25. Oktober 2000


Ladykillers (1955)


Es gibt Komödien, die sind einfach rundum perfekt. Zeitlose Klassiker, an denen man keinen Makel finden kann. Zu denen gehört die englische Komödie "Ladykillers" aus den Ealing Studios.


Spätestens der Tod von Sir Alec Guinness sei Grund genug, sich diesen Klassiker wieder anzusehen. Guinness spielt einen von fünf Ganoven, welche im Haus einer alten Dame, Mrs. Wilberforce, den Überfall eines Geldtransports planen und auch mit ihrer Hilfe ausführen, ohne daß diese davon ahnt. Die gutmütige und leicht naive Frau glaubt, daß die Herren ihren Untermieter nur besuchen, um zusammen Klassik zu spielen. Die haben aber vielmehr vor, Mrs. Wilberforce für ihre Pläne zu benutzen: sie soll das geklaute und dann deponierte Geld aus der von Polizisten streng überwachten Zone herausholen - denn wer würde schon eine alte Dame wie sie verdächtigen?

Fast hätte auch alles hingehauen, doch im letzten Moment bekommt Mrs. Wilberforce doch Wind von der Sache, und die Ganoven stehen vor dem Problem, daß sie die Mitwisserin aus dem Weg räumen müssen. Leichter gesagt als getan, denn so skrupellos und kaltblütig sind die fünf nun nicht. So muß der Kopf der Bande am Ende das Resümee ziehen: "Der Plan war gut, doch man darf nie den menschlichen Faktor außer acht lassen."

Ladykillers ist ein elegant und clever inszenierter Film - stimmig bis ins letzte Detail: Von der Charakterisierung der einzelnen Figuren bis hin zur Vorbereitung jedes Gags. Die Bandenmitglieder stehen alle für unterschiedliche Typen. Anführer der Bande und Erfinder des verhängnisvollen Plans ist Prof. Marcus (Alec Guinness), ein seltsamer Charakter mit einer Tendenz zum Wahnsinn. Er ist stets um seine Autorität bemüht, schafft es allerdings nicht immer im ausbrechenden Chaos die Ruhe zu bewahren. Desweiteren wäre da der nervöse Mr. Robinson (der junge Peter Sellers) und der zurückhaltende "Major" (Cecil Parker). Mr. Knoten (Danny Green), genannt "Pfannkuchen", ist ein schwerfälliger und dumpfer Typ. Dann ist da noch Louis (Herbert Lom), stets in schwarz gekleidet und mit schwarzem Hut, der von allen den verwegensten Eindruck macht. Er entspricht am ehesten dem Bild, das man vom abgeklärten amerikanischen Gangster hat.

Im Gegensatz dazu die Gerechtigkeitsfanatikerin Mrs. Wilberforce (Katie Johnson), Witwe eines Admirals, die allein mit ihren Papageien lebt. In ihrem Leben hat es bis zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich wenig Überraschungen gegeben, und die einzige Abwechslung besteht darin, daß ihre alten Freundinnen zum Tee vorbeikommen. Natürlich merkt sie auch nicht, daß sie mit ihrer überkorrekten Art manchmal mehr Schaden anrichtet als hilft. So bleibt sie irgendwie undefinierbar zwischen liebenswert und unerträglich. Was auch für ihre ältlichen Freundinnen gilt.

Schnell wird dem Zuschauer klar, daß es selbst für hartgesottene Ganoven kaum einen größeren Horror geben kann, als einen Nachmittag brav mit in Erinnerung schwelgenden Damen durchzustehen. Größtenteils bleibt der Filmspaß also charmant und aus heutiger Sicht eher harmlos, aber immer mit einer guten Prise des schwarzen britischen Humors. Geistreich serviert, exzellent gespielt und mit ein paar überraschenden Wendungen. Das Ende soll hier nicht verraten werden - soviel sei aber gesagt: zu der Zeit war es allgemein üblich, daß sich Verbrechen in Filmen "nicht lohnen" durften. "Ladykillers" ist auch ein guter Beweis dafür, daß der "Running Gag" schon lange lange vor den "Pythons" erfunden wurde. Die deutsche Synchronisation kann in diesem Fall nicht genug gelobt werden, im Vergleich zum Original ist sie sogar oft stärker. - Großbritannien war schon damals für seine gelungenen Komödien bekannt, und ein paar der berühmtesten und kommerziell erfolgreichsten kamen aus den Ealing Studios. Im ähnlich eleganten Stil war beispielsweise auch Charles Crichtons "Einmal Millionär sein" ("The Lavender Hill Mob") von 1951 ebenfalls mit Alec Guinness in der Hauptrolle. Beide Drehbücher wurden zu recht ausgezeichnet.

Nicht ohne Ironie, daß ein so typisch britischer Film ausgerechnet von dem gebürtigen Amerikaner Alexander Mackendrick gedreht wurde, der allerdings den Großteil seiner Filme in Britannien drehte.

 
Jessica Ridders / Wertung: * * * * * (5 von 5)



Filmdaten

Ladykillers (1955)
(The Ladykillers)

GB 1955;
Regie: Alexander Mackendrick;
Darsteller: Alec Guinness (Professor Marcus), Cecil Parker (Major Courtney), Herbert Lom (Louis / Harvey), Peter Sellers (Harry / Mr. Robinson), Danny Green (Pfannkuchen / Mr. Knoten), Jack Warner (Dixon), Katie Johnson (Louisa Wilberforce) u.a.; Drehbuch: William Rose (nach seinem Roman); Kamera: Otto Heller; Schnitt: Jack Harris; Musik: Tristram Cary;

Länge: 89 Minuten; FSK: ab 16 Jahren




Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  






 
Zu unserer Rezension zum Film
Ladykillers (2004)
von Michael Dlugosch  



Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe