27.09.2018

Star Wars: Episode I
- Die dunkle Bedrohung

Wie lange George Lucas seine "Star Wars"-Saga noch überarbeitet, weiß wohl nur der liebe Gott. Kaum eine andere Kinofilmreihe erfuhr so viele Neuauflagen und Überarbeitungen jeglicher Stoßrichtungen: etwa in punkto "brandneue" Bildqualität, veränderte Schnittfassungen, Spezialeffekte und Pixelverhältnisse, Sequels, Prequels und Spin-Offs und Wiederaufführungen in den Lichtspielhäusern. So ist es nur konsequent, dass George Lucas und die zugehörige Effekt-Schmiede "Industrial Light & Magic" das kassenträchtige und – verglichen mit den 3D-Booms Mitte der 50-er ("Bei Anruf Mord") und Anfang der 80-er ("Der weiße Hai 3-D") – tatsächlich "sehenswerte" Reel-D-Verfahren der Gegenwart für eine erneute Kinopremiere von "Star Wars" beim Schopfe packt.

Der Film als solcher ist ja bekannt: Angelegt als Vorgeschichte zur Original-Trilogie erzählt Lucas einen politischen Konflikt zwischen den bösen Sith Lords und den guten Jedi-Rittern. Es geht um Handelsrouten und der friedliche Planet Naboo gerät ins Kreuzfeuer der Ränkespiele, weswegen ein Jedi-Meister (Liam Neeson) und sein Schüler (Ewan McGregor) einschreiten. Bald ertönt die Titelmelodie von John Williams, die Laserschwerter surren im Kampfgetümmel und nicht nur ein Podrennen sorgt für visuelle Aufregung. Nun ist "Star Wars: Episode I" trotz ordentlichem 3D-Effekt noch immer ein Kinofilm, der die Geister scheidet: Ein computeranimierter Yoda, der tollpatschige Jar Jar Binks und der rot-schwarze Darth Maul sind immer noch Jahrmarktsattraktion, Kinderfilm und Geschmackssache. Mit einer Portion Zeitgeist Filmgeschichte im Hinterkopf, passt der Re-Release von "Star Wars" indes wie die Faust aufs Auge unserer Zeit, was nicht gerade uninteressant ist, denn:

Dass die zahlreichen "Star Wars"-Überarbeitungen die Fanboys und Cineasten dieser Welt in zwei Lager teilen, ist ein alter Hut und steht hier nicht weiter zur Debatte, sondern gehört ins Forum. Erwähnt sei jedoch, dass "Krieg der Sterne" (1977) filmgeschichtlich eine zentrale Rolle spielt: Gemeinsam mit "Der Pate" (1972) von Coppola und "Der weiße Hai" (1975) von Spielberg markiert der zweite Spielfilm von George Lucas eine Zeitenwende im amerikanischen Hollywood-Kino – aus dem Geist des rebellischen "New Hollywood" geboren, prägten diese drei und andere "Sommerblockbuster" der ersten Generation die Marketing-Strategien der Traumfabrik bis heute. So erklärt sich etwa auch der nie enden wollende Merchandising-Koloss, der seit jeher an "Star Wars" haftet: Von Kinderbettwäsche über Ü-Ei-Figuren und Videospiele bis zu Karnevalskostümen ist alles dabei. Diesen Umstand als reine "Geldmacherei" abzukanzeln, greift (nüchtern betrachtet) zu kurz – vom Kinosessel aus gesehen.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de zur Wiederaufführung des Films in 3D am 9. Februar 2012.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung
(Star Wars: Episode I - The Phantom Menace)

USA 1999
Regie & Drehbuch: George Lucas;
Darsteller: Liam Neeson (Qui-Gon Jinn), Ewan McGregor (Obi-Wan Kenobi), Natalie Portman (Königin Amidala / Padmé), Jake Lloyd (Anakin Skywalker), Ian McDiarmid (Senator Palpatine), Pernilla August (Shmi Skywalker), Oliver Ford Davies (Sio Bibble), Hugh Quarshie (Captain Panaka), Ahmed Best (Jar Jar Binks), Anthony Daniels (Stimme von C-3PO), Kenny Baker (R2-D2), Frank Oz (Stimme von Yoda), Terence Stamp (Chancellor Valorum), Ray Park (Darth Maul), Samuel L. Jackson (Mace Windu), Lindsay Duncan (Stimme von TC-14), Sofia Coppola (Saché), Keira Knightley (Sabé), Warwick Davis, Sally Hawkins u.a.;
Produzent: Rick McCallum; Kamera: David Tattersall; Musik: John Williams; Schnitt: Ben Burtt, Paul Martin Smith;

Länge: 133 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 19. August 1999; in 3D Wiederaufführung am 9. Februar 2012



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Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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