20.12.2013
Glück kostet nicht viel

Best Exotic Marigold Hotel


Erfolg misst sich daran, wie man mit Enttäuschungen umgeht – solche und andere Weisheiten hat dieser Film über die Sorgen des Alterns wie auch den Mut zum Neuanfang und Veränderung zu bieten. Eine Riege hochrangiger britischer Schauspieler angefangen von den fast schon legendären Maggie Smith, Judi Dench, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Penelope Wilton, bis Celia Imrie und Ronald Pickup – bieten uns eine köstliche Darbietung an, in einer Geschichte, die zwar manchmal oberflächlich aber überwiegend amüsant ist.

"Alles wird am Ende gut. Und wenn es nicht gut wird, so ist es nicht das Ende" – mit diesem Totschlagargument begegnet der bankrotte Visionär Sonny Kapoor, Betreiber des Traumhotels für Senioren in Jaipur in Indien, den Schwierigkeiten des Lebens. Zumindest eine der Bewohnerinnen seines Hotels scheint dieser Schicksalsergebenheit nachzugeben. Evelyn stellt sich den großen Veränderungen und erkennt, dass im Neubeginn eine Welt voller Hoffnungen steckt.

Aus vielen verschiedenen, meistens aber prekären Gründen haben sich im "Marigold", einem knapp vor dem kompletten Verfall stehenden Gebäude aus historischen Kolonialzeiten, sieben britische Rentner zusammengefunden. Unübersehbar ist die Kritik an der Altersarmut, welche die Filmfiguren aus ihrer Heimat vertreibt.

Die frühere Hausfrau Evelyn entwickelte nach dem Tod ihres Mannes ungeahnte technische Fertigkeiten, indem sie sich mit dem Internet anfreundete und mittels eines Blogs die Geschichte als Erzählerin trägt, Kontakt zu ihrer Familie hält, und letzten Endes sogar einen Job in einem indischen Callcenter als Kulturberaterin findet.

Muriel ist eine frustrierte grantige und rassistische alte Frau, die kein halbes Jahr in England auf ihre Hüftoperation warten will ("In meinem Alter plant man nicht im Voraus. Ich kaufe noch nicht einmal grüne Bananen!"). Der unterwürfige aber loyale und herzensgute Douglas ist mit der ewig nörgelnden Jean verheiratet, die dem bunten indischen Treiben aber auch gar nichts abgewinnen kann. Graham hingegen reist nach Indien, um seine Jugendliebe wiederzufinden. Die Singles Norman und Madge ("Ich will nicht als Erste bei einem Geiseldrama befreit werden") sind unermüdlich wachsam, wenn es um potenzielle Liebhaber geht. Auf die Frage, ob Sex in seinem Alter noch ratsam sei, antwortet Norman "Wenn sie stirbt, dann stirbt sie".

Das indische Verständnis von vermittelter Heirat, und der Liebe, die Hürden überwindet, wird in Sonnys Beziehung zur antitraditionell eingestellten Sunaina wiedergegeben. Die Atmosphäre des verwitterten Hotels ist exotisch-verführerisch, genau wie das stark gewürzte und schwer verdauliche Essen.

Der bunte und laute Film mit subjektiver Kamera wirkt oft etwas zu hektisch, die Klischees sind etwas zu offensichtlich. Aber die Nachdenklichkeit, personifiziert durch Evelyn, stellen ein gutes Gegengewicht dar. Man kann sich dem Genuss dieses Films, der hervorragenden schauspielerischen Leistung und den Pointen gelassen hingeben, und nimmt dennoch etwas für die innere Einkehr mit.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
Best Exotic Marigold Hotel (The Best Exotic Marigold Hotel) 
 
USA / GB 2011
Regie: John Madden;
Darsteller: Judi Dench (Evelyn Greenslade), Tom Wilkinson (Graham Dashwood), Hugh Dickson (Richter), Bill Nighy (Douglas Ainslie), Penelope Wilton (Jean Ainslie), Maggie Smith (Muriel Donnelly), Paul Bhattacharjee (Dr. Ghujarapartidar), Lucy Robinson (Judith), Ronald Pickup (Norman Cousins), Celia Imrie (Madge Hardcastle), Patrick Pearson, Liza Tarbuck, James Rawlings u.a.;
Drehbuch: Ol Parker nach dem Roman von Deborah Moggach; Produktion: Graham Broadbent, Peter Czernin; Kamera: Ben Davis; Musik: Thomas Newman; Schnitt: Chris Gill;

Länge: 123,25 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Twentieth Century Fox of Germany GmbH; deutscher Kinostart: 15. März 2012



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Offizielle Seite zum Film
<20.12.2013>


Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe