19.04.2018

Woher weißt du, dass es Liebe ist?

Die Figuren aus James L. Brooks' Komödie "Woher weißt du, dass es Liebe ist?" durchleben verschiedene Umbruch- und Krisensituationen: Titelheldin Lisa (Reese Witherspoon), eine begnadete Profi-Softball-Spielerin, steuert auf ihren Dreißigsten zu und muss damit leben, dass eine jüngere Spielerin ihren Platz einnimmt. Mit dem millionenschweren Baseball-Spieler Matty (Owen Wilson) teilt sie im Rahmen einer Affäre "amazing sex" und lenkt sich von ihren Sorgen ab. Frauenschwarm Matty hingegen kommt in die Bredouille, als er mit Lisa eine Beziehung anfängt und seinem reichhaltigen Sexleben Adieu sagen muss. Der Dritte im Bunde, George (Paul Rudd), durchlebt gleich zwei Krisen: Erstens ermittelt der Staat wegen fauler Geldgeschäfte gegen den (freilich unschuldigen) Unternehmer, der nach einem Prozess sogar im Gefängnis landen könnte – zweitens verliebt er sich in Lisa, die aber bekanntlich mit Matty zusammen ist.

Dabei sieht das Publikum doch auf Anhieb, dass Matty nicht Mr. Right und George sowieso viel sympathischer ist! James L. Brooks, vom dem auch das Drehbuch stammt, lässt George aber in bester Romantic-Comedy-Manier ein wenig zappeln und Lisa wertvolle Filmminuten an den zwar irgendwie süßen, aber oft unverständigen Matty vergeuden. Spaß und gute Unterhaltung bietet das, weil "How Do You Know" (so der Originaltitel) mit treffend besetzten Darstellern sowie humorvoll-pointierten Dialogen aufwartet, und nicht von einer Sensation zur nächsten hetzt, sondern den Eigenarten der Figuren verhältnismäßig viel Zeit einräumt. Es ist ein gewisser Judd-Apatow-Flair, der durch einige der Szenen weht: Vor allem George versprüht als leicht verschrobener und unbeholfener Mann in Nöten jene Art von Charme, die man aus den Komödien Apatows ("Beim ersten Mal") kennt. Jack Nicholson und Kathryn Hahn, die beide markante Nebenrollen bestreiten, tragen ihren Anteil zu diesem Eindruck bei – wenngleich vor allem Nicholson kaum Raum zur Entfaltung seiner cholerischen Figur bleibt.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass James L. Brooks eine harmlose Komödie vorlegt, die im Großen und Ganzen nach vielfach erprobtem Muster abläuft – kurzweilige und sympathische Unterhaltung bietet der Film dennoch, insbesondere auch in der letzten Szene, in der Brooks die titelgebende Frage so beiläufig wie charmant beantwortet.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Woher weißt du, dass es Liebe ist?
(How Do You Know)

Land 2010
Regie & Drehbuch: James L. Brooks;
Darsteller: Reese Witherspoon (Lisa), Paul Rudd (George), Owen Wilson (Matty), Jack Nicholson (Charles), Kathryn Hahn (Annie), Mark Linn-Baker (Ron), Lenny Venito (Al), Molly Price (Coach Sally), Tony Shalhoub (Psychiater) u.a.;
Produzenten: Julie Ansell, James L. Brooks, Laurence Mark, Paula Weinstein; Kamera: Janusz Kaminski; Musik: Hans Zimmer; Schnitt: Richard Marks, Tracey Wadmore-Smith;

Länge: 120,30 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 20. Januar 2011



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Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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