09.08.2019

Yesterday (2019)


Yesterday (2019): Filmplakat Auf diesem surrealen Beginn beruht die Story des Films "Yesterday": Der erfolglose britische Sänger Jack Malik (Himesh Patel) wacht nach einem universalen Stromausfall und einem dadurch bedingten Fahrradunfall im Krankenhaus aus dem Koma auf. Als er wenig später seinen Freunden das Lied "Yesterday" vorsingt, finden sie das Lied ganz toll. Keiner aber weiß, dass es von den Beatles stammt. Jack kann das zunächst nicht glauben. Er schaut bei Google nach: Fehlanzeige! Es gibt dort nur "beetle" (= Käfer). Wir Zuschauer müssen uns jetzt vorstellen: eine Welt ohne die legendären Pilzköpfe! Das ist eine ebenso einfache wie geniale Idee, aus der eine wunderbare, lustige, durchweg unterhaltsame Musical-Komödie entsteht. Die verdanken wir der kongenialen Zusammenarbeit von Regisseur und Oscarpreisträger Danny Boyle ("Trainspotting", "Slumdog Millionär") und Drehbuchautor Richard Curtis ("Notting Hill", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall") sowie den hervorragenden Schauspielern.

Yesterday (2019): Himesh Patel, Ed Sheeran Nachdem der Singer-Songwriter Ed Sheeran – der sich selbst spielt – auf Jack aufmerksam geworden ist und ihn mit auf seine Tournee nimmt, beginnt dessen Karriere richtig Fahrt aufzunehmen. Die traumhaft schönen Beatles-Songs, von ihm neu interpretiert (was eben keiner weiß), begeistern die Massen. Die Konzertsäle werden immer größer. Hollywood ruft! Jack wird zum größten Pop-Musiker aller Zeiten. Aber er zweifelt immer mehr an seiner Rolle und hat Angst, enttarnt zu werden. Einmal spielt er "Help!" in einer Art Punk-Rock-Version, und keiner versteht, dass das sein persönlicher Hilfeschrei ist. Und plötzlich tauchen eine Frau und ein Mann auf, die ihm auf den Kopf zusagen, die Lieder, die er da singe, stammten gar nicht von ihm... (Dass sich jemand mit fremden Federn schmückt, kennen wir auch aus Filmen wie "Lila, Lila" und "Der Dieb der Worte". Darin geht es allerdings um geklaute Romanmanuskripte.)

Parallel dazu läuft eine anrührende Liebesgeschichte. Jacks Gefährtin Ellie kennt ihn schon seit der frühen Jugend. Sie liebt ihn heimlich, er merkt nichts davon, sie managt ihn, spricht ihm immer wieder Mut zu. Als aber Jack nach Amerika geht, folgt sie ihm nicht. Eine Aussprache endet mit Jacks Entscheidung gegen Ellie und für seine Karriere. Aber es gibt natürlich, wie es sich für eine Komödie gehört, ein Happy End – zu den Klängen von "All you need is love".

Yesterday (2019): Lily James, Himesh Patel Die Hauptdarsteller sind großartig: Himesh Patel als schüchterner Bursche, dem die ganze Sache über den Kopf wächst, Lily James als zauberhafte junge Frau, die ihn liebt, aber nicht ihr Land verlassen und ihren Beruf als Lehrerin aufgeben will. Ein Kabinettstückchen nach dem anderen liefert Kate McKinnon als schlangenhaft-taffe amerikanische Musikproduzentin. (Die Schauspielerin gehört zur Stammbesetzung der Comedy-Show "Saturday Night Live".) Der Film enthält herrlich witzige Szenen, so wenn in Jacks Familie immer wieder jemand Jack beim Vorspielen von "Let it be" unterbricht, wenn Jack sich verzweifelt an den Text von "Eleanor Rigby" zu erinnern versucht, oder wenn Ed Sheeran vorschlägt, Jack solle nicht "Hey Jude" singen, sondern "Hey Dude" (= Kumpel). Überhaupt glänzt Ed Sheeran durch spitzbübische Selbstironie. Die Totalaufnahmen, manchmal Luftaufnahmen (Kamera: Christopher Ross), sind opulent und überwältigend, sie tragen einen Großteil zur Atmosphäre bei: die Weltkugel, auf der alle Lichter ausgehen, Radfahrten am Strand entlang, Jack mit Gitarre auf dem Hollywood-Hill mit Blick auf Los Angeles, die Pop-Konzerte vor einem Strandhotel und im Wembleystadion (das sich im Zeitraffer mit Menschenmassen füllt) u.a.

Der Film ist eine einzige romantische Liebeserklärung an die Musik der Fab Four, die "gestern" geschrieben wurde, aber unsterblich ist. Und er schenkt uns zwei Stunden, die uns glücklich machen.  

Manfred Lauffs / Wertung: * * * * * (5 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Jonathan Prime/Universal Pictures; Plakat: Universal Pictures

 
Filmdaten 
 
Yesterday (2019) (Yesterday (2019)) 
 
GB/Russland/China 2019
Regie: Danny Boyle;
Darsteller: Himesh Patel (Jack Malik), Lily James (Ellie Appleton), Kate McKinnon (Debra Hammer), Joel Fry (Rocky), Ed Sheeran als er selbst, Alexander Arnold (Gavin), Sanjeev Bhaskar (Jed, Jacks Vater), Meera Syal (Shelia, Jacks Mutter), Sophia Di Martino (Carol), Harry Michell (Nick), Robert Carlyle (John Lennon), Lamorne Morris (Head of Marketing), Sarah Lancashire (Frau in Liverpool), Justin Edwards (Fremder in Moskau), James Corden als er selbst, Michael Kiwanuka als er selbst, Ana de Armas (Roxane) u.a.;
Drehbuch: Richard Curtis; Produzenten: Bernard Bellew, Tim Bevan, Danny Boyle, Richard Curtis, Eric Fellner, Matthew James Wilkinson; Kamera: Christopher Ross; Musik: Daniel Pemberton; Schnitt: Jon Harris;

Länge: 116,51 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Universal Pictures International Germany GmbH; deutscher Kinostart: 11. Juli 2019



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<09.08.2019>


Zitat

"Warum bin ich so gut darin, Zicken zu spielen? Ich denke, es liegt daran, dass ich keine Zicke bin. Vielleicht ist das der Grund, warum Joan Crawford immer Ladies spielt."

("Why am I so good at playing bitches? I think it's because I'm not a bitch. Maybe that's why Joan Crawford always plays ladies.")

Schauspielerin Bette Davis, 30. Todestag am 6. Oktober 2019, mit einer Spitze gegen ihre Dauerrivalin Crawford

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