6. November 2003 
in Kürze: 

Sein Bruder

"Thomas, der seit längerem an einer Blutkrankheit leidet, hat einen heftigen Rückfall erlitten. Unter diesen Umständen entscheidet er sich, den Kontakt zu Luc wieder aufzunehmen, seinem jüngeren Bruder, den er seit langer Zeit nicht mehr gesehen hat. Während Thomas‘ Krankheit unabwendbar voranschreitet, überwinden die beiden Brüder ihre Entfremdung, kommen sich näher, werden sich ihrer Liebe füreinander bewusst. Gemeinsam stehen sie das Martyrium und die Qualen der Krankenhausbehandlungen durch, bis zu dem Tag, an dem Thomas den Kampf aufgibt. Sie unternehmen noch eine letzte Reise zusammen, ins Haus der Familie am Meer.

Der Tod. Die Liebe.
Thomas stirbt. Er akzeptiert das Sterben. Ein Haus am Ufer des Ozeans – das Haus seiner Kindheit - hat er ausgewählt, um aufs Sterben zu warten. Ich bin bei ihm. Es ist immer noch Sommer. Ich wusste nicht, dass man auch im Sommer sterben kann. 
Ich dachte, dass der Tod immer im Winter eintritt, dass er den Frost, das Grau in Grau und die Trostlosigkeit braucht. Doch ich stelle fest, dass er genauso gut seine Geschäfte bei Sonne verrichten kann, im prallen Licht des Tages. Ich überlege, dass Thomas ihn im vollen Licht empfangen wird. 
In diesem Winter, als er im Krankenhaus lag, glaubte ich, dass es mit einer Erstarrung der Glieder beginnen würde, einer Art Kontraktion, und dass dann plötzlich eine Dringlichkeit da wäre, Eile und Gewaltsamkeit. Aber nein: der Tod kommt mit einer gewissen Lässigkeit und Trägheit, langsam, wie das Dahinschwinden in der Sommerhitze.
Trotzdem wird dieser vorhersehbare, erwartete Tod eine Katastrophe auslösen. Er wird uns auf unsere Existenz zurückwerfen. Er wird sie verändern, ihr eine neue, unvorhergesehene Richtung geben. Er wird unser Leben aus der Bahn werfen, ohne dass sich einer von uns dagegen wehren könnte. Dieser Tod wird das größte Ereignis sein.
Mein Bruder stirbt." (Presse-Text)

Silberner Bär der Berlinale 2003: Beste Regie


 
Filmdaten 
 
Filmtitel: Sein Bruder 
Originaltitel: Son Frère (Frankreich 2002) 
Regie: Patrice Chéreau ("Wer mich liebt, nimmt den Zug", "Intimacy");
Darsteller: Bruno Todeschini ("Code: unbekannt"; Thomas), Eric Caravaca (Luc), Maurice Garrel (alter Mann), Antoinette Moya (Mutter), Fred Ulysse (Vater), Nathalie Boutefeu (Claire), Sylvain Jacques (Vincent), Catherine Ferran (Chefärztin), Robinson Stévenin (Manuel) u.a.; Drehbuch: Patrice Chéreau, Anne-Louise Trividic; Produktion: Azor Films / ARTE F / Love Streams; Kamera: Eric Gautier, Irina Lubtchansky; Maske: Kuno Schlegelmilch; Länge: 92 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Concorde Film


Archivierte Kurzinformation 


Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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