor Freudenthal, der mit dem Kinderfilm "Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt!" (USA 2010) ein Talent für gutes Timing bewies. Dass der Sommerblockbuster dennoch kein mitreißendes Fantasy-Abenteuer ist, liegt vor allem an der gehetzten Erzählweise, die kaum Zeit für einen Spannungsaufbau oder eine Identifikation mit den Figuren lässt. Auch die Vergleiche mit "Harry Potter", die sich vielfach aufdrängen, gereichen "Percy Jackson" eher zum Nachteil.
Nach der Rettung des Olymps ist Percy Jackson (Logan Lerman), der Sohn einer menschlichen Mutter und des Meeresgottes Poseidon, der Held im "Camp Halbblut". Hier absolviert der Halbgott-Nachwuchs unter der Führung von Dionysos (Stanley Tucci) und im Schutz einer magischen Barriere diverse Kampfübungen.
Von Christian Horn.

Pianomania
Ein begleitender Dokumentarfilm steht und fällt mit seinem Protagonisten. "Pianomania" von Lilian Franck und Robert Cibis steht mit Stephan Knüpfer, dem Cheftechniker der Pianobauer Steinway & Sons. Wenn die großen Pianisten unserer Zeit, etwa Lang Lang oder Pierre-Laurent Aimard, im Wiener Konzerthaus auftreten oder dort Aufnahmen machen wollen, stimmt Stephan Knüpfer den Konzertflügel. Dann diskutiert er leidenschaftlich über Klangfarben, Tonlagen und den Charakter eines Tones oder darüber, ob der Flügel nun eher wie ein Cello oder wie eine Orgel klingen soll und wie man das wohl bewerkstelligen kann. Stephan Knüpfer, und das macht ihn zu einem so hervorragenden Protagonisten, scheint ganz bei sich, wenn er mit irrer Konzentration über die Saiten gebeugt dasteht. Er liebt seinen Job - und verzweifelt daran.
"Pianomania" begleitet Knüpfer ein Jahr lang bei seiner Arbeit als Konzerttechniker. Als Rahmen dient ein Projekt von Pierre-Laurent Aimard, der Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge" vertonen will.
Von Christian Horn.

Der schwarze Diamant
Es gibt zwei Arten von Netflix-Filmen. Die eine Sorte sind die hochwertigen, guten Filme, die gerade 2019 brillieren konnten, wie zum Beispiel "The Marriage Story", "The Irishman" oder "My Name Is Dolemite". Die andere Sorte, sind die Filme, die es darauf abgesehen haben eine lockere, lustige Geschichte zu erzählen, dabei aber bei der internationalen Kritik gnadenlos scheitern. Hierbei sind "Murder Mystery", "Sandy Wexler" und "The Kissing Booth" zu nennen. Natürlich gibt es auch Filme die sich zwischen dieses beiden Gruppen bewegen, aber eine klare Trennung ist gerade durch das letzte Jahr zu erkennen.
In zwei der oben genannten, schlechteren Filme spielt Adam Sandler die Hauptrolle. So auch in der neuen Netflix-Produktion "Der schwarze Diamant", und trotzdem gehört dieser neue Streifen zu der erstgenannten Gruppe von klug geschriebenen und intelligent inszenierten Filmen.
Von Gregor Oldenburg.
Netflix-Produktion, Internet-Start am 31. Januar 2020

Singles - Gemeinsam einsam
1992: Das musikalische Untergrundphänomen "Grunge" ist endgültig vom Unterhaltungsbusiness geschluckt worden. Nachdem sich Musik, Mode und Lifestyle aus dem kargen Fundus der Szene reichhaltig bedient haben, und alle ganz klug von der "Generation X" und den "Twenty-somethings" quatschten, war es nur die berüchtigte Frage der Zeit, wann denn Hollywood auf den Zug nach Nirgendwo aufspringen würde...
Cameron Crowes Regiedebüt ist selbstverständlich in Seattle angesiedelt, jener fast vergessenen Metropole im einsamen Nordwesten der USA, in der es ständig regnet und die urplötzlich zur Brutstätte des angesagten, mollheulenden Gitarrenrocks wurde. Da liegt es sehr nahe, dass sich die Epigonen ebenjener Musik ein familiäres Stelldichein in Crowes Liebeskomödie geben dürfen. Pearl Jam beweisen als Cliffs Band "Citizen Dick" Mut zur Selbstpersiflage, Alice in Chains dürfen wie Soundgarden im Film lärmen; überhaupt tauchen stets und ständig Querverweise zu bekannten (Indie-)Rockgrößen auf.
Von Helge Judenau.

So ist das Leben - Life Itself
Ein Kinotalent nach dem anderen erscheint in diesem Film des "This Is Us"-Showrunners Dan Fogelman, und jedes einzelne gibt sein Bestes. Aber die über drei Generationen und zwei Länder hinweg verzweigte Geschichte, die auf ein notwendiges Ende führt, das alle Handlungsstränge zu einem Ganzen zusammenführt, kann trotz optischer Überzeugungsmomente die Zuschauerin oder den Zuschauer emotional nicht mitnehmen.
Durch die filmischen Spielereien des Vorgaukelns einer Szene, die sich schnell als konstruiert darstellt, will der Regisseur das Thema "Kunst" und "Leben" philosophisch infrage stellen. Aber neu ist diese Idee beileibe nicht, das hat Woody Allen mehrmals und etwas spannender bereits filmisch umgesetzt. In "So ist das Leben - Life Itself" schafft diese Täuschung leider eine Distanz zu den Figuren, weil man sich dann den ganzen Film fragen muss, was echte Handlung ist und was sich bald darauf als unecht darstellen wird.
Von Hilde Ottschofski.
DVD-/Blu-ray-Start am 13. Februar 2020

 



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