03.10.2015
Das Märchen vom Helden auf dem Mars

Der Marsianer
– Rettet Mark Watney


Der Marsianer - Rettet Mark Watney Er hat den legendären Blade Runner, den Propheten Moses, den Entdecker Columbus, den gutherzigen Robin Hood, den Kannibalen Hannibal Lecter, die wilden Aliens, aber auch Gestalten wie Thelma und Louise auf der Leinwand ins Leben gerufen – Ridley Scott ist ein unglaublich arbeitsfreudiger und Grenzen auslotender Regisseur und Produzent, der sich vor allem Heldenfiguren aussucht. Mit Mark Watney im "Marsianer" erkundet er die Durchhaltekraft eines im Weltall gestrandeten Astronauten. Richtige Tiefe erlangen Scotts Filme selten, dieser auch nicht, dafür aber jede Menge Spannung und traumhaft schöne Bilder.

Wenn es Probleme gibt, muss man sie lösen. So einfach ist die Einsicht des Astronauten Mark Watney (Matt Damon), die er nach seinem Weltall-Abenteuer an den Nachwuchs der Branche weitergibt. Der nach einem Unfall während einer Mars-Mission tot geglaubte und zurückgelassene Astronaut hatte vier Jahre lang auf dem unwirtlichen Planeten mit denkbar schlechten Voraussetzungen und arg wenigen Überlebenschancen ausgeharrt. Aber seine Botschaft ist nur: Man setze sich hin, rechne alles durch und dann mache man sich an die Arbeit. Man beschäftige sich mit der Erarbeitung von Lösungen und ignoriere einfach, dass man nicht nur vor einem riesigen logistischen Problem steht, sondern auch diese ganze Zeit mit dem Tod vor Augen seelisch durchstehen muss.

Der Marsianer - Rettet Mark Watney Für das Innenleben Mark Watneys hat dieser Film nur wenige Sekunden Zeit. Mal kurz durchatmen, dem höchstwahrscheinlichen Ableben ins Gesicht sehen und dann weitermachen. Dabei ignoriert der Film sein eigentliches Thema: Wie schafft es ein auf einem von Menschen so weit entfernten Planeten Zurückgelassener, seine verzweifelte Lage emotional anzunehmen und so enorm viel Energie aufzubringen, um sich selbst wieder aus dieser ausweglosen Lage zu befreien? Auch ein Film, der sich thematisch ein anderes Ziel setzt, kann diese Frage nicht ignorieren. "Cast Away – Verschollen" ist ein Film, der auf diese Fragen – zu Recht – ganz intensiv Antworten sucht. Denn die größten Kämpfe müssen Menschen innerlich austragen, vor allem in Grenzsituationen.

Ridley Scott konzentriert sich technisch auf zweifellos ästhetische Bilder – durch den 3-D-Effekt kann man sich in den Film mit dem roten Planeten gut hineinträumen. Spannend ist der Film natürlich auch, an einigen Stellen sogar sehr. Man freut sich, wenn Watney es schafft, Pflanzen anzubauen oder die Kommunikation zur Erde herzustellen. Natürlich kann man nicht umhin, den Lebenswillen, die Intelligenz, den Humor und die Kreativität Mark Watneys in der Bewältigung seiner Situation zu bewundern. Ein echt amerikanischer Held, der sich durch nichts unterkriegen lässt. Aber es bleibt dennoch ein Sci-Fi-Märchen für den unterhaltsamen Popcorn-Kino-Abend.

Der Marsianer - Rettet Mark Watney Die NASA kontrollierte das Drehbuch streng, die technischen Details sind wahrheitsgetreu – wie z.B. die von innen beleuchteten Raumanzüge oder die Maschinerie, die für eine tatsächlich geplante Mars-Mission der NASA erarbeitet wird. Die Mars-Außenszenen wurden in Jordanien gefilmt, wo die Wüste auch rötlich erscheint. Dadurch erhält man ein realitätsnahes Bild. Und man kriegt – ähnlich wie beim "Houston, wir haben ein Problem"-Film "Apollo 13" – viel von der Innenarchitektur des NASA-Zentrums mit, wo einfallsreiche und chronisch überarbeitete Experten alles tun, um die auswärtigen Missionen zu unterstützen. Etwas übertrieben – wenn auch nicht wahrheitsfremd – wird das Überengagement der Fachmänner dargestellt, die zwischen Pizzaresten und leergetrunkenen Pappbechern arbeiten und stundenweise in ihrem Büro schlafen, dieses aber nie verlassen.

Wenn man sich auf einen alleskönnenden Weltall-Cowboy einlassen möchte, technikbegeistert ist, und es für glaubhaft hält, dass man sich wie Baron Münchhausen selbst am Kragen packen kann, um sich aus dem Sumpf zu ziehen, der wird an diesem Film viel Freude haben.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

 
Filmdaten 
 
Der Marsianer - Rettet Mark Watney (The Martian) 
 
USA 2015
Regie: Ridley Scott;
Darsteller: Matt Damon (Mark Watney), Jessica Chastain (Melissa Lewis), Kristen Wiig (Annie Montrose), Jeff Daniels (Teddy Sanders), Michael Peña (Rick Martinez), Sean Bean (Mitch Henderson), Kate Mara (Beth Johanssen), Sebastian Stan (Chris Beck), Aksel Hennie (Alex Vogel), Chiwetel Ejiofor (Vincent Kapoor) u.a.;
Drehbuch: Drew Goddard nach dem Buch von Andy Weir; Produzenten: Mark Huffam, Simon Kinberg, Michael Schaefer, Ridley Scott, Aditya Sood; Kamera: Dariusz Wolski; Musik: Harry Gregson-Williams; Schnitt: Pietro Scalia;

Länge: 144,14 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Twentieth Century Fox of Germany GmbH; deutscher Kinostart: 8. Oktober 2015

Auszeichnungen:
Golden Globes 2016:
Bester Film - Komödie oder Musical
Bester Hauptdarsteller - Komödie oder Musical (Matt Damon)



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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