19.05.2018

Von der Kunst, sich durchzumogeln

Der 17-jährige George (Freddie Highmore) kritzelt lieber ins Schulheft, als Hausaufgaben zu machen. Überhaupt vermisst der Einzelgänger einen Sinn in seinem Leben, denn wozu soll er sich überhaupt für irgendetwas anstrengen oder einsetzen, wenn er schlussendlich doch im Sarg landet?

So schlurft George in einem zu großen Mantel durch New York, hört Leonard Cohen und lässt seinen fatalistischen Gedanken freien Lauf. Die Erwachsenen, ob Lehrer oder Eltern, ringen ihm jedenfalls kein Engagement ab – dass die Abschlussprüfung in drei Wochen bevorsteht und er den gesamten Stoff des vergangenen Schuljahres nachholen müsste, interessiert ihn nicht im Geringsten. Die Rettung für diesen jungen Heranwachsenden in der Selbstfindungskrise naht – natürlich – in Form seiner schönen Mitschülerin Sally (Emma Roberts), die ihn auf Partys mitnimmt und von einer Gesprächspartnerin zur Angebeteten aufsteigt. Endlich etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt! Und kämpfen muss George tatsächlich, denn auch der befreundete Maler Dustin (Michael Angarano) zeigt Interesse an Sally.

So richtig kommt man als Zuschauer/in an den depressiven und gleichzeitig von sich selbst überzeugten, deutlich von Salingers "Fänger im Roggen" inspirierten Antihelden George nicht heran. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur und Drehbuchautor Gavin Wiesen, der mit dem Coming of Age-Drama "Von der Kunst, sich durchzumogeln" sein auf dem Sundance-Festival aufgeführtes Debüt vorlegt, zu sehr mit Stereotypen arbeitet und seinen Figuren kein interessantes oder vielschichtiges Profil verleiht. Vielmehr erstarren die schicken New York-Bilder, die eingängigen Musikmontagen zu zeitgenössischer Singer-Songwriter-Musik und die langen Zeitlupensequenzen zu nichts weiter als ausgehöhltem Manierismus. Die innere Leere der Hauptfigur überträgt Wiesen gewissermaßen auf den gesamten Film, der mit seinem überraschungsarmen Drehbuch über weite Strecken im Banalen und Alltäglichen vor sich hin plätschert.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Von der Kunst, sich durchzumogeln
(The Art of Getting By)

USA 2011
Regie & Drehbuch: Gavin Wiesen;
Darsteller: Freddie Highmore (George Zinavoy), Emma Roberts (Sally Howe), Michael Angarano (Dustin), Sasha Spielberg (Zoe Rubenstein), Marcus Carl Franklin (Will Sharpe), Ann Dowd (Mrs. Grimes), Maya Ri Sanchez (Cynthia), Blair Underwood (Martinson), Ann Harada (Mrs. Dougherty), Rita Wilson (Vivian Sargent), Sam Robards (Jack Sargent), Alicia Silverstone (Ms. Herman), Elizabeth Reaser (Charlotte Howe) u.a.;
Produzenten: Kara Baker, P. Jennifer Dana, Darren Goldberg, Gia Walsh; Kamera: Ben Kutchins; Musik: Alec Puro; Schnitt: Mollie Goldstein;

Länge: 83,30 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 29. September 2011



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Zitat

"Ich bin bis heute ein Minimalist. Es war Bogart, der sagte, 'Wenn Du die richtigen Gedanken denkst, wird die Kamera sie aufnehmen.' Das Wichtigste im Gesicht sind die Augen, und wenn Du die Augen zum Reden bringst, hast Du schon die halbe Strecke geschafft."

("I've always been a minimalist. It was Bogart who once said, 'If you think the right thoughts, the camera will pick it up.' The most important thing in the face is the eyes, and if you can make the eyes talk, you're halfway there.")

Schauspieler Ian Holm ("Alien", "Der Herr der Ringe"-Filme; 12. September 1931 - 19. Juni 2020)

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