01.12.2012
Lebe den Augenblick

Remember Me


Robert Pattinson kann auch anders, als nur den leidenden Vampir zu mimen. Zwischen den Dreharbeiten des zweiten und dritten Teils der Twilight-Saga, "New Moon" und "Eclipse", drehte er 2009 das Drama "Remember Me" und zeigt sich hier von einer sehr menschlichen Seite.

"Alles was du tust, ist letzten Endes unwichtig. Aber es ist sehr wichtig, dass du es tust."
Dem ersten Part dieses Zitats von Mahatma Gandhi stimmt Tyler Hawkins (Robert Pattinson) zu. Er weiß überhaupt nicht, was ihm das Leben bringen soll. Tyler steht kurz vor seinem 22. Geburtstag. Der Geburtstag, an dem sich sein geliebter Bruder Michael vor sechs Jahren erhängt hat. Seine Eltern leben getrennt, sein emotional distanzierter Vater Charles (Pierce Brosnan) scheint nur auf seine Firma bedacht, seine ihm am Herzen liegende, kleine Schwester Caroline (Ruby Jerins) wird von Mitschülerinnen gemobbt.

Voller Trauer, Frust und Zorn gerät der Student in einer Partynacht mit seinem WG-Freund Aiden (Tate Ellington) in eine Schlägerei und bekommt die Faust von Polizist Neil Craig (Chris Cooper) zu spüren. Aiden findet heraus, dass Craig eine Tochter hat und bringt Tyler dazu, Ally (Emilie de Ravin) aus Rache zu verführen. Aus Tylers Spiel und Allys Skepsis entwickelt sich echte Liebe. Als Ally von Tylers anfänglichen Gründen erfährt, scheint ihre Beziehung zerstört. Aber das soll nicht das wirkliche Ende der Beziehung sein. Obwohl sie ihm vergibt.

Auf den ersten Blick scheint "Remember Me" eine typische Lovestory zu sein. Auf den zweiten Blick verliert sich das Klischeehafte und es bleibt ein einfacher Einblick in ein Leben mit dramatischem Ende.

Schon zu Beginn des Films betont die melancholische Musik von Komponist Marcelo Zarvos die Atmosphäre. Sie zieht sich durch den gesamten Film und hält sogar stand bei glücklichen Nuancen in Tylers Gefühlsleben, die eher rar gesät sind. Wer genau hinhört, weiß, dass die Liebesgeschichte noch nicht alles war.

Regisseur Allen Coulter und Drehbuchautor Will Fetters haben es mit Robert Pattinson, der gleichzeitig Ausführender Produzent ist, geschafft, die Rebellion eines Heranwachsenden gegen seinen mächtigen Vater und einen Gesetzeshüter glaubwürdig darzustellen. Robert Pattinson, eher bekannt als beschützender, kräftiger und sich beherrschender Vampir, ist die Rolle des sensiblen und zerrütteten Tyler wie auf den Leib geschnitten.

Ebenso authentisch wirkt Emilie de Ravin als Polizistentochter Ally. Ein junge Frau, die selbstbewusst und keck durchs Studentenleben geht, obwohl sie mit 11 Jahren ansehen musste, wie ihre Mutter ermordet wurde und sie seitdem von ihrem Vater überbehütet wird.

Der Film bleibt bei der Darstellung der Beziehung von Tyler und Ally auf einem sehr natürlichen Weg, keine überschwänglichen Liebesbekundungen oder rosaroten Brillen gibt es. Dabei verstehen Allen Coulter und Kameramann Andrew Freeman die Kunst, dem Zuschauer immer nur die für ihn nötigen Informationen zukommen zu lassen, um die Charaktere und deren Beziehung verstehen zu können. Mit "Oscar"-Preisträger Chris Cooper und Pierce Brosnan hat er Schauspielgrößen an seiner Seite, die nicht überzogen aber kraftvoll und überzeugend ihre Rollen als Autoritätspersonen spielen. Schauspielerisches Talent beweist auch Ruby Jerins als die 11-jährige Caroline, die aufgrund ihres künstlerischen Könnens auf ihre Mitschüler anders wirkt und gehänselt wird. Gekonnt stellt sie sich als kleines Mädchen dar, das sich von Ihrem Vater nicht geliebt fühlt. Mit Leichtigkeit bringt sie die tiefe Verbindung zwischen Ruby und ihrem Bruder Tyler herüber.

"Remember Me" greift zu Beginn die verschiedenen, gebeutelten Lebenswege auf, lässt sie zu freudigen Ereignissen kreuzen, um sie am Ende in tiefer Trauer zu vereinen. Scheinbar aus dem Nichts wird der Lovestory das Thema 9/11 angeklebt und die Liebesgeschichte erhält eine andere Dimension. Fragwürdig, ob dieses bedrückende Ende notwendig ist. Aber es regt zur Diskussion an und damit haben die Filmemacher ihr Ziel erreicht.

Sehenswert zeigt "Remember Me" das ewige Thema Liebesbeziehung auf eine natürliche Art von einer anderen Seite. Der Cast überzeugt in seiner Darstellung und Zusammensetzung. Wer sich den Film ein zweites Mal anschauen sollte, wird die Untertöne besser verstehen. Fragt sich nur, was aus dem Ende des Films, ja dem Film selbst geworden wäre, hätte es die Tragödie des 11. Septembers in der Geschichte Amerikas nicht gegeben?  

Ulrike Braun / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
Remember Me (Remember Me) 
 
USA 2010
Regie: Allen Coulter;
Darsteller: Robert Pattinson (Tyler Hawkins), Emilie de Ravin (Ally Craig), Pierce Brosnan (Charles Hawkins), Chris Cooper (Neil Craig), Ruby Jerins (Caroline Hawkins), Tate Ellington (Aiden Hall), Lena Olin (Diane Hirsch) u.a.;
Drehbuch: Will Fetters; Produzenten: Trevor Engelson, Nicholas Osborne; Kamera: Jonathan Freeman; Musik: Marcelo Zarvos; Musikalische Leitung: Alexandra Patsavas; Schnitt: Andrew Mondshein;

Länge: 113 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Concorde Filmverleih GmbH; deutscher Kinostart: 25. März 2010



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<01.12.2012>


Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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