27.03.2018

Zuhause ist der Zauber los

In den Achtzigern als zotiger "Beverly Hills Cop" berühmt geworden, hat Eddie Murphy sich von den Neunzigern bis heute auf das Komödienfach festgelegt – von vereinzelten Ausflügen ins Actiongenre abgesehen. "Zuhause ist der Zauber los" von Karey Kirkpatrick ("Ab durch die Hecke") ist nun ebenfalls eine Komödie, allerdings eine mit ambitionierten Untertönen. Auf der emotionalen Ebene erzählt der Film von der entfremdeten Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter, ein Ansatz, der vor dem Hintergrund der oberflächlichen Rührseligkeit des Films allerdings zwangsläufig in die Knie gehen muss: Übrig bleibt trotz einiger Vorzüge kaum mehr als das Gerippe einer 08/15-Tragikomödie nach bewährter Hollywood-Machart.

Die Story erinnert dabei über alle Maßen an "Bedtime Stories" mit Adam Sandler. Hier wie da muss sich ein Geschäftsmann gegen einen Konkurrenten am Arbeitsplatz behaupten und in beiden Fällen kommt dem Helden dabei die Kraft kindlicher Magie zu Hilfe: Olivia (Yara Shahidi), unseres Protagonisten Tochter aus geschiedener Ehe, hat mittels einer Zauberdecke Kontakt zu zwei Prinzessinnen und einer Königin, die in die Zukunft blicken können – für den unter Druck stehenden Investment-Berater eine willkommene Informationsquelle: Wer soll mit wem fusionieren? Wo lauern faule Kredite? Und wie sieht der Aktienindex von morgen aus?

Sicherlich würden sich die Manager dieser Tage eine solche Zauberdecke wünschen, Regisseur Karey Kirkpatrick interessiert sich aber mehr für die Beziehung des Vaters zu seiner Tochter, die sich völlig zu Recht vernachlässigt fühlt. Als der karrierebeflissene Vater sich für sie zu interessieren beginnt, liegt das zunächst fast ausschließlich an der magischen Decke. Selbstredend wird unsere Hauptfigur im Verlauf des Films nachhaltig geläutert und alles wendet sich zum Guten, beziehungsweise Gutbürgerlichen.

Ein inszenatorischer Vorzug des Films ist es, dass er die Märchenwelt unter der Decke, die unter anderem einen Drachen beherbergt, nicht bebildert, sondern der Fantasie der Figuren und des Zuschauers überlässt. Desgleichen gewährt Kirkpatrick leider nicht den gefühlsbetonten Szenen zwischen Vater und Tochter, die unter einem zwar handwerklich soliden, aber durchweg oberflächlichen Klang- und Regieteppich aus Kitsch und Pathos verschütt gehen. "Zuhause ist der Zauber los" ist daher ein allenfalls annehmbarer, letztlich aber durchaus verzichtbarer, kurzweiliger Familienfilm.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Zuhause ist der Zauber los
(Imagine That)

deutscher Alternativtitel: Imagine that - Die Kraft der Fantasie
USA 2009
Regie: Karey Kirkpatrick;
Darsteller: Eddie Murphy (Evan Danielson), Thomas Haden Church (Johnny Whitefeather), Yara Shahidi (Olivia Danielson), Ronny Cox (Tom Stevens), Stephen Rannazzisi (Noah Kulick), Nicole Ari Parker (Trish), DeRay Davis (John Strother), Vanessa Williams (Lori Strother), Martin Sheen (Dante D'Enzo), Bobby J. Thompson u.a.;
Drehbuch: Ed Solomon, Chris Matheson; Produzenten: Lorenzo di Bonaventura, Ed Solomon; Kamera: John Lindley; Musik: Mark Mancina; Schnitt: David Moritz;

Länge: 107 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 29. Oktober 2009



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"Nun, niemand schaut nach Hollywood, um einen Kommentar zu gesellschaftlichen Ereignissen zu bekommen, oder? ... Sie haben erst kürzlich entdeckt, dass es Menschen mit dunkler Hautfarbe auf der Welt gibt."

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