15.10.2014

Los Ángeles


Los Ángeles Mexiko, in einem zapotekischen Dorf: Mateo, 17 Jahre alt, steht kurz vor der illegalen Ausreise in die Vereinigten Staaten. Es zieht ihn nach Los Angeles. Wenn er dort zu arbeiten beginnt, kann er seine arme Familie in der Heimat finanziell unterstützen. In seinem Dorf hat sich Mateo einer Gang angeschlossen, die auch über hilfreiche Kontakte in Los Angeles verfügt. Bevor Mateo fährt, soll er im Auftrag des Bandenanführers Daniel das Mitglied einer rivalisierenden Gang umbringen. Es gelingt ihm nicht. Dies hat nahezu katastrophale Folgen.
Nüchtern und realistisch erzählt Regisseur und Drehbuchautor Damian John Harper in seinem Spielfilmdebüt eine Geschichte aus dem Hinterhof Amerikas, dem Land, das von den USA durch eine Mauer getrennt ist: Mexiko.

Wenn man an Mexiko denkt, fallen einem die immer wiederkehrenden Schlagzeilen ein: Drogen, Gewalt, Tote und der Menschenschmuggel über die Grenze nach Norden. Letzterer findet statt, weil arme mexikanische Familien eine Hoffnung hegen: Illegal in den USA lebende Mexikaner können ihren Familien Geld in die Heimat schicken. Exemplarisch schildert Harper, wie eine Dorfbewohnerin und Bekannte der Hauptfigur Mateo auf Post ihres Sohnes wartet. Dieser wird während des gesamten Films "Los Ángeles" nie zu sehen sein, er ist in den Vereinigten Staaten. Mehr noch als das ersehnte Geld wünscht sich die Mutter ein Lebenszeichen, ein Zeichen, dass es ihm gut geht. Sie wird gegen Ende des Films von ihm auf eine Weise enttäuscht werden, die auch auf Mateo warten könnte.

Los Ángeles Denn Mateo (Mateo Bautista Matías), der älter als 17 wirkt, reift man doch mit negativen Erfahrungen, soll ebenso über die Grenze. Ziel ist das im Dorf gelobte Los Angeles. Kontakte für den Aufenthalt dort sind wichtig. Diese ermöglichen ihm eine vom kahlrasierten Daniel (Daniel Bautista) geführte Gang, der Mateo sich angeschlossen hat. Den Opferstock der Kirche auszurauben, das geht für Mateo noch. Dies ist der erste Auftrag Daniels. Der zweite: ein Mitglied einer anderen Gang töten. Mateo scheitert. Danach möchte Daniel Mateo umbringen. Und wenn nicht ihn, dann Mateos jüngeren Bruder.

Schon vor seinem Kinostart am 27. November erntete Damian John Harpers Film erste Meriten: "Los Ángeles" wurde am 15. September 2014 mit dem First Steps Award für den Abendfüllenden Spielfilm ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem damit, dass "der Regisseur den Film mit der Dorfgemeinschaft entwickelte, die großartigen Darsteller sich selbst spielen – jede Einstellung wirkt hier wahrhaftig. Ein Film mit Haltung und Anliegen, für den Damian John Harper einen extrem eigenständigen Stil gefunden hat."

Los Ángeles Der "eigenständige Stil" des nüchternen Erzählens ist originell, in der Tat – aber er ist auch zuweilen mühsam für den Zuschauer, weil dieser nicht alle Zusammenhänge zu überblicken in der Lage ist. Beispielsweise bekommt der Zuschauer die verwandtschaftlichen und sonstigen Beziehungen nicht genügend erklärt. Er kann sich auch nur denken, weshalb Mateo bereits zu Beginn des Films in Daniels Gang ist. Harper verschenkt manche Höhepunkte, die einen Film ausmachen. Mateo stürzt einmal bei einem Rodeo vom Stier, was ihm das Leben rettet, da nach dem Rodeo Daniels Leute auf ihn gewartet hätten. Von alldem ist nichts zu sehen. Der Zuschauer soll sich das Fehlende vorstellen. Etwas zu oft in dem Film geschieht dies, während der Film allemal mit einer interessanten Story über Armut und ihre Folgen im Mikrokosmos eines mexikanischen Ortes aufwartet.

In den deutschen Kinos läuft zeitgleich noch "Heli", ein weiterer in dem Land spielender Film. Während "Heli", in dem es um Drogen und eine durch sie fast zerstörte Familie geht, an vielen Stellen zu brutal ist, kann man konstatieren, dass "Los Ángeles" im Vergleich durchaus harmlos daherkommt, obwohl der Film eine ähnlich auf Gewalt basierende Handlung hat. Wer als Kinogänger eine stringente Erzählung schätzt, die wesentliche Momente nicht ausspart und dabei auch vor brutalen Einstellungen nicht Halt macht, sollte sich eher "Heli" ansehen. "Los Ángeles" hingegen lebt von einer Dramaturgie, die ganz auf ihre von Harper ausgefeilten Charaktisierungen setzt. Mexikos Land und Leute lernt man in "Los Ángeles" gut kennen.

Produziert von den Deutschen Jakob und Jonas Weydemann, deren Produktionsfirma Weydemann Bros. ihren Sitz in Berlin und Köln hat, lief "Los Ángeles" in der Sektion Forum der Berlinale 2014.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Weydemann Bros. / Fotografin: Yvette Cruz (über farbfilm verleih)

 
Filmdaten 
 
Los Ángeles (Los Ángeles) 
 
Mexiko / Deutschland 2014
Regie & Drehbuch: Damian John Harper;
Darsteller: Mateo Bautista Matías, Marcos Rodríguez Ruíz, Lidia García, Daniel Bautista, Donaciano Bautista Matías, Valentina Ojeda u.a.;
Produktion: Weydemann Bros. in Koproduktion mit Cine Plus und ZDF Das kleine Fernsehspiel; Kamera: Friede Clausz; Musik: Gregor Bonse; Schnitt: Lorna Hoefler Steffen;

Länge: 99,44 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von farbfilm verleih; deutscher Kinostart: 29. Januar 2015



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<15.10.2014>


Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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