06.05.2018

Stirb langsam im Weißen Haus

White House Down

Nachdem Roland Emmerich in Blockbustern wie "Independence Day", "The Day After Tomorrow" oder "2012" die Welt bereits mehrfach untergehen ließ, zerstört der erfolgreiche Filmemacher in seinem Actionfilm "White House Down" lediglich das Weiße Haus. Dieses Mal fliegt aber nicht gleich das ganze Gebäude in die Luft, sondern es ist vor allem die Inneneinrichtung, die mit fortschreitender Dauer des Old-School-Actionfilms immer mehr zu Klump geht.

Für ein Bewerbungsgespräch fährt der Polizist John Cale (Channing Tatum) mit seiner 11-jährigen Tochter Emily (Joey King) ins Weiße Haus. Cale will für den Secret Service den Präsidenten beschützen, doch die Secret-Service-Agentin Finnerty (Maggie Gyllenhaal) schmettert seine Bewerbung ab. Cale bleibt jedoch kaum Zeit, die Pleite zu verdauen, denn wie aus dem Nichts infiltriert eine paramilitärische Truppe unter der Führung des abtrünnigen Agenten Walker (James Woods) den Regierungssitz. Während sich Cale frühzeitig abseilen kann, fallen seine Tochter und andere Geiseln in die Hände der Gangster. Von außen ist wegen der Geiselnahme zunächst keine Hilfe zu erwarten und so muss Cale seine Tochter auf eigene Faust befreien und den Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx) vor den Eindringlingen schützen.

"White House Down" weckt viele Erinnerungen an John McTiernans Actionklassiker "Stirb Langsam" (USA 1988) mit Bruce Willis. Hier wie dort gibt es einen begrenzten Handlungsort, einen schlagfertigen Helden im Unterhemd und Geiseln, unter denen sich ein Familienmitglied der Hauptfigur befindet. Bis in alle Winkel der Geschichte lassen sich Parallelen zwischen den Filmen finden, sei es der Computer-Nerd in den Reihen der Gangster, die persönliche Rivalität Cales mit einem der Gegenspieler oder der Tourguide, der die Sidekick-Rolle des Taxifahrers aus "Stirb Langsam" fortführt – allein die Namensgebung: aus John McClane wird John Cale.

Die vielen Ähnlichkeiten mit "Stirb Langsam" gereichen "White House Down" aber keineswegs zum Nachteil. Vielmehr gelingt Emmerich, dem "Spielbergle aus dem Schwabenländle", ein sehr unterhaltsamer und gradlinig inszenierter Actionfilm. In der geschickten Exposition baut der Film eine geradezu heimelige Atmosphäre auf und führt die Figuren sowie deren Konflikte auf plastische Weise ein, so dass selbige auch im folgenden Actionreigen nicht zu bloßen Statisten verkommen. Wie bei Emmerich üblich, bleiben Patriotismus und Pathos nicht aus, doch im Subtext schlägt das Spektakel durchaus auch kritische Töne an: Es gibt in "White House Down" nämlich keine terroristische Bedrohung von außen wie im ähnlich gestrickten "Olympus Has Fallen", sondern ein Angriff aus dem Innern der USA stürzt die Supermacht ins Chaos. Zu viel politische Stellungsnahme sollte man von Emmerichs Film aber nicht erwarten – in erster Linie ist "White House Down" ein kurzweiliger Actionfilm mit smarten Hauptdarstellern, der sicher zu den Actionhighlights des Kinojahres zählt.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

White House Down
(White House Down)

USA 2013
Regie: Roland Emmerich;
Darsteller: Channing Tatum (Cale), Jamie Foxx (Präsident Sawyer), Maggie Gyllenhaal (Finnerty), Jason Clarke (Stenz), Richard Jenkins (Raphelson), Joey King (Emily), James Woods (Walker), Nicolas Wright (Donnie, der Tourguide), Jimmi Simpson (Tyler), Michael Murphy (Vizepräsident Hammond), Rachelle Lefevre (Melanie), Lance Reddick (General Caulfield), Matt Craven (Agent Kellerman), Jake Weber (Agent Hope), Peter Jacobson (Wallace), Barbara Williams (Muriel Walker), Kevin Rankin (Killick), Garcelle Beauvais (Alison Sawyer) u.a.;
Drehbuch: James Vanderbilt; Produzenten: Roland Emmerich, Bradley J. Fischer, Larry Franco, Laeta Kalogridis, Harald Kloser, James Vanderbilt; Kamera: Anna Foerster; Musik: Harald Kloser, Thomas Wanker; Schnitt: Adam Wolfe;

Länge: 131,41 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 5. September 2013



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"Ich finde es sehr gut, dass es viele Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass wir alle fair bezahlt werden. In Hollywood bewegen wir uns allerdings in einer Kunstform, die vom Kommerz bestimmt wird. Deshalb nenne ich es auch 'Show-off-Business'. Filmemachen ist ein brutales Geschäft."

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