15.03.2017

Thor

Der nordische Donnergott Thor (Chris Hemsworth), Thronfolger des weit entfernten Königreichs Asgard, ist äußerst ungestüm – leichtsinnig provoziert er einen Krieg mit den Erzrivalen. Sein Vater Odin (Anthony Hopkins) verbannt ihn daher ohne Götterkräfte auf die Erde. Dort verliebt sich Thor in die schöne Forscherin Jane (Natalie Portman) und reift zum weisen König, während sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) nach mehr Macht in Asgard trachtet.

Das Fantasy-Spektakel "Thor" kann man gut einordnen, wenn man seine enge Verwandtschaft zum Videospiel erkennt. Die allzu lange gescholtene Zeitgeist-Kunstform spiegelt sich in vielen der gegenwärtigen Hollywood-Blockbuster, nicht nur auf ästhetischer, sondern zunehmend auch auf dramaturgischer Ebene. Der Big-Budget-Ausflug (150 Millionen Dollar) des Regisseurs Kenneth Branagh basiert zudem auf einer Comicserie von Marvel-Mastermind Stan Lee – der Reibung der populären Kunstformen sollte also nichts mehr im Wege stehen, zumal die Besetzung ziemlich knackig ist.

Eine Erklärung, inwieweit die Actionszenen eines Blockbusters wie "Thor" ästhetische Anknüpfungspunkte beim Videospiel finden, erübrigt sich. Der gelungene, jedoch grenzwertig lautstarke CGI-Krawall und die veritable 3D-Technik sprechen Bände; in der Tat zelebriert der Trailer zur Game-Veröffentlichung in punkto Kamera, Schnitt, Musik und Sound dieselbe Ästhetik wie das filmische Vorbild.

Doch auf welche Weise spiegelt sich die narrative Anlage eines Computerspiels in einem Kinofilm? Es ist zuallererst die Levelstruktur, der "Thor" folgt und die bereits in Actionfilmen wie "Wanted" oder "Gamer" auftaucht. Der Held braucht ganz in der Folge von Adventures wie "Zelda" einen bestimmten Gegenstand, um einen Endboss zu besiegen oder ein höheres Level zu erreichen. In "Thor" ist das der magische Hammer, der wie Excalibur in einem Stein feststeckt und um den herum die Regierung einen Hochsicherheitstrakt errichtet, der deutlich an ein Videospiel erinnert; selbst einen Zwischenboss muss Thor bezwingen, als er nach langer Klopperei in den letzten Raum gelangt. Dass die Figuren, die wahlweise an Tolkiens Gefährten oder – wie es im Film heißt – Xenia, Jackie Chan und Robin Hood erinnern, kaum über den Background einer gewöhnlichen Videospiel- oder Comicfigur hinauskommen, betont die gradlinige Abfolge von Problemlösungen zusätzlich: Der Reifeprozess des Helden erinnert an die Erfahrungspunkte aus einem Rollenspiel, der Vater-Sohn-Konflikt und der Bruderzwist (ein Hauch Shakespeare) rücken in den Hintergrund.

Mit "Thor" liefert Kenneth Branagh einen recht unterhaltsamen Film, der vornehmlich über das Visuelle funktioniert und interessante Querbezüge zur Popkultur anbietet. Dennoch wäre es spannender, selbst Thor zu sein, als lediglich draufzugucken, wie der Film-Thor aus eigener Kraft den Hammer schwingt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Thor
(Thor)

USA 2011
Regie: Kenneth Branagh;
Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Stellan Skarsgard (Erik Selvig), Kat Dennings (Darcy Lewis), Clark Gregg (Agent Coulson), Colm Feore (König Laufey), Idris Elba (Heimdall), Ray Stevenson (Volstagg), Tadanobu Asano (Hogun), Josh Dallas (Fandral), Jaimie Alexander (Sif), Rene Russo (Frigga) u.a.;
Drehbuch: Ashley Edward Miller, Zack Stentz, Don Payne nach der Story von J. Michael Straczynski und Mark Protosevich nach den Comics von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby; Produzent: Kevin Feige; Kamera: Haris Zambarloukos; Musik: Patrick Doyle; Schnitt: Paul Rubell;

Länge: 115,02 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 28. April 2011



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"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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