21.04.2018

Wie durch ein Wunder

Mit den ursprünglich fürs Fernsehen produzierten "High School Musical"-Filmen ist Zac Efron zum Teenie-Schwarm aufgestiegen. In "Ich & Orson Welles" von Richard Linklater bewies er sein Talent für ernsthaftere Rollen und genau in diese Kerbe wollte er wohl schlagen, als er die Hauptrolle in Burr Steers' Teenager-Drama "Wie durch ein Wunder" annahm, der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Ben Sherwood und Birgit Moosmüller. Doch wenngleich Zac Efron schauspielerisch eine solide und stimmige Leistung abliefert, ist dieser Versuch gehörig schief gelaufen: "Wie durch ein Wunder" ist eine überaus seichte und aufgesetzte, bisweilen schnulzige Tragödie, die selbst dem jugendlichen Zielpublikum nur in Ansätzen behagen dürfte.

Charlie St. Cloud (Zac Efron) lebt in einem beschaulichen Küstenort in British Columbia. Gerade hat er im Rahmen eines Segel-Wettkampfs ein Stipendium für die Universität gewonnen, als er mit seinem kleinen Bruder Sam (Chris Massoglia) in einen Autounfall gerät – Charlie selbst kann im letzten Moment wiederbelebt werden, während Sam ums Leben kommt. Fünf Jahre später lebt Charlie in einer Hütte auf dem örtlichen Friedhof und gilt als Sonderling. Jeden Abend, pünktlich zum Sonnenuntergang, trifft er den Geist seines toten Bruders in einem verlassenen Waldstück – denn Charlie kann Tote sehen. Als die alte Schulbekanntschaft Tess (Amanda Crew) in sein zurückgezogenes Leben tritt, werden die Dinge komplizierter.

Von der Anlage her ist die Geschichte von "Wie durch ein Wunder", die zwischen Liebes-, Mystery- und Coming-of-Age-Drama changiert, interessant. Aber die unbeholfene und über die Maßen kitschige Inszenierung von Burr Steers erstickt dieses Potenzial bereits im Keim. Die unbeseelten Hochglanzbilder, die ständig romantische Sonnenuntergänge zeigen, und die permanent eingesetzte dramatische Musik schieben sich wie ein Vorhang vor den dramatischen Kern der Erzählung, so dass sich die düsteren Untertöne von Charlies Schicksal in Wohlgefallen auflösen. Unterm Strich überzeugt "Wie durch ein Wunder" daher nur durch einen Running Gag mit Enten, die wiederholt den Friedhof verwüsten – und durch den entblößten Oberkörper von Zac Efron, den es im Rahmen einer geschickteren Inszenierung gar nicht gebraucht hätte.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * (1 von 5)



Filmdaten

Wie durch ein Wunder
(Charlie St. Cloud)

USA/Kanada 2010
Regie: Burr Steers;
Darsteller: Zac Efron (Charlie St. Cloud), Charlie Tahan (Sam St. Cloud), Amanda Crew (Tess Carroll), Augustus Prew (Alistair Woolley), Donal Logue (Tink Weatherbee), Kim Basinger (Claire St. Cloud), Ray Liotta (Florio Ferrente), Dave Franco (Sully), Matt Ward (Connors), Miles Chalmers (Latham), Jesse Wheeler (Green), Desiree Zurowski (Carla Ferrente), Adrian Hough (Ben Carroll), Jill Teed (Grace Carroll) u.a.;
Drehbuch: Craig Pearce und Lewis Colick nach dem Roman von Ben Sherwood; Produzent: Marc Platt; Kamera: Enrique Chediak; Musik: Rolfe Kent; Schnitt: Padraic McKinley;

Länge: 99 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 7. Oktober 2010



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Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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