06.04.2017
Remake eines Remakes

Die glorreichen Sieben (2016)


Genauso häufig, wie der Western totgesagt wurde, feiert er seine Auferstehung – zuletzt mit den Genre-Beiträgen "The Revenant", "Jane Got A Gun" oder zwei Tarantino-Filmen, "Django Unchained" und "The Hateful 8". In Zeiten, in denen Hollywood auf Remakes oder Mehrteiler setzt, weil der Branche nicht mehr viel einfällt, konnte es nicht ausbleiben: eine filmische Wiederkehr von "Die glorreichen Sieben" (1960, Regie: John Sturges). Damit ist der neue Film das Remake eines Remakes, denn für den alten Film lieferte Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" (1954) die Vorlage. Ist dieser Sachverhalt zu kritisieren? Nicht, wenn der Film eine erfrischende Neuinterpretation des alten Stoffes liefert oder wenigstens den Genre-Elementen treu bleibt. Die Action stimmt in der Version von 2016, als Innovation bietet Regisseur Antoine Fuqua übertriebene politische Korrektheit an.

Ein Schwarzer. Drei Weiße. Ein Mexikaner. Ein Asiate. Ein Indianer. Das sind die Sieben in Fuquas Film. Während im Film von 1960 sieben Weiße für ein Dorf von US-Amerikanern in den Kampf gegen böse Latinos zogen, stellt der Regisseur eine multiethnische, um nicht zu sagen bunte Truppe zusammen. Ein Western des 21. Jahrhunderts, zweifellos, ein Western gedreht in der Ära Obama und in Deutschland im September 2016 in die Kinos gekommen zwei Monate vor Trumps Sieg. Es scheint, der farbige Filmemacher Fuqua wollte auf den in den USA grassierenden Rassismus hinweisen, indem er zeigt, wie tapfer sich Nicht-Weiße für Amerikaner einsetzen können.

Ihr Gegner ist ein Weißer namens Bartholomew Bogue, der eine Privatarmee Söldner in seinen Reihen hat, mit der er ein Dorf terrorisiert. Der schmuddelig-schleimige Bogue wird gespielt von Peter Sarsgaard, den man, wenn man ihn als charismatischen Dwight in Woody Allens "Blue Jasmine" (2013) gesehen hat, nicht wiedererkennt. Die von Bogue zur Witwe geschossene Emma Cullen (Haley Bennett) will Rache und verpflichtet den Kopfgeldjäger Sam Chisolm (Denzel Washington nach "Training Day" (2001) und "The Equalizer" (2014) wieder in einem Antoine-Fuqua-Film). Chisolm ist erstaunlich schnell von Cullens Angebot überzeugt. Der Zuschauer merkt: Er hat seinerseits noch eine Rechnung mit Bogue offen, was sich am Ende des Films als richtig erweist. Chisolm wird zum Anführer der Sieben, er holt sich nacheinander Hilfe bei kampferprobten Leuten wie dem jungen, verspielten Josh Faraday (Chris Pratt), dem unter Selbstzweifeln leidenden Scharfschützen Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke, der ebenfalls in "Training Day" schon unter Fuquas Regie spielte), dessen Kompagnon Billy Rocks (Byung-hun Lee), der perfekter Schwertkämpfer ist, dem alternden Fährtenleser Jack Horne (Vincent D'Onofrio), dem Latino Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo) und dem Indianer Red Harvest (Martin Sensmeier).

Denzel Washington ist als farbiger Chisolm charismatisch, womit der Kopfgeldjäger dem Rassismus der Weißen etwas entgegensetzen kann; aber nicht so charismatisch, wie es Yul Brynner in der adäquaten Rolle 1960 war. An Washingtons Seite Chris Pratt: Der Nachwuchsstar ("Guardians of the Galaxy", "Passengers") sorgt mit seiner Figur für den Humor, mit dem die staubtrockene Story mehrfach ironisch gebrochen wird. Gut so, denn der Film würde sich sonst zu bierernst nehmen. Washington und Pratt dominieren dermaßen den Film, so dass die fünf weiteren des glorreichen Haufens untergehen, auch Ethan Hawkes Figur. Hier hat Fuqua nicht aufgepasst. Ihm misslingt das Vorstellen der einzelnen Protagonisten. Die meisten bleiben schemenhaft, eindimensional. Was der Regisseur richtig macht, ist der dramaturgische Aufbau mit Bedrohung gefolgt von der Verpflichtung der Sieben, der Ausbildung der Dorfbewohner in der Abwehr bis zum perfekt inszenierten Showdown. Fuqua lässt dem Zuschauer nach dem Einstieg in die Story um Bogues Monolog in der Dorfkirche, er bestehe auf der Aufgabe des Dorfes durch die Bewohner, viele Ruhephasen bis zum Schlussfight.

Des Films Subtext ist geradezu fragwürdig: Chisolms offene Rechnung mit Bogue lässt ihn Menschen opfern, die dem eigentlich aussichtslosen Unternehmen nicht gewachsen sind. Dies wird nur notdürftig kaschiert durch die Gerechtigkeit des Kampfes der Sieben mit den Dorfbewohnern gegen Bogue.

Wen dies nicht stört und sich an solider Action erfreut, ist im 2016er-Film "Die glorreichen Sieben" richtig. Und Elmer Bernsteins berühmtes Titelthema in Erinnerung an die Vorlage klingt zweimal an.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
Die glorreichen Sieben (2016) (The Magnificent Seven (2016)) 
 
USA 2016
Regie: Antoine Fuqua;
Darsteller: Denzel Washington (Chisolm), Chris Pratt (Josh Faraday), Ethan Hawke (Goodnight Robicheaux), Vincent D'Onofrio (Jack Horne), Byung-hun Lee (Billy Rocks), Manuel Garcia-Rulfo (Vasquez), Martin Sensmeier (Red Harvest), Haley Bennett (Emma Cullen), Peter Sarsgaard (Bartholomew Bogue), Luke Grimes (Teddy Q), Matt Bomer (Matthew Cullen) u.a.;
Drehbuch: Nic Pizzolatto, Richard Wenk; Produzenten: Roger Birnbaum, Todd Black; Kamera: Mauro Fiore; Musik: James Horner (+2015), Simon Franglen; Schnitt: John Refoua;

Länge: 133,12 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih von Sony Pictures; deutscher Kinostart: 22. September 2016



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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