26.03.2017

Yoko

Am Anfang verschifft der herzlose Wilderer Van Sneider (Tobias Moretti) einen kleinen Yeti von Tibet nach Deutschland, ohne das zusätzliche Frachtgut zu bemerken, denn das Fabeltier kann sich bei Bedarf unsichtbar machen. Sprechen kann der eisbärige Geselle zwar nicht (er sagt nur ab und zu "jo jo"), ist aber ganz schön weise und flieht aus Sneiders illegalem Gehege. Der Zufall führt den Flüchtigen in das Baumhaus der kleinen Pia (Jamie Bick), die ihn ohne Umschweife adoptiert und auf den Namen Yoko tauft. In Gefahr geraten beide, weil der böse Jäger den Yeti sucht, um in an den zwielichtigen Zoodirektor Kellerman zu verhökern, der die zoologische Sensation zu gern in seiner Sammlung hätte.

Regisseurin Franziska Buch ("Hier kommt Lola!") erzählt ihre Adaption der Kinderbuch-Reihe von Knister ("Hexe Lilli") nach Schema F und ohne Überraschungen. Die kleinen Abenteuer von Pia und Yoko sind zu keiner Zeit wirklich packend, sondern plätschern nach der Art eines Staffellaufs dahin: Eine Szene reiht sich mehr oder minder holprig an die nächste. Das alles mündet dann in ein aufgesetztes Happy End, bei dem selbst der fiese Zoodirektor, vorher noch ein Inbegriff des bösen Geschäftemachers, wie aus dem Nichts geläutert ist. Bei "E.T. - Der Außerirdische", dessen Story sehr ähnlich gelagert ist, waren die Kennenlernphase und der folgende Trubel vielfach spannender – und sind es bis heute.

Doch während "Yoko" dramaturgisch in Richtung des tausendfach Gesehenen läuft, ist er als Kinderfilm nicht völlig verirrt. Nicht nur der vergleichsweise schön animierte CGI-Yeti (im deutschen Kino eine Seltenheit), sondern auch die sympathischen Darsteller (darunter auch Jessica Schwarz) und die kompakte Figurenzeichnung retten "Yoko" ins Mittelmaß. Hinzu kommt die moralisch wertvolle Botschaft, die als zentrales Herzstück alle Charaktere in der ein oder anderen Form beschäftigt: Tiere gehören in die freie Wildbahn! Die implizite Kritik an Zoologischen Gärten, insbesondere an schlecht geführten, dürfte vor allem kleine Kinder zu weiteren Fragen an die Eltern bewegen, was begrüßenswert ist. Trotzdem: Wer Nachwuchs hat, der mehr über Yetis, Tibet oder Freundschaft erfahren will, der sollte lieber Hergés klassischen Comicband "Tim in Tibet" an die Hand geben.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Yoko


Deutschland/Österreich/Schweden 2012
Regie: Franziska Buch;
Darsteller: Jamie Bick (Pia), Friedrich Heine (Lukas), Lilly Reulein (Marcella), Laurentsio Pettersson und Oskar Wallroth (Yoko), Tobias Moretti (Thor van Sneider), Justus von Dohnányi (Prof. Kellerman), Jessica Schwarz (Mama Katja) u.a.;
Drehbuch: Gerrit Hermans, Claudia Boysen nach der Kinderbuch-Reihe von Knister; Produzenten: Danny Krausz, Corinna Mehner; Kamera: Jan Fehse; Musik: Mark Anthony Yaeger; Schnitt: Tobias Haas;

Länge: 102,50 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 16. Februar 2012



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"Ich bin eine Hure, alle Schauspieler sind Huren. Wir verkaufen unsere Körper an den Meistbietenden."

("I'm a whore, all actors are whores. We sell our bodies to the highest bidder.")

William Holden

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