04.03.2019

Possession
- Das Dunkle in Dir

Nach der elterlichen Scheidung leben die zehnjährige Emily (Natasha Calis) und ihre Schwester Hannah (Madison Davenport) abwechselnd bei Vater (Jeffrey Dean Morgan) und Mutter (Kyra Sedgwick). Auf einem Flohmarkt ersteht der Vater eine alte Holzkiste für Emily, die aus einer Hausratsauflösung stammt. Dass in dieser unheilvollen Kiste ein uralter Dybbuk steckt, bekommt die Familie bald am eigenen Leib zu spüren: Der Dybbuk, ein Totengeist aus der jüdischen Folklore, zehrt nämlich von den Seelen der Lebenden. Das sonderbare Verhalten Emilys und urplötzlich zuknallende Türen markieren die ersten Stationen auf dem Weg in den Abgrund.

Mit "Der Exorzist" (USA 1973) schrieb William Friedkin ein Stück Filmgeschichte. Bis heute dient der mustergültig inszenierte Exorzismus-Schocker als Blaupause für ähnlich gelagerte Filme: Ob "Der Exorzismus der Emily Rose", "Der letzte Exorzismus" oder "The Rite – Das Ritual" – immer aufs Neue müssen Ausflüge ins Exorzismus-Genre Vergleichen mit Friedkins "Original" standhalten. Nun mag es unfair erscheinen, jeden neuen Kino-Exorzismus mit Verweis auf Friedkins Klassiker beiseite zu schieben. Auf der anderen Seite ist es wegen der offensichtlichen Parallelen jedoch kaum möglich, bei der Sichtung von "Possession – Das Dunkle in Dir" nicht an "Der Exorzist" zu denken, was dem Film letztlich zum Nachteil gereicht.

Dabei war die Ausgangslage des neuerlichen Exorzismus-Films nicht schlecht: Mit dem dänischen Regisseur Ole Bornedal, der bereits mit seinem Debüt "Nightwatch – Nachtwache" (Dänemark 1994) nachhaltig beeindruckte, und Sam Raimi ("Tanz der Teufel", USA 1981) als Produzent stehen gleich zwei große Namen des Horrorfilms hinter "Possession". Und in der Tat schlägt sich das handwerkliche Know-how in der über weite Strecken stimmungsvollen Atmosphäre und den finsteren Bildern nieder. Auch die Darsteller – allen voran Natasha Calis als Besessene – können überzeugen. Zum spannenden Horrorfilm verdichten sich diese Zutaten jedoch nicht, da "Possession" abgesehen von zwei, drei Schockmomenten keine Überraschungen bietet und lediglich aus Versatzstücken des Genres besteht. Besonders schade ist der Umstand, dass die Mythologie des Dybbuk und die Besonderheiten einer jüdischen Dämonenaustreibung nur am Rande eine Rolle spielen – gerade hier hätte der Genrefilm etwas Neues beitragen können.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Possession - Das Dunkle in Dir
(The Possession)

USA/Kanada 2012
Regie: Ole Bornedal;
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan (Clyde), Kyra Sedgwick (Stephanie), Natasha Calis (Em), Madison Davenport (Hannah), Matisyahu (Tzadok), Grant Show (Brett), Rob LaBelle (Russell), Nana Gbewonyo (Darius), Anna Hagan (Eleanor) u.a.;
Drehbuch: Juliet Snowden, Stiles White; Produzenten: Sam Raimi, J.R. Young; Kamera: Dan Laustsen; Musik: Anton Sanko; Schnitt: Eric L. Beason, Anders Villadsen;

Länge: 92,25 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 8. November 2012



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Zitat

"Ich kannte sie, bevor sie Jungfrau wurde."

Ein Zitat zu Doris Day (3. April 1922 - 13. Mai 2019), das laut Wikipedia ihrem ehemaligen Leinwandpartner Oscar Levant zugeschrieben wird.

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