10.05.2018

What a Man

Der 30-jährige Lehrer Alex (Matthias Schweighöfer) ist viel zu harmlos, um ein "richtiger Mann" zu sein. Als ihn seine Freundin Carolin (Mavie Hörbiger) gegen den durchtrainierten Macho Jens (Thomas Kretschmann) eintauscht, sucht der Vollblut-Softie die Fehler bei sich selbst und möchte endlich ein ganzer Kerl sein: Doch wann ist ein Mann ein Mann? Die infantilen Tipps seines türkischen Kumpels Okke (Elyas M'Barek) fruchten nicht und auch sonstige Männlichkeitsrituale gehen nach hinten los. Dass seine beste Freundin Nele (Sibel Kekilli) ihn auch in seiner jetzigen Form als Mann attraktiv findet, merkt der mit seinem Rollenbild beschäftigte Alex indes nicht.

Bei seinem Regiedebüt "What a Man" orientiert sich Matthias Schweighöfer stark an amerikanischen Vorbildern aus Hollywood. Dementsprechend inszeniert Schweighöfer, der auch als Co-Autor und Produzent fungiert, die Finanzmetropole Frankfurt/Main mit ihrer imposanten Skyline als Glitzerkulisse à la Manhattan. Doch zwischen den Hochglanzbildern, den unzähligen Musikvideo-ähnlichen Passagen sowie einigen pikanten Kalauern mit Liebesschaukel und Dildo geht "What a Man" das Eigene verloren – was bleibt, ist eine romantische Komödie der gewöhnlichen Bauart mit einer vorhersehbaren Geschichte und überzeichneten Charakteren. Anstelle von Humor, der weh tut oder ironisch ist, liefert Schweighöfer ein harmloses und eingängiges Geplänkel, das munter mit Klischees spielt ohne diese großartig zu hinterfragen.

Immerhin verleihen die sympathischen Darsteller der Komödie einen gewissen Charme. Vor allem Matthias Schweighöfer und Sibel Kekilli, die das romantische Zentrum des Films bilden, aber auch die gut besetzten Nebenrollen (darunter ein äußerst markanter Kurzauftritt von Milan Peschel) werten "What a Man" merklich auf. Außerdem anrechnen kann man Schweighöfer, dass er produktionstechnisch brav die Standards erfüllt und eine deutsche Hochglanz-Komödie vorlegt, die in der Tat nach Hollywood aussieht und nie ins haarsträubend Plumpe verfällt. Den eingeschworenen Fans von romantischen Komödien bietet "What a Man" letztlich also genau das, was sie erwarten.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

What a Man


Deutschland/USA 2011
Regie: Matthias Schweighöfer;
Darsteller: Matthias Schweighöfer (Alex), Mavie Hörbiger (Carolin), Thomas Kretschmann (Jens), Paul Alhäuser (Frank), Julia Niegel (Henriette), Elyas M'Barek (Okke), Lilay Huser (Okkes Oma), Sibel Kekilli (Nele), Vedat Erincin (Okkes Vater), Luise Bähr (Krankenschwester Nina), Friedrich Mücke (Arzt), Milan Peschel (Volker), Lisa Loch (Mädchen im In & Out), Tom Zickler (Arzthelfer), Gitta Schweighöfer (Frau Schlupp), Nora Tschirner (Junge Frau im Pandakostüm), Katharina Schüttler (Angestellte im Reisebüro), Friederike Kempter (Stewardess), Antoine Monot Jr. (Vater Alex) u.a.;
Drehbuch: Matthias Schweighöfer, Doron Wisotzky; Produzenten: Gabriela Bacher, Marco Beckmann, Dan Maag, Matthias Schweighöfer; Kamera: Bernhard Jasper; Musik: Peter Horn, Andrej Melita; Schnitt: Hans Horn, Olivia Retzer;

Länge: 94,26 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 25. August 2011



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Zitat

"Robby Müller hat das Handwerk und die Kunst der Kameraführung und des Lichtsetzens erneuert und vorangetrieben. Er konnte wie kaum ein anderer in seinen Bildern Stimmungen erfassen und Zustände beschreiben, die mehr über Charaktere erzählten als Dialoge und dramaturgische Strukturen. Er wusste, wie man für eine Geschichte und einen Film ein ganz eigenes Klima erzeugt, in dem seine Figuren im wahrsten Sinne des Wortes 'gut aufgehoben' waren. Für eine Handvoll Filmemacher war er der wichtigste Wegbegleiter."

Regisseur Wim Wenders zum Tode des Kameramanns Robby Müller (04.04.1940 - 03.07.2018)

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