9. Juni 2005
Douglas Adams' wundersame Welt der bewusstseinserweiternden Zitronen

Per Anhalter durch die Galaxis


FilmszeneLange hatte Douglas Adams vergeblich um diesen Film gekämpft. Wie wenn man ein Steak grillen wolle, indem Leute es anhauchten, sagte er frustriert. Dabei sind sie sehr leinwandtauglich, Adams' skurrile Fantasien um den Erdenbewohner Arthur Dent, der unfreiwillig auf Odyssee in den Weltraum geht. Garth Jennings hat Adams' Vorlage kongenial adaptiert, mit stilistischen Anleihen bei den Monty Pythons. Einziger wirklich schwer wiegender Wermutstropfen: Adams, 2001 zu jung gestorben, durfte die Verfilmung nicht mehr erleben.

FilmszeneRechtzeitig zur Vollendung der "Star Wars"-Filmreihe kommt ein anderer, eine große Fan-Gemeinde begeisternder Science Fiction-Klassiker erstmals verfilmt in die Kinos. Rechtzeitig, denn nach den zahlreichen sich zu Ernst nehmenden Filmepen der letzten Jahre macht "Per Anhalter durch die Galaxis" gerade das genaue Gegenteil. Wie schon 1978, als der angehende BBC-Autor Douglas Adams die Hörspielreihe ins Leben rief, aus der er anschließend eine TV-Serie für die BBC und fünf Romane entwickelte, das Fantasy-Genre persiflierte - "Krieg der Sterne" lag ein Jahr zurück -, gilt auch 2005: Adams' alles ironisch brechender Mikrokosmos, mal soeben auf die ganze Galaxie erweitert, wird wieder begeistern, nun auf der Leinwand. Denn das Filmteam hat nahezu alles richtig gemacht. Vorausgesetzt, der Zuschauer kommt mit dem wilden, abgespaceten Humor klar.

FilmszeneAdams' Humor verlangt dazu, die Zerstörung der Erde von einem Augenblick auf den nächsten zu akzeptieren. "Per Anhalter durch die Galaxis" folgt dem Schema: Mit einer Explosion beginnen und sich dann langsam steigern. Die Explosion hat nicht die ganze Menschheit pulverisiert. Ganz wie ein paar Jahrtausende zuvor Noah ist ein Mensch gerettet worden: Großbritanniens Variante des Otto Normalverbraucher, Arthur Dent. Der etwas Zeit braucht, das Vorgefallene zu verstehen. Wo, for god's sake, bekommt man auf einem Raumschiff der Vogonen seinen Fünf-Uhr-Tee? Clash der Kulturen: Jene Vogonen sind, fast auch very british, genauso not amused: Anhalter, blinde Passagiere wie Dent und sein außerirdischer Retter und bester Kumpel Ford Prefect sie sind, stören an Bord ihrer Schiffe. Auftritt der nächste Retter: Zaphod Beeblebrox, in seinem geklauten Weltraumkreuzer "Herz aus Gold". Aber möchte man sich von dem Verrückten wirklich retten lassen? Der Dent zudem einst auf irdischer Party die Fast-Freundin ausspannte, mit dem schlagkräftigen Argument "Du darfst mein Raumschiff kennen lernen, Baby." Immerhin, so sehen sich Arthur und Tricia, ein zweiter geretteter Mensch wieder. Gegenüber Adams' Vorlage wird der Film um die Romanze der beiden verbliebenen Erdlinge erweitert.

FilmszeneAnhand der Verfilmung "Per Anhalter durch die Galaxis" lässt sich die mediale Rezeption eines überaus erfolgreichen Stoffs studieren. Es lässt sich betrachten, wie die Story der Vorlage Leinwand-gemäß verknappt werden muss. Ein schwieriges Unterfangen, gilt es, den Wortwitz Adams' in den vorliegenden 109 Minuten unterzubringen, dabei den Anschauungen der Fan-Gemeinde von Adams’ Werk gerecht zu werden - sie vor allen Dingen sind die größten Infragesteller dieses Unternehmens Verfilmung. Ein Experiment, das weitestgehend geglückt ist, da Adams’ Stil mit einem eigenständigen filmischen Stil kombiniert wurde. Ein Stil, der alles weniger Wichtige streichen muss, leider manches Wichtige aus Adams' Vorlage auch. Konzessionen, die zu akzeptieren sind in der Kürze der Filmlaufzeit. Ein Stil, der Tribut zollt an die Ära, in der Adams sein Werk verfasste, die 70er Jahre, die Hoch-Zeit der Monty Pythons. Die Hauptfiguren Dent, Prefect, Beeblebrox und Tricia sowie der paranoide Android Marvin werden zu Rittern nicht der Kokosnuss, sondern der Zitrone auf der Suche nach der Antwort aller Antworten auf die Frage aller Fragen. Die Antwort ist: 42. Und die Frage lautete? Keine Ahnung. Hoffnungslosigkeit wird so satirisch verdreht, philosophische Verschwurbelung so durch den Kakao gezogen. Dazu seien Depressionen, eine allzu menschliche Krankheit und allzu zeitgemäß im Weltklima nach 2001, einzig ausgerechnet einem Roboter, dem treuen Begleiter Marvin gestattet.

FilmszeneEin Stil aber auch, jener gewählte Film-Stil, der den Figuren ihre Schrulligkeit nicht nimmt, sondern diese dank der glänzend aufgelegten Darsteller kongenial erweitert. Sam Rockwell als Zaphod Beeblebrox liefert eine perfekte Show ab, um die tagesaktuell Regierenden in ihrer mitunter vorkommenden Lächerlichkeit zu entlarven. Ausgerechnet der verantwortungsunfähige Hippie Beeblebrox soll demokratisch zum Präsidenten der Galaxis gewählt worden sein, der bewusstseinserweiternde Zitronen fürs Denken benötigt wie manche Politiker das Öl für die allgemeine Amtsausübungsberechtigung. Der sein Gehirn für so toll hält, dass er es auf zwei Köpfe aufgeteilt hat. Zaphods Kopf funktioniert "wie ein Pez-Spender" (Jennings) - besser kann man die Ambivalenz (man könnte auch sagen: Schizophrenie) der Handelsweisen von in ihrer Macht übergeschnappten Politikern nicht beschreiben. Das alles vermengt mit bissigem Humor. Beeblebrox diametral gegenübergestellt der allzu machtlose, doch allzu menschliche Durchschnittsmensch Dent, der bei allem Wahnsinn der ihn umgebenden Ereignisse auf dem Teppich bleibt. Für dessen Figur wurde der bislang nur in einer Nebenrolle der Liebeskomödie "Tatsächlich ... Liebe" aufgefallene Schauspieler Martin Freeman hervorragend besetzt. So, wie es auch im Fall des farbigen Schauspielers Mos Def als ruhender Pol Ford Prefect von einem Planeten nahe Orion-Stern Betelgeuze geschehen ist, obwohl Adams die Figur nie als Farbigen geschildert hatte.

Trotz mancher störend missglückten Reduktion, aber auf Grund der liebevollen Wiedergabe des Temperaments der Vorlage wäre Douglas Adams mit dieser Adaption glücklich geworden.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Per Anhalter durch die Galaxis (The Hitchhiker's Guide to the Galaxy) 
USA / GB 2004 
Regie: Garth Jennings;
Darsteller: Martin Freeman ("Tatsächlich ... Liebe"; Arthur Dent), Sam Rockwell (Zaphod Beeblebrox), Mos Def (Ford Prefect), Zooey Deschanel (Trillian), John Malkovich (Humma Kavula), Bill Nighy (Slartibartfass), Warwick Davis (Marvin), Alan Rickman: im Original Stimme von Marvin, Anna Chancellor (Questular) u.a.; Drehbuch: Douglas Adams (+ 11. Mai 2001) basierend auf seiner Vorlage, Karey Kirkpatrick; Produktion: Gary Barber, Roger Birnbaum, Nick Goldsmith, Jay Roach, Jonathan Glickman; Ausführende Produzenten: Douglas Adams, Robbie Stamp, Derek Evans; Koproduzenten: Todd Arnow, Rebekah Rudd, Caroline Hewitt; Schnitt: Niven Howie; Kostümdesign: Sammy Sheldon; Casting: Susie Figgis; Kamera: Igor Jadue-Lillo; Musik: Joby Talbot; Länge: 109 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih der Buena Vista International (Germany) GmbH; Film-Homepage: http://www.per-anhalter-der-film.de


Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
Offizielle Seite zum Film
<9. 6. 2005>


Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe