10.08.2019
Missglückter Roboterthriller

I Am Mother


I Am Mother: Filmplakat Wie toll ist das denn: Roboter, die uns die lästigsten wiederkehrenden Arbeiten abnehmen wie Putzen, Spülen, Essen zubereiten, Einkäufe erledigen. Bei einer Roboter-"Mutter" kommen dann auch noch Windeln wechseln, Fläschchen geben, Spielen, Tränen trocknen – später auch das Unterrichten hinzu. Auch schon als Robin Williams im Film "Der 200 Jahre Mann" (1999) alias Roboter Andrew den dienstbaren Familien-Roboter verkörperte, stellte sich die Frage, wie viel Mensch steckt im Roboter? Diese Frage stellt auch die Serie "Humans" – wo Roboter nur noch an ihrer Augenfarbe und den leicht steifen Bewegungen von den Menschen zu unterscheiden sind. So kommt es, dass auch bei einer Robotermutter, die äußerlich noch wie eine Maschine aussieht, menschliche Eigenschaften zu finden sein müssen, damit sie empathisch ist, um mit einem Baby umzugehen. Im Film "I Am Mother" kann die überkontrollierende Robotermutter Gefühlsausdrücke erkennen, mithilfe von Überwachungsquellen wie Temperatur, Blutdruck, Herzfrequenz, Transpiration. Sie kann jedoch auch philosophische und psychologische Kriterien abwägen und sogar lügen, um einem "höheren Zweck" zu dienen.

Als Basis-Gedanke ist das ein guter Ausgangspunkt, um einen Film zu machen – um eine Mutter zu sein, braucht man so viele komplexe menschliche Eigenschaften. Noch nicht einmal alle Menschen schaffen das. Wie kann es dann ein Roboter? Leider geht der Film auf diese Frage aber gar nicht ein. Da geht es nur um die Frage, wer wen belügt. Auch wenn das Design eines Science-Fiction-Films bis ins kleinste Detail stimmt, wenn Regie, Szenerie, Belichtung, Musik und Schauspieler, alles von überzeugendem Können strotzt, so macht das einen Film noch nicht gut. Es ist das Drehbuch, das einen sonst sehenswerten Film zu Fall bringen kann, und so ist es auch hier.

I Am Mother: Hilary Swank "Tochter" (Clara Rugaard) lebt in einem Hochsicherheitsbunker und wird von einem Roboter namens "Mutter" aufgezogen. Die Menschheit wurde ausgelöscht und die Erde soll neu besiedelt werden – das ist Mutters Aufgabe. Aber Mutter hat gelogen, denn die Menschheit war nicht ganz ausgelöscht. Eine verletzte Frau (Hilary Swank) taucht vor den Türen des Bunkers auf und bittet um Hilfe. Die neuentstandene Dreieckskonstellation giftet sich gegenseitig an und besteht aus gegenseitigem Belügen, Misstrauen und Ausspionieren. Keine der drei hochintelligenten und planerisch begabten, wie auch kampftüchtigen Charaktere kann sich zur Wahrheit durchringen, und so verwickelt sich die Geschichte wie ein wirres Garnknäuel. Sie ist weder spannend noch interessant. Die Beziehungen untereinander werden nicht dargestellt, die Charaktere nicht entwickelt, sie bleiben hölzern. Natürlich fällt es auf, dass der Begriff "Mutter" dehnbar ist – er wird für jede der drei weiblichen Gestalten in unterschiedlichen Konstellationen relevant. Aber beeindrucken kann das keinen Zuschauer mehr.

Zu den Längen mancher Einstellungen kommen logische Fehler hinzu: 10 cm große Embryonen werden in 24 Stunden zum ausgereiften neun Monate alten Baby. Den Stromausfall, den Tochter behebt, als eine Maus ein paar Kabel durchbeißt, und der auch Mutter Roboter zum Stillstand bringt, wird nicht als Schutzmaßnahme eingesetzt, als Mutter angriffslustig wird.

I Am Mother: Clara Rugaard Um Hilary Swank zu sehen, kann man sich den Fim durchaus mal anschauen. Auch Clara Rugaard leistet gute Arbeit. Die Atmosphäre eines Science-Fiction-Films ist gegeben. Auf CGI-Effekte (Computer Generated Imagery) konnte bei "Mutter" verzichtet werden, für ihre Figur wurde von der Spezialeffekt-Schmiede WETA Workshop ("Avatar", "I, Robot", "Der Herr der Ringe"-Trilogie) ein spezieller Anzug hergestellt, der im Film von Luke Hawker, einem Mitarbeiter von WETA, getragen wird. Und so ist der durchaus spannend angekündigte Streifen einfach durch die unausgegorene Geschichte ein Flop. Wie schade.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Concorde Filmverleih GmbH

 
Filmdaten 
 
I Am Mother (I Am Mother) 
 
Australien 2019
Regie: Grant Sputore;
Darsteller: Hilary Swank (Frau), Luke Hawker (Mutter), Rose Byrne (Stimme von Mutter), Clara Rugaard (Tochter), Jacob Nolan (Bruder) u.a.;
Drehbuch: Michael Lloyd Green; Produzenten: Kelvin Munro, Timothy White; Kamera: Steven D. Annis; Musik: Dan Luscombe, Antony Partos; Schnitt: Sean Lahiff;

Länge: 113,42 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Concorde Filmverleih GmbH; deutscher Kinostart: 22. August 2019



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Zitat

"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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