15.03.2017

Thor - Ein hammermäßiges Abenteuer

Während sein Vater Odin als strenger Gott in Walhalla residiert, lebt der kleine Thor mit seiner Menschenmutter in einem nordischen Dörfchen. Thor ist zwar ein Halbgott, stellt sich bei der Arbeit in der hauseigenen Schmiede aber trotzdem tollpatschig an und gerät bei der Gegenwart des Mädchens Edda ins Straucheln. Sein Leben ändert sich schlagartig, als ein sprechender Hammer durch das Dach seiner Schmiede kracht. Als Hel, die Göttin der Unterwelt, bis auf Thor alle Dorfbewohner/innen entführt, erkennt der Jüngling die magischen Wunderkräfte des kecken Hammers und bricht voller Tatendrang auf, um seine Leute zu retten.

Im weiteren Verlauf steigt der junge Thor, der mit seinem geistigen Verwandten aus den Marvel-Adaptionen "Thor" (Kenneth Branagh, USA 2011) und "The Avengers" (Joss Whedon, USA 2012) nicht viel gemein hat, zum Helden auf. Es ist eine ganz und gar klassische Heldenreise, die Thor absolviert, und leider fällt den insgesamt vier Drehbuchautoren kaum etwas ein, um dieses archetypische Grundgerüst mit interessanten Ideen zu bereichern. Im Gegenteil wirken die Figuren wie Abziehbilder, während das Interesse an der dramaturgisch ungelenken Story schnell abflaut. Immerhin gewährt der Film kleinen Kinobesucher/innen einen ersten Einblick in die nordische Mythologie, wobei der dänische Zeichentrickfilm "Walhalla" (1986) diesen Mehrwert auf sympathischere Weise einlöst.

Was auf erzählerischer Ebene misslingt, funktioniert ästhetisch genauso wenig. Der erste 3D-Animationsfilm aus Island sieht um Welten unspektakulärer aus als die Werke der großen Animationsstudios und erreicht selbst das Niveau des 13 Jahre alten Schlüsselfilms "Toy Story" nur in Ansätzen – vom schwachen 3D-Effekt ganz zu schweigen, der allenfalls in einigen schnöden Jahrmarkts-Effekten zur Geltung kommt. Zum Teil ist die vergleichsweise missglückte Qualität der animierten Bilder dem kleineren Budget geschuldet, die weitgehende Abwesenheit von zündenden Ideen geht aber ganz auf das Konto der Filmemacher. Doch wenigstens die Jüngsten könnte der gar nicht so hammermäßige "Thor" unterhalten – wer den Grundschulabschluss bereits sein Eigen nennt, dürfte vom wenig originellen Drehbuch und den kargen Animationen allerdings enttäuscht sein.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Thor - Ein hammermäßiges Abenteuer
(Hetjur Valhallar - Þór)

Alternativtitel: Legends of Valhalla: Thor (weltweit) und Thor: Legend of the Magical Hammer (USA)

Island/Irland/Deutschland 2011
Regie: Oskar Jónasson mit den Koregisseuren Toby Genkel und Gunnar Karlsson;
Drehbuch: Fridrik Erlingsson, Toby Genkel, Óskar Jónasson und Mark Hodkinson nach den Charakteren und Storys von Snorri Sturluson; Produzent: Hilmar Sigurdsson; Musik: Stephen McKeon; Schnitt: Elísabet Ronaldsdóttir;

Länge: 86,22 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 11. April 2013



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"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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