16.12.2015
Frischer Wind mit alter Unterstützung

Star Wars:
Das Erwachen der Macht


Star Wars: Das Erwachen der Macht: Carrie Fisher, Harrison Ford Das Wiedersehen mit der alten Rebellenriege Han Solo, Chewbacca und Leia (bzw. Harrison Ford, Peter Mayhew und Carrie Fisher) 38 Jahre nach dem ersten "Krieg der Sterne" erfreut das Herz des wahren Star-Wars-Fans, und man fiebert auch lange dem beeindruckenden Kurzauftritt von Luke Skywalker (Mark Hamill) entgegen. Die Machart der siebten Episode (Verzicht auf computergenerierte Locations, viele Außenaufnahmen) knüpft logischerweise an die alten Rebellenzeiten der ersten Star Wars-Filme der 1970er und 1980er Jahre an, die nachträglich zu Episoden IV bis VI erklärt wurden, führt aber gleichzeitig eine neue Generation aufkeimender Macht auf beiden Seiten ein. Die Geschichte wirft einige Fragen auf, die absichtlich unbeantwortet bleiben, um den Weg für die folgenden Teile VIII und IX der neubegonnenen Trilogie zu ebnen.

Auch wenn Legenden wie Obi Wan, Darth Vader, Jar Jar Binks oder die Ewoks keine Rolle in dem neuen Streifen spielen – manch einer wird diese vermissen – so ist die Atmosphäre des siebten Teils wieder erfüllt vom Enthusiasmus des "Anfangs", als das damals junge Trio Luke, Leia und Han Solo den mutigen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner Darth Vader aufnahm. Die neue Geschichte bleibt auffallend nahe am Strickmuster der alten, so dass der Platz für kreative Neuschaffung nicht ganz ausgenutzt wurde. Die junge Generation besteht aus einer Technikschrottsammlerin Rey, die ein armseliges Dasein auf einem Wüstenplaneten fristet, und einem fahnenflüchtigen Sturmtruppler namens Finn, die ihr Leben nicht im Griff haben, es aber auch nicht aufgeben wollen, bis die Geschehnisse sie überrollen.

Mit halbverstandenen neuen Erkenntnissen über die Imperiumsnachfolgerin "Erste Ordnung" und über den verloren geglaubten Luke und dessen mystische Jedi-Macht, aber auch mit der Unterstützung von Han Solo und Chewbacca begeben sich Rey und Finn in einen Strudel von Ereignissen, in denen sie einander mögen lernen, sich gegenseitig schützen wollen aber auch gleichzeitig erfahren wollen, wer sie eigentlich sind.

Die Zeit drängt fürchterlich, weil der letzte Planet der Widerständler von der unmittelbaren Zerstörung bedroht ist, so dass die zwei Lernenden nicht lange überlegen können. Kylo Ren, gespielt von einem wenig bekannten, äußerlich nicht unbedingt schönen, aber dennoch sehr gut gewählten Adam Driver ist in die Fußstapfen von Darth Vader getreten und will dessen vermeintliche "Mission" der Zerstörung des Lichtes, der guten Seite der Macht, zu Ende führen.

Star Wars: Das Erwachen der Macht: Daisy Ridley als Rey und John Boyega als Finn mit BB-8 Die Spannung des Films wird die ganzen zweieinhalb Stunden gehalten, es gibt kleine humoristische Einlagen, wie in Anfangszeiten, aber weniger linkisch, die schwarz-silbern-glänzende Eleganz und technische Raffinesse des Bösen steht im Gegensatz zu der Vielfalt der Lebewesen, Waffen und Kampfmethoden der Widerständler. Der neue Droide BB-8 trifft auch auf die liebgewonnenen C3PO und R2D2. Es gibt Außenaufnahmen in extremer Hitze und extremer Kälte, Verfolgungsjagden. Der zuverlässige "Millennium Falke" hält bravourös jeder Herausforderung stand, braucht aber das Ingenieurshändchen des alten Besitzers Solo und der neuen komplex dotierten Rey.

Das wütende aufbrausende Böse sieht erneut dem mystisch Guten direkt ins Auge. Verschleiert bleibt aber deren Herkunft. Keiner weiß, wo Rey herkommt, wie Kylo Ren böse geworden ist, oder wie der neue Supreme Leader Snoke zum Oberhaupt der "Ersten Ordnung" geworden ist. So kommt der eingefleischte Star-Wars-Fan zwar auf seine Kosten, und ist auch gut unterhalten, aber es bleibt eine Frustration unbekannt gebliebener Zusammenhänge, auf deren Auflösung er jahrelang warten werden muss. Oder möglicherweise auch weniger, da die Arbeiten an den zwei folgenden Teilen bereits im Gange sind.

Star Wars: Das Erwachen der Macht Beim Design neuer Rüstungen und Waffen, sowie Gattungsarten wurde Wert auf Eleganz und Genauigkeit gelegt – das Riesenbudget von 200 Millionen USD sorgte da für kreativen Freiraum; die Tonspur ist gestochen scharf und dramatisch, die Musik erneut von John Williams. Der 3-D-Effekt wurde erst in der Postproduktion hinzugefügt, und spielt keine wesentliche Rolle im Film. J.J. Abrams ist bisher einziger Regisseur, der sowohl bei "Mission: Impossible", "Star Trek" als auch "Star Wars" Regie führte – beim Drehbuch aber Unterstützung von Lawrence Kasdan hatte, der bereits an früheren Star-Wars-Filmen mitgewirkt hatte. Die Auswahl relativ unbekannter Hauptdarsteller knüpft an die Tradition der ersten Star Wars Filme an, was bei den Charakteren Kylo Ren, Finn und Poe Dameron auch gelungen ist.

Fazit: Kein echter Star Wars Fan darf diesem Film fernbleiben, und keiner wird enttäuscht sein.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * * * (5 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens) 
 
USA 2015
Regie & Drehbuch: J.J. Abrams;
Darsteller: Adam Driver (Kylo Ren), John Boyega (Finn), Oscar Isaac (Poe Dameron), Daisy Ridley (Rey), Andy Serkis (Snoke), Domhnall Gleeson (General Hux), Max von Sydow (Lor San Tekka), Carrie Fisher (Leia), Harrison Ford (Han Solo), Mark Hamill (Luke Skywalker), Kenny Baker (R2-D2), Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong'o u.a.; Produzenten: J.J. Abrams, Bryan Burk, Kathleen Kennedy; Kamera: Dan Mindel; Musik: John Williams; Schnitt: Maryann Brandon, Mary Jo Markey; Länge: 135,27 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von The Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH; deutscher Kinostart: 17. Dezember 2015




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Star Wars: Das Erwachen der Macht
16.12.2015  

weitere Kritik zum Film
Wertung: ***** (5/5)  



Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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