08.08.2019
Ode an die (wahren) Freunde

Fisherman's Friends


Fisherman's Friends Freunde britischer Komödien werden an "Fisherman's Friends" ihren Spaß haben: In der Tradition von Filmen wie "Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten" (1996) und "Ganz oder gar nicht" (1997) steht der zweite Film des 1985 geborenen Regisseurs Chris Foggin nach "Kids in Love" (2016). Die drei genannten Produktionen zeichnen sich durch eine Struktur aus, die einem bestimmten Prinzip folgt: Die Hauptprotagonisten werden mit einem Problem konfrontiert, gemeinsam lösen sie es bis zum Happy End, garniert mit Humor, meist viel Humor, und Liebesgeschichte(n), zwischenzeitlich treten weitere Probleme auf. Foggin und seinen Drehbuchautoren könnte man vorwerfen, sich zu strikt an diese typische Feel-Good-Movie-Vorgabe zu halten. Nichts wesentlich Neues fügt Foggin dieser Art Brit-Comedy hinzu, der Film ist lieblich, aber: auch sympathisch. Bis auf den Filmanfang – hier muss Foggin erst mal Klarheit schaffen, damit das Kinopublikum die Figuren kennenlernt: Provinzfischer treffen auf Großstadt-Manager, einer von letzteren bleibt vor Ort, weil er an die Shanty-Musik der Seeleute glaubt.

Fisherman's Friends: Filmplakat "Fisherman's Friends", der Titel wird zum Programm des Films. Denn es geht um Freunde, falsche und echte Freunde, dies ist im Musikfilm, der zur Ode an die (wahren) Freunde wird, äußerst klar hervorgehoben: Vier Musik-Manager aus London reisen in Urlaub, einen Junggesellenabschied, an die südwestenglische Küste nach Cornwall. Dort fallen sie mit Unangepasstheit auf, während die Landeier sich von ihnen im Alltag gestört fühlen. Hier reiht der Film in dieser Kontrastierung noch Klischees aneinander. Davon erholt sich aber der Film in seinem Verlauf. Die Manager sind Freunde. So, wie es die Seeleute sind. Wer die echten Freunde hat, stellt der Film bald klar: Manager Danny (Daniel Mays, "The Limehouse Golem") sucht die drei anderen, die mit ihm gereist sind, vergeblich. Sie haben ihn ohne Vorwarnung im Ort zurückgelassen. Fuhren im teuren Auto davon mit der Aufgabe für ihn, die Seeleute von einem Engagement zu überzeugen. Sie haben den Gesang der Fischer angehört, einer der vier, Troy (Noel Clarke) sagte: "Die will ich unter Vertrag haben!" So schnell? Eine auf den ersten Blick plumpe Szene, ein Lied war gerade mal gesungen worden. Es stellt sich aber heraus: Troy machte einen Scherz. Die ortsansässigen Laiensänger können ihn eigentlich mal. Aber Danny, der bleiben soll, bis er den Vertrag hat, erkannte Troys Witz nicht. Er glaubt daran, dass Shanty-Musik, traditionelle Seemannsmusik, Erfolg haben kann.

"Niemand möchte verpassen, die Beatles unter Vertrag zu nehmen." – "Aber wenn man stattdessen das Leben verpasst?" Dieser Dialog erklärt treffend das zweite Grundelement von "Fisherman's Friends" neben der Freundschaft: Dannys stylische Londoner Wohnung wird mal zu sehen sein. Bis zum Urlaub im Cornwall-Ort Port Isaac lebte er das Leben eines Managers mit allen Statussymbolen. Auf die will er verzichten, wenn er nur mit der Frau zusammenleben darf, mit der er den Dialog sprach, Alwyn (Tuppence Middleton). Drittes filmisches Grundelement ist die Familie. Wir lernen nicht nur Alwyn kennen, auch ihre kleine Tochter Tamsyn (Meadow Nobrega), Alwyns Vater Jim (James Purefoy) und Großvater Jago (David Hayman).

Fisherman's Friends Der Film ist anfangs naive Kunst und vorhersehbar. Dann entwickelt er sich sehr gut, ganz in der Tradition der Brit-Komödien, so wie die schön gesungene Shanty-Musik ebenfalls als vom Film gut wiedergegebene Tradition die Kinogänger erfreuen kann. Ein Film, zu dem es im Abspann nicht heißt, alle Filmereignisse wären erfunden. Denn er basiert auf einer wahren Geschichte, die "Fisherman’s Friends" gibt es wirklich, sie stürmten 2010 überraschend die britischen Charts, ihr Debütalbum erreichte Gold-Status. Nur die Figuren und die um sie gebastelten Erlebnisse sind erfunden, klar, aus der wahren Story muss eine Handlung konstruiert werden, die kinotauglich ist. Dies ist geschehen, zwar nach Schema F, aber dennoch passabel.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Splendid Film

 
Filmdaten 
 
Fisherman's Friends (Fisherman's Friends) 
 
deutscher Alternativtitel: Fisherman's Friends - Vom Kutter in die Charts

GB 2019
Regie: Chris Foggin;
Darsteller: James Purefoy (Jim), Daniel Mays (Danny), Tuppence Middleton (Alwyn), David Hayman (Jago), Maggie Steed (Maggie), Sam Swainsbury (Rowan), Dave Johns (Leadville), Noel Clarke (Troy), Christian Brassington (Henry), Vahid Gold (Driss), Jade Anouka (Leah), Meadow Nobrega (Tamsyn) u.a.;
Drehbuch: Piers Ashworth, Meg Leonard, Nick Moorcroft; Produzenten: Nick Moorcroft, James Spring; Kamera: Simon Tindall; Musik: Rupert Christie; Schnitt: Johnny Daukes;

Länge: 112,02 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Splendid Film GmbH; deutscher Kinostart: 8. August 2019



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Zitat

"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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