14.09.2012
Roma und Amor gewidmet

To Rome with Love


Die leichtfüßige Sommer-Liebeskomödie Woody Allens teilt uns mit, dass es vorteilhaft sein kann, sich im Leben mal nicht an die Regeln zu halten. Seine Fantasien auszuleben, um sie letztendlich dadurch für immer loszuwerden. Diese Prise Tiefsinn ist diesmal recht bescheiden ausgefallen, die Stadt Rom als Kulisse und wunderbare Mitdarstellerin hingegen sticht regelrecht hervor.

Witzig ist die Idee – für die Woody Allen schön öfters einstand –, angefangene Gedanken und Wunschvorstellungen der Zuschauer weiterzudenken und zu visualisieren. Dabei erspart er ihnen möglicherweise vergeudete Lebenszeit, um selber diese Erfahrungen durchzuleben.

To Rome with Love: Woody Allen, Judy Davis Vier parallel erzählte Handlungen eröffnen eine Palette möglicher Liebesvarianten. Wie eine scheinbar stabile junge Studentenliebe sich fast durch eine sich dazwischen drängelnde offensichtliche Angeberin entzweien lässt zeigt die Geschichte des Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg, der mit einer hervorragenden Darstellung als Facebook-Gründer in "The Social Network" überzeugte). In Allenscher Manier erscheint ihm ein Mentor, selber Star-Architekt (in Gestalt des Alec Baldwin) immer wieder mental oder real – im Film verschmelzen diese Ebenen –, um ihn – allerdings umsonst – zu warnen.

Skurril wirkt die nächste Geschichte des in einer Duschkabine auf die Bühne geschobenen Opernsängers, im realen Leben Leichenbestatter, der von einem berenteten fast zu innovativen Opernregisseur (gespielt von Woody Allen) entdeckt wird. Da der zufällig entdeckte Opernstar aber nur unter der Dusche herzerweichende Töne herauszubringen vermag, duscht er eben auch auf der Bühne. Lustig ist allenfalls diese im Alltag nicht unbekannte Situation wirklich im Film in ihrer äußersten Möglichkeit durchzuspielen, ansonsten lacht man dabei keine Tränen.

Das süße frisch vermählte Paar vom Lande – Antonio und Milly – kommen indes nach Rom in die Flitterwochen. Durch slapstickhafte Zufälle kommt es dazu, dass er eine hochgestöckelte Prostituierte (Penélope Cruz) im engen roten Minikleid als seine Ehegattin ausgeben muss, während die echte Gattin mit ihrem Seifenoper-Lieblingsstar in einem Hotelzimmer landet. Der "Ausflug" der strenggläubig Schüchternen in die verpönte Immoralität bringt jedoch erst richtig Schwung in ihre junge Ehe.

To Rome with Love: Roberto Benigni Und schließlich ist da die Geschichte des in seiner Namen- und Bedeutungslosigkeit untergehenden kleinen Mannes Leopoldo (typischerweise gespielt von Roberto Benigni), der plötzlich aus unersichtlichem Grund zu hohem Ruhm kommt. Wenn sich früher keiner für seine Meinung interessierte, so wird jetzt dem von Journalisten und Paparazzi Bestürmten zu jedem Thema eine Antwort abverlangt. Doch langsam gibt man sich nicht mehr mit einem "Ich weiß nicht" zufrieden, wenn z.B. nach der Existenz Gottes gefragt wird. Der Verlust der Berühmtheit ist dann wiederum auch nicht leicht zu verkraften.

Wäre da nicht noch die wunderschöne Stadt am Tiber, die ganz diskret eine der Hauptrollen übernimmt. Gezielte und winkelgenaue Kameraaufnahmen mittelalterlicher Gässchen mit Blumenranken, stattlicher römischer Piazzas oder hochmoderner kantiger Architektur lassen subtil eine wunderbare sonnengeflutete Atmosphäre entstehen. Für den quirligen und amüsanten Film der passende Hintergrund.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Tobis

 
Filmdaten 
 
To Rome with Love (To Rome with Love) 
 
Italien / USA 2012
Regie & Drehbuch: Woody Allen;
Darsteller: Woody Allen (Jerry), Penélope Cruz (Anna), Alec Baldwin (John), Roberto Benigni (Leopoldo), Judy Davis (Phyllis), Jesse Eisenberg (Jack), Ellen Page (Monika), Greta Gerwig (Sally) u.a.;
Produktion: Letty Aronson, Stephen Tenenbaum, Giampaolo Letta, Faruk Alatan; Co-Produktion: Helen Robin, David Nichols; Ausführende Co-Produktion: Jack Rollins; Kamera: Darius Khondji; Ausstattung: Anne Seibel; Schnitt: Alisa Lepselter;

Länge: 111,46 Minuten (Kino) bzw. 107,27 Minuten (Fernsehen/DVD/Video); FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Tobis; deutscher Kinostart: 30. August 2012



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<14.09.2012>


Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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