21.03.2012
Moon II?

Love (2011)


Man nehme ein Minibudget von 500.000 Dollar, baue die ISS im Garten der Eltern nach und nehme filmische Anleihen von Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" (1968) und rudimentär inhaltliche Anleihen von "Moon" (2009) – und heraus kommt ein Film namens "Love". Das Kino-Erstlingswerk des vormaligen Videoclip-Regisseurs William Eubank hört sich durch seinen Low-Budget-Charakter und seinen Vergleich zu sehr etablierten Werken der Science-Fiction-Gemeinde extrem vielversprechend an. Leider hat Eubank bei der Produktion seines 90-minütigen Videoclips eine entscheidende Komponente des Spielfilms vergessen – die Story.

Wer "Moon" gesehen hat, weiß, um was es in groben Zügen geht. Ein Mensch ist sich auf einem Raumschiff selbst überlassen und wird aufgrund dieser Isolierung verrückt. Bei "Love" ist Captain Lee Miller (Gunner Wright) im Jahre 2039 das einzige Besatzungsmitglied der ISS und soll eigentlich bald abgelöst werden. Ein Vorfall auf der Erde, der nicht weiter geklärt wird, verlängert diesen Aufenthalt leider deutlich. Im weiteren Verlauf wird der geistige Verfall von Captain Miller dargestellt.

Das Problem an dieser Geschichte ist, dass eigentlich sonst nichts weiter passiert. In tollen Bildern und mit hypnotischem Soundtrack, der zu großen Teilen von der den kompletten Film finanzierenden Band "Angels & Airwaves" eingespielt wurde, wird das Alleinsein auf dem beengten Raumschiff zelebriert. Der Astronaut versucht sich fit zu halten, rasiert sich zu Beginn noch, um dann nach und nach zu verlottern. Am Schluss des Films sieht der Captain aus wie Tom Hanks in "Cast Away – Verschollen" (2000).

Die klaustrophobischen Szenen auf der International Space Station werden ausgiebig von langatmigen Monologen, Traumsequenzen und Interviews durchzogen. Die Traumsequenzen sind dabei psychedelische Trips durch den Kopf eines Verrückten, die zwar toll aussehen, aber die Story nicht voranbringen. Auch das gefundene Buch über den US-amerikanischen Bürgerkrieg und die damit verbundenen Wahnvorstellungen erinnern von der Machart her an den Film "300" (2006). Die Superzeitlupen sehen fantastisch aus und auch das Bürgerkriegs-Set wirkt von der Ausstattung beachtlich. Trotzdem wirkt das Thema des Sezessionskrieges in einem Science-Fiction-Video wie ein Fremdkörper und macht keinen Sinn. Freunde der bedingungslosen Anspruchszusprechung werden sicherlich zahlreiche Argumente finden, um das Bürgerkriegs-Thema, den Schauplatz ISS und einen wirren Verstand zu verknüpfen und dadurch mit dem Dampfhammer Sinn zu verleihen. Auch die dazwischen geschnittenen Interviews von diversen Menschen in Alltagssituationen wirken deplatziert und störend. Sie erklären dem Zuschauer, dass wir soziale Wesen sind und alleine eben bekloppt werden. Hätte man sich auch sparen können und bringt storytechnisch wieder einmal keinerlei Mehrwert.

Als dann am Ende noch eine Art Borg-Schiff vor der ISS auftaucht und den mittlerweile vollkommen irren Astronauten an Bord holt, ist eh keinem mehr klar, ob man sich in der Realität oder in einer Traumwelt befindet. Ist aber auch egal, denn etwa nach zwei Dritteln ist der Zuschauer vollkommen von Gleichgültigkeit gefangen. Der Blick wird starr und irgendwie stellt sich durchaus ein wohliges Gefühl ein, da man beginnt, seinen filmischen Benefit aus dem Hammersound und den bildgewaltigen Kopfexplosionen zu ziehen. Wer solche Filme ohnehin gerne sieht, wird hier ein Meisterwerk vorfinden. Menschen mit einem klassischen Filmgeschmack, der eine Geschichte vorsieht, könnten mit böser Zunge behaupten, diese filmische Hypnose initiiere die Schlafphase als dessen Vorstufe.  

Daniel Forstner / Wertung: * * (2 von 5) 
 


 
Filmdaten 
 
Love (2011) (Love (2011)) 
 
USA 2011
Alternativtitel: Angels & Airwaves Love
Regie, Drehbuch und Kamera: William Eubank;
Darsteller: Gunner Wright (Captain Lee Miller), Corey Richardson (General McClain), Bradley Horne (Captain Lee Briggs), Nancy Stelmaszczyk (russische Astronautin) u.a.;
Produktion: Angels & Airwaves, Dan Figur, Nate Kolbeck, Vertel Scott; Musik: Angels & Airwaves; Schnitt: Brian Berdan, Scott Chestnut;

Länge: 84 Minuten; FSK: noch nicht bekannt; deutscher Kinostart: noch nicht bekannt



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der Film bei imdb.com
<21.03.2012>


Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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