03.09.2011
Wikinger-Väter und Wikinger-Söhne

Wickie auf großer Fahrt


Wickie auf großer Fahrt: Wickie (Jonas Hämmerle) "Jeder kann mutig sein, wenn es wirklich wichtig ist." Ausgerechnet von seiner ärgsten Gegenstreiterin lernt Wickie (Jonas Hämmerle), was es zum Anführer braucht. Nachdem sein Vater Halvar (Waldemar Kobus) vom Schrecklichen Sven (Günther Kaufmann) gefangen genommen wurde, muss der kleine Wikinger die starken Männer zu dessen Befreiung führen. Mit der unerschrockenen Svenja (Valeria Eisenhart), die Wickies Mannschaft beim letzten Raubzug gekapert hat, an Bord geht Wickie auf gefährliche Wettfahrt über die Meere, die ihn nicht nur in Svens Burg führt, sondern ins Eismeer, wo sich der sagenhafte Schatz der Götter verbirgt, den der Schreckliche Sven um keinen Preis bekommen darf.

Drei Jahre nach "Wickie und die starken Männer" kommt in 3D das nächste Kinderabenteuer nach Runer Jonssons Kinderbuchreihe um den rothaarigen Wikinger-Jungen auf die Leinwand. Im selben Jahr, als Michael "Bully" Herbigs erfolgreiche Kinoadaption anlief, feierte Christian Ditter mit einer anderen Buchverfilmung, "Vorstadtkrokodile", sein Kinderfilmdebüt. Mit dem mehr als eigenständigen Film denn als Fortsetzung konzipierten "Wickie auf großer Fahrt", der die eingestandene Schauspieler-Mannschaft des Vorgängers an Bord hat, tritt der Regisseur und Drehbuchautor in die Fußstapfen Herbigs, wobei es ihm nicht anders ergeht als Wickie in der Eingangssequenz. Die Fußstapfen Halvars sind für den ängstlichen Sohn des Häuptlings eine Nummer zu groß. Wer die Kinderbücher um Wickie und die gleichnamigen Anime-Serie kennt, weiß, dass im Grunde gerade dies den cleveren Nachwuchs-Schrecken der Meere auszeichnet. Sobald Wickie die Nase juckt, hat er einen Einfall, der die starken Männer Ture (Nic Romm), Snorre (Christian A. Koch), Urobe (Olaf Krätke), Gorm (Mike Maas), Ulme (Patrick Reichel) und Ulme (Jörg Moukaddam) weiter bringt als die raue Mentalität ihres Anführers.

Wickie auf großer Fahrt: Svenja (Valeria Eisenbart) "Ein Wikinger verhandelt nicht, er handelt!", erklärt Halvar seinem Sohn, der in der Gemeinschaft, der Raubeinigkeit im Blut liegt, beweist, dass der Kopf nicht nur zum Helmtragen da ist. Dem Geist der literarischen Vorlage bleibt die Handlung dabei treu, indem sie den blinden Aktionismus der starken Männer mit einem überlegten Handeln kontrastiert, bei dem Selbstbestimmtheit wichtiger ist als Mut. Nur wenn sie sich von elterlichen Altlasten befreien stürzen Kinder nicht ab, lehrt eine der plakativen Metaphern, welche die wohlmeinende Botschaft in Wikinger-Art nach dem Hau-Drauf-Prinzip eintrichtern. Schlagfertig und schlau: Zumindest eines davon muss man sein. Für die Welt der Wikinger gilt das ebenso wie im Kino. Mit dem mitunter in flapsigen Klamauk ausufernden Humor Herbigs hält "Wickie auf großer Fahrt" sich wohltuend zurück. Leider ist jedoch auch das mit den Einfällen so eine Sache. "Ich wünschte, ich hätte so viele Ideen wie Du", gesteht Halvar dem besonnen Helden der Wikinger-Truppe kleinlaut, als die Suche nach Thors Hammer die Männer in arktische Gefilde verschlagen hat.

Wickie auf großer Fahrt: Wickie (Jonas Hämmerle, vorne links), Svenja (Valeria Eisenbart) und die 'starken Männer' Tjure (Nic Romm), Snorre (Christian Koch), Urobe (Olaf Krätke), Faxe (Jörg Moukaddam), Ulme (Patrick Reichel) und Gorm (Mike Maas) Aus seinen Worten scheint die Ratlosigkeit des Regisseurs zu sprechen, dessen Handlung zu diesem Zeitpunkt ähnlich eingefroren ist wie ihre Protagonisten. Aus der Kältestarre können den Plot weder heiße Amazonen noch die als Ronja Räubertochter der Meere ausstaffierte hitzköpfige Tochter des Schrecklichen Sven befreien. Witz und Spannung der Geschichte des ersten deutschen 3D-Spielfilms schippern müde vor sich hin und driften dabei auch in seichte filmische Gewässer, die am flachsten um die Walküren-Insel sind. Eva Padbergs Amazonen-Auftritt auf dieser steht exemplarisch für die von der wechselhaften Freund-Feind-Dynamik zwischen Svenja und Wickie gespiegelten Konkurrenzkämpfe zwischen Männern und Frauen, besonders den miteinander verheirateten, die den kindlichen Kampf um Anerkennung der Eltern und Respekt der Erwachsenen verdrängen. Mit seinen Höhen und Tiefen ist der Kinoausflug weniger die lustige Abenteuerreise, die er sein will, als eine filmische Berg-und-Tal-Fahrt. "Auf großer Fahrt" ist Wickie nur dem Filmtitel nach, während der die authentischsten Konflikte zugunsten von Beziehungskomik umschiffende Plot sich niemals aus dem sicheren Hafen artiger Familienunterhaltung wagt.  

Lida Bach / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Constantin Film

 
Filmdaten 
 
Wickie auf großer Fahrt  
 
Deutschland 2011
Regie: Christian Ditter;
Darsteller: Jonas Hämmerle (Wickie), Valeria Eisenbart (Svenja), Waldemar Kobus (Halvar), Nic Romm (Tjure), Christian A. Koch (Snorre), Olaf Krätke (Urobe), Mike Maas (Gorm), Patrick Reichel (Ulme), Jörg Moukaddam (Faxe), Eva Padberg (Walküren-Anführerin), Ella-Maria Gollmer (Walküren-Assistentin), Hoang Dang Vu (Yogi), Sanne Schnapp (Ylva), Mercedes Jadea Diaz (Ylvi), Günther Kaufmann (der Schreckliche Sven), Christoph Maria Herbst (Pokka), Christian Ulmen und Antoine Monot, Jr. (Ritter 1 und Ritter 2), Jacob Matschenz (Kerkerwache 1), Elyas M'Barek (Kerkerwache 2), Helmfried von Lüttichau (Svens Wache 1) u.a.;
Drehbuch: Christian Ditter basierend auf den Figuren von Runer Jonsson; Produzent: Christian Becker; Co-Produzenten: Matthias Triebel, Franz Kraus, Antonio Exacoustos; Executive Producer: Martin Moszkowicz; Ausführende Produzentin: Lena Schömann; Kamera: Christian Rein; Musik: Ralf Wengenmayr, Nik Reich, Jaro Messerschmidt; 3D Stereographer: Florian Maier; Schnitt: Ueli Christen; Visual Effects: Scanline VFX & Arri VFX;

Länge: 96,09 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Constantin Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 29. September 2011



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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