05.03.2014
Zweisam einsam

Love Steaks


Love Steaks: Franz Rogowski, Lana Cooper "Ein Masseur. Eine Köchin. Ein junges Paar auf's Maul." Diese kurze Beschreibung ist um den 27. März herum deutschlandweit auf Filmplakaten zu lesen. So schief und verdreht wie der Abschlusssatz dieser Deskription ist auch der dazugehörige Film: "Love Steaks". Der 1981 geborene Berliner Filmemacher Jakob Lass gewann bereits einige Auszeichnungen für ihn. Es ist erkennbar, warum: Die Machart des Films ist anders als sonst üblich. Er unterscheidet sich sehr von anderen Filmen. Aber er ist nicht erfrischend anders, nicht besonders originell. Er ist vielmehr ein recht unbeholfener Versuch, originell zu sein. "Love Steaks" wartet dafür wenigstens mit dem interessant gefilmten Kontrast zwischen harter Arbeitswelt und zwischenmenschlichen Gefühlen auf.

Der frisch ausgebildete Masseur Clemens (Franz Rogowski) bekommt einen Job in einem Luxushotel an der Ostsee. Er und die Küchenazubine Lara (Lana Cooper) verlieben sich ineinander. Die extrovertierte Lara hat ein Alkoholproblem; Clemens ist schüchtern. Es folgt ein Katz-und-Maus-Spiel der Emotionen. Denn die beiden jungen Leute lieben sich zwar innig, prügeln sich aber auch gerne verbal – und nicht nur verbal. Und nicht nur untereinander: Sie müssen ihren Arbeitsplatz gegenüber den Chefs verteidigen und sich gegen Mitarbeiter durchsetzen. Dies macht noch den bemerkenswertesten Teil des Films aus. Gedreht wurde in einem echten Hotel, mit teilweise echten Angestellten.

Regisseur Jakob Lass ließ den Schauspielern Raum für Improvisation. Den nutzen vor allem die Darsteller von Lara und Clemens für viele sinnfreie Dialoge und Aktionen. Franz Rogowski nuschelt sich durch seine Rolle, so wie Lass sich durch seine Regie wurschtelt. Dafür ein Beispiel: Lara wird einmal von der Polizei nach Alkoholkonsum am Steuer erwischt. Sie leistet Widerstand. Die Konsequenzen aus ihrem Verhalten gegenüber der Polizei werden nicht gezeigt. Als ob es die nicht gäbe. So funktioniert Filmdramaturgie nicht.

Love Steaks Mehrere Jurys waren dennoch begeistert. Die Hauptjury des Filmfestivals Max Ophüls Preis 2014 verlieh dem Film die wichtigste Auszeichnung des Festivals. "Love Steaks" sei "nicht nur ein Film, sondern vielmehr ein Geschenk an die Zuschauer, das nur so strotzt vor Kraft, Spielfreude, Farben und Liebe und einmal mehr zeigt, wozu Kino in der Lage ist." Spielfreude kann man den Darstellern nicht absprechen. Trotzdem: Der Film hinterlässt einen unfertigen, manchmal schlichten Eindruck. Wer Filme des dänischen Regisseurs Lars von Trier kennt, zum Beispiel "Idioten", weiß in etwa, was bei "Love Steaks" beabsichtigt war. Jakob Lass hält sich an die von Lars von Trier einst aufgestellten Dogmen-Regeln. Unter anderem: eine wackelnde, Authentizität suggerierende Handkamera. Kein künstliches Licht. Dreh außerhalb eines Studios. Aber Jakob Lass ist nicht Lars von Trier.

Bereits auf dem Münchner Filmfest 2013 räumte "Love Steaks" alle vier möglichen Auszeichnungen des Förderpreises Neues Deutsches Kino ab, darunter auch den Drehbuchpreis, obwohl der Film kein richtiges Drehbuch gehabt hat.

Love Steaks Ach, hätte er doch nur eines gehabt! Die Ansätze des Films sind ja durchaus richtig und stimmig. Auch dieser: Beide Hauptfiguren kneten Fleisch. Lara Steaks, Clemens massiert. Das verbindet. Das verbindet auch so unterschiedlich gestaltete Charaktere wie Lara und Clemens. Die sich verlieben, die sich voneinander abhängig machen. In der sterilen Kurhotel-Atmosphäre. Die Lara und Clemens durchbrechen mit ihrer Liebe, die eigentlich fehl am Platze ist.

Was von dem Film bleibt, ist die Durchdeklinierung von Gefühlen in allen Nuancen: von Prügeln bis zur innigen Vertrautheit. Außerdem die Kontrastierung dieser Liebe zur Arbeitswelt, in der Lara und Clemens sich quälen, damit es anderen Menschen im Kurhotel gut geht. Und sie doch jederzeit Gefahr laufen, den Job zu verlieren. Das ist das Beste an dem Film: die Schilderung der Anstrengungen im Kampf ums Dasein. In Kombination mit den Anstrengungen, die für den Kampf um eine Liebe erforderlich sind. Der Verzicht auf ein Drehbuch machte aber manche dieser Ansätze zunichte, weil dadurch Freiraum für viele die Handlung nicht voranbringende Aktionen geschaffen wurde.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Timon Schäppi / Daredo Media

 
Filmdaten 
 
Love Steaks  
 
Deutschland 2013
Regie: Jakob Lass;
Darsteller: Lana Cooper (Lara), Franz Rogowski (Clemens) u.a.;
Drehbuch: Jakob Lass, Ines Schiller, Timon Schäppi, Nico Woche; Produzenten: Ines Schiller, Golo Schultz; Produktion: HFF Konrad Wolf; Kamera: Timon Schäppi; Musik: Golo Schultz; Schnitt: Gesa Jäger;

Länge: 89,46 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Daredo Media / Ferleih; deutscher Kinostart: 27. März 2014



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Wertung: * * * * * (5/5)


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