05.06.2018

Vielleicht lieber morgen

Für die Kinoadaption seines Jugendromans "The Perks of Being a Wallflower" hat der Autor Stephen Chbosky nicht nur das Drehbuch verfasst, sondern auch die Regie übernommen. Dementsprechend vorlagentreu ist der hierzulande mit "Vielleicht lieber morgen" betitelte Independentfilm, der in bester Coming-of-Age-Manier und mit einer guten Portion Charme von den Nöten eines Heranwachsenden erzählt.

Wie der Roman nimmt auch die Verfilmung die Perspektive des verschlossenen und psychisch labilen Einzelgängers Charlie (Logan Lerman) ein. Charlie, der sich für Literatur interessiert und gerne Schriftsteller wäre, erlebt einen schwierigen Start an der neuen Schule und stößt im sozialen Umfeld auf wenig Gegenliebe – allenfalls mit seinem Englischlehrer Bill (Paul Rudd) kommt er ins Gespräch. Als der Jugendliche Patrick (Ezra Miller) und Sam (Emma Watson) aus der Oberstufe kennenlernt, eröffnet sich eine neue Welt und Charlie stößt zu einer Gruppe von Sonderlingen und Mauerblümchen, bei denen er sich bestens aufgehoben fühlt. Zwischen Alkohol, Drogen und guter Musik verliebt sich Charlie bald in die hübsche Sam und findet über den einen oder anderen Umweg zu sich selbst.

In vielerlei Hinsicht ist "Vielleicht lieber morgen" ein typischer Independentfilm mit ausgesuchter Singer-Songwriter-Musik und liebenswert-verschrobenen Figuren. Vor allem das Ensemble um die zweifelsohne talentierte Emma Watson und den gut besetzten Logan Lerman verleiht dem Film dennoch eine ganz eigene Ausstrahlung abseits ausgetretener Independent-Pfade. Gleichsam nebenbei stellt Stephen Chbosky in seinem Debütfilm essentielle Fragen und verpackt die Geschichte rund um ein Kindheitstrauma des Protagonisten in eine jederzeit eingängige, aber durchaus tiefgründige Geschichte eines Schuljahres an der Highschool, an dessen Ende das unbeschwerte Hochgefühl aus einem David-Bowie-Song steht: "We could be heroes just for one day."



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Vielleicht lieber morgen
(The Perks of Being a Wallflower)

USA 2012
Regie: Stephen Chbosky;
Darsteller: Logan Lerman (Charlie), Emma Watson (Sam), Ezra Miller (Patrick), Paul Rudd (Mr. Anderson), Nina Dobrev (Candace), Dylan McDermott (Vater), Kate Walsh (Mutter), Joan Cusack (Dr. Burton) u.a.;
Drehbuch: Stephen Chbosky nach seinem eigenen Buch; Produzenten: Lianne Halfon, John Malkovich, Russell Smith; Kamera: Andrew Dunn; Musik: Michael Brook; Schnitt: Mary Jo Markey;

Länge: 102,41 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 1. November 2012



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"Nun, niemand schaut nach Hollywood, um einen Kommentar zu gesellschaftlichen Ereignissen zu bekommen, oder? ... Sie haben erst kürzlich entdeckt, dass es Menschen mit dunkler Hautfarbe auf der Welt gibt."

Schauspieler Ian McKellen

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