09.08.2013
Harrisville Horror

Conjuring
- Die Heimsuchung


Conjuring - Die Heimsuchung: Lili Taylor Es hat etwas von versteckter Ironie, dass James Wans jüngstes Horror-Baby auf inszenatorischer Ebene dem Titel gleich mehrfach gerecht wird und auf inhaltlicher rein gar nicht. Die einzige Beschwörung in "The Conjuring" ist die von Genreklassikern wie "The Amityville Horror", "Der Exorzist" und "The Changeling" und deren weniger klassischen Nachahmern der letzten Jahre ("The Awakening"), Monate ("Sinister") und Wochen ("The Haunting in Connecticut 2"); das einzige Zauberkunststück ist, dass der passable Poltergeist-Streifen trotzdem ein paar Schauer erzeugt.

Eine Anrufung der paranormalen Art fehlt in der "wahren Geschichte", es sei denn, man wertet, wie es der Regisseur offenbar tut, das unkirchliche Leben des dämonengeplagten Ehepaares Carolyn (Lili Taylor) und Roger Perron (Ron Livingston) als Heraufbeschwören des Bösen. Das spukt im museumswürdigen in Harrisville gelegenen 70er-Jahre-Heim der Perrons und ihrer Töchter Nancy (Hayly McFarland), Drew (Shannon Cook), Christine (Joey King), Cindy (Mackenzie Foy) und April (Kyla Deaver) in Gestalt einer am Strick hängenden "Hexe". So nennt Geisterjägerin Lorraine Warren (Vera Farmiga) die ursprüngliche Hausbesitzerin Bathsheba, die bei den Hexenprozessen von Salem angeklagt war – wie ihr satanische Umtriebe zu Lebzeiten und danach nahelegen, völlig zu Recht. Unheimlicher ist allerdings, wie der Plot puritanischen Religionswahn als triftiger Beweis für die Fatalität von Kirchenabstinenz und Agnostizismus anführt. Wen die Soundeffekte, die zwischen obligatorischen Grusel-Geräuschen von Spieluhren und Kinderflüstern gern abrupt den Lautstärkepegel anheben, nicht zusammenzucken lassen, dem graut garantiert vor der doppelten Konservativität der Dämonen im frisch bezogenen Zuhause der amerikanischen Durchschnittsfamilie.

Conjuring - Die Heimsuchung Der Regisseur und Mitbegründer der "Saw"-Reihe erweist sich insbesondere im ersten der drei Akte, in die das Brüder- und Drehbuchautoren-Paar Chad und Carey Hayes die Story zersplittert, als Spezialist des schematischen Schreckens. Dieser beruht auf Kindheitsängsten vor der dunklen Türecke, den Schemen im Kleiderschrank und etwas unter dem Bett. In den mit vergilbter Tapete bedeckten und von Hohlräumen durchzogenen Wänden des Schauplatzes im ländlichen Harrisville ist die Urfurcht zwar uninspiriert in Szene gesetzt, aber nachvollziehbar. Ganz anders die Referate von Lorraine und ihrem Gatte, Geisterjäger und Gelegenheitsexorzist Ed Warren (Patrick Wilson). Das psi-phänomenale Pärchen unterrichtet zu Filmbeginn und in ungelenk eingeschobenen Referatspausen sein Publikum in einem Universitätshörsaal und indirekt das im Kinosaal über seine angeblichen Arbeitserfolge. Dazu gehört wohl auch "The Conjuring", dessen Inszenierung und Skript unter der Beratung und vermutlich auch Überwachung der realen Lorraine entstanden. Der Film bezeichnet sie als Dämonologen, obwohl Dämonologie den Glauben an böse Geister erforscht. Die Warrens wären selbst ein geeignetes Studienobjekt; sofern ihr Hokuspokus zwischen Scooby Doo und Ghostbusters nicht bloß eine Verkaufsmasche ist.

Conjuring - Die Heimsuchung: Vera Farmiga Die Warrens haben daheim ein Zimmer mit "bösen" Objekten, die verflucht, besessen oder einfach potthässlich sind. Wer an Chucky, das Buch der Toten und die Box aus "Hellraiser" denkt, hat eine Vorstellung von der Wunderkammer der Warrens, in deren Garage vermutlich "Christine" steht. Wer einen solchen Raum lediglich mit einem "Draußen bleiben"-Schild schützt und (Presse-)Besucher darin herumführt ist plemplem; oder ein Marketinggenie. Als solches jubelt das Paar dem Zuschauer nebenbei eine Portion Religionseifer unter. Bemerkt Roger: "Wir sind nicht wirklich eine Familie von Kirchengängern", rät Ed: "Tja, das sollten Sie noch mal überdenken" und Lorraine urteilt mit patriarchalischem Klerikalismus eine Mutter, die ihr Kind töte, benutze "ihre gottgegebene Gabe zur ultimativen Beleidigung gegen IHN." Die X-Akten der profitorientierten Paranormalos erschienen als seriöse Sachbücher wie "Ghost Hunters", "Satan's Harvest", "Graveyard", "Werewolf" und "The Haunted", im Untertitel meist die Formulierung "true story". Eine solche ist "The Conjuring" garantiert; die wahre Geschichte eines Horrorfilms, der verstaubte Genreversatzstücke mit noch verstaubterer Moral aufbereitet.  

Lida Bach / Wertung:  * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Michael Tackett / Warner Bros. Ent.

 
Filmdaten 
 
Conjuring - Die Heimsuchung (The Conjuring) 
 
USA 2013
Regie: James Wan;
Darsteller: Vera Farmiga (Lorraine Warren), Patrick Wilson (Ed Warren), Lili Taylor (Carolyn Perron), Ron Livingston (Roger Perron), Shanley Caswell (Andrea), Hayley McFarland (Nancy), Joey King (Christine), Mackenzie Foy (Cindy), Kyla Deaver (April) u.a.;
Drehbuch: Chad Hayes, Carey W. Hayes; Produktion: Rob Cowan, Tony DeRosa-Grund, Peter Safran; Kamera: John R. Leonetti; Musik: Joseph Bishara; Schnitt: Kirk M. Morri;

Länge: 111,54 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih von Warner Bros. Pictures Germany; deutscher Kinostart: 1. August 2013



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<09.08.2013>


Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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