15.05.2018

Willkommen bei den Rileys

Mit James Gandolfini und Kristen Stewart treten in "Willkommen bei den Rileys" gleich zwei Schauspieler auf, die mit einem recht festgelegten Image geschlagen sind: Gandolfini, der vor allem mit seiner Rolle des Tony Soprano in der Fernsehserie "Die Sopranos" assoziiert wird und im Kino in meist zwielichtigen Nebenrollen auftritt, liefert in Jake Scotts zweitem Spielfilm eine seiner wenigen Hauptrollen. Kristen Stewart ist durch ihre Rolle der Bella Swan aus der "Twilight"-Reihe noch festgelegter und erweitert ihr Rollenspektrum als minderjährige Prostituierte, die von der naiven Schönheit der Vampir-Geliebten kaum weiter entfernt sein könnte. Beide Darsteller meistern den Aufbruch zu neuen Ufern, und Melissa Leo, die kürzlich einen Oscar für ihre Nebenrolle in "The Fighter" erhielt, komplettiert das Ensemble mit einer nicht minder sehenswerten Darbietung. Als erste und zentrale Einschätzung kann gesagt werden, dass "Willkommen bei den Rileys" ein Schauspielerfilm ist.

Vor diesem Hintergrund inszeniert Jake Scott sein Independent-Drama recht konventionell und unter Verzicht auf jegliche Art von Pomp. Auch die Geschichte, die von Trauerbewältigung, zwischenmenschlicher Wärme und der Flucht aus erstarrten Strukturen handelt, ist für sich genommen wenig Aufsehen erregend und erfährt eine überaus gradlinige dramaturgische Aufbereitung. Es sind James Gandolfini, Kristen Stewart und Melissa Leo, die "Willkommen bei den Rileys" sehenswert machen und denen Jake Scott durch seine zurückhaltende Regie genügend Raum gibt, den Kameramann Christopher Soos in eleganten und unaufdringlichen Bildern angemessen ausgestaltet.

Kristen Stewart lässt bereits bei ihrem ersten Auftritt als zu früh verlebte und knapp bekleidete Prostituierte Mallory ihre romantisch verliebte Bella vergessen. Wenn James Gandolfini in den ersten Filmminuten einen Nachtclub besucht und müde am Tresen sitzt, fühlt sich der Kenner der "Sopranos" zunächst ganz unweigerlich an den bärigen Mafiaboss erinnert. Aber schon ein oder zwei Szenen später ist Gandolfini ganz und gar der gutmütige Geschäftsmann Doug Riley, der einen Ausweg aus seiner erdrückenden Lebenslage sucht, die maßgeblich von der Trauer um seine tragisch verstorbene Tochter bestimmt ist. Während seine Ehefrau Lois (Melissa Leo) das Haus nicht mehr verlässt und in ihrem Leid erstickt, nimmt Doug sein Schicksal in die Hand, indem er die junge Prostituierte als eine Art Vaterersatz tatkräftig unterstützt. Als schließlich auch Lois zu den beiden stößt, verbringen Mallory und die Rileys einige tröstende Tage in familienähnlichen Verhältnissen. Nun dringt die jederzeit eindeutige Charakterisierung und Entwicklung zwar nicht wirklich tief in die Belange der Figuren vor, doch das Ensemble schafft Schattierungen, wo das Drehbuch ebensolche vermutlich gar nicht angelegt hat. Dadurch ist "Willkommen bei den Rileys" ein unaufgeregter, handwerklich versierter und trotz der Stars kleiner Independent-Film, der zwei Schauspieler zeigen lässt, dass sie mehr können als das, was weithin von ihnen erwartet wird – und Melissa Leo die Möglichkeit bietet, ihren guten Ruf zu bestätigen.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Willkommen bei den Rileys
(Welcome to the Rileys)

USA/GB 2010
Regie: Jake Scott;
Darsteller: James Gandolfini (Doug Riley), Kristen Stewart (Mallory), Melissa Leo (Lois Riley), Joe Chrest (Jerry), Ally Sheedy (Harriet), Tiffany Coty (Tara), Eisa Davis (Vivian), Lance E. Nichols (Hamilton Watkins), Peggy Walton Walker (Brenda) u.a.;
Drehbuch: Ken Hixon; Produzenten: Giovanni Agnelli, Scott Bloom, Michael Costigan; Kamera: Christopher Soos; Musik: Marc Streitenfeld; Schnitt: Nicolas Gaster;

Länge: 110,10 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 7. April 2011



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
Zitat

"Ich finde es sehr gut, dass es viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir alle fair bezahlt werden. In Hollywood bewegen wir uns allerdings in einer Kunstform, die vom Kommerz bestimmt wird. Deshalb nenne ich es auch 'Show-off-Business'. Filmemachen ist ein brutales Geschäft."

Schauspielerin Jamie Lee Curtis über #MeToo und Hollywood

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe