09.12.2019

Wild Rose (2018)


Wild Rose (2018): Jessie Buckley Ironischerweise rettet Jessie Buckleys stimmliche Präsenz neben der von ihr mitreißend verkörperten Titelfigur auch Tom Harpers Tragikomödie vor der Bedeutungslosigkeit, der beide verzweifelt entfliehen. Dass die in Musical-Manier inszenierten Tagträume der ruppigen Heldin Rose-Lynn zum unglaubwürdigen Ende hin Realität werden, ist dabei ähnlich vorhersehbar wie unvermeidliche Rückschläge. Solche verschuldet die frisch aus dem Knast entlassene Mutter zweier Schulkinder zuverlässig selbst, sodass ihr anfängliches Scheitern nicht nur Spannung, sondern den letzten Rest Realismus untergräbt.

Wäre Rose-Lynn weniger trinkfreudig, sprunghaft und leichtsinnig, stünde sie längst auf größeren Bühnen als der des Country-Lokals im tristen Handlungsort Glasgow, lautet der Umkehrschluss des schematischen Plots. Dessen Unterhaltungswert ist vorrangig Verdienst des Hauptdarstellerinnen-Trios, das den Repertoirecharakteren Tiefe verleiht. Roses wohlhabende Förderin Susannah (Sophie Okonedo) projiziert eigene gescheiterte Träume auf das chaotische Gesangstalent, das für sie als Putzkraft arbeitet. Darin spiegelt Susannah Roses resolute Mutter (Julie Walters), personifizierte Stimme der Bürgerlichkeit.

Wild Rose (2018): Jessie Buckley, Sophie Okonedo Nicht Musik, sondern Moral steht im Zentrum der konventionellen Underdog-Story, deren sozialdramatische Anwandlungen letztlich prinzipientreue Spießigkeit erdrückt. Harpers Königsweg zu kreativem Erfolg ist Biederkeit, untermauert von einem bigotten Konzept weiblicher Pflichterfüllung. Die bringt den drei grundverschiedenen (Mutter)Figuren Erfüllung darin, gute Fürsorgerinnen zu sein. Als Mustermama singt es sich vorgeblich viel besser. Sozialstrukturelle und materielle Hürden fallen, sobald die wilde Rose zum Topfpflänzchen domestiziert ist. Nicht nur die Hauptfigur verdient Besseres, auch das Publikum.  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: 2019 eOne Germany

 
Filmdaten 
 
Wild Rose (2018) (Wild Rose (2018)) 
 
GB 2018
Regie: Tom Harper;
Darsteller: Jessie Buckley, Sophie Okonedo, Matt Costello, Jane Patterson, Lesley Hart, Carol Pyper Rafferty, Maureen Carr, James Harkness, Julie Walters, Arthur Mackenzie, Daisy Littlefield, Louise Mccarthy, Janey Godley, Craig Parkinson, Marianne McIvor u.a.;
Drehbuch: Nicole Taylor; Produzentin: Faye Ward; Kamera: George Steel; Musik: Jack Arnold; Schnitt: Mark Eckersley;

Länge: 100,51 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Entertainment One Germany GmbH; deutscher Kinostart: 12. Dezember 2019



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  regisseure/schauspieler   |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Homepage des Verleihers
<09.12.2019>


Zitat

"Das Buch hatte mir besser gefallen."

Jüdischer Humor von Regisseur Billy Wilder (1906 - 2002). So beantwortete er die Frage, was er vom Dokumentarfilm "Mein Kampf" von Erwin Leiser halte

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe