01.05.2016

Ein Film nicht nur für Nerds

The Social Network

Mark Zuckerberg war nicht amüsiert. Er lehnte ein Biopic über sich und den Entstehungsprozess von Facebook ab. Regisseur David Fincher ("Sieben") und sein Drehbuchautor Aaron Sorkin ("The West Wing") ließen sich nicht davon abhalten und setzten den Film in die Tat um, was unter anderem mit einem Academy Award für das Beste adaptierte Drehbuch belohnt wurde – nach einem Buch von Ben Mezrich ("Milliardär per Zufall"). Das Medienrecht der USA ist liberaler als hierzulande: In Deutschland hätte man andere Namen wählen müssen. Der Film nennt alle negativ dargestellten Beteiligten so, wie sie wirklich heißen. Durchaus zum Schaden Zuckerbergs: Der Multimilliardär kommt in dem Film nicht gerade gut weg. Der Film betont sein Dasein als wenn auch hochintelligenter, hochintellektueller Nerd und Soziopath. Faktentreu möchte der Film nicht sein, worauf sowohl Zuckerberg als auch Fincher und Sorkin mehrfach hingewiesen haben.

"The Social Network" handelt von Nerds. Aber ist nicht nur für Nerds gemacht. Man kann als Zuschauer aus jedem Kulturbereich kommen und doch seine Freude an dem Film haben. Wichtig ist allein, dass man als Zuschauer in die manchmal hochtrabend intellektuellen Dialoge, die immer wieder von flapsigen Sprüchen der einzelnen Protagonisten ironisch gebrochen werden, hineinfindet. Es beginnt mit einer Trennung: Zuckerberg (Jesse Eisenberg) wird von seiner Freundin Erica (Rooney Mara) verlassen. Nachdem er ihr seine Überlegenheit gegenüber anderen erläuterte. Sein Gerede ist zu viel für sie. Alleingelassen und betrunken begibt sich der Harvard-Student ins Studentenwohnheim, um sich selbst (und dem Zuschauer) zu demonstrieren, was er drauf hat. Er hackt, mithilfe seines besten Freundes Eduardo Saverin (Andrew Garfield), sämtliche Online-Datenbanken der University auf der Suche nach Studentinnenfotos und stellt sie online, jeweils zwei Frauen im Vergleich. Sie sollen von männlichen Studenten nach Attraktivität bewertet werden. Die Seite namens FaceMash, die in der Nacht durch hohen Zuspruch zum Absturz des Servers führt, handelt dem Informatiker Zuckerberg juristischen Ärger und den Ärger der Kommilitoninnen ein, aber auch Anerkennung für seine Leistung am PC. Die Zwillingsbrüder Winklevoss (beide gespielt von Armie Hammer sowie dem Körperdouble Josh Pence) nehmen ihn auf, sie möchten, dass er ihnen die Seite Harvard Connection konstruiert. Stattdessen gründet Zuckerberg mit Saverin thefacebook.com, und es ist eine juristische Frage, ob er die Idee von den Brüdern geklaut hat.

Neben der pointierten Darstellung Zuckerbergs als Nerd und arrogantem Menschenfeind geht es im Film vor allem um Gerichtsprozesse. Nicht nur den der Winklevoss-Zwillinge, auch Saverin wird seinen ehemals besten Kumpel belangen. Er wurde von ihm und Napster-Gründer und Facebook-Berater Sean Parker (Justin Timberlake) ausgebootet, mit einer Intrige ausgeschaltet. Ein Schlüsselsatz am Ende des Films ist: "Sie sind kein Arschloch, Mr Zuckerberg. Sie bemühen sich aber, eins zu sein."

Für den Facebook-Gründer Zuckerberg ist es keine "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichte in dem Sinne: Wer in Harvard studiert, hat mit Sicherheit reiche Eltern. Facebook hat Zuckerberg superreich gemacht. Doch das ist nicht der Antrieb. Facebook ist dafür da, so stellt es der Film dar, um Sex, Sex pur zu haben. Wie kommt man an Frauen ran? Über die von fast allen geliebte, von manchen gehasste Freundschaftsseite Facebook. Nach dem Film wird man sich allerdings zweimal überlegen, ob man ihr beitritt. Oder man fragt sich, ob man austritt. Wegen den Nerds, die sie errichtet haben und in David Finchers manchmal für diesen Regisseur sehr konventionell, aber geradlinig geratenen Film äußerst negativ dargestellt werden.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

The Social Network
(The Social Network)

USA 2010
Regie: David Fincher;
Darsteller: Jesse Eisenberg (Mark Zuckerberg), Andrew Garfield (Eduardo Saverin), Justin Timberlake (Sean Parker), Armie Hammer (Cameron Winklevoss / Tyler Winklevoss), Rooney Mara (Erica Albright), Brenda Song (Christy), John Hayden (Howard Winklevoss) u.a.;
Drehbuch: Aaron Sorkin nach dem Buch "Milliardär per Zufall" von Ben Mezrich; Produktion: Dana Brunetti, Ceán Chaffin, Michael De Luca, Scott Rudin; Kamera: Jeff Cronenweth; Musik: Trent Reznor, Atticus Ross; Schnitt: Kirk Baxter, Angus Wall;

Länge: 120,32 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Sony Pictures Releasing GmbH; deutscher Kinostart: 7. Oktober 2010



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"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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