28. Juli 2005 
in Kürze: 

Boudu
- Ein liebenswerter Schnorrer

"Eine Frühlingsnacht in Aix-en-Provence. Der komplett verschuldete Galerist Christian Lespinglet (Gérard Jugnot) rettet einen Obdachlosen aus dem Kanal.

Der Held wider Willen nimmt den glücklosen Selbstmörder, er heißt Boudu (Gérard Depardieu), mit zu sich nach Hause – nur für ein paar Stunden…

Das unerwartete Aufkreuzen von Boudu wirkt wie ein Windstoß, der das mühsam in Balance gehaltene Kartenhaus, als das man Monsieur Lespinglets Existenz ansehen könnte, fast in sich zusammenstürzen lässt.

Ein Leben, das klemmt: da ist einerseits seine Frau Isolde (Cathérine Frot), depressiv und unter ständigem Einfluss von Medikamenten und andererseits seine Kunstgalerie, kurz vor der Pleite. Christian Lespinglet ist ein Bourgeois-Bohémien am Rande des Erstickungstods.

Er läuft seinem verlorenen Charme hinterher, indem er vergebliche Anstrengungen unternimmt, seine Assistentin Coralie (Constance Dollé) zu verführen; und er läuft dem Erfolg hinterher, indem er versucht Hubert (Jean-Paul Rouve), den lokalen Kunstmaler, wieder an die Staffelei zu bringen, den jedoch die Inspiration im Stich lässt.

Der Wirbelwind Boudu, dessen Aufenthalt bei Lespinglet nur ein kurzer sein sollte, richtet sich in diesem Provisorium ein. Er strapaziert die Geduld und den guten Willen seiner Gastgeber, und er bringt die sensiblen Regeln des Miteinanders zwischen Christian und Isolde, aber auch zwischen Coralie und Hubert gehörig durcheinander. Boudu ist unerträglich. Er ist beleidigend, naiv, egoistisch, hemmungslos. In seinen Sternstunden aber auch poetisch.

Boudu heilt den Lebensüberdruss, er behebt die Malblockade, und er hilft sogar dem Kinderwunsch auf die Sprünge."
(Text: Concorde Film)

Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, u.a. von Regisseur Jean Renoir unter dem deutschen Titel "Boudu - Von den Wassern gerettet" ("Boudu sauvé des eaux", 1932).


 
Filmdaten 
 
Filmtitel: Boudu - Ein ltebenswerter Schnorrer 
Originaltitel: Boudu (Frankreich 2005) 
Regie: Gérard Jugnot;
Darsteller: Gérard Depardieu (Boudu), Cathérine Frot (Isolde Lespinglet), Gérard Jugnot ("Die Kinder des Monsieur Mathieu"; Christian Lespinglet), Constance Dollé (Coralie), Bonnafet Tarbouriech (Perez), Hubert Saint-Macary (Bob) u.a.; Drehbuch: Philippe Lopes Curval, frei nach "Boudu sauvé des eaux" von René Fauchois; Adaption: Gérard Jugnot, Philippe Lopes Curval; Skript: Françoise Thouvenot; Produktion: Jean-Pierre Guérin, Gérard Jugnot; Ausführende Produzentin: Veronique Marchat; Kamera: Gerard Simon; Länge: 105 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih von Concorde Film


Archivierte Kurzinformation 


Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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