12.09.2014

Guardians of the Galaxy


Guardians of the Galaxy Ein schlagfertiger Protagonist mit traumatischer Kindheit, eine zur Kriegerin erzogene, attraktive weibliche Heldin, dazu ein extrem intelligenter Nebendarsteller, dessen Persönlichkeit an Dr. Jekyll und Mr. Hyde erinnert und ein Charakter, der nicht in die Zeit zu passen scheint. Bevor Sie gleich bei IMDB.com nachsehen, ob "The Avengers 2" etwa an Ihnen vorbeigezogen ist: Dem ist nicht so. Dennoch erinnert das Rezept von "Guardians of the Galaxy" frappierend an Marvels Helden-Allianz. Das fertige Gericht ist dennoch kein fader Abklatsch.

In "Guardians of the Galaxy" bilden fünf Anti-Helden eine Zweckgemeinschaft, um aus einer misslichen Lage zu entkommen. Dabei sprühen die Beteiligten nicht gerade vor gegenseitiger Sympathie. Durch die gemeinsame Erfahrung zusammengeschweißt, erkennen sie allerdings den gemeinsamen Feind und bündeln schlussendlich ihre Kräfte, um das Böse zu besiegen. Hierbei lernen sie, ihre eigenen Ziele zugunsten eines höheren Gutes zurückzustellen: der Rettung der Welt, oder in diesem Fall eben der gesamten Galaxie.

Guardians of the Galaxy: Filmplakat Klassische Superhelden-Kost, die ansprechend präsentiert und hervorragend besetzt ist. Entsprechend altbekannt sind die Botschaften, welche die Charaktere vermitteln. Da ist der charismatische, aber chauvinistische Peter Quill (Chris Pratt), der einen Verlust in der Kindheit mit seinem Auftreten hyperkompensiert und später die Tugenden der Hingabe und Aufopferung entdeckt. Dann ist da noch der hochintelligente sprechende Waschbär Rocket (Stimme im Original: Bradley Cooper), der nur mit seinem Begleiter Groot (Vin Diesel), einem lebendem Baum mit extrem begrenztem Wortschatz, zu haben ist. Zusammen sind die beiden fast wie Bruce Banner und der Hulk, auch wenn sie sich zugegebenermaßen näher stehen als der Wissenschaftler und sein grüner Alter ego. Dennoch merken beide erst zum Ende hin, wie sehr sie einander brauchen und vermitteln rührendes Einfühlungsvermögen. Einen erhobenen Zeigefinger gegen Selbstjustiz und Rachegelüste gibt es in Form von Drax (Dave Bautista) und zu guter Letzt singt Gamora (Zoe Saldana) noch ein Hohelied auf die eigene Familie und Freunde, wie seltsam sie auch sein mögen.

Die Botschaften, die sich nicht bei den Helden unterbringen ließen, wurden kurzerhand den Antagonisten untergeschoben. Kurz gesagt: Jede der klassischen sieben Todsünden (und so manche moderne gesellschaftliche Unschicklichkeit) bekommt ein filmisches Gesicht – manchmal auch in Personalunion. Schade, denn hier wurde Potential verschenkt, um die Helden etwas feiner und mit Grautönen zu zeichnen. So hat es leider nur zu weißen Westen mit einer dünnen Staubschicht gereicht.

Guardians of the Galaxy Seinen Unterhaltungswert verliert "Guardians of the Galaxy" dennoch nicht. Die Aufmachung des Films ist wie bereits erwähnt makellos, die Besetzung hochklassig und die Geschichte nicht ohne Witz. Im besten Sinne ist der Streifen Popcorn-Kino, wie auch "The Avengers". Es ist ein wenig, als würde man ein Negativ von letzterem sehen. Der Film zeigt, dass ähnliche Charaktere auf verschiedenen Wegen entstehen können. So sind es bei Tony Stark die Last eines großen Erbes und die Pein, nie gut genug für den eigenen Vater zu sein, die ihn zu Iron Man werden lassen. Peter Quill wird dagegen durch den frühen Verlust seiner Familie und das Aufwachsen unter rohen Bedingungen zu Starlord – seinem Helden-Ich.

Und so hat der Film im Kontext der wahren Flut von Marvel-Filmen der letzten Jahre doch sein Gutes, ist fraglos kurzweilig und macht Appetit auf mehr, da die Charakterbildung noch nicht fertig scheint. Leider ist es dennoch im Kern die altbekannte Rezeptur der Superhelden-Comic-Filme. Selbst mit den interessanten Charakteren und dem durchaus treffenden Witz schafft es "Guardians of the Galaxy" nicht, das Publikum über die Vorstellung hinaus zu begleiten und sich aus dem Schatten der großen Marvel-Helden zu erheben. Man kann nur hoffen, dass der zweite Teil sich etwas mehr der Charakterzeichnung widmet. Dass dieser kommen wird, darf aufgrund des kommerziellen Erfolgs immerhin als sicher angenommen werden.  

Hendrik Neumann / Wertung: * * (2 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy) 
 
USA 2014
Regie: James Gunn;
Darsteller: Chris Pratt (Peter Quill), Zoe Saldana (Gamora), Dave Bautista (Drax), Vin Diesel (Stimme von Groot), Bradley Cooper (Stimme von Rocket), Lee Pace (Ronan), Michael Rooker (Yondu Udonta), Karen Gillan (Nebula), Djimon Hounsou (Korath), John C. Reilly (Corpsman Dey), Glenn Close (Nova Prime), Benicio Del Toro (The Collector) u.a.;
Drehbuch: James Gunn und Nicole Perlman nach den Comic-Büchern von Dan Abnett und Andy Lanning; Produktion: Kevin Feige; Kamera: Ben Davis; Musik: Tyler Bates; Schnitt: Fred Raskin, Hughes Winborne, Craig Wood;

Länge: 120,52 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany; deutscher Kinostart: 28. August 2014



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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