22.02.2013
Die Schnelltipperin

Mademoiselle Populaire


Fünfzehn Millionen Euro - ein außergewöhnlich hohes Budget für einen Debütfilm. Im Fall des abendfüllenden Erstlingswerkes von Régis Roinsard hat sich der Einsatz dieser Summe vollauf gelohnt. Mit seiner romantischen Komödie über das Provinzmädchen Rose und ihren Aufstieg zur Weltmeisterin im Maschinenschnellschreiben ist dem Filmemacher ein liebenswerter Film in der Ästhetik der späten fünfziger Jahre gelungen.

Mademoiselle Populaire: Romain Duris, Déborah François 1958: Rose Pamphyle (Déborah François) träumt von der großen weiten Welt. Die junge Frau wünscht sich mehr vom Leben, als ihr die Krämertheke ihres Vaters und eine arrangierte Ehe bieten können. Und so stielt sich Rose heimlich aus ihrem Dorf davon. Ihr Ziel ist die nächstgrößere Stadt. Hier will sie einen Beruf ergreifen, der die Frauen ihrer Zeit in echte Begeisterung versetzt: Sekretärin! Dafür ist Rose zwar denkbar untalentiert. Doch ihre schusselige und direkte Art macht das blondhaarige Fräulein mit einem Talent wett, das ihren Chef und Junggesellen Louis Richard (Romain Duris) förmlich aufhorchen lässt: Ihre Schreibmaschine bearbeitet Rose mit einer solchen Rasanz, dass für den launischen Eigenbrötler augenblicklich fest steht: Seine kleine Sekretärin hat das Zeug zur schnellsten Frau der Welt - zumindest auf der Schreibmaschine. Sein sportlicher Ehrgeiz ist geweckt. Entgegen der Wette seines amerikanischen Freundes Bob (Shaun Benson) und dem Ratschlag von dessen Ehefrau, der atemberaubend schönen Marie (Bérénice Bejo), will Louis seine Entdeckung zu einem echten Champion heranziehen. Zur Erleichterung des Trainings quartiert er Rose kurzerhand in seiner Villa ein. Und während diese unter seiner strengen Aufsicht mit verschlossenen Augen tippen lernt, ist Louis blind für die Tatsache, dass sich sein kesser Zögling längst über beide Ohren in ihn verliebt hat.

Die Figurenkonstellation von männlichem Schöpfer und weiblichem Geschöpf, das zum Objekt seiner Erfolgsphantasien wird, reicht mit Pygmalion bis weit in die Antike zurück. Große Popularität erlebte sie u.a. mit My Fair Lady. Entsprechend vorhersehbar ist auch die Handlung von Mademoiselle Populaire, während der sich das Kräfteverhältnis von Schülerin und Lehrer allmählich umkehrt. Rose mausert sich - freilich nur in einem von der Gesellschaft für Frauen legitimierten Bereich - von der unbedarften Provinzlerin zum internationalen Star. Währenddessen kämpft Louis gegen seine aufkommenden Gefühle an. Als er diesen endlich nachgibt, ist es beinahe zu spät, aber, entsprechend der Genrekonventionen, eben auch nur beinahe. Letzten - und guten - Endes gesteht er Rose seine Liebe, deren eigentliche Errungenschaft weniger in ihrem Weltmeistertitel besteht, als in Herz und Hand ihres Geliebten.

Mademoiselle Populaire: Romain Duris, Déborah François Dass "Mademoiselle Populaire" bis zum großen Finale emotional berührend und spannend bleibt, dankt der Film vor allem der darstellerischen Leistung seiner beiden charmanten Hauptfiguren. Filmstar Romain Duris spielt die Rolle des misanthropischen Chefs mit umwerfender Komik. In der bezaubernden Déborah François findet er eine ebenbürtige Partnerin, die ihm an komödiantischem Talent in keiner Weise nachsteht. Dialoge voll sprühenden Witzes und feiner Ironie geben den beiden Darstellern Gelegenheit, ihr schauspielerisches Können genauso voll zu entfalten, wie in Momenten großer Intensität und Ernsthaftigkeit. Während Kostüm und Ausstattung mit großer Detailverliebtheit in die fünfziger Jahre entführen, schlägt die Kameraarbeit von Guillaume Schiffmann die Brücke in die Moderne.

Zum knatternden Rhythmus der Schreibmaschine verzaubert Mademoiselle Populaire ihr Publikum mit bester Unterhaltung und dem bewährten französischen Charme. Damit dürfte ihr der Erfolg auch im deutschen Kino sicher sein.  

Antje Kuschpel / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Studiocanal

 
Filmdaten 
 
Mademoiselle Populaire (Populaire) 
 
Frankreich 2012
Regie: Régis Roinsard;
Darsteller: Romain Duris (Louis Échard), Déborah François (Rose Pamphyle), Bérénice Bejo (Marie Taylor), Shaun Benson (Bob Taylor), Mélanie Bernier (Annie Leprince-Ringuet), Nicolas Bedos (Gilbert Japy), Miou-Miou (Madeleine Échard), Eddy Mitchell (Georges Échard), Frédéric Pierrot (Jean Pamphyle), Féodor Atkine (André Japy), Marius Colucci (Lucien Échard), Emeline Bayart (Jacqueline Échard), Dominique Reymond (Madame Shorofsky) u.a.;
Drehbuch: Régis Roinsard, Daniel Presley, Romain Compingt; Produzent: Alain Attal; Kamera: Guillaume Schiffman; Musik: Rob und Emmanuel d'Orlando; Schnitt: Laure Gardette, Sophie Reine;

Länge: 111,13 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Studiocanal GmbH; deutscher Kinostart: 11. April 2013



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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