Aktuelle Filme


Hannah - Ein buddhistischer Weg zur FreiheitHannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit
In Zeiten, in denen Menschen wieder vermehrt auf die Suche nach Religion und Spiritualität gehen, kommt dieser Dokumentarfilm in die Kinos: "Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit" handelt von einer Dänin und ihrem Mann Ole, die den Buddhismus in die westliche Welt brachten. Dass Hannah Nydahl 2007 an Krebs starb, berichtet der Film erst am Ende, zuvor geht der Film chronologisch auf ihren Lebensweg ein, der sie als Hippie und 68er-Kind nach Nepal führte. Hannah suchte - und fand. Lernte wichtige Buddhisten kennen, darunter den 16. und den 17. Karmapa. Hannah und Ole vermittelten die religiösen Lehren an Interessierte in Europa und Nord- wie Südamerika.
Zu oft fallen Sätze wie "Es war beeindruckend", beim Karmapa oder einem anderen Lehrer dabei gewesen zu sein, ohne dass der Film das Besondere am Buddhismus vermitteln kann. Aber die Bilder sind durchweg sehr gut gewählt.
Von Michael Dlugosch.
Foto: W-film / Connected Pictures


Alles Geld der WeltAlles Geld der Welt
Das jetzige Filmzeitalter weitet die Grenzen des Bösen aus - ruchlose blutreiche Krimis, mit eisig-kaltherzigen Serienkillern, historische Filme wie "The Revenant", die die Bestie im Menschen vorführen, Serien wie "Breaking Bad" oder "House of Cards" zeigen uns, wie tief man sinken kann, wenn man von Macht oder Todesangst besessen ist. So zeigt der Film "Alles Geld der Welt", wie unvorstellbar herzlos Geldgier machen kann.
Als der reichste Mann der Welt, der Ölmagnat J. Paul Getty (gespielt von Altmeister Christopher Plummer, als kurzfristig eingesetzter, besserer Ersatz für den wegen Missbrauchsvorwürfen angeklagten Kevin Spacey), von der Entführung seines 16-jährigen Enkels Paul (gespielt von Charlie Plummer) in Rom erfährt, zahlt er erstmal das Lösegeld nicht.
Von Hilde Ottschofski.
deutscher Kinostart: 15. Februar 2018
Foto: Tobis


Aus dem NichtsAus dem Nichts
Noch während in München der NSU-Gerichtsprozess läuft, kommt Regisseur Fatih Akin mit dem Film dazu ins Kino. "Aus dem Nichts" ist so gut, ja packend, dass der Film beim Filmfestival in Cannes 2017 im Wettbewerb lief und seine Hauptdarstellerin Diane Kruger dort ausgezeichnet wurde.
Eine junge Deutsche verliert ihren Mann und kleinen Sohn, weil Terroristen, Neonazis, sie in die Luft sprengen. Was die Frau daraufhin durchmachen muss, zeigt Akin ergreifend, von Trauer über Wut über einen Selbstmordversuch bis hin zum Racheakt. Dieser ist in einem Film immer fragwürdig, immer kontrovers diskutierbar. Da hier das Selbstmordattentat der Frau am Ende des Films nur ein filmisches Element von vielen ist, andere wichtiger, wird "Aus dem Nichts" nicht zu einem weiteren Film der Richtung "Ein Mann sieht Rot", sondern zu einem hervorragend erzählten Film.
Dessen einziges Manko: Akin unterschätzt die Bedeutung einer Explosion mit Toten in Hamburg.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Warner Bros. Entertainment GmbH


Paddington 2Paddington 2
Die Weihnachtsüberraschung klappt: Paddington kann in diesem Feelgood-Movie für die ganze Familie gute Laune und vorweihnachtliche Stimmung verbreiten. Mit seinen großen treuen feuchtbraunen Augen, seiner abenteuerlichen Tollpatschigkeit und seinem aufrechten Charakter stiehlt er sich blitzschnell ins Herz des kleinen und großen Zuschauers. Dabei kommt die Spannung nicht zu kurz. Fast noch besser als im ersten Film wird sie bis zum Ende gehalten. Auch wird der Zuschauer mit dem gekonnt (von Hugh Grant) gespielten Bösewicht Phoenix Buchanan in einer revueartigen Vaudeville-Darbietung versöhnt.
Paddingtons Tante Lucys Geburtstag steht bevor. Paddington (deutsche Stimme: Elyas M'Barek) möchte ihr etwas Besonderes schenken, ein handgezeichnetes London-Popup-Buch. Kurz vor dem Ziel wird das Buch geklaut und Paddington wird des Raubes verdächtigt. Mit Hilfe von Freunden und Familie macht sich der idealistische und gut erzogene Bär auf die Suche nach dem Dieb.
Von Hilde Ottschofski.
Foto: Studiocanal GmbH


SuburbiconSuburbicon
Zahnpastalächeln. Schöne Häuser in ruhiger Lage. Die ersten Minuten des Films "Suburbicon" zeigen eine Fernsehreklame für das Stadtrandörtchen desselben Namens. Die Atmosphäre in ihm ist klinisch rein, so rein, dass der Zuschauer ahnt: Die Sünde kann nicht weit weg sein. Die Sündhaftigkeit seiner Bewohner schlägt gleich doppelt zu. Während ein Mob eine schwarze Familie vertreiben will, ist eine weiße Familie nebenan mit sich selbst beschäftigt und der Vertuschung eines Mordes.
Ethan und Joel Coen schrieben das Drehbuch mit George Clooney und Grant Heslov. Clooney führte Regie, aber es ist in erster Linie ein Coen-Brüder-Film. Die beiden entnahmen ihrem Meisterwerk "Fargo" Grundzüge, doch ist es keine Reminiszenz, sondern ein Kopieren dessen, was mal auf der Leinwand funktioniert hat. Im seicht inszenierten Film "Suburbicon" funktioniert es nicht. Trotz aller guten Absichten.
Von Michael Dlugosch.
Foto: Concorde Filmverleih GmbH / Hilary Bronwyn Gayle


Jetzt. Nicht.Jetzt. Nicht.
Walter (Godehard Giese) geht vollkommen in seiner Arbeit auf. Dies sieht der Zuschauer, als der Mittvierziger eine Werbekampagne für ein Produkt vorstellt. Dies sieht der Zuschauer erst recht, als Walter entlassen ist. Als er Leere empfindet. Sich zu einer Schlägerei provozieren lässt. Wegfährt. Flüchtet. Irgendwohin. Was tun ohne Job? Walter fängt während seiner Fahrt ins Ungewisse an zu grübeln. Er wird am Ende des Films alles in Frage gestellt haben. Sein Leben. Seinen Ehrgeiz. Vielleicht seine Ehe.
"Jetzt. Nicht.", der erste Langfilm von Julia Keller, die bis 2011 an der Kunsthochschule für Medien in Köln studierte, ist komplett auf Fragen nach dem Sinn des Lebens konzentriert. Auf die Fragen: Hat man sein Leben gelebt, kann man nur durch Arbeit glücklich sein? Der Durchschnittsmensch Walter steht für alle Suchenden - und wer sucht nicht?
Von Michael Dlugosch.
Foto: W-film / Heimatfilm


GauguinGauguin
Es ist schon ein Trend geworden: In den letzten Jahren wurden immer wieder die Lebensläufe von Künstlerinnen und Künstlern verfilmt (als so genannte "biopics", also Biographien in Bildern), und ein Ende ist nicht abzusehen.
Jetzt erscheint Paul Gauguin zum dritten Mal auf der Leinwand. Es spielt ihn der kantige Vincent Cassel. In Paris ist dem wenig erfolgreichen Künstler alles zu eng und spießig. Er zieht sich in ein Exil zurück, Französisch-Polynesien, und lässt dafür sogar seine Frau Mette und seine sechs Kinder zurück, die ihm nicht folgen wollen. Der Film ist ein ästhetisches Erlebnis. Es bleibt zu hoffen, dass er auch den Zuschauern etwas sagt, die sich kunstgeschichtlich nicht besonders gut auskennen. Gauguins ungeheuer farbenfrohe Bilder kommen im Laufe der Handlung kaum vor, man sieht sie erst im Nachspann.
Von Manfred Lauffs.
Foto: Studiocanal GmbH


Good TimeGood Time
Der Filmtitel "Good Time" ist pure Ironie: Es sind schlechte, ganz schlechte Zeiten für Constantine, genannt Connie (Robert Pattinson). Ein Bankraub ist dem jungen Gauner zwar geglückt, aber nur ihm gelingt danach die Flucht. Seinen geistig behinderten Bruder Nick (Benny Safdie), den Connie für den Überfall missbrauchte, hat die Polizei geschnappt. Um seinen Bruder zu befreien, wagt Connie viel. Für ihn beginnt eine nächtliche Odyssee ins Ungewisse.
"Good Time" ist grandioses Erzählkino, die Regie-Brüder Safdie erfinden immer neue gelungene Wendungen. Connies Irrfahrt zelebrieren sie dazu als einen Trip, verbunden mit hämmernden Beats und gewöhnungsbedürftigen Nahaufnahmen, selten sieht der Zuschauer Filmfiguren in der totalen oder halbtotalen Kameraeinstellung. Hauptdarsteller Pattinson hingegen nutzt seine Chance nicht, aus dem Schatten der "Twilight"-Filme herauszutreten, er hat nur eine Gesichtseinstellung drauf. Aber auch dies könnte man so erklären: Die Probleme seiner Figur lassen nicht viele Emotionen zu.
Von Michael Dlugosch.
Foto: temperclay Filmverleih


Vorwärts immer!Vorwärts immer!
Das Genre Verwechslungskomödie schien in Deutschland bereits ausgestorben. Franziska Meletzky erfindet es in ihrem dritten Kino-Langfilm "Vorwärts immer!" regelrecht neu. Nach ihren Dramen "Nachbarinnen" (2004) und "Frei nach Plan" (2007) überrascht die Regisseurin mit einer klamottigen Farce mit Dramen-Elementen, die erstaunlich gut funktioniert. "Vorwärts immer!" spielt exakt einen Monat vor Günter Schabowskis Rede, die zum Mauerfall führte. An den ist am 9. Oktober 1989 noch nicht zu denken. Erich Honecker ist noch Staatschef der DDR. Um ihn geht es im Film und um einen Schauspieler, Otto Wolf (Jörg Schüttauf), der in Maske genauso aussieht. Vater Wolf ist gezwungen, in Verkleidung ins Zentralkomitee zu fahren, um seine Tochter Anne (Josefine Preuß) zu retten.
Viele Gags sind im Film, für einen deutschen Film sehr viele, so viele, dass manche misslingen. Aber nicht alle. Und die Darsteller sind hervorragend ausgewählt.
Von Michael Dlugosch.
Foto: DCM



Dossier


Neue Familienmodelle im Film
Frisch geschieden und alleinerziehend, in "wilder Ehe" oder als schwule Regenbogenfamilie. Was früher als Schmach galt, ist heute weitgehend salonfähig - im wahren Leben wie im Kino.
Von Christian Horn.

Der politische Film
Bei der Academy-Award-Verleihung 2013 stand der politische Film im Mittelpunkt. Feiert er seitdem seine Rückkehr?
Von Christian Horn.

Gene im Videospiel
In diesem Essay geht Autor Christian Horn auf neueste Trends im Videospiel ein: Beispielsweise lässt das Spiel "Spore" den Akteur Gott spielen, der Spieler formt sich seine eigene Evolution.
Von Christian Horn.


Neue Rezensionen


Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln
Körperflüssigkeiten und andere Frechheiten spielen seit jeher eine große Rolle in den Komödien von Bobby und Peter Farrelly. Auch bei "Alles erlaubt" lebt der Humor vom Brachialen: Ein im Drogenrausch vollführtes großes Geschäft mitten auf einem Golfplatz, ein politisch inkorrekter Lacher über einen großen und einen kleinen Penis oder ein folgenschwerer Nieser am Badewannenrand liefern den typischen Farrelly-Touch. Man nennt das abwertend Klamauk oder Fäkalhumor. Anders als in ähnlichen Filmen erscheinen aber zumindest die Hauptfiguren aus "Alles erlaubt" trotz ihrer argen Ungeschicklichkeit nicht als simple Lachnummern. Nun zündet dieser Ansatz zwar nicht so geschmeidig wie etwa bei "Verrückt nach Mary", sondern wirkt bisweilen bemüht - dennoch ist "Alles erlaubt" ein kurzweiliger und komischer Kinospaß mit einigen denkwürdigen Albernheiten.
Die Mittvierziger Rick und Fred (Owen Wilson & Jason Sudeikis) stehen prototypisch für Ehemänner, die in der Annahme leben, die eigenen Frauen hielten sie von unendlich vielen, quasi stündlich offerierten Liebeleien mit allen anderen Frauen ab.
Von Christian Horn.

Die anonymen Romantiker
Jean-René (Benoit Poelvoorde) gerät eifrig ins Schwitzen, sobald er sich mit einer Frau unterhält. Deshalb bringt der Besitzer einer kleinen Schokoladenfabrik zum Date mit seiner neuen Angestellten Angélique (Isabelle Carré) eine ganze Tasche baugleicher Wechselhemden mit, die er auf der Restaurant-Toilette versteckt. Regelmäßig unterbricht Jean-René die laufende Unterhaltung abrupt, flieht zu seinem Depot und wechselt hektisch das Hemd - als er sich vergreift und unerwartet mit einem altbackenen Rüschenhemd vor seiner Begleitung steht, ergreift der Unentspannte übereilt die Flucht aus dem Toilettenfenster.
Dass dieses Rendezvous überhaupt zustande gekommen ist, grenzt an ein Wunder: Während Jean-René im zwischenmenschlichen Bereich extrem schüchtern und verkrampft agiert, zählt Angélique zur Gruppe der hochsensiblen Persönlichkeiten. Schon ein kleiner Anlass genügt und Angélique fällt in Ohnmacht oder reagiert anderweitig panisch.
Von Christian Horn.

Another Earth
Weil die 17-jährige Schülerin Rhoda (Brit Marling) fahrlässig einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem zwei Menschen tödlich verunglücken, muss sie für vier Jahre ins Gefängnis. Dass die junge Frau während der Autofahrt abgelenkt war, erscheint jedoch verständlich, denn am Unfalltag zeigte sich am Himmel ein neuer Planet, der unserer Erde aufs Äußerste ähnelt. Als Rhoda ihre Haftstrafe verbüßt hat, ist der mittlerweile auf den Namen Earth 2 getaufte Planet der Erde bereits ein gutes Stück näher gekommen und nimmt einen deutlich sichtbaren Platz am Firmament ein. Trotzdem beschäftigen Rhoda vor allem die Schuldgefühle gegenüber dem Musikprofessor John Burroughs (William Mapother), dessen Frau und Kind bei dem Unfall starben. Als angebliche Putzfrau nimmt Rhoda Kontakt zum einsiedlerischen John auf, der den Verlust seiner Familie kaum überwunden hat. Bald entstehen aus zaghaften Annäherungen romantische Gefühle zwischen den beiden, wobei John nichts von Rhodas Unfallbeteiligung ahnt.
Von Christian Horn.

Arthur (2011)
Erst seit kurzem treibt der amerikanische Comedian und Moderator Russell Brand seinen Schabernack auch auf der Kinoleinwand. "Arthur", das Remake des Dudley-Moore-Films aus dem Jahr 1981, liefert ihm für diesen neuen Tätigkeitsbereich eine glänzende Vorlage: Der trunksüchtige, zwischen Idiotie und kindlicher Naivität schwankende Titelheld Arthur ist dem leicht entrückt wirkenden Brand nämlich wie auf den schmächtigen Leib geschrieben. Daher verwundert es wenig, dass die mit romantischen Gefühlen gewürzte Komödie in erster Linie von ihrem stilprägenden Hauptdarsteller lebt.
Als alleinstehender Milliardenerbe lebt der spleenige Arthur Bach ohne große Sorgen zwischen einem frei schwebenden Magnetbett, einem Fuhrpark aus Superheldenautos und einer extravaganten Garderobe. Seine liebevolle Haushälterin Hobson (Helen Mirren) behütet ihn wie eine Mutter, während der Privatchauffeur für die tägliche Unterhaltung sorgt. Der Lebemann muss sich bald zwischen Reichtum und Liebe entscheiden.
Von Christian Horn.

Auftrag Rache
Mit "Auftrag Rache", dessen Originaltitel "Edge of Darkness" vielfach ambitionierter klingt, adaptiert Martin Campbell seine sechsteilige TV-Serie aus dem Jahr 1985 für die Kinoleinwand. Mel Gibson spielt seine erste Hauptrolle seit acht Jahren und macht als Epizentrum des Thrillers eine durchaus gute Figur. Leider kann das Drehbuch da nicht immer mithalten, weil die notwendige Verdichtung und Aktualisierung des Serienplots allzu oft schlichte Behauptung bleibt. Die große handwerkliche Kompetenz Campbells, die etwa an seinen Bond-Filmen "Goldeneye" und "Casino Royale" ablesbar ist, hilft dem Thriller-Drama aber in weiten Teilen über die erzählerischen Schwächen hinweg.
Sehr vielversprechend ist der Beginn des Films: Der verwitwete Bostoner Polizei-Inspektor Thomas Craven (Mel Gibson) führt ein zurückgezogenes Leben. Als seine Tochter Emma (Bojana Novakovic) zu Besuch kommt, wird sie vor seinen Augen erschossen und die mit wenigen Strichen etablierte Normalität der Vater-Tochter-Beziehung zerplatzt im Bruchteil einer Sekunde.
Von Christian Horn.

The Book of Eli
Das Jahr 2044: Die Kamera streift im nebelverhangenen Halbdunkel über einen Waldboden. Eine Pistole, eine danach ausgestreckte Hand und schließlich der dazugehörige Leichnam. Schon in dieser Bildfolge zu Beginn von "The Book of Eli" etablieren die Regie-Brüder Albert und Allen Hughes ("From Hell") die allgegenwärtige Präsenz von Gewalt in ihrer Dystopie. Schließlich ist nichts anderes als die Apokalypse über die Welt hereingebrochen und der Mensch des Menschen Wolf geworden.
Inmitten dieser Szenerie, die mit den allseits bekannten Bildern aus den "Mad Max"-Filmen oder der Videospiel-Serie "Fallout" arbeitet, treffen wir auf Denzel Washington, der den Protagonisten Eli spielt. Er wandert nach Westen, schon eine ganze Weile – mehr wissen wir zunächst nicht. In einem provisorischen (Western-)Kaff, das Carnegie (Gary Oldman) und seine brutalen Schergen regieren, macht Eli Rast. Bald erfahren wir, dass Carnegie auf der Suche nach dem Buch ist und ihm zur Beschaffung desselben jedes Mittel recht ist.
Von Christian Horn.

Brand Upon the Brain!
Auf der Berlinale 2007 hatte Guy Maddins experimenteller Stummfilm "Brand Upon the Brain!" seinen großen Auftritt: Mit musikalischer Live-Begleitung und einem Sänger, drei Geräuschemachern und Isabella Rossellini als Sprecherin hat er bestimmt groß was her gemacht. Zwei Jahre später kam das Werk regulär in die deutschen Kinos und obwohl Maddins Inszenierung durchaus interessant ist, hatte der fordernde Film es dort ungleich schwerer.
Ein frontaler, mit Ausrufezeichen versehener Angriff auf das Brain des Zuschauer(-Körper)s ist Maddins Film vor allem. Mit einer hemmungslos schnellen Melange aus Videoclip- und Stummfilm-Ästhetik rast das Experiment durch zwölf Kapitel, die mysteriöse Vorgänge in einem Waisenhaus aufdecken. Die Text-Inserts blitzen meist nur kurz, kaum lesbar auf und die konzentrierte, weibliche Erzählerstimme stolpert beinahe bei dem Versuch, dem Bilderstrom, der nur ab und an mal kurz inne hält, zu folgen.
Von Christian Horn.

Captain America: The First Avenger
Als die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintreten, will Steve Rogers (Chris Evans) unbedingt an die Front, doch die Armee erklärt den arg schmächtigen Burschen für kriegsuntauglich. Seine zweite Chance kommt, als Steve mittels der futuristischen Technik eines geheimen Militärprojekts zum Muskelpaket aufgebläht wird. Fortan haut der einstige Schwächling unter dem Namen Captain America jenseits des Atlantik mächtig auf den Putz. Sein ebenbürtiger Gegner ist der Nazi-Scherge Johann Schmidt alias Red Skull (Hugo Weaving), der die Welt im Alleingang knechten will.
Wie kein anderer Superheld verkörpert Captain America den Inbegriff des amerikanischen Bilderbuch-Patrioten, ist er doch ein gestählter, blonder Jüngling, der sich sozusagen in eine amerikanische Flagge wickelt und gegen alle möglichen Widersacher der USA ins Feld zieht: Allein der Name schon!
Von Christian Horn.

Contagion
Schon in der ersten Einstellung von "Contagion" sieht Gwyneth Paltrows Filmfigur, die in Chicago auf ihren Anschlussflug nach Minneapolis wartet, ziemlich mitgenommen aus. Zu Hause verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand rapide - als sie schließlich einen epileptischen Anfall erleidet und ins Krankenhaus muss, können die Ärzte ihr Leben nicht mehr retten. Ausgelöst wurde die tödliche Krankheit von einem bislang unbekannten Virus, der sich schnell global ausbreitet. Von dieser Ausgangslage aus entspinnt Regisseur Steven Soderbergh ein halbes Dutzend Episoden, die das private wie öffentliche Katastrophenmanagement im Zuge der folgenden Pandemie aus mehreren Perspektiven schildern: Die Arbeit der WHO und anderer Krisenmanager, die nach einem Gegenmittel und dem Ursprung des Virus suchen, und die Manöver von Politik und Militär spielen dabei eine wesentliche Rolle. Aber auch Privatpersonen wie ein von Matt Damon gespielter Vater, der seine Tochter verzweifelt vor einer Ansteckung schützen will, webt Soderbergh in sein Panorama.
Von Christian Horn.

The Counselor
El Paso, Texas: Eigentlich führt der "Counselor" (Michael Fassbender), ein Anwalt ohne Namen, inmitten der Armut an der mexikanischen Grenze ein Leben auf der Überholspur. Frisch mit seiner zauberhaften Geliebten Laura (Penélope Cruz) verlobt und materiell mehr als abgesichert, könnte der erfolgreiche Mann im Grunde zufrieden sein. Doch der Counselor will noch mehr Luxus. Also leiert er in Kooperation mit dem extravaganten Reiner (Javier Bardem), der mit seiner verruchten Gespielin Malkina (Cameron Diaz) in einer pompösen Villa lebt, einen gewinnträchtigen 20-Millionen-Dollar-Drogendeal an. Doch schon bald führt eine Verkettung von Zufällen, die der Counselor nicht zu verantworten hat, zum Platzen der Aktion. Von nun an befindet sich der Anwalt in höchster Lebensgefahr, was ihm der plötzlich auftauchende "Problemlöser" Westray (Brad Pitt) mehr als verdeutlicht. Wie eine Ratte in der tödlichen Falle strampelt der Counselor um sein Leben.
Von Christian Horn.

13 Semester
Die Zeit an der Universität ist wahrlich nicht nur zum Pauken da. Momo zum Beispiel, der Protagonist des Debütfilms "13 Semester", findet während seines BWL-Studiums nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu seiner Traumfrau. Er feiert Partys, lernt neue Freunde und das Leben kennen, scheitert ein ums andere Mal und steht nach mehr oder weniger langen Durchhängern immer wieder auf. Kurzum: Er durchlebt einen Reifungsprozess.
Regisseur Frieder Wittich erzählt diese klassische Coming-of-Age-Geschichte in einer episodisch angelegten, der Chronologie der Hochschul-Semester folgenden Komödie - von der Wohnungssuche in Darmstadt bis zur Diplomprüfung. Elliptisch werden die jeweils wichtigsten Ereignisse eines Halbjahres bilanziert, wobei die hübsche Studentin Kerstin (Claudia Eisinger) immer wieder einen Fixpunkt bildet, ist unser Protagonist Momo (Max Riemelt) doch über alle Maßen in sie verschossen.
Von Christian Horn.

Ein Mann von Welt
In der ersten Szene kehrt Ulrik (Stellan Skarsgard) nach zwölf Jahren Gefängnis in die Freiheit zurück - der Protagonist wird, so hat es Christian Petzold einmal in Bezug auf eine Gefängnisentlassung als Filmauftakt formuliert, vom Kino geboren. Doch so zögerlich wie Ulrik vom Gefängnistor in die karge Landschaft blickt, scheint ihm die neue Freiheit nicht sonderlich zu gefallen: "Schau nach vorne!" ruft ihm ein Aufseher zu, doch Ulrik wendet den Blick unsicher nach hinten in den Gefängnishof. Dazu passt auch, dass er als erstes seine Gangster-Kumpanen von früher aufsucht. Ein Mord aus Eifersucht brachte ihn in den Knast, nun soll der verräterische Hauptzeuge dafür zahlen - zumindest will das Ulriks alter Boss Jensen (Björn Floberg), der stets in Begleitung seines lächerlichen Adjutanten Rolf (Gard Eidsvold) auftritt. Ulrik hingegen scheint nicht so recht zu wissen, was er will.
Von Christian Horn.

El Bulli - Cooking in Progress
Der spanische Spitzenkoch Ferran Adria, Betreiber des weltberühmten Drei-Sterne-Restaurants El Bulli, versteht ein Menü als eine Abfolge von Sequenzen, die einer gewissen Dramaturgie unterliegen. Alles ist möglich, sofern es nicht bereits bekannt ist. Ob sich nun die Ravioli von selbst auflösen oder der Kellner einen Cocktail aus Wasser, Haselnussöl und Salz serviert - Ferran Adria will die Besucher immer wieder neu überraschen und seinen Menüs auf diese Weise eine emotionale Komponente verleihen. Nicht umsonst empfindet er das El Bulli als Avantgarde-Restaurant.
Um neue Gerichte für die Saison zu entwerfen, schließt das Lokal in den Wintermonaten seine Türen. In dieser Zeit experimentieren Adria und ein gutes Dutzend Köche in einer Kochwerkstatt in Barcelona, notieren ihre Ergebnisse in ausufernden Listen, schießen Fotos aller Entwicklungsstadien und nähern sich schrittweise den neuen Menüs an.
Von Christian Horn.

Die etwas anderen Cops
Es beginnt mitten in einer actionreichen Verfolgungsjagd, bei der Dwayne Johnson und Samuel L. Jackson zwei herrlich übertriebene NYPD-Supercops geben. In Zeitlupe durch die Luft wirbelnd machen sie die Ganoven mit leichter Geste unschädlich, bevor sie sich im Präsidium standesgemäß feiern lassen. Und da sitzen sie, im Hintergrund am Schreibtisch: Allen Gamble (Will Ferrell) und Terry Hoitz (Mark Wahlberg), die etwas anderen Cops. Gamble ist mit dem Schreibtischjob völlig zufrieden, Hoitz hingegen wurde strafversetzt, weil er versehentlich einen beliebten Baseball-Spieler niederschoss, und will am liebsten wieder raus in den richtigen Streifenalltag. Seine Chance kommt, als die Supercops Jackson und Johnson während einer zweiten Verfolgungsjagd in maßloser Selbstüberschätzung von einem Hochhaus springen - und dabei kläglich zu Tode kommen. Gemeinsam mit seinem unfreiwilligen Partner Allen macht sich Hoitz an die Aufdeckung eines Finanzskandals.
Von Christian Horn.

The 5th Commandment
Mit "The 5th Commandment" legt Regisseur und Stuntman Jesse V. Johnson einen Actionfilm vor, der in Stil und Umsetzung zwischen Black- und Asiaploitation mäandert: Hip Hop-Musik und afroamerikanische Muskelmänner treffen auf asiatische Kampfkunst und laszive Chinagirls. Figurenzeichnung und Story treten derweil stark in den Hintergrund und müssen erschreckend öde inszenierten Actionszenen in Form von Schusswechseln und Martial Arts-Kämpfen Platz machen.
Der Plot ist Mittel zum Zweck: Ein kleiner chinesischer Junge muss die brutale Ermordung seiner Familie mit ansehen. Im letzten Moment wird er vom ehrenhaften Auftragskiller Max (Keith David) gerettet, der ihn unter seiner Fittiche nimmt. Unter dem Namen Chance Templeton (Rick Yune) wächst der Junge zur Kampfmaschine heran, zum besten Profikiller aller Zeiten, für den Ehre und Treue alles bedeuten.
Ohne Charme, Spannung und Raffinesse reiht Jesse V. Johnson lauwarme Actionszenen lieblos aneinander, verharrt in einer schlichten Nennung seiner Themen (wie Ehre, Glaube, Freundschaft) und zeichnet Figuren, deren Handlungen und Gefühle jederzeit Fassade bleiben.
Von Christian Horn.

Glück
Zwei junge Menschen, die auf je eigene Weise abseits der gesellschaftlichen Norm leben, finden in Doris Dörries Liebesgeschichte glücklich zusammen. Irina (Alba Rohrwacher) floh vor einem Bürgerkrieg aus ihrem osteuropäischen Heimatland und schlägt sich ohne Aufenthaltsgenehmigung in Berlin als Prostituierte durch. Der Berliner Punker Kalle (Vinzenz Kiefer) hingegen ist aufgrund familiärer Probleme von zu Hause abgehauen und schnorrt sich mit seinem Hund auf der Straße durch. Im Grunde fehlt beiden die Perspektive fürs weitere Leben, zumal sie auf der Welt scheinbar niemanden als sich selbst haben. Was sowohl Irina als auch Kalle abhanden gekommen ist, darauf verweist bereits der Titel: Es ist das Lebensglück. Ein Glück also, dass die Außenseiter auf den Berliner Straßen zueinander finden und eine große Liebe ihren Anfang nimmt, die beide vor ihren Lebensproblemen rettet.
Von Christian Horn.

Good Bye, Lenin!Good Bye, Lenin!
"Good Bye, Lenin!" wurde zu dem Film über Mauerfall und Wiedervereinigung schlechthin. Darüber hinaus war er der deutsche Kinohit des Jahres 2003, der international ebenfalls erfolgreich vermarktet werden konnte. In ihm bekommt eine Frau (Katrin Saß) Mauerfall und Wiedervereinigung nicht mit, sie darf sich als ostdeutsche Kommunistin nach einem Herzinfarkt nicht aufregen. Also verheimlicht ihr Sohn (Daniel Brühl) ihr die Ereignisse der Wende.
"Good Bye, Lenin!" ist eine Tragikomödie, die herzensgut ist. Eine Botschaft sucht man in ihr vergebens, außer, dass der Film Nächsten- und die Liebe eines Kindes zur Mutter thematisiert. Man verzeiht dem Film seine fast 100-prozentige Anspruchslosigkeit; dafür sind die Ideen der Filmemacher zu originell und die Schauspieler zu gut, die in ihren Rollen aufgehen. Kritik äußert "Good Bye, Lenin!" nur einmal: in der Darstellung eines Menschen, der durch die Ereignisse zum Verlierer wird.
Von Michael Dlugosch.
Foto: X-Verleih


Der große Diktator
Dieser Film ist die große künstlerische Abrechnung Charlie Chaplins mit dem fast auf den Tag gleichaltrigen Diktator Hitler (Geburtstage 16. bzw. 20. April 1889) auf der anderen Seite des Ozeans, der ihm - so möchte man fast meinen - seinen Schnurrbart nachgemacht hat. Es ist der erste Dialogfilm Chaplins und neben "Moderne Zeiten" sein größter Erfolg: 5 Millionen Dollar Einnahmen! Der Film hat zwei Handlungsstränge, und die beiden Hauptpersonen werden beide von Chaplin selbst gespielt. In der ersten Handlung ist er ein namenloser jüdischer Friseur, nennen wir ihn Charlie - der sich im Ersten Weltkrieg tölpelig anstellt, mit dem Flugzeug abstürzt und sein Gedächtnis verliert. Er wohnt später in einem jüdischen Ghetto in Tomania, im Reich des Diktators Hynkel, mit dem eindeutig Hitler gemeint ist. Er schlägt sich so durch, findet auch eine Frau, wehrt sich gegen Übergriffe der sogenannten "Sturmtruppen". Zufällig gerät er in eine Widerstandsgruppe, kommt ins KZ, bricht aber wieder aus. Und jetzt gibt es eine folgenschwere Verwechslung: Diktator Hynkel ist bei einer Entenjagd ins Wasser gefallen und wird als Ausbrecher aus dem Wasser gezogen, wohingegen Charlie, der Friseur im Triumphzug nach Osterlich (= Österreich) geleitet wird. Am Schluss hält er als Hynkel eine pazifistische Rede, in der er zur Völkerfreundschaft aufruft.
Von Manfred Lauffs.

Der große Navigator
Die Stuttgarter Regisseurinnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler begleiten in ihrem Dokumentarfilm "Der große Navigator" einen schwäbischen Missionar bei seiner Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Dokumentarfilm über einen in Ostdeutschland tätigen Missionar? darf man sich an dieser Stelle zu Recht fragen. Doch der Film funktioniert ganz hervorragend und geht die Thematik des christlichen Glaubens mit einer ordentlichen Prise Humor an - ohne den arg aus der Zeit gefallenen Protagonisten lächerlich zu machen.
"Der große Navigator" beginnt mit der Autofahrt, die den überzeugten Missionar Jakob Walter vom Schwarzwald in seine neue Heimat Neubrandenburg führt. Auf der Suche nach einem "real existierenden Realismus" begleiten sie ihn bei alltäglichen Tätigkeiten jeder Art und zeigen ihn in der missionarischen Interaktion mit Menschen auf der Straße, die er gerne in Gespräche über Glauben und Gott verwickelt.
Von Christian Horn.

Die große Sause
Eine der erfolgreichsten Filmkomödien ist 2016 nach 50 Jahren in überarbeiteter Fassung wieder in die französischen Kinos gekommen: "Die große Sause" mit Louis de Funès und Bourvil in den Hauptrollen.
Die Handlung spielt im Zweiten Weltkrieg, 1942 in Paris, während der Besatzung Frankreichs durch Nazideutschland. Ein britischer Bomber wird von den Deutschen abgeschossen, und die drei Piloten landen mit ihren Fallschirmen an verschiedenen Orten in der Hauptstadt. Cunningham (Claudio Brooke) trifft auf den Malermeister Auguste Bouvet (Bourvil), sie retten sich vor den Deutschen in die Wohnung der Puppenspielerin Juliette (Marie Dubois). MacIntosh (Mike Marshall) landet auf dem Dach der Pariser Oper und begegnet dem Dirigenten Stanislas Lefort (Louis de Funès). Beide Engländer wollen zusammen mit ihrem Kommandanten Sir Reginald Brook (Terry-Thomas) in die "freie Zone" (den von der Wehrmacht nicht besetzten Teil Frankreichs) fliehen, um von dort aus nach Großbritannien zu gelangen.
Von Manfred Lauffs.

Das Hochzeitsvideo
Die Aufforderung "Mach die Kamera aus!" bekommt Daniel (Martin Aselmann) regelmäßig zu hören, während er die Hochzeitsvorbereitungen seines Kumpels Sebastian (Marian Kindermann) und dessen Freundin Pia (Lisa Bitter) mit einer Kamera filmt. Denn natürlich, wie sollte es auch anders sein, verlaufen die Vorbereitungen mitsamt Junggesellenabschied und Hochzeitsfeier in Sönke Wortmanns neuer Komödie "Das Hochzeitvideo" alles andere als reibungslos: Hier trifft nicht nur die adelig-konservative Familie des Bräutigams auf den chaotischen Patchwork-Anhang der Braut, sondern zu allem Überfluss platzt auch noch Pias bislang verheimlichter Macho-Exfreund Carlos in die Hochzeitsgesellschaft, der als Pornodarsteller den beunruhigenden Beinamen "die Keule" trägt... Doch allem Trubel zum Trotz hält Daniel wacker mit der Kamera drauf und dokumentiert auch die unschönen Ereignisse für die Nachwelt beziehungsweise das Kinopublikum.
Von Christian Horn.

Hundert Nägel
Ermanno Olmi zählt zu den Altmeistern des italienischen Kinos. Nach einer Reihe von Kurz-Dokumentationen inszenierte er 1959 seinen ersten Spielfilm - fast fünfzig Jahre später legt er mit "Hundert Nägel" (aus dem Jahr 2007) seinen letzten fiktionalen Film vor, um fortan ausschließlich dokumentarische Arbeiten zu realisieren. Eine große Bürde lastet also auf dem Film, soll er doch ein filmisches Werk abschließen, das sich beinahe über ein halbes Jahrhundert erstreckt. Schon allein durch diese Funktion erhält Ermanno Olmis letzter Spielfilm ein starkes Gewicht, das durch die Wahl des Stoffs noch verstärkt wird.
Hundert wertvolle Original-Manuskripte einer ehrwürdigen Universitätsbibliothek wurden über Nacht mit Zimmermannsnägeln auf den Boden genagelt. Der Täter, ein junger Professor der Philosophie, flieht, restauriert am Ufer des Po eine verfallene Hütte und tritt als eine Art moderner Jesus mit den dortigen Anwohnern in Kontakt. Von nun an ist "Hundert Nägel" eine symbolisch überladene Parabel über die Natur des Menschen.
Von Christian Horn.

I Killed My Mother
Zu Beginn der Vorstellung mochte ich "I Killed My Mother" nicht so recht und sammelte im Hinterkopf die Eckpfeiler einer mäkeligen Kritik: Auf den allgemeinen Manierismus wollte ich verweisen, auf die fehlende Substanz und die gestelzt artifiziellen Bilder. Kurze Zweifel an diesem vorschnellen Urteil blitzten recht bald auf - dann hatte Xavier Dolan, der junge Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler aus Kanada, meine Einwände zerstreut. Was für ein Debüt! Aber der Reihe nach.
Mit siebzehn Jahren schrieb Xavier Dolan das semi-autobiografische Drehbuch für sein Erstlingswerk, das von einer zerrütteten Mutter-Sohn-Beziehung handelt - mit neunzehn Jahren machte er das zuweilen komische Drama "I Killed My Mother" daraus, das beim Filmfestival in Cannes Premiere feierte und auf breite positive Resonanz stieß - mit einundzwanzig Jahren, mittlerweile existiert mit "Heartbeats" ("Les amours imaginaires") eine zweite Regie-Arbeit Dolans, gilt er unter Cineasten als Hoffnungsträger seiner Zunft.
Von Christian Horn.

Der Kaufhaus Cop
Kevin James dürfte vielen aus der charmant-komischen Sitcom "King of Queens" bekannt sein. Nun steht er wieder einmal in einem Kinofilm vor der Kamera, der Actionkomödie "Der Kaufhaus Cop" von Steve Carr. Und stemmt den Film im Alleingang. Es geht los wie bei einer typischen Romantic Comedy: Der alleinstehende, übergewichtige Kaufhaus-Wachmann Paul Blart (Kevin James) verguckt sich in die attraktive Verkäuferin Amy (Jayma Mays), observiert sie per Überwachungskamera und unternimmt recht unbeholfene Flirtversuche, die wunderlicherweise fruchten. Wo sich nun eine Liebesgeschichte mit Pannen, Hindernissen, dramatischer Trennung und glücklicher Wiedervereinigung anschließen würde, beschreitet "Der Kaufhaus Cop" andere Wege: Gangster nehmen die Mall in Beschlag und Paul Blart tritt gegen die Übermacht an. Die romantische Komödie wird zur Actionkomödie.
Von Christian Horn.

Der kleine Rabe Socke
Als Kinderbuch und mit einer eigenen Fernsehserie sowie Teil des "Sandmännchens" konnte der kleine Rabe Socke bereits Erfolge verbuchen. So ist es nur konsequent, dass der kesse Vogel mit der rot-weißen Ringelsocke am linken Fuß nun einen eigenen Kinofilm bekommt. Die Verfilmung von Ute von Münchow-Pohl ("Kleiner Dodo") und Sandor Jesse ("Meister Eder und sein Pumuckl") greift dabei nicht auf eine bereits vorhandene Geschichte zurück, sondern entwirft ein eigenes Abenteuer des Raben und seiner Freunde.
Beim Spielen mit dem Wildschwein Stulle beschädigt Socke (Stimme: Jan Delay) den Staudamm, der sein Dorf schützt - peu a peu flutet nun ein immer größer werdendes Rinnsal die Gegend. Um das Schlimmste abzuwenden, begibt sich Socke mit dem ängstlichen Schaf Wolle und dem Bären Eddi auf die Suche nach den Bibern, die den Damm einst bauten und die nötigen Ausbesserungen vornehmen könnten.
Von Christian Horn.

Das Lied in mir
Buenos Aires aus der Draufsicht: Während die Kamera langsam über die Straßen und Häuserdächer der argentinischen Hauptstadt fliegt, ziehen kreisförmige Wellen durchs Bild. Das Motiv des Wassers spielt auch im weiteren Verlauf von Florian Cossens Regiedebüt "Das Lied in mir" eine zentrale Rolle, vor allem in seiner symbolischen Bedeutung als Tiefe des Unterbewussten. Die Wellen aus dem Vorspann verweisen darauf, dass irgendwo unter der Oberfläche ein Geheimnis verborgen liegt, das wie ein Stein im Wasser versenkt wurde und nun aus dem tiefsten Unterbewussten hervorbricht.
Zu Beginn der Handlung fungiert ein spanisches Kinderlied als eine Art Deus ex machina. Die 31-jährige deutsche Profi-Schwimmerin Maria (Jessica Schwarz) hört es zufällig, als sie am Flughafen von Buenos Aires auf einen Anschlussflug wartet. Die junge Frau reagiert ungewöhnlich heftig auf das Lied: Obwohl Maria kein Spanisch spricht, kommen ihr Text und Melodie bekannt vor.
Von Christian Horn.

Männer im Wasser
Als Fredrik (Jonas Inde) und seine Kumpels - allesamt mittendrin in der Midlife Crisis - zum wöchentlichen Hockey-Training in der dafür angemieteten Sporthalle auflaufen, erleben sie eine böse Überraschung: Anstelle der alternden Männer soll hier nun eine Gruppe junger Frauen Hockey spielen. Ein spontanes Duell um das Hallenvorrecht entscheiden die weiblichen Eindringlinge klar für sich - das auch noch! Als würde das Schicksal Fredrik nicht schon hart genug in die Mangel nehmen: Seine Ehe ist im Eimer, das Verhältnis zur 16-jährigen Tochter problembehaftet und noch dazu hat er seinen Job als Sportredakteur verloren. Doch so schnell gibt ein Mann im besten Alter nicht auf. Aus einem Spaß bei einem Junggesellenabschied entwickelt Fredrik die Idee, seine Jungs bei der ersten männlichen Synchronschwimm-Weltmeisterschaft seit hundert Jahren an den Start zu bringen. Aber auch dieser Plan kann nicht reibungslos in die Tat umgesetzt werden.
Von Christian Horn.

Monsters (2010)
Wie teuer die Produktion von "Monsters" letzten Endes wirklich war, kann wohl kaum noch ermittelt werden. Der in der IMDB aufgelistete Schätzwert von 200.000 US-Dollar trifft das Budget vermutlich eher als die legendären 15.000 Dollar, die bisweilen durchs Internet geistern. Fest steht jedenfalls, dass "Monsters" mit einem sehr schmalen Budget realisiert wurde, was man dem fertigen Film, dessen Look die Vergleiche mit großen Hollywood-Produktionen nicht zu scheuen braucht, so gut wie gar nicht ansieht. Seinen Hype auf dem Fantasy Filmfest hat der Science-Fiction-Film - wie noch jede ansehnliche und effektvolle Low-Budget-Produktion - wohl vor allem seiner Budgetfrage zu verdanken, doch auch davon abgesehen bietet "Monsters" einiges an Mehrwert.
Kino-Debütant Gareth Edwards, der neben der Regie auch die Kameraarbeit übernahm, das Drehbuch schrieb und die visuellen Effekte an seinem Heimcomputer entwickelte, legt mit "Monsters" einen beachtlichen Low-Budget-Film vor.
Von Christian Horn.

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden
Im Jahr 1943 mischen die USA längst im Zweiten Weltkrieg mit. Doch der US-Kunsthistoriker Frank Stokes (George Clooney) sorgt sich nicht nur um die vielen Menschenleben, die der Krieg fordert, sondern auch um die zahlreichen Kunst- und Bauwerke, die bei Bombardements und Feuergefechten zu Klump gehen oder in den Besitz der räuberischen Nazis fallen. Also unterbreitet Stokes seinem Präsidenten Roosevelt einen tollkühnen Plan: Er möchte eine Truppe aus Kunstkennern nach Europa bringen, um verlorene Kunstwerke zu retten und die Zerstörung weiterer Exponate zu verhindern - die sogenannten Monuments Men.
Wie in einem Heist-Movie der Marke "Ocean's Eleven" rekrutiert Stokes sieben glorreiche Männer mit Spezialfertigkeiten, darunter einen Architekten (Bill Murray), einen Museumsleiter (Matt Damon) und einen Bildhauer (John Goodman), einen britischen Trunkenbold (Hugh Bonneville), einen stolzen Franzosen (Jean Dujardin) und einen deutschstämmigen Gefreiten (Dimitri Leonidas), der als Dolmetscher fungiert.
Von Christian Horn.

Müdigkeitsgesellschaft - Byung-Chul Han in Seoul/Berlin
Isabella Gresser montiert in diesem Film die Bilder so, dass ein fremdartiges Zeiterleben entsteht, in dem die Philosophie und das Leben Byung-Chul Hans erzählt werden.
Auf einer Bahnbrücke in Berlin zitiert der Philosoph den Anfang von Wim Wenders' Film "Der Himmel über Berlin", den er auswendig kann: "Als das Kind Kind war ..." und expliziert damit eine wichtige Folie für die Bildsprache der Dokumentation über ihn. Denn deren Aufnahmen wechseln anmutig und naturwüchsig, fast unbemerkt, zwischen Schwarz und Weiß, in Wenders' Film Zeichen der Unterscheidung des Lebens von Engeln und Menschen. Hier das Wandern Hans zwischen seiner Wahlheimat Berlin und seiner Herkunft Korea/Seoul in der Außenwelt. In der Innenwelt das Schweben zwischen einer utopischen Stille als einer Materie der erzählten Welt, die Han auf Friedhöfen findet, in Tempeln, in Trödelläden, wo die Dinge nicht weggeschmissen werden, sondern ihren Platz für die Ewigkeit gewährt bekommen, in den Texten Peter Handkes und als zweiter antagonistischer Materie den dystopischen Visionen und Analysen der faktischen Verhältnisse einer Gesellschaft, in der wir im Glauben frei zu sein uns immer leidenschaftlicher selbst ausbeuten und entblößen.
Von Simon Probst.

Oh BoyOh Boy
In den Tag hinein treiben kann Niko Fischer (Tom Schilling) besonders gut. Sein Jurastudium hat der junge Mann Ende Zwanzig schon vor rund zwei Jahren an den Nagel gehängt, lebt aber weiterhin von den monatlichen 1000-Euro-Überweisungen seines Vaters. Als dieser vom Studienabbruch seines Sohnes erfährt, stellt er die finanzielle Unterstützung ein und schmeißt Niko ins kalte Wasser. An einem Tag und einer Nacht in seiner Heimatstadt Berlin trifft der Gebeutelte einige merkwürdige Menschen wie einen blasierten Psychologen, eine fast vergessene Schulkameradin oder humorlose U-Bahn-Kontrolleure. Ohne sein Zutun stolpert Niko in skurrile Situationen am Straßenrand und gewinnt schlussendlich - zumindest für den Moment - eine andere Perspektive auf sein Leben.
Es ist ohne Frage Tom Schilling, der "Oh Boy" im Innersten zusammenhält. Als Bindeglied zwischen den einzelnen Episoden, als gereifter Schauspieler und als Prototyp einer Generation desorientierter Großstädter in ihren Zwanzigern ist der Hauptdarsteller das Zentrum des Debütfilms.
Von Christian Horn.
Foto: X-Verleih


Paul - Ein Alien auf der Flucht
Zwei befreundete Bilderbuch-Nerds brechen aus dem Vereinigten Königreich nach San Diego auf, um die Comic-Con zu besuchen; im Anschluss unternehmen sie per Wohnmobil eine Reise durch Amerika und steuern die berühmtesten Orte von UFO-Sichtungen an. Kaum unterwegs werden sie Zeugen eines Autounfalls und trauen ihren Augen kaum, als mit Paul ein grünes Marsmännchen aus dem Unfallwagen steigt! Paul, der seit dem Roswell-Zwischenfall in der Area 51 residiert, ist auf der Flucht und bittet die Nerds um Unterstützung.
Simon Pegg und Nick Frost, bekannt aus "Shaun of the Dead", spielen die beiden Nerds, während kein Geringerer als Seth Rogen dem charismatischen Alien seine Stimme leiht (hierzulande übernimmt Bela B. Felsenheimer den Part). Das von Greg Mottola ("Superbad") inszenierte Drehbuch stammt ebenfalls von Pegg und Frost.
Von Christian Horn.

Das Schweigen
Der Film "Das Schweigen" (1963) des berühmten schwedischen Regisseurs Ingmar Bergman gilt als Klassiker. Bergman selbst bezeichnete ihn als "klein". Falsch lag er mit der Einschätzung nicht. "Das Schweigen" ist passabel inszeniert, doch nicht der Filmklassiker schlechthin. Die Kommunikationslosigkeit, das Aneinander-Vorbeireden zweier Schwestern, die sich erst unterschwellig, später sehr offen hassen, ist thematisiert. Der Filmemacher nannte den Film eine Parabel über den "Zusammenbruch von Lebensverhältnissen" und erklärte ihn nachträglich zum dritten Teil einer Trilogie, die mit "Wie in einem Spiegel" (1960) begann und mit "Licht im Winter" (1961) ihren Mittelteil fand. In den drei Filmen geht es um den Glauben an Gott, aber in das "Das Schweigen" wird das Verhältnis der Menschen zu ihm lediglich angeschnitten. Gerade mal ein Gespräch der Schwestern handelt vom verstorbenen Vater, der für Gott steht. Pastorensohn Bergman müht sich in seinem Film an der Glaubenskrise ab.
Von Michael Dlugosch.

Shotgun Stories
Eine Szene von "Shotgun Stories" zeigt Bahngleise, die den Eindruck vermitteln, als habe sie seit der Eroberung des amerikanischen Westens kein Zug mehr befahren. Auch die namenlose, staubige Kleinstadt nicht unweit der Gleise hinterlässt diesen Eindruck. In dieser trostlosen und ursprünglichen Szenerie inszeniert Regisseur Jeff Nichols seinen so präzise wie einfach gestalteten Rache-Thriller, der sich für den fatalen Mechanismus von Gewalt und Gegengewalt interessiert. Die Brüder Son, Boy und Kid Hayes wurden als Kinder von ihrem lieblosen Vater verlassen, der daraufhin - nun gläubiger Christ - auf einer Farm nahe der Stadt eine neue Familie mit vier Söhnen gründete. Seit jeher schwelt ein Konflikt zwischen den Familien, der auf der Beerdigung des gemeinsamen Vaters eskaliert: Son (Michael Shannon), der älteste der drei Verstoßenen, bespuckt den Sarg des Toten und löst damit eine scheinbar unaufhaltbare Gewaltspirale aus.
Von Christian Horn.

Splice - Das Genexperiment
Elsa (Sarah Polley) und Clive (Adrien Brody) arbeiten in einem Gentechniklabor, das den Namen "Nucleic Exchange Research & Development" (N.E.R.D.) trägt. Ein neuer Durchbruch des so ehrgeizigen wie genialen Paares wird quasi hinfällig, als zwei der von ihnen geklonten, wurmähnlichen Wesen sich während einer Presseschau buchstäblich zerfetzen. Der geplanten Kreuzung von menschlichen und pflanzlichen Genen schiebt die Firmenleitung daher einen Riegel vor. In einem abgelegenen Teil des Labors realisieren die Wissenschaftler ihren Plan dennoch - und er gelingt. Was zunächst wie ein schleimiger Nacktmull und kurz darauf wie Gollum aussieht, entwickelt sich rasch zu einem weiblichen Wesen (Delphine Chanéac), das zwar einen Schwanz mit Giftstachel schwingt, aber doch irgendwie ansehnlich ist. Wer sich allerdings über ethische Fragen so kühn hinwegsetzt wie Elsa und Clive, muss (zumindest in der Fiktion) meistens nicht lange auf die Rechnung warten.
Von Christian Horn.

Summer Wars
Zwei Welten treffen in "Summer Wars" aufeinander: die virtuelle Internet-Community Oz und die reale Welt. Der Anime von Mamoru Hosoda stellt eine nahe Zukunft vor, in der die Kommunikation und Geschäftsabwicklung via Internet zum absoluten Standard geworden ist. Der 17-jährige Schüler Kenji, ein Mathe-Genie, verdient in den Sommerferien etwas Geld, indem er das System von Oz wartet. Doch dann bietet ihm die schöne Natsuki einen viel spannenderen Job an: Kenji soll sie zu einem Familientreffen auf dem Land begleiten. Kaum angekommen fällt der schüchterne Junge aus allen Wolken, als Natsuki ihn ohne vorherige Absprache als ihren Verlobten vorstellt. Es dauert jedoch nicht lange, bis sich ein neues Problem einstellt: In der Vermutung es sei nur ein Spiel, knackt Kenji über Nacht einen Zahlencode, der ihm als Textnachricht aufs Handy zugesandt worden ist. Schon am nächsten Tag macht sich in der virtuellen Parallelwelt Oz Chaos breit. Ein mysteriöser Avatar namens Love Machine konnte ins System eindringen und stiftet dort Unruhe - der von Kenji entschlüsselte Code war das höchste Sicherheitspasswort von Oz.
Von Christian Horn.

Die 1000-Euro-Generation
Wer heute eine Berufsausbildung oder einen Universitätsabschluss in der Tasche hat, auf den warten meist unbezahlte oder mit einem Taschengeld entlohnte Praktika, befristete Arbeitsverträge oder sonstige prekäre Jobverhältnisse. In Italien trägt die Generation der um die Dreißigjährigen in Anlehnung an das gefühlte Durchschnittseinkommen den Namen 1000-Euro-Generation. Den gleichnamigen Roman von Antonio Incorvaia und Alessandro Rimassa hat Regisseur Massimo Venier 2009 als sympathische Gesellschaftskomödie verfilmt.
Im Zentrum steht der dreißigjährige Matteo (Alessandro Tiberi), ein promovierter Mathematiker, der in der Marketing-Abteilung eines großen Konzerns in Mailand arbeitet und nebenher Vorlesungen an der Universität hält - seine Miete und die weiteren monatlichen Kosten kann der junge Mann dennoch nur mit Ach und Krach aufbringen.
Von Christian Horn.

Die Tribute von Panem - Catching Fire
Rund ein halbes Jahr nach den letzten Hungerspielen, die Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) nur mit Hilfe eines findigen Tricks überleben konnten, müssen die beiden eine Werbetour durch die zwölf Distrikte Panems antreten. Während dieser "Tour der Sieger" erkennt Katniss, dass sie die Hoffnung der unterjochten Bevölkerung auf eine gesellschaftliche Veränderung befeuert. Das entgeht auch dem mächtigen Präsidenten Snow (Donald Sutherland) nicht, der sein totalitäres Regime mit brutaler Härte führt. Von seinem Plan, Katniss und Peeta auszuschalten, weicht der Diktator auf Anraten des neuen Spielleiters Plutarch (Philip Seymour Hoffman) ab und geht weitaus perfider vor: Zur anstehenden 75. Ausgabe der Hungerspiele, dem sogenannten "Jubel-Jubiläum", ändert Snow die Spielregeln und rekrutiert die diesjährigen Tribute aus allen bisherigen Siegern des Medienspektakels - als einzige weibliche Gewinnerin des zwölften Distrikts muss Katniss abermals in die Kampfarena und schwebt erneut in Lebensgefahr.
Von Christian Horn.

21 & Over
Eigentlich muss Chang (Justin Chon) heute früh ins Bett, denn für den morgigen Tag hat ihm sein herrischer Vater ein Vorstellungsgespräch organisiert. Dumm nur, dass seine Jugendfreunde Casey (Skylar Astin) und Miller (Miles Teller) plötzlich unangekündigt vor der Tür stehen, um den 21. Geburtstag ihres alten Kumpels zu begießen. Natürlich sollen es nur ein oder zwei kleine Drinks werden, doch die guten Vorsätze wirft Chang bald über Bord und säuft sich quer durch die Clubs in einen komatösen Zustand. Nun liegt es an den Kumpels, die Wohnung ihres Freundes auf eigene Faust zu finden, damit die Sache mit dem Vorstellungsgespräch glatt geht.
Die besoffene Odyssee der Kumpels dient den Filmemachern für eine Staffette von Stereotypen und pubertären Gags, die sich meist um Sex und Saufen drehen. Die halbgare Nummernrevue bleibt immer zahnlos.
Von Christian Horn.

2 Guns
Der eine ist verdeckter Drogenfahnder, der andere handelt in geheimer Mission für die US-Navy - und beide wissen nichts vom Auftrag des jeweils anderen. Bobby Trench und Michael Stigman (Denzel Washington & Mark Wahlberg) arbeiten nur vermeintlich als Partner für den mexikanischen Drogenbaron Papi Greco (Edward James Olmos), den sie bei nächster Gelegenheit festnageln wollen. Als ein Deal mit dem Gangster platzt, überfällt das Duo kurzerhand eine Bank an der US-mexikanischen Grenze, bei der Papi seine Dollars bunkert. Doch statt der erwarteten 3 Millionen erbeuten Trench und Stigman satte 43 Millionen Dollar, darunter auch Geld, das Papi an die CIA abtreten musste. Schnell haben die Draufgänger nicht nur ihre jeweiligen Auftraggeber auf den Fersen, sondern auch Papis Drogensyndikat und einen sadistischen CIA-Agenten.
Der Isländer Baltasar Kormákur pendelt stetig zwischen Arthouse- und Unterhaltungskino und inszenierte in den letzten Jahren so unterschiedliche Filme wie die schwarze Komödie "101 Reykjavik", den Actionfilm "Contraband" oder das Biopic "The Deep". Die Graphic-Novel-Adaption "2 Guns" gehört definitiv zur Blockbusterkategorie.
Von Christian Horn.

Willkommen bei den Hartmanns
"Das Leichte, das Unterhaltsame, ist schwer zu machen", meint RBB-Intendantin Dagmar Reim und hat Recht. Das gilt insbesondere, wenn es um eine Komödie geht, die ein im Grunde ernstes Thema behandelt, nämlich zum Beispiel die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. Dem schon lange bewährten Regisseur Simon Verhoeven ist das perfekt gelungen, mit seinem 2016 erschienenen Film "Willkommen bei den Hartmanns". Der hatte am Ende des Jahres über drei Millionen Zuschauer erreicht.
Die titelgebende Familie Hartmann, das sind: Chefarzt Richard (Heiner Lauterbach), die ehemalige Lehrerin Angelika (Senta Berger, bekanntlich die Mutter des Regisseurs), Tochter Sofie, 31 Jahre alt, Psychologiestudentin (Palina Rojinski), Sohn Philipp, erfolgreicher Anwalt, in Scheidung lebend (Florian David Fitz), und dessen Sohn Basti, 12 (Marinus Hohmann).
Angelika beschließt, einen Flüchtling aufzunehmen. Vater und Sohn sind strikt dagegen, die Tochter dafür. Schließlich wählen die Eltern in einer Flüchtlingsunterkunft den Nigerianer Diallo (Eric Kabongo) aus. Und aus diesem Schritt erwächst die turbulente Handlung.
Von Manfred Lauffs.

 



© filmrezension.de

    suche   | wap  |  e-mail  |  über uns  |  impressum  


  -->