05.01.2020
Homophober Film ohne Klarstellung

Das perfekte Geheimnis


Das perfekte Geheimnis Die 119 Minuten des deutschen Films "Das perfekte Geheimnis" verschwenden die Zeit der Kinobesucher, wenn sich sieben Freunde gemeinsam zu Tisch setzen und einen Abend miteinander verbringen. Namhafte Darsteller – Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Wotan Wilke Möhring, Jessica Schwarz, Frederick Lau und Jella Haase – spielen die Clique, doch der Film scheitert. Als Remake einer italienischen Vorlage erzählt Regisseur Bora Dagtekin von diesen Freunden, die sich beim Abendessen dazu entschließen, ihr Privatestes zu offenbaren und für diese Nacht ihr Handy offen auf den Tisch zu legen. Dabei beweist der Regisseur der "Fack ju Göhte"-Filme ein Händchen für homophobe Dialoge. Dieses Können zeigt Dagtekin über die gesamte Laufzeit in bravouröser Form.

Das Einzige, was man dem Film zugutehalten kann, ist die Grundgeschichte, die aber aus der vier Jahre alten Vorlage adaptiert wurde. Über die Inszenierung lässt sich sagen, dass keiner der vielen (bekannten) Schauspieler die Handlung des Films voll trägt; ein großes Problem. Es lässt sich durch die Überzahl an Personen (wobei sich keine einzige entwickeln kann) keine richtige Identifikationsfigur erkennen und so leidet man nicht mit, wenn es darum geht, Geheimnisse zu lüften. Dazu kommt, dass fast jeder der Schauspieler die üblichen Rollen spielt. Besonders hebt sich dabei Jella Haase als einfältiges Naivchen hervor.

Hat man sich durch die erste Stunde des Films gekämpft, gelangt schnell die Schwulenfeindlichkeit ans Licht. Dabei wird rund 10 Minuten am laufenden Band auf den Geouteten eingehauen. Begriffe wie "Schwuchtel" und "Tunte" fallen sowie sämtliche Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Es folgt keine richtige Entschuldigung oder Klarstellung des eben Gesagten, wobei dem Zuschauer im Kino sehr schnell das Lachen im Hals stecken bleibt und eher die Tränen zu der primären Emotionspalette gehören.

Alles in allem bleibt ein Film, bei dem man kaum glauben kann, dass er aus dem 21. Jahrhundert stammt und in der Gegenwart spielt. Man kann als Zuschauer nur froh sein, wenn dieses Elend so schnell aus dem Gedächtnis des armen Kinobesuchers schleicht, wie es auch gekommen ist.  

Gregor Oldenburg / Wertung:  0 von 5 Punkten 
 

Quelle des Fotos: 2019 Constantin Film Verleih GmbH / Lucia Faraig

 
Filmdaten 
 
Das perfekte Geheimnis  
 
Deutschland 2019
Regie: Bora Dagtekin;
Darsteller: Elyas M'Barek (Leo), Florian David Fitz (Pepe), Jella Haase (Bianca), Karoline Herfurth (Carlotta), Frederick Lau (Simon), Wotan Wilke Möhring (Rocco), Jessica Schwarz (Eva), Adriana Altaras (Leos Mutter), Levi Eisenblätter (junger Pepe), Kim Girschner (Vater), Emily Kusche (Sophie), David Ali Rashed (junger Leo), Valentin von Falkenhayn (junger Rocco), Luis Vorbach Simon (jung), Lara Waldow (Leos Affäre), Stimme von Katja Riemann u.a.;
Drehbuch: Bora Dagtekin nach dem Originaldrehbuch von Paolo Genovese, Paolo Costella, Rolando Ravello, Paola Mammini und Filippo Bologna; Produzenten: Lena Schömann, Nicole Springstubbe; Kamera: Moritz Anton; Musik: Egon Riedel;

Länge: 119,41 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Constantin Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 31. Oktober 2019



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Zitat

"Nach den sieben Jahren, in denen ich Fassbinder sehr nahe war, habe ich noch einmal sieben Jahre gebraucht, um mich abzunabeln."

Schauspielerin Irm Hermann (4. Oktober 1942 - 26. Mai 2020) über ihre Zusammenarbeit mit Regisseur Rainer Werner Fassbinder (1945 - 1982). Kurz vor Fassbinders 75. Geburtstag am 31. Mai 2020 starb Hermann

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