19.10.2014
Seichter Klamauk mit guten Hauptdarstellern

Das grenzt an Liebe


Das grenzt an Liebe Der Witwer und Kleingeist Oren Little, der mit lieblosen Sprüchen Kunden, Nachbarn und Freunde vergrault, wird durch die Zuwendung einer besonderen Nachbarin zum besseren Menschen. Zwar sieht man den beiden Hauptdarstellern und Altmeistern des Kinos, Michael Douglas und Diane Keaton, gerne beim Spielen zu. Aber weder ist dieser Film ein Schenkelklopfer noch hat er eine besondere Botschaft – mehr als unterhaltend ist er jedenfalls nicht.

Nachdem der ältliche Immobilienmakler Oren Little seine Frau auf traurige Art verloren hat, wird er brummbärig und abweisend. Es gibt kein zwischenmenschliches Entgegenkommen – weder zu neuen noch zu alten Bekannten und Freunden, selbst zu einem streunenden Hund ist er lieblos. Seine gleichaltrige Nachbarin Leah hat auch ihren Ehemann verloren, weshalb sie dann auch etwas mehr Verständnis als alle anderen für den Miesepeter aufbringt. Als Orens Sohn auftaucht, ehemaliger Drogensüchtiger, um ihm seine bis dahin unbekannte neunjährige Enkelin Sarah zur Betreuung vorbeizubringen, springt Leah erst mal helfend ein. So kommen sich das Kind und die beiden "Großeltern" alle näher. Schwierigkeiten bleiben nicht aus, die werden aber letztendlich gemeistert.

Das grenzt an Liebe Regisseur Rob Reiner, der mit "Das Beste kommt zum Schluss" eine hervorragende Leistung erbrachte, wollte hier den Erfolg des Rezepts wiederholen – leider gelingt es ihm diesmal nicht, auch wenn die Zutaten ähnlich sind: Liebe im Alter, Verlust durch Tod, neue Chance durch selbstlose Liebe zu einem Kind. Der Film bleibt oberflächlich, es fehlt die emotionale Tiefe. Eine möchtegern lustige Szene, in der (schon wieder!) die sexuelle Anziehungskraft über die Vernunft siegt ist völlig linkisch aufgebaut, der Zuschauer wurde nicht gut zur Szene hingeführt, die Reaktion Leahs auf den linkischen Kussüberfall Orens passt überhaupt nicht zu ihrem Charakter. Die Szene ist viel zu schnell und hektisch, und vorbei, bevor sie richtig angefangen hat. Zum Glück, muss man sagen, weil sie sowieso nicht sehenswert war.

Zwar wird ein bisschen mit einer augenscheinlichen Symbolik der Neugeburt (Schmetterling aus Raupe) gearbeitet, jedoch fehlt dem Vergleich der Zauber. Auch von Drehbuchautor Mark Andrus hätte man mehr erwarten können – schließlich bleiben seine Drehbücher für "Besser geht's nicht" und "Das Haus am Meer" lange im Gedächtnis.

Das grenzt an Liebe Hollywood nimmt sich dem Thema "Alter" auf sehr eigene Art an – vor allem scheint es wichtig zu sein, dass es Komödien sind (es geistert schon in den schubladenliebenden Medien der Begriff "Rentnerkomödie" herum) die auf ganz subtile Art und Weise das Alter leicht herabwürdigen, ohne es beleidigen zu wollen: "Was das Herz begehrt" (2003), "Wenn Liebe so einfach wäre" (2009), "Das Beste kommt zum Schluss" (2007), "Last Vegas" (2013). Zwar haben diese Filme auch Tiefgang, aber eben auch viel Klamauk. Bedenkt man dabei europäische Schwergewichte wie Michael Hanekes "Liebe" (2012), Andreas Dresens "Wolke 9" (2008) oder selbst Komödien wie "Best Exotic Marigold Hotel" (2011) oder den französischen Streifen "Und wenn wir alle zusammenziehen?" (2011), dann ist deutlich zu erkennen, dass man auch ohne subtile Herabwürdigung auskommen kann, und auch durchaus feinfühlig die Stärken des Erfahrenseins und die Widerstandsfähigkeit im Alter angesichts von Schicksalsschlägen mitteilen kann. Natürlich tut sich dann die Frage auf, ob es in Amerika, angesichts des Anti-Aging-Wahns und der Zwang zur nicht erfüllbaren ewigen Jugend hilfreich ist, das Alter als nicht unbedingt erstrebenswertes Ziel darzustellen.

Dennoch genießt man als Zuschauer das Schauspiel zweier Profis und kann sich dem leichten Plätschern des Films hingeben, wenn man das möchte, nichts Besseres vorhat und entspannen will. Wer mehr vom Film erhofft, sollte nicht dafür den Weg ins Kino auf sich nehmen.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Senator Film Verleih

 
Filmdaten 
 
Das grenzt an Liebe (And So It Goes) 
 
USA 2014
Regie: Rob Reiner;
Darsteller: Michael Douglas (Oren Little), Diane Keaton (Leah), Sterling Jerins (Sarah), Annie Parisse (Kate), Austin Lysy (Kyle), Michael Terra (Peter), Sawyer Tanner Simpkins (Dylan), Maxwell Simkins (Caleb), Maurice Jones (Ray), Yaya Alafia (Kennedy), Scott Shepherd (Luke), Andy Karl (Ted), Frances Sternhagen (Claire), Rob Reiner (Artie) u.a.;
Drehbuch: Mark Andrus; Produzenten: Mark Damon, Alan Greisman, Rob Reiner; Kamera: Reed Morano; Musik: Marc Shaiman; Schnitt: Dorian Harris;

Länge: 93,45 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Senator Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 6. November 2014



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<19.10.2014>


Traueranzeige

verstorben: Dorothea Holloway, unter ihrem Geburtsnamen Dorothea Moritz Schauspielerin ("Höhenfeuer", "Der Willi-Busch-Report"), Filmjournalistin und liebe Freundin (08.06.1932 - 03.02.2017)


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