1. Mai 2003

Die Regeln des Spiels

"End-Of-The-World-Party" am Camden College in New England:
Sean (James van der Beek) fickt eine blasmündige Blondine, die nicht feucht werden will, Paul (Ian Sommerhalder) versucht erfolglos, sich an einen schwul geglaubten Kommilitonen ranzumachen und Lauren (Shannyn Sossamon) wird vergewaltigt, dabei entjungfert und schließlich bekotzt.
Der Schock beim Zuschauer sitzt tief, wenn ihm die Protagonisten des Films innerhalb fünf Minuten schonungslos vorgestellt werden. Roger Avarys Verfilmung des Kultbuches "Einfach unwiderstehlich" von Bret Easton Ellis stellt den nur von Drogen, Sex und Party bestimmten Alltag dreier Studenten dar, dies kostet Menschenleben.

Die Regeln des Spiels Mit immer brutaleren Bildern, die schneller und schneller über die Leinwand zu hetzen scheinen, hat Roger Avary einen Film geschaffen, der die Leere einer Jugend und deren Kompensation durch das Lebensmotto "Rock'n Roll" kaum besser darstellen könnte. Wenn Sean sich selber einen "Vampir" nennt, ohne Rücksicht auf Verluste nur an den nächsten Quickie denkt, Liebesbriefe ihm als Pornoersatz dienen und er Lauren zu lieben meint, weil sie nicht für ihn zu haben ist, drückt dies die Konsequenzen eines von der Spaß- und Konsumgesellschaft gesteuerten Lebens aus. Die Jugendlichen sind sich einig: "Niemand wird einen anderen richtig kennenlernen"!

Die Regeln des Spiels Jede Szene des Films scheint ihre Berechtigung zu haben, denn die schonungslose Konfrontation mit der Welt des ausnahmslosen Egozentrismus erzeugt eine unendliche Leere im Zuschauer. Das filmische Mittel des Stops in einer Szene und dem anschließenden Rücklauf zum Anfangspunkt des Geschehens wird genutzt, um die Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen. Sinnvoll erscheint diese Technik vor allem auch deshalb, da man hierdurch die Idee ausspielen kann, wie eine Situation anders hätte verlaufen können. Die Dokumentation der Europareise des Studenten Victor wird im Telegrammstil mittels Bild und Wort erzählt: Ecstasy, Sex und ein wenig Kultur.

Die Regeln des Spiels Unklar bleibt dennoch, ob es wirklich notwendig ist, das Thema der emotionalen Leere in einem 110-minütigen Film auszubreiten, zumal es der Regisseur kaum schafft, den voyeuristischen Blickwinkel zu verlassen. Der Gegenstand des Filmes wurde bereits in Filmen wie "Kids", "Baise-moi" oder auch "Uhrwerk Orange" behandelt und "Die Regeln des Spiels" schafft nicht viele neue Perspektiven. Die Schnitttechnik von Sharon Marie Rutter als Mittel der Erzählung und auch der Jungschauspieler James van der Beek mit seinem scheinbar alles aufsaugenden Blick begeistern. Dennoch fehlt dem Handlungsstrang ein gewichtiger Hintergrund, der all die Perversion und Brutalität rechtfertigt.  

Constanze Frowein / Wertung: * * (2 von 5)

Quelle der Fotos: Concorde Filmverleih


Filmdaten

Die Regeln des Spiels
(The Rules of Attraction)

USA 2002
Regie: Roger Avary;
Kamera: Robert Brinkmann; Schnitt: Sharon Marie Rutter; Musik: Tomandandy; Songs u.a. von The Cure, Erasure, Deborah Harry, George Michael, P.I.L., Der Wolf, Yazoo; Produktion: Kingsgate Films; Darsteller: James Van Der Beek ("Scary Movie", "Jay und Silent Bob schlagen zurück"; Sean Bateman), Ian Somerhalder ("Das Haus am Meer"; Paul Denton), Shannyn Sossamon ("Ritter aus Leidenschaft", "40 Tage und 40 Nächte"; Lauren Hynde), Jessica Biel (Lara), Kip Pardue ("Driven", "Gegen jede Regel"; Victor), Thomas Ian Nicholas ("American Pie"-Filme; Mitchell), Kate Bosworth (Kelly), Fred Savage (Marc), Eric Stoltz ("Killing Zoe", "Pulp Fiction"; Mr. Lance Lawson), Clifton Collins Jr. ("Traffic"; Rupert), Faye Dunaway (Mrs.Denton), Swoosie Kurtz (Mrs. Jared) u.a.

Länge: 110 Minuten; FSK: ab 16 Jahren.



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe