13.05.2018

Werner - Eiskalt!

Den zweiten Werner-Film habe ich als kleiner Junge im Kino gesehen. Einige ältere Kerle imponierten mir sehr, als sie einen kompletten Kasten Bier ins Kino schleppten und mit dem Zischen beim Bierflaschen öffnen während der Vorführung eine Art zweiten Rhythmus vorgaben: An ebenjene Kerle musste ich denken, als die Pressevorstellung von "Werner – Eiskalt!" lief. Denn hier hilft es wohl auch nichts, beim Zuschauen unter Alkoholeinfluss zu stehen: Gernot Roll legt einen durch und durch öden Streifen vor, der wirklich nicht hätte sein müssen.

"Werner – Eiskalt!" ist der nunmehr fünfte Teil der Werner-Reihe und der erste seit dem Original, in dem die Zeichentrickszenen mit Realfilmeinschüben zusammengehen. Rötger Feldmann alias Brösel spielt sich selbst, wobei er durchaus ironische Töne anschlägt, letztlich aber allzu plump und verkrampft wirkt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die bewusst trashige Umsetzung der Realszenen, die wie die Brösel-Story aus dem ersten Teil an schlecht gemachte Amateurvideos erinnert, dabei aber fast völlig ohne gelungenen Humor daherkommt. Auch die Story ist banal: Der mittlerweile erfolglose Brösel macht einen Strandurlaub auf Korsika, um sein Leben neu zu organisieren, springt bei einem Kopfsprung in knietiefes Wasser jedoch mit dem Kopf auf einen Stein und ist fortan scheintot. Seine Rocker-Kumpels reisen von Knöllerup gen Süden, um die vermeintliche Leiche des Comiczeichners in die Heimat zu schaffen, während die Fernseh- und Radiostationen Brösels Karriere in Nachrufen thematisieren.

Der Zeichentrickanteil rekapituliert die seit Babytagen bestehende Rivalität zwischen Werner und Holgi, die immer wieder in turbulenten Rennduellen Ausdruck findet. Abgesehen vom Oberthema besteht kein größerer innerer Bezug zwischen den einzelnen Episoden, die etwa auf einem chaotischen Polizeifest oder in der Werkstatt von Meister Röhrich spielen. Letztlich erinnert die Bauweise von "Werner – Eiskalt" daher an eine Zusammenstellung verschiedener Cartoons, die ja – im Gegensatz zum Comic – auch nur etwa drei Bilder lang in Zusammenhang stehen. Der Fokus liegt klar auf dem Wiedersehen mit den alten Bekannten aus dem Werner-Universum und dem typischen Fäkalhumor der Reihe, was an sich ausreichend sein könnte: Doch während der erste Werner-Film noch durch seine pure Anarchie zu unterhalten wusste, erweist sich der fünfte Teil als arg seelenloser und müder Nachäffer.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * (1 von 5)



Filmdaten

Werner - Eiskalt!


Deutschland 2011
Regie: Gernot Roll;
Darsteller: Rötger Feldmann (Brösel), Ivonne Schönherr (Barbara), Marysol Fernandez (Mandy), Richard Sammel (Hermann Seidel), Kalle Haverland (Präsi), Andreas Feldmann (Andi), Jochen Nickel (Herbert), Michael Lott (Röhre), Thorsten Schütt (Walze), Holger Henze (Holgi)
und mit den Stimmen von:
Klaus Büchner (Werner), Janosch P. Agustin (Holgi - 16 Jahre), Benedikt Brandt (Klein-Holgi), Ingrit Dohse (Holgis Mutter), Bertram Hiese (Werner - 16 Jahre), Robert Missler (Schmittke), Thomas Platt (Prof. Dr. Dr. Leberecht Seisogut), Karolin Spies (Werners Mutter) u.a.;
Drehbuch: Rötger Feldmann, Thomas Platt, Herman Weigel; Produzenten: Oliver Berben, Herman Weigel; Kamera: Gernot Roll; Musik: J.P. Genkel; Schnitt: Melania Singer;

Länge: 98,08 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 23. Juni 2011



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Zitat

"Robby Müller hat das Handwerk und die Kunst der Kameraführung und des Lichtsetzens erneuert und vorangetrieben. Er konnte wie kaum ein anderer in seinen Bildern Stimmungen erfassen und Zustände beschreiben, die mehr über Charaktere erzählten als Dialoge und dramaturgische Strukturen. Er wusste, wie man für eine Geschichte und einen Film ein ganz eigenes Klima erzeugt, in dem seine Figuren im wahrsten Sinne des Wortes 'gut aufgehoben' waren. Für eine Handvoll Filmemacher war er der wichtigste Wegbegleiter."

Regisseur Wim Wenders zum Tode des Kameramanns Robby Müller (04.04.1940 - 03.07.2018)

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