06.12.2017

Die Tribute von Panem
- Catching Fire

Rund ein halbes Jahr nach den letzten Hungerspielen, die Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) nur mit Hilfe eines findigen Tricks überleben konnten, müssen die beiden eine Werbetour durch die zwölf Distrikte Panems antreten. Während dieser "Tour der Sieger" erkennt Katniss, dass sie die Hoffnung der unterjochten Bevölkerung auf eine gesellschaftliche Veränderung befeuert. Das entgeht auch dem mächtigen Präsidenten Snow (Donald Sutherland) nicht, der sein totalitäres Regime mit brutaler Härte führt. Von seinem Plan, Katniss und Peeta auszuschalten, weicht der Diktator auf Anraten des neuen Spielleiters Plutarch (Philip Seymour Hoffman) ab und geht weitaus perfider vor: Zur anstehenden 75. Ausgabe der Hungerspiele, dem sogenannten "Jubel-Jubiläum", ändert Snow die Spielregeln und rekrutiert die diesjährigen Tribute aus allen bisherigen Siegern des Medienspektakels – als einzige weibliche Gewinnerin des zwölften Distrikts muss Katniss abermals in die Kampfarena und schwebt erneut in Lebensgefahr.

Mit ihrer Romantrilogie "Die Tribute von Panem" verbuchte die US-amerikanische Autorin Suzanne Collins einen weltweiten Erfolg. Die auf insgesamt vier Filme angelegte Kinoversion der dystopischen Jugendromane war somit von vornherein ein Projekt mit Erfolgsgarantie. Dass Regisseur Gary Ross ("Pleasantville") mit dem ersten Teil ein actionreiches, unterhaltsames und durchaus überzeugendes Fantasydrama in Szene setzte, befeuerte den Jubel um die Filmreihe ebenso wie die zwischenzeitlichen Wegmarken der Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence ("Winter's Bone"), die seit ihrer Oscar-prämierten Hauptrolle in "Silver Linings" endgültig en vogue ist. Für den zweiten Film zeichnet nun Francis Lawrence ("I am Legend") verantwortlich, der auch das zweigeteilte Finale inszenieren soll. Das Drehbuch stammt aus den Federn der talentierten Autoren Simon Beaufoy ("127 Hours") und Michael Arndt ("Little Miss Sunshine"), was Hoffnungen weckt, die der fertige Film nicht enttäuscht.

Im Mittelpunkt des starbesetzten Blockbusters, in dem unter anderem Woody Harrelson, Stanley Tucci, Lenny Kravitz und Amanda Plummer markante Nebenrollen spielen, steht Jennifer Lawrence alias Katniss Everdeen. Die 17-jährige Heldin lernt im Verlauf der Handlung, dass sie als Symbol der Hoffnung eine gesellschaftliche Verantwortung trägt und nicht für sich alleine kämpft. Ihre anfänglichen Gedanken an Flucht weichen schließlich dem Bewusstsein, dass sie den Anstoß zu einer Veränderung in Panem geben kann, denn das "Mädchen, das in Flammen steht" avanciert am Vorabend der sich anbahnenden Revolution zur Galionsfigur der Widerständler. So muss Katniss nicht nur ihr Liebeswirrwarr mit Gale (Liam Hemsworth) meistern und ihr eigenes Leben sowie das ihrer Familie schützen, sondern steht – gegen ihren Willen – im Rampenlicht der politischen Öffentlichkeit.

Wie schon der erste Teil übt auch "Catching Fire" eine vordergründige und mit deutlichen Strichen gezeichnete Gesellschaftskritik. Das Abenteuer handelt vom Machtmissbrauch der herrschenden Klasse und der ausgefeilten Propaganda, mit der das Kapitol die unterdrückte Bevölkerung auf Linie hält. Die jährlichen Hungerspiele sollen das Volk in diesem Zusammenhang mahnend an jene blutige Revolte erinnern, an deren Ende die Vernichtung des 13. Distrikts stand. Stärker als der Vorgänger arbeitet das Sequel die krassen Gegensätze zwischen dem bitteren Alltag in den Distrikten und der dekadenten Lebensweise der Kapitol-Bewohner heraus: Während das gemeine Volk tägliche Entbehrungen hinnehmen muss, stehen auf den glamourösen Empfängen der Regierung spezielle Drinks bereit, mit denen die Gäste ihren Mageninhalt entleeren können, um alle der dargebotenen Speisen zu kredenzen. Die filmische Ebene verdeutlicht diesen Kontrast, indem die grauen Farbtöne aus den Distrikten auf die grellbunte Designerkleidung und -ausstattung des Kapitols prallen.

Eine Schlüsselrolle bei dieser gesellschaftskritischen Komponente, die den reinen Unterhaltungswert des Hollywoodfilms übrigens keineswegs schmälert, spielt die Macht der Medien. Vor allem sind die Hungerspiele ein landesweites Großereignis der Medien, das den Überlebenskampf der Tribute live in alle Distrikte sendet – eine Prämisse, die sehr stark an den thematisch kongruenten Science-Fiction-Thriller "Running Man" (USA 1987) nach einer Kurzgeschichte von Stephen King erinnert. In "Catching Fire" rücken daher immer wieder TV-Beiträge und Filmkameras ins Bild, die Tribute müssen Interviews geben, Pressetermine absolvieren und sich im Blitzlichtgewitter als moderne Gladiatoren inszenieren, bevor ihre Leben in der technisch ausgefeilten Kampfarena am seidenen Faden hängen. Im Epizentrum der vielen Schauwerte und der spannenden wie romantischen Geschichte steht die leading lady Jennifer Lawrence, die ihre Figur als waschechter Shooting Star nicht nur ergreifend spielt, sondern auch auf eine sehr einnehmende Weise tödliche Pfeile aus ihrem Bogen abschießen kann.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Die Tribute von Panem - Catching Fire
(The Hunger Games - Catching Fire)

USA 2013
Regie: Francis Lawrence;
Darsteller: Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen), Elizabeth Banks (Effie Trinket), Liam Hemsworth (Gale Hawthorne), Donald Sutherland (Präsident Snow), Philip Seymour Hoffman (Plutarch Heavensbee), Woody Harrelson (Haymitch Abernathy), Josh Hutcherson (Peeta Mellark), Paula Malcomson (Katniss' Mutter), Willow Shields (Primrose Everdeen), Lenny Kravitz (Cinna), Stanley Tucci (Caesar Flickerman), Jeffrey Wright (Beetee), Amanda Plummer (Wiress), Sam Claflin (Finnick Odair), Toby Jones (Claudius Templesmith) u.a.;
Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael Arndt nach dem Roman von Suzanne Collins; Produzenten: Nina Jacobson, Jon Kilik; Kamera: Jo Willems; Musik: James Newton Howard; Schnitt: Alan Edward Bell;

Länge: 146,02 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 21. November 2013



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Zitat

"Ich bin ein Filmemacher, kein Dokumentarfilmer. Ich versuche, die Wahrheit zu schlagen."

("I'm a moviemaker, not a documentarian. I try to hit the truth.")

Regisseur Ridley Scott, der am 30. November 2017 seinen 80. Geburtstag feierte

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