03.08.2017

Auftrag Rache

Mit "Auftrag Rache", dessen Originaltitel "Edge of Darkness" vielfach ambitionierter klingt, adaptiert Martin Campbell seine sechsteilige TV-Serie aus dem Jahr 1985 für die Kinoleinwand. Mel Gibson spielt seine erste Hauptrolle seit acht Jahren und macht als Epizentrum des Thrillers eine durchaus gute Figur. Leider kann das Drehbuch da nicht immer mithalten, weil die notwendige Verdichtung und Aktualisierung des Serienplots allzu oft schlichte Behauptung bleibt. Die große handwerkliche Kompetenz Campbells, die etwa an seinen Bond-Filmen "Goldeneye" und "Casino Royale" ablesbar ist, hilft dem Thriller-Drama aber in weiten Teilen über die erzählerischen Schwächen hinweg.

Sehr vielversprechend ist der Beginn des Films: Der verwitwete Bostoner Polizei-Inspektor Thomas Craven (Mel Gibson) führt ein zurückgezogenes Leben. Als seine Tochter Emma (Bojana Novakovic) zu Besuch kommt, wird sie vor seinen Augen erschossen und die mit wenigen Strichen etablierte Normalität der Vater-Tochter-Beziehung zerplatzt im Bruchteil einer Sekunde. Den ersten Schock überwunden, macht Craven sich an die Ermittlungen und stößt dabei auf politische Intrigen und die skrupellosen Machenschaften eines Großkonzerns. Es dauert nicht lang und ein ominöser politischer Berater namens Jedburgh (Ray Winstone) betritt die Bildfläche.

Die unvermittelt ausbrechende Gewalt bleibt im weiteren Verlauf ein Wesensmerkmal von "Auftrag Rache", wobei die wenigen Actionszenen immer das rechte Maß an Bodenhaftung behalten. Im Zentrum steht trotz der Körperlichkeit vieler Szenen die Hauptfigur selbst, die Mel Gibson als getriebenen und verzweifelten Mann anlegt, der nach dem Tod seiner einzigen Tochter nichts mehr zu verlieren hat. Mit allen Mitteln will er sein Kind rächen – koste es, was es wolle. Anders als die geschickte Eröffnung, die den Zuschauer zu gesteigerter Aufmerksamkeit zwingt, wirkt der weitere Verlauf der Handlung oft unelegant. Zu viele Wendungen und Subplots kommen zu gestaucht und aufgesetzt daher. Noch dazu sind Cravens Gegenspieler ärgerlich eindimensional, einzig Ray Winstone bleibt bis zum Ende eine ambivalente und daher interessante Figur.

Dennoch ist Martin Campbell ein solides Thriller-Drama gelungen, das vor allem durch den Verzicht auf reißerische Effekte überzeugt – und durch Mel Gibson, der "Auftrag Rache" nach längerer Leinwandabstinenz problemlos schultert.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Auftrag Rache
(Edge of Darkness)

GB/USA 2010
Regie: Martin Campbell;
Darsteller: Mel Gibson (Craven), Ray Winstone (Jedburgh), Danny Huston (Jack Bennett), Bojana Novakovic (Emma Craven), Shawn Roberts (Burnham), David Aaron Baker (Millroy), Jay O. Sanders (Whitehouse), Denis O'Hare (Moore), Damian Young (Senator Jim Pine), Caterina Scorsone (Melissa) u.a.;
Drehbuch: William Monahan, Andrew Bovell; Produzenten: Tim Headington, Graham King, Michael Wearing; Kamera: Phil Meheux; Musik: Howard Shore; Schnitt: Stuart Baird;

Länge: 117 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 11. März 2010



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"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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