11.09.2019
Inhaltsloser Zuckerguss

Downton Abbey


Film Downton Abbey Musikalisch zart moduliert und mit kunstvoll umgearbeitetem Intro hinter grandiosen Luftaufnahmen des in die Abendsonne getauchten Gutshauses – so kommt das opulente und heiß erwartete Kinospektakel der Familien- und Dienerschaftssaga daher. Glückliche Menschen, liebende Paare, jeder hat Seins gefunden, bis hin zum letzten Schwerstvermittelbaren. Was könnte das Happy End der sechsten Staffel 2015 dieser wunderbaren, dramatischen, vom Schicksal nicht verschonten aber anpassungsfähigen Familie und ihrer befreundeten Bediensteten noch übertreffen? Der Besuch des Königspaares! Wie schön! Aber wie muss man staunen, dass außer dem royalen Besuch nichts mehr Nennenswertes auf der Leinwand passiert. Kleine Stürme im Wasserglas, die schnell abgehakt sind und dann geht es weiter mit pomp and circumstance.

Glanz und Gloria der Monarchie, viel "we are not amused", jede Menge Topping und kein Inhalt. Auch die herrliche Ausstattung, bunte und elegante Roben, aufblitzender Schmuck, brav gekämmte Frisuren und Wasserwellen, und die vielen schönen Gesichter mit dem makellosen Lächeln können über die Inhalts- und Einfallslosigkeit des Films nicht hinwegtäuschen. Das Drama der 52 Episoden davor kommt nicht ansatzweise auf, das Drehbuch verzettelt sich in Minirevolutionen, es entsteht weder Spannung noch Amüsement. Selbst Violet Crawleys spitze Kommentare können das Vakuum nicht ausfüllen – wobei die einzig emotional nennenswerte (aber sehr kurze) Szene des Films in der symbolischen Zepterweitergabe zwischen ihr und Mary Crawley stattfindet.

Downton Abbey: Filmplakat Auch freut sich der Serienfan über das Wiedersehen mit den bekannten und ans Herz gewachsenen Figuren. Aber Mary Crawleys Arroganz war wie weggeblasen, der samaritanische Übereifer ihrer Ex-Schwiegermutter durch die Heirat mit Lord Merton wie weggewaschen, Lord Grantham und seine Frau sind nur bessere Statisten. Die sonst ewig glücklose Edith schwebt hier im siebten Himmel, der zwischen den Welten schwebende Tom Branson hat sein Gleichgewicht gefunden und darf wieder auf Liebe hoffen. Alle lieben die Monarchie, alle sind treue Diener der Aristokratie mit Herz für die Untergebenen. Auch die Dienerschaft wirkt wie eine starre Diapräsentation, jede und jeder ist das bekannte Selbst nur mit einer Schicht Zuckerguss bedeckt – sogar die sonst kantige Zweitköchin Daisy wirkt wie eine Fee im Märchenland. Auch bei den Bates sind alle Stürme vorbei, es wird nur noch gelächelt. Molesley ist der einzige, der sich in diesem Film bis zur komischen Entblößung treu bleibt.

Film Downton Abbey: Maggie Smith Vielleicht waren dem talentierten und sonst einfallsreichen Julian Fellowes die Ideen für das Drehbuch ausgegangen, das Thema übersättigt, nachdem er bereits einen Emmy und einen Golden Globe für die Serie erhalten hatte. Auch wenn er für keine große Anzahl von Kinofilmen das Drehbuch geschrieben hat, so ist doch jeder einzelne ein Kunstwerk gewesen: z.B. "Gosford Park" (2001), "Vanity Fair" (2004) oder "Young Victoria" (2009).

Die liebgewonnene Welt von Downton Abbey bringt zum Schluss nur zuckersüßes Gesäusel. Man kann aber eben doch nicht nur vom Nachtisch leben. Ein überflüssiges Ende nach dem Ende, kein Abgang mit Drama, und – wahrscheinlich beabsichtigt – keine Hoffnung auf einen Neuanfang.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: 2019 Focus Features LLC.

 
Filmdaten 
 
Downton Abbey (Downton Abbey) 
 
GB 2019
Regie: Michael Engler;
Darsteller: Matthew Goode (Henry Talbot), Maggie Smith (Violet Crawley, Gräfin von Grantham), Michelle Dockery (Lady Mary Crawley), Tuppence Middleton (Lucy), Elizabeth McGovern (Cora Crawley, Gräfin von Grantham), Allen Leech (Tom Branson), Joanne Froggatt (Anna Bates), Laura Carmichael (Lady Edith Crawley), Kate Phillips (Mary, Prinzessin), Imelda Staunton (Lady Bagshaw), Raquel Cassidy (Phyllis Baxter), Sophie McShera (Daisy Mason), Robert James-Collier (Thomas Barrow), Phyllis Logan (Mrs. Hughes), Hugh Bonneville (Robert Crawley, Earl of Grantham), Geraldine James (Königin Mary), Brendan Coyle (John Bates), Jim Carter (Charles Carson), Penelope Wilton (Isobel Grey, Baroness Merton), Stephen Campbell Moore (Captain Chetwode), Simon Jones (König George V), Lesley Nicol (Mrs. Patmore), Kevin Doyle (Joseph Molesley), Douglas Reith (Lord Merton) u.a.;
Drehbuch: Julian Fellowes nach seinen TV-Serien-Charakteren; Produzenten: Julian Fellowes, Gareth Neame, Liz Trubridge; Kamera: Ben Smithard; Musik: John Lunn; Schnitt: Mark Day;

Länge: 122,52 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Universal Pictures International Germany GmbH; deutscher Kinostart: 19. September 2019



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Zitat

"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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