18.05.2016
Eindringliche Geschichte, meisterhaft umgesetzt

X-Men: Apocalypse


X-Men: Apocalypse "X-Men: Apocalypse" beschwört ein Weltuntergangs-Szenario herauf, das dank brillanter Digitaltechnik erschreckend realistisch dargestellt wird. Ein gottgleicher Mutant, En Sabah Nur, alias "Der Erste", oder "Apocalypse", scheinbar allmächtig und unbesiegbar, wiedererweckt nach Jahrhunderten des Vergrabenseins, ist enttäuscht von der waffenbeladenen, kriegsübersäten und geldgierigen Menschheit. Er beschließt, sie auszulöschen und neu zu erschaffen. Gegen diese Übermacht kommen nur die Mutanten der X-Men in Frage, die sich für eine Menschheit einsetzen sollen, die Mutanten ablehnt.

Biblische Botschaften durchziehen neuere Science-Fiction-Filme, und verleihen ihnen so eine geheimnisvoll-mystische Ebene, verbunden mit einer Botschaft der Verbesserung der Welt, der Überwindung menschlicher Schwächen. Wenn der Kampf zwischen Gut und Böse – so auch in "Star Wars" – anfangs außen stattfindet, so ist es eine Wendung, dass die Geschichtenschreiber den Schauplatz ins Innere verschieben, in die Seele des Einzelnen. So wie Anakin Skywalker ist auch der Mutant Magneto (dargestellt von Michael Fassbender) hin und hergerissen im Kampf um das Gutsein, der Bemühung um Vertrauen und Freundschaft, und dem Zulassen und Ausleben von Hassgefühlen. Scheint uns das nicht bekannt?

X-Men-Anführer Professor Xavier – kurz "X" – steht für Anerkennung, Liebe, unbeirrbaren Glauben an das Gute. Die Freundschaft zwischen Charles Xavier alias Professor X und Eric Lehnsherr alias Magneto steht im Zentrum der X-Men-Filme. Gut und Böse sind befreundet, Gut versucht immer und immer wieder, den "gefallenen Engel" zu bekehren.

X-Men: Apocalypse So wie En Sabah Nur, dargestellt von Oscar Isaac – übrigens auch Darsteller des "Star Wars"-Piloten Poe Dameron –, schart auch Xavier junge Mutanten mit verschiedenen beeindruckenden Fähigkeiten um sich. In Anlehnung an die vier Reiter der Apokalypse findet "Apokalypse" vier Mutanten, die er mit großer Macht ausstattet – darunter auch die spätere X-Men "Storm" – und beginnt mit der Vernichtung der Welt. Es gelingt dem Bösen, sich in die Gedankenwelt von Charles Xavier zu begeben, dieser Weg aber geht in beide Richtungen. So dass auf vielen Ebenen Kämpfe stattfinden: die äußeren Kriegsschauplätze und die inneren. Realität, Fiktion, innen und außen verschwimmen und beeinflussen sich gegenseitig.

Raven, alias die blaue Mystique (Jennifer Lawrence) reift in diesem Film ungewollt heran und übernimmt eine Führungsrolle für die jungen Mutanten. Von der digitalen Umsetzung her sticht der Part von Quicksilver hervor, der immer wieder rettend eingreift und sich blitzartig in der verlangsamten Welt bewegt.

Die Spannung, die von der ersten Sekunde des Films erzeugt wird, hält den ganzen Film durch. Auch wenn der herbeigesehnte Wolverine nur einen Auftritt von ein paar Minuten hat, so kommt auch ein X-Men-Fan über diese Enttäuschung hinweg, weil die Geschichte wenig Zeit zum Überlegen lässt. Die 3D-Technik und der überragende Sound, der den Kinostuhl zum Vibrieren bringt, eindringliche Klänge wie die überarbeitete Siebte Symphonie von Beethoven bringen zusätzliche Tiefe.

Regisseur Bryan Singer, der zuvor schon in vier der X-Men-Filme Regie geführt hat, gelingt in Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Simon Kinberg, ebenfalls X-Men-erfahren, aber bisher eher unspektakulär, mit diesem Film ein Schritt in die Vertiefung der Geschichte, den man nicht für möglich gehalten hätte.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * * * (5 von 5) 
 

 
Filmdaten 
 
X-Men: Apocalypse (X-Men: Apocalypse) 
 
USA 2016
Regie: Bryan Singer;
Darsteller: James McAvoy (Professor Charles Xavier), Michael Fassbender (Erik Lehnsherr / Magneto), Jennifer Lawrence (Raven / Mystique), Nicholas Hoult (Hank McCoy / Beast), Oscar Isaac (En Sabah Nur / Apocalypse), Rose Byrne (Moira Mactaggert), Evan Peters (Peter Maximoff / Quicksilver), Josh Helman (Col. William Stryker), Sophie Turner (Jean Grey), Tye Sheridan (Scott Summers / Cyclops), Lucas Till (Alex Summers / Havok), Kodi Smit-McPhee (Kurt Wagner / Nightcrawler), Ben Hardy (Angel), Alexandra Shipp (Ororo Munroe / Storm), Lana Condor (Jubilee) u.a.;
Drehbuch: Simon Kinberg; Produzenten: Simon Kinberg, Lauren Shuler Donner, Bryan Singer; Kamera: Newton Thomas Sigel; Musik: John Ottman; Schnitt: Michael Louis Hill;

Länge: 144,30 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Twentieth Century Fox of Germany GmbH; deutscher Kinostart: 19. Mai 2016



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verstorben: Dorothea Holloway, unter ihrem Geburtsnamen Dorothea Moritz Schauspielerin ("Höhenfeuer", "Der Willi-Busch-Report"), Filmjournalistin und liebe Freundin (08.06.1932 - 03.02.2017)


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