28.10.2018
"Schwarzer" Humor in einer Farce, basierend auf wahren Begebenheiten

BlacKkKlansman


BlacKkKlansman: Adam Driver als Flip Zimmerman und John David Washington als Ron Stallworth, die Cops haben den Ku-Klux-Klan-Mitgliedsausweis Zu einem Zeitpunkt, als gerade noch "BlacKkKlansman" in den deutschen Kinos läuft, erhielten prominente Trump-Gegner Briefbomben, darunter Obama, die Clintons, CNN und Robert De Niro. Dies zeigt, wie aktuell Spike Lees Film ist. Der Film ist zwar in den 1970ern angesiedelt, aber unleugbar spielt er auf die Gegenwart an, sogar explizit: Das Ende des Films macht einen Sprung in die Ära des US-Präsidenten, der Rassismus für nicht so schlimm hält. Trump wird gezeigt, genauso der alt gewordene David Duke, seines Zeichens Ku-Klux-Klan-Anführer, der Trump lobt. Duke kommt als junger Mann auch in Lees Film vor. Genau wie sein Klan. Nach einer unglaublichen, aber wahren Geschichte erzählt "BlacKkKlansman" von der Infiltrierung des Klans durch zwei Cops: Ein Schwarzer und ein Jude werden in Personalunion Mitglied des Klans.
Lee drehte einen nahezu perfekten Film, der in Cannes 2018 den Großen Preis der Jury erhielt.

Spike Lee ist ein radikaler Regisseur. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. In "It's Showtime" (2000) machte er sich über seinen Kollegen Quentin Tarantino lustig, weil der das Wort "Nigger" gerne in seinen Filmen verwendet und sich für einen Schwarzen hält, ohne dies zu sein. Die Figur, die in dem Film an Tarantino erinnern soll, spricht von "Brother man – I'm blacker than you". In "BlacKkKlansman" hat Spike Lee es auf den aktuellen US-Präsidenten abgesehen, die Kritik ist implizit wie explizit formuliert. Das Ende des Films zeigt Trump und die Vorfälle von Charlottesville. Fast lässt sich sagen: Der expliziten Kritik hätte es nicht bedurft, der Zuschauer erkennt schon während des Films Anspielungen, die auf den Mann im Weißen Haus gemünzt sind. Zu dick aufgetragen vom Regisseur? Nein, zum Rassismus in den USA ist keine Kritik zu wenig.

"BlacKkKlansman" fängt mit einem Mann an, der im Rest des Films keine Rolle spielt: Ein älterer Weißer hält einen fürs Fernsehen gedrehten Vortrag, warum Schwarze böse sind, man sie verfolgen müsse. Im Hintergrund laufen Szenen des alten Filmklassikers "Geburt einer Nation" (1915), der rassistisch war. Der Vortragende wird von Alec Baldwin dargestellt. Ein US-Zuschauer von "BlacKkKlansman" weiß es eher, als ein deutscher Zuschauer: Baldwin ist in "Saturday Night Live" Trump-Verulker, keine zufällige Besetzung.

Dem TV-Rassisten wird später im Film ein alter, schwarzer Mann gegenübergestellt, der einen anderen Vortrag hält: Jerome Turner, gespielt vom 91-jährigen Harry Belafonte, berichtet vom Lynchen eines jungen Farbigen in seiner Jugend. Der weiße Mob wurde durch das Sehen von "Geburt einer Nation" zu der Tat aufgestachelt. Beide Vorträge sind clevere Einschübe, die in ihrem Kontrast schmerzen.

BlacKkKlansman: Topher Grace als David Duke Die Einschübe umrahmen die eigentliche Handlung: In den 1970ern bewirbt sich der junge schwarze Ron Stallworth (John David Washington, der Sohn von Denzel Washington) bei der örtlichen Polizei. Sie erlaubt auch Minderheiten den Zugang. Ein Schild, das Ron liest, erklärt dies – in einer Zeit, in der es noch nicht selbstverständlich war, dass Schwarze in den Polizeidienst aufgenommen werden. Stallworth landet erst im Archiv. Weiße Polizisten sprechen von "Bimbos", wenn sie Akten zu Schwarzen bei dem Novizen anfordern. Dieser lässt es zu, bis ihm der Kragen platzt und dagegenhält, sie seien vielleicht Kriminelle, aber sie seien auch Menschen. Stallworth möchte undercover arbeiten, sein Chef gestattet es ihm. In der neuen Abteilung trifft er auf Flip Zimmerman (Adam Driver), einen Juden, der sich keine Gedanken über seine Ethnie macht. Sie ist ihm egal.

BlacKkKlansman: der Ku Klux Klan Ron liest in der Zeitung, der Ku Klux Klan suche neue Mitglieder. Ron ruft an, mal soeben. Erfolgreich. Es beginnt eine Infiltration, die sich Ron und Flip teilen: Der Schwarze telefoniert, der weiße Jude nimmt den persönlichen Kontakt auf. Eine Geschichte, die wirklich passiert ist: Der echte Ron Stallworth hat ein Buch darüber verfasst, wie er die örtlichen Mitglieder des Klans und den echten David Duke, den Anführer, an der Nase herumführte. Diese sind von Spike Lee zwar als Hinterwäldler dargestellt, aber deren demonstrativ übertriebene Naivität umschifft der Regisseur gerade noch sehr gut dadurch, dass eines der Mitglieder, Felix (Jasper Pääkkönen), seine Zweifel an Ron (und Flip) hat. Andere Klan-Typen, Walter (Ryan Eggold) und sogar der Anführer, der noch junge David Duke (Topher Grace), vertrauen Ron blind. Bis hin zur Übergabe der Mitgliedskarte. Ron und Flip erfahren vom Anschlagsplan auf eine schwarze Frau, und hier tragen die Drehbuchautoren wirklich zu dick auf: Es soll ausgerechnet die Frau treffen, die Ron ohne Wissen von Walter, Felix und Co. kennen und lieben gelernt hat, eine Aktivistin, Patrice (Laura Harrier).

Von der zu drastisch dargestellten Naivität mancher Klan-Mitglieder und der Drehbuch-Idee, dass eine Bombe zufällig Rons Freundin treffen soll, mal abgesehen, lässt sich an Spike Lees so kritischer wie humorvoller Farce nichts aussetzen. Ein Film zur rechten Zeit.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: 2018 Focus Features LLC.

 
Filmdaten 
 
BlacKkKlansman (BlacKkKlansman) 
 
USA 2018
Regie: Spike Lee;
Darsteller: John David Washington (Ron Stallworth), Adam Driver (Flip Zimmerman), Topher Grace (David Duke), Laura Harrier (Patrice Dumas), Ryan Eggold (Walter Breachway), Jasper Pääkkönen (Felix Kendrickson), Corey Hawkins (Kwame Ture), Ashlie Atkinson (Connie Kendrickson), Paul Walter Hauser (Ivanhoe), Michael Buscemi (Jimmy Creek), Robert John Burke (Chief Bridges), Alec Baldwin (Beauregard/Sprecher), Harry Belafonte (Jerome Turner) u.a.;
Drehbuch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee nach dem Buch "Black Klansman" von Ron Stallworth; Produzenten: Jason Blum, Spike Lee, Raymond Mansfield, Sean McKittrick, Jordan Peele, Shaun Redick; Kamera: Chayse Irvin; Musik: Terence Blanchard; Schnitt: Barry Brown;

Länge: 135,44 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Universal Pictures International GmbH; deutscher Kinostart: 23. August 2018



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"Ich finde es sehr gut, dass es viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir alle fair bezahlt werden. In Hollywood bewegen wir uns allerdings in einer Kunstform, die vom Kommerz bestimmt wird. Deshalb nenne ich es auch 'Show-off-Business'. Filmemachen ist ein brutales Geschäft."

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