28.05.2021

Im Weltall hört dich niemand schreien

Pandorum

Zwei Astronauten erwachen aus dem Hyperschlaf. Sie befinden sich an Bord eines riesigen Raumschiffs, ohne jedwede Erinnerung: Wie lange die beiden Männer im Tiefschlaf waren und wo sie sind, wissen sie nicht. Was an Bord passiert ist, wissen sie ebenfalls nicht. Und welchen Auftrag sie erfüllen sollten, ist ihnen schleierhaft. Da der Durchgang zur Brücke verschlossen ist, bricht einer der beiden (Ben Foster) ins Schiffsinnere auf und bleibt mit seinem Kollegen (Dennis Quaid) per Funk in Kontakt. Recht bald wird klar, dass die beiden nicht alleine sind...

Keine Frage: Die Ausgangssituation von "Pandorum" ist überaus vielversprechend. Und auch die Grundidee der weiteren Story kann in weiten Teilen überzeugen: An Bord des Raumfrachters leben verstreute Überlebende in brutaler Anarchie, während sie einer ständigen Bedrohung durch aggressive Mutanten ausgesetzt sind – ein wahrer Science-Fiction-Alptraum, dessen Hintergründe lange ungeklärt bleiben.

Entscheidender als eine passable Geschichte ist allerdings das Wie der Erzählung, also die Inszenierung. Hier macht Regisseur Christian Alvart eine Reihe Fehler, die den Gesamteindruck des Films erheblich trüben. So opfert er einen Gutteil der atmosphärischen Chancen des Stoffs in der übereilten Hatz durch das Schiff, die mehr an actionreichen Höhepunkten, als an einer ausgewogenen Dramaturgie interessiert ist. Spannung wird in "Pandorum" recht oberflächlich und jeweils nur für den Moment erzeugt und die Kampfszenen verlieren durch die teils billigen Effekte und die magere Ästhetik deutlich an Wirkungskraft. Allenfalls die exzentrisch ausgeleuchteten, klaustrophobischen Sets können teilweise überzeugen.

"Pandorum" erscheint über weite Strecken wie ein Hybrid aus ähnlich gelagerten Filmen, wobei vor allem "Alien" und "Event Horizon", aber auch "The Descent" und "Resident Evil" als Referenzen augenscheinlich werden. An sich wäre diese Anlehnung an erprobte Muster nicht weiter schlimm, würde Christian Alvart seinen Stoff mit ein wenig mehr Stil und Format inszenieren. Seine schwache Regie überführt die an sich spannende Szenerie jedoch in fade Durchschnittlichkeit: Das Potential wird weitgehend verschenkt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn



Filmdaten

Pandorum
(Pandorum)

Deutschland/GB 2009
Regie: Christian Alvart;
Darsteller: Dennis Quaid (Payton), Ben Foster (Bower), Cam Gigandet (Gallo), Antje Traue (Nadia), Cung Le (Manh), Eddie Rouse (Leland), Norman Reedus (Shepard), Friederike Kempter (Evalon), André Hennicke, Wotan Wilke Möhring u.a.;
Drehbuch: Travis Milloy nach der Story von Christian Alvart und Travis Milloy; Produzenten: Paul W.S. Anderson, Jeremy Bolt, Robert Kulzer; Kamera: Wedigo von Schultzendorff; Musik: Michl Britsch; Schnitt: Philipp Stahl, Yvonne Valdez;

Länge: 108 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 1. Oktober 2009



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"Einen Film auf der Mattscheibe zu sehen, das ist etwa so, als würde man einen van Gogh auf einer Briefmarke betrachten."

Schauspieler Jean-Paul Belmondo (9. April 1933 - 6. September 2021)

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