24.08.2013
Mut des Einzelnen als politische Kraft

Good Night, and Good Luck


George Clooneys herbes aber gelungenes Schwarz-weiß-Regiewerk stellt den Fernsehjournalisten Edward R. Murrow in den Mittelpunkt, dem es in den frühen fünfziger Jahren gelingt, der Kommunistenjagd Joe McCarthys und dessen Verbreitung von Angst vor dem "roten Feind" mithilfe enthüllungsjournalistischer Ansätze und Besinnen auf grundsätzliche Werte des demokratischen Dialogs ein Ende zu setzen.

George Clooney hat das Image des erfolgreichen Serien- und Comedydarstellers längst durch beeindruckende Leistungen in "Solaris", "The Descendants" oder "The American" verlassen. Was seine Regiearbeiten betrifft, so ist er ja noch relativ am Anfang – 2011 führte er bei "Tage des Verrats" Regie, gerade in Arbeit ist "The Monuments Men" über die Rettung von Raubkunst im Zweiten Weltkrieg. Er sucht sich historisch und politisch relevante Themen aus, so auch hier, wo es um den couragierten Kampf einiger Medienrepräsentanten gegen die Hetzjagd auf kommunistische Machenschaften in der McCarthy-Ära geht.

Im Zentrum steht der Fernsehjournalist Edward R. Murrow, der sich während einer Zeit der aggressiven Einschüchterung, der allgegenwärtigen niederdrückenden Angst traut, dem Verursacher direkt die Stirn zu bieten. Murrow nutzt sein TV-Magazin "See It Now", um undemokratische und auch Rechtsstaatlichkeit verletzende Begebenheiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und bewirkt damit den Fall McCarthys. Es ist ein David-gegen-Goliath-Film, patriotisch, aber ohne pathetischen Ansatz und bestärkt Kräfte, die sich mutig gegen Schauprozesse und die staatlich sanktionierte Einschränkung von Bürgerrechten einsetzen.

Der Hauptdarsteller, David Strathairn, ist optisch gut gewählt, er spielt glaubhaft, aber weder komplex noch moduliert. Seine Darstellung des kettenrauchenden Workaholic-Journalisten bietet wenige Zwischentöne, stattdessen eine einheitliche Linie von Anfang bis Ende. Er stellt einen geradlinigen Amerikaner dar, der für das Gute kämpft, dem Bösen eiskalt ins Auge sieht, und zum Ziel durchmarschiert, ohne mal zu stolpern oder mit der Wimper zu zucken. Selbst als er vom Selbstmord eines befreundeten Moderators hört, ist er nur eine halbe Sekunde lang nachdenklich und dann heißt es "back to business". So entstehen erkennbar abgehackte und künstlich verkürzte Momente der Emotion. In ihren Nebenrollen überzeugen Patricia Clarkson, Frank Langella und Clooney selbst mehr mit ihrem nuancierten Spiel.

Das Thema ist geschickt gewählt für einen Film inmitten der Bush-II-Ära, als viele – vor allem Intellektuelle – sich wegen der umstrittenen und sehr knapp gewonnenen Wiederwahl des Präsidenten und der auf erfundenen Tatsachen beruhenden Kriegsrechtfertigung gegen den Irak unwohl wegen ihrer Regierung fühlten. In einem Interview beklagte Clooney, dass Journalisten aus Angst damit aufhörten, kritische Fragen zu stellen und damit die Demokratie gefährdeten. Was schon Goya im 18. Jahrhundert mit Wort und Bild sagte, "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer", ist auch die zeitübergreifende Botschaft dieses Films.

Ein, zwei weichere, unterhaltsame Elemente hätten die etwas spröde politische Geschichte aufgelockert, und sie zugänglicher gemacht. Dennoch gelingt es dem optisch vergnüglichen Film, die Atmosphäre der Zeit wiederzugeben, eine inzwischen veraltete Mann-Frau-Rollenverteilung, den konservativeren Werteanspruch. Wichtiger ist, dass er wachrüttelt und an die Bedeutung schwer erkämpfter Bürgerrechte erinnert.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
Good Night, and Good Luck (Good Night, and Good Luck)  
 
USA 2005
Regie: George Clooney (als Regisseur: "Geständnisse - Confessions of a dangerous Mind");
Darsteller: David Strathairn (Edward R. Murrow), George Clooney (Fred Friendly), Robert Downey jr. (Joe Wershba), Patricia Clarkson (Shirley Wershba), Ray Wise (TV-Serie "Twin Peaks"; Don Hollenbeck), Frank Langella (William Paley), Jeff Daniels (Sigfried "Sig" Mickelson), Tate Donovan (Jesse Zousmer), Tom McCarthy (Palmer Williams), Matt Ross (Eddie Scott), Reed Diamond (John Aaron), Robert John Burke (Charlie Mack), Grant Heslov (Don Hewitt) u.a.; Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov; Produktion: Grant Heslov; Ausführende Produktion: Steven Soderbergh, Ben Cosgrove, Jennifer Fox, Todd Wagner, Mark Cuban, Marc Butan, Jeff Skoll, Chris Salvaterra, Satsuki Mitchell; Koproduktion: Barbara A. Hall; Kamera: Robert Elswit; Länge: 93 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Kinowelt



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weitere Kritik zum Film
Wertung: * * * * (4/5)


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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