16.12.2015

Star Wars:
Das Erwachen der Macht


Star Wars: Das Erwachen der Macht: Daisy Ridley als Rey mit BB-8 Am Ende von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" schien alles im Lot zu sein. Der finstere Sith-Lord Darth Vader lüftete vor seinem letzten Atemzug noch fix die Maske, um seinem Sohn Luke die Ehre zu erweisen. Der zweite Todesstern war zerstört, mehr als genug Ewoks überlebten die Schlacht um Endor und Prinzessin Leia und der Space-Cowboy Han Solo gaben sich unter dem Beifall der anwesenden Helden das Ja-Wort. Ein kleiner Wermutstropfen war vielleicht, dass der Jedi-Meister Yoda kurz zuvor an Altersschwäche verstorben war – aber hey, der Mann wurde stolze 900 Jahre alt und war bei den Festivitäten immerhin als Machtgeist anwesend. Von nun an lebte die "Star Wars"-Family glücklich und zufrieden in einer weit, weit entfernten Galaxie – könnte man meinen. Doch weit, weit gefehlt!

Nach der verpfuschten Prequel-Trilogie von George Lucas gibt das Imperium auch in der siebten "Star Wars"-Episode nicht klein bei. Alles andere wäre absurd, wenn man bedenkt, dass Walt Disney die "Star Wars"-Rechte für etwas mehr als 4 Milliarden US-Dollar erworben hat. Dementsprechend offensiv fallen die Werbemaßnahmen und das Merchandising-Angebot aus. Der minutiös getimte Warenkreislauf rund um die Marke reicht von Lego- und Ü-Ei-Figuren über Videospiele, Trickserien, Sammelkarten und Stringtangas bis hin zu Spin-Offs wie "Star Wars: Rogue One" von "Godzilla"-Regisseur Gareth Edwards, der die Lichtschwerthäuser im Dezember 2016 entert. Wer dieser Tage nicht mindestens einmal pro Tag das "Star Wars"-Logo sieht oder zumindest den Titel hört ("Hey, hast du den schon gesehen?"), der möge den ersten Ewok werfen.

Doch was steckt hinter dem millionenschweren Hype? Man erinnert sich ja noch an das Jahr 1999, als der ebenfalls unermesslich gehypte "Die dunkle Bedrohung" unter den Fans für bedröppelte Gesichter sorgte. Vorfreude hin oder her: Erst wenn das Licht im Kinosaal erlischt, beginnt der Vertrag mit dem Publikum, erst dann entscheidet sich, ob da vielleicht mehr draus werden könnte. Im Fall von "Das Erwachen der Macht" lautet die Antwort: Yeah! Mit dem nahezu perfekten Blockbuster bekommt der Popkultur-Mythos einen absolut würdigen Nachfolger verpasst.

Star Wars: Das Erwachen der Macht: Filmplakat Der Rolltext zum Auftakt fließt wie gehabt in die Weite des Weltraums und enthüllt, dass der Krieg der Sterne dreißig Jahre nach dem Triumph der Rebellen noch immer tobt. Prinzessin Leia (Carrie Fisher) führt die Resistance gegen die dunkle Seite der Macht inzwischen als uniformierte Generalin an und sucht ihren Bruder Luke (Mark Hamill), der irgendwo im letzten Winkel des Universums verweilt. Die imperiale Diktatur hat sich als "First Order" unter dem Befehl des sinistren Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) längst neu formiert. Während Snokes Handlanger Kylo Ren (Adam Driver) das Werk seines Idols Darth Vader vollenden will, schlägt sich die junge Rey (toll: Daisy Ridley) auf dem Wüstenplaneten Jakku als Schrottsammlerin durch. Als Rey den drolligen Droiden BB-8, eine kleine piepsende Kugel auf einer rollenden Kugel, vor einem Vagabunden rettet, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Bald darauf treffen Rey und ihr neuer Sidekick nämlich den fahnenflüchtigen Sturmtruppler Finn (John Boyega), der mit den Grausamkeiten der dunklen Seite nichts mehr zu tun haben will. Weil BB-8 den Teil einer Sternenkarte enthält, die zum verschollenen Luke Skywalker führen könnte, heftet sich Kylo Ren an die Fersen des Trios, das mit Han Solo (Harrison Ford) und dem Wookie Chewbacca (Peter Mayhew) bald tatkräftige Verstärkung bekommt.

Schon die Teaser und Trailer, deren Klickzahlen im Internet ihresgleichen suchen, steckten den Rahmen ab, in dem "Das Erwachen der Macht" das nächste Kapitel des Sternenkriegs einläutet. Zwischen Kylo Rens Zwiegespräch mit der lädierten Vader-Maske ("Ich werde beenden, was du begonnen hast") und Han Solos abschließendem "Chewie, wir sind zuhause" bringt sich die siebte "Star Wars"-Episode als respektvolles Sequel in Stellung, das ohne große Überraschungen nahe am Original tickt. Fanboys auf aller Welt (und dank der taffen Titelheldin Rey wohl auch mehr Fangirls als je zuvor) dürften das begrüßen, denn immerhin hat J.J. Abrams anno 2009 mit seinem Reboot der "Star Trek"-Saga demonstriert, dass die Modernisierung einer traditionsreichen Filmreihe die Seele der Vorgänger auch einfach beiseiteschieben kann. Bei "Das Erwachen der Macht" ist das anders. Der Wille zum guten, gradlinigen, unterhaltsamen Storytelling ist stark in dieser visuell überwältigenden Märchengeschichte.

Die famosen CGI-Effekte gehen eine reizvolle Symbiose mit den analogen Explosionen und Stunts ein. Anders als in der mit aseptischen Computereffekten zugekleisterten Prequel-Trilogie von George Lucas wirkt das "Star Wars"-Universum bei J.J. Abrams wieder ziemlich schrottreif. Wie in der Original-Trilogie kommen parallel zum CGI-Zauber echte Modelle zum Einsatz, die entscheidend zum Charme beitragen. Die Raumgleiter, allen voran der seit jeher marode Millennium-Falke, glänzen nicht wie frisch aus dem Computer gepellt, sondern erscheinen als greifbare, staubige Oldtimer mit Potential für die Abwrackprämie.

Star Wars: Das Erwachen der Macht: Carrie Fisher, Harrison Ford Es war eine gute Entscheidung, den Drehbuchautor Lawrence Kasdan an Bord zu holen, aus dessen Feder bereits die Vorlagen zu "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" stammen. Gemeinsam mit Michael Arndt ("Alles steht Kopf") und dem Regisseur J.J. Abrams selbst erzählt Kasdan eine Geschichte, die mit interessanten neuen Figuren aufwartet und dennoch jederzeit auf bewährten "Star Wars"-Pfaden wandelt. Die Erzählstruktur und zahlreiche Anklänge an "Krieg der Sterne" verbandeln Reys Heldenreise mit der Erweckungsgeschichte von Luke Skywalker. Die ödipalen Verstrickungen der "Star Wars"-Familie bleiben ebenso wenig aus wie viele humorvolle, nebenbei romantische und natürlich erhebende Momente im Schlachtengetümmel. Wenn die bösen TIE-Fighter mit ihrem typischen Sound am Heck der guten X-Wings kleben (oder umgekehrt) und sich die roten und blauen Lichtschwerter mit einem elektronischen Surren kreuzen, dann ist eins klar: Hier kämpft das Gute gegen das Böse und das Böse gegen das Gute. Ein Weltraummärchen!

"Das Erwachen der Macht" fühlt sich in vielerlei Hinsicht wie ein modernes Remake von "Krieg der Sterne" an. Der neue Darth Vader heißt Kylo Ren, den neuen Luke verkörpert die junge Rey, der neue R2-D2 ist der Droide BB-8, das neue Tatooine der Wüstenplanet Jakku und so weiter und so fort. Mit einer verschrumpelten Gnomin taucht auch eine Art neuer Yoda auf, und zwar in einer Sequenz, die ebenso gut in der legendären Kantine von Mos Eisley spielen könnte. Bei Han Solo, Chewie und dem zugehörigen Millennium-Falken bleibt indes alles beim Alten. "Du hast eine neue Frisur", witzelt Han Solo bei seinem ersten Wiedersehen mit Leia. "Und du keine neue Jacke", erkennt Leia. Solo trägt nämlich haargenau dieselbe abgewetzte Lederjacke wie immer.

Und so soll es sein.  

Christian Horn / Wertung: * * * * * (5 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens) 
 
USA 2015
Regie & Drehbuch: J.J. Abrams;
Darsteller: Adam Driver (Kylo Ren), John Boyega (Finn), Oscar Isaac (Poe Dameron), Daisy Ridley (Rey), Andy Serkis (Snoke), Domhnall Gleeson (General Hux), Max von Sydow (Lor San Tekka), Carrie Fisher (Leia), Harrison Ford (Han Solo), Mark Hamill (Luke Skywalker), Kenny Baker (R2-D2), Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong'o u.a.; Produzenten: J.J. Abrams, Bryan Burk, Kathleen Kennedy; Kamera: Dan Mindel; Musik: John Williams; Schnitt: Maryann Brandon, Mary Jo Markey; Länge: 135,27 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von The Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH; deutscher Kinostart: 17. Dezember 2015




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Star Wars: Das Erwachen der Macht
16.12.2015  

weitere Kritik zum Film
Wertung: ***** (5/5)  



Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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