26.12.2017

American Heroes

Monuments Men
- Ungewöhnliche Helden

Im Jahr 1943 mischen die USA längst im Zweiten Weltkrieg mit. Doch der US-Kunsthistoriker Frank Stokes (George Clooney) sorgt sich nicht nur um die vielen Menschenleben, die der Krieg fordert, sondern auch um die zahlreichen Kunst- und Bauwerke, die bei Bombardements und Feuergefechten zu Klump gehen oder in den Besitz der räuberischen Nazis fallen. Also unterbreitet Stokes seinem Präsidenten Roosevelt einen tollkühnen Plan: Er möchte eine Truppe aus Kunstkennern nach Europa bringen, um verlorene Kunstwerke zu retten und die Zerstörung weiterer Exponate zu verhindern – die sogenannten Monuments Men.

Wie in einem Heist-Movie der Marke "Ocean's Eleven" rekrutiert Stokes sieben glorreiche Männer mit Spezialfertigkeiten, darunter einen Architekten (Bill Murray), einen Museumsleiter (Matt Damon) und einen Bildhauer (John Goodman), einen britischen Trunkenbold (Hugh Bonneville), einen stolzen Franzosen (Jean Dujardin) und einen deutschstämmigen Gefreiten (Dimitri Leonidas), der als Dolmetscher fungiert. Zuletzt stößt auch eine verführerische Französin (Cate Blanchett) dazu, die Résistance und Nazis gleichermaßen kennt und den Amerikanern zunächst misstraut. Eine notdürftige militärische Grundausbildung der Kunstjäger muss reichen, bevor die Truppe in der Normandie landet. Und schon beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit, denn der Nazi Dr. Stahl (Justus von Dohnányi) schafft bereits allerhand Kunstwerke nach Deutschland, um das geplante Führermuseum zu bestücken. Von Osten her rücken derweil die Russen vor, die erbeutete Kunstschätze als Kriegsentschädigung begreifen – Stokes und seine Bande haben also alle Hände voll zu tun.

Wo bitte geht's nach Hollywood?

George Clooneys fünfter Film als Regisseur basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch von Robert M. Edsel und somit mehr oder minder auf wahren Ereignissen. Die im Film vorgestellten Monuments Men sind in dieser Zusammensetzung allerdings fiktiv und auch sonst spielt die historische Genauigkeit eher eine Nebenrolle. Dass die abenteuerliche Kriegskomödie (außer Konkurrenz) im Wettbewerb der 64. Berlinale lief, hat scheinbar vor allem zwei Gründe: Einerseits drehte Clooney größtenteils in Babelsberg und mit Geldern der deutschen Filmförderung, andererseits sorgte die Berlinale-Aufführung für geballte Starpower auf dem roten Teppich. Durch den medial breit diskutierten Fall rund um Cornelius Gurlitt erhielt die Thematik zudem pünktlich zu den Filmfestspielen neuen Rückenwind. Dass der politisch engagierte George Clooney das brisante und vielschichtige Thema allerdings nicht ernsthaft behandelt, sondern als Prämisse für eine Kriegskomödie verwendet, konnte Berlinale-Chef Dieter Kosslick indes kaum ahnen. Immerhin gehen kleine Polit-Meisterwerke wie "Good Night, and Good Luck" oder "The Ides of March" auf Clooneys Regie-Konto.

Räuber & Gendarmen

Bei "Monuments Men" zeigt der Regisseur, Hauptdarsteller und Co-Drehbuchautor jedoch eher Interesse für leichtfüßige Unterhaltung und Anleihen bei "Indiana Jones" oder dem Hollywoodkino der Fünfzigerjahre. Mit dem stattlichen Ensemble ist die Kriegskomödie rein unterhaltungsmäßig ohnehin ein kleiner Selbstläufer. Zudem ist "Monuments Men" auch ein Roadmovie, das den Zuschauer beispielsweise in die Bergwerke von Siegen, nach Belgien, Österreich oder Schloss Neuschwanstein führt – Langeweile hat da kaum eine Chance, zumal die Werke hochrangiger Künstler wie Michelangelo, Rembrandt, Monet oder Picasso ihrer Rettung harren. Die vielen Erzählstränge und Ortswechsel, die das Abenteuer in einzelne Episoden teilen, erweisen sich aber auch als Hemmschuh. Denn so bleiben die Figuren insgesamt farblos und Clooney vernachlässigt bei all den kleinen Scharmützeln die eigentliche Thematik rund um die Nazi-Raubkunst. Stattdessen ist "Monuments Men" fast schon eine Klamotte mit heiterer Marschmusik, deren tragische Momente arg schematisch erscheinen.

Ein flaues Gefühl hinterlässt auch die Darstellung der Monuments Men als strahlende amerikanische Helden ohne Fehl und Tadel. Anders als in seinen bisherigen Regiearbeiten frönt Clooney einer Schwarzweiß-Malerei ohne Zwischentöne, die in einigen pathetischen Szenen über die Wonnen der Kameradschaft oder das Weihnachtsfest an der Front mündet. Dazu passt auch, dass der Film die im Raum stehende Frage, ob die Rettung von Kunst den Einsatz von Menschenleben rechtfertigt, mit allerlei Plattitüden beantwortet. Wirklich misslungen ist "Monuments Men" aber trotzdem nicht, denn unterhaltsam ist die Ensemble-Kriegskomödie allemal. Vor dem Hintergrund der spannenden Kunstraub-Thematik, die hier eher als Aufhänger taugt, und in Anbetracht der bisherigen Regiearbeiten von George Clooney ist die Heldengeschichte aber eine kleine Enttäuschung.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Monuments Men - Ungewöhnliche Helden
(The Monuments Men)

USA/Deutschland 2014
Regie: George Clooney;
Darsteller: George Clooney (Frank Stokes), Matt Damon (James Granger), Bill Murray (Richard Campbell), Cate Blanchett (Claire Simone), John Goodman (Walter Garfield), Jean Dujardin (Jean Claude Clermont), Hugh Bonneville (Donald Jeffries), Bob Balaban (Preston Savitz), Dimitri Leonidas (Sam Epstein), Justus von Dohnányi (Viktor Stahl) u.a.;
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov nach dem Buch von Robert M. Edsel und Bret Witter; Produzenten: George Clooney, Grant Heslov; Kamera: Phedon Papamichael; Musik: Alexandre Desplat; Schnitt: Stephen Mirrione;

Länge: 118,24 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 20. Februar 2014



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"Nun, niemand schaut nach Hollywood, um einen Kommentar zu gesellschaftlichen Ereignissen zu bekommen, oder? ... Sie haben erst kürzlich entdeckt, dass es Menschen mit dunkler Hautfarbe auf der Welt gibt."

Schauspieler Ian McKellen

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